Samstag, 15. September 2007

PHI Hihihihi

Anmerkung: Diese Dinge wurden geschrieben innerhalb einiger Tage am Beginn eines
erzwungenen Aufenthaltes in der geschlossenen Abteilung eines Nervenkrankenhauses,
wo ich unter der präposterösen Behauptung einer ernsten Geisteskrankheit eingesperrt
war (und bin, dreieinhalb Jahre danach). Es hatte sich dort gefunden eine "Kleine
Philosophiegeschichte" eines Professor Hirschberger, und man war so gut, mir viel
Papier zum Schreiben zu geben. Im Übrigen hatte ich lebhafte Erinnerungen aus meiner
lebens- und weltlustigen Zeit gerade zuvor. Wie die intellektuelle Modulation zeigt,
ging es mir zu der Zeit geistig ausgesprochen gut. Ein (junger) Arzt zeigte Interesse
für diese Schriften, 'um zu ergründen, wie ich denke'. Nun, was das angeht, ist eigentlich alles klar: mein Denken ist elastisch und konsequent wie eine bewegte Wasseroberfläche.
Die Dinge, um die es dabei geht, die Philosophie als weite Realität, wird ihn wohl nicht interessiert haben; on est borné, monsieur, c'est ça. Mir jedenfalls hat das Denken, Schreiben und Wiederlesen während dieser Abschrift wirklich Vergnügen bereitet.
Ich bin so frei, dies auch jedem eventuellen Leser zu gönnen und zu wünschen.
Bis auf Weiteres...


phi











PHI Hi hihi
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Plankton - Saatkörner (Embryos) ~ Maden, Puppen. Latenzschicht
des Lebens oberhalb des ewig quellenden Zellenherdes. Der Griesbrei
des Schlaraffenlandes: ein guter Teil dieser Biomasse geht drauf als
Futter für andere Tierarten oder vergeht im Frost usw. Die sittlich völlig
glasäugig gewordenen Menschen meinen wirklich, sich von der fuddel-
fingrigen Debatte um Stammzellen nicht wegwenden zu können
(wo doch ein nichtmal verächtliches Schulterzucken und Weggehen
das Einzige sind), weil das mit diesem Bannhorizont zu tun hat:
Stammzellen sind fast unsterblich, in Stasis wie Saatkörner und Puppen. Daraus erwachsene, geborene und somit dem Geschick ausgesetzte,
sicher sterbliche Menschen sind, verhältig dazu, Mißgewächse,
so wie aus der Puppe gewachsene Insekten nur ihre
gratig so oder so geratene Existenzform leben können.
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"Adamantisse"...
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Aristoteles will LEHREN.
Sokrates gibt zu bedenken.
Platon: zeigt.
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Der Papst mag hingehen, die Erde küssen, wo immer ihm eine
vor die Füße kommt. Eh! Ich habe hier eine Erde, die MICH küßt,
und Du glaubst wohl nicht, daß ich so einfach davonginge von ihr?!
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"Dreck in der Alchemie"...
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Nirwana: nichts als die Auflösung des allzu Aktuellen. Wo ein Mensch
nicht ist, der Dich Dir wiedergibt - das Nirwana gibt Dich Dir wieder,
vollkommen, in Deiner ganzen Wahrheit. Sprich, tanz, denk und atme
in ihm - nichts wird Dich wahrer sein lassen, und um so mehr wirst Du
zu Dir selber, zu dem (Idee), was Du wahrhaft sein wirst, usw.
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Nichtseins-Schwankungsbreite...


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Um Leibnizens prästabilierte Harmonie richtig abzubekommen in dem
Aspekt, daß sie gegeben ist in der Repräsentation aller Monaden sonst
in jeder einzelnen, sei vielleicht daran erinnert, daß man sich zu seiner
Zeit gerade mit den Feinheiten der Planetenbewegungen bekanntmachte
und vielleicht schon das mathematische & instrumentale Richtzeug
beieinander hatte, womit man konnte aus den Unregelmäßigkeiten der
Planetenbewegungen später die weiteren Planeten errechnen. Das ist
zwar noch eine Weile hin, aber man beobachtete und maß die Planeten
schon sorgsam und hatte wohl auch einen Begriff dafür, wie sie einander gegenseitig beeinflussen. Das aber ist ein Urmuster der Repräsentation
aller übrigen Monaden in der jeweiligen einen, besonderen. Das belebt
ja auch die Reflexion sehr, zu bedenken nicht nur, wie die Planeten
zur Erde (und Sonne) hin sich befinden, sondern auch, wie sie einander
erscheinen. Mit solchen Seitenblicken ist vielleicht Leibnizens wonniger,
wie nachtklarer Geisteshumor ein wenig zu erklären. Zwischen den
Planeten ist so viel Raum, und doch immer was darin los!
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Platon als Abkömmling der ursprünglichen Landhalter des Bodens, wo
nun Athen steht: bezeichnend eben die Geste, womit er den Philosophen
ein schön gelegenes Stück Land vermacht, den Platz der Akademie
fürderhin. Das ist der Schlußstein der Gesten des Hingebens
an Dazugekommene.
Aristoteles macht eigentlich nicht beste Wirkung im schon so weit
urbanisierten Athen, sondern viel später, im nachrömischen Italien der
dortigen Poleis, der autonomen, politisch regen Landstädte. Die Laune
im aristotelischen Meinen gleicht sehr dem nüchternen Geist solch stadt-
bürgerlicher Gegenden an Morgenden, wenn von Tau und leichtestem Regen
aus der Nacht, vom Meer her, Alles diese gewisse atmende Feuchte auf
sich hat (Thales) - auf dem Balkan ist das auch so. Und in Frankreich.
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Thales, also: Das Wasser, als Element, aus (eher: mit) dem Alles ist,
ist ein WESEN, das alles Entstehende, besonders das Lebende,
zusammenträgt. Das stimmt doch so!
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Empedokles: Die Elemente als Begriff muß man nur weiter fassen, dann
stimmt alles: Feuer die Bindekraft der Atome, Elektrik etc. Festes die
solidifizierte Materie, also schon die Atome, das, was so bleibt, wie's ist,

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so, wie ein atmender und metabolierender Leib doch seine aggregate
Dauer und Solidität hat. Wasser: die im dynamisch-statischen Weltprozeß
sich wie fließend, wallend ereignenden Effekte: Wasserfluß, Winddruck
(Wolken), Magnetik, Schwerkraft. Luft: Evaporation jeder Art, Quantik,
Wärmestrahlung. Später kommt noch hinzu der Äther, welcher gut
verdeutlicht ist mit der relativistischen Dimension wie in der Mitte der Sonne,
in der Perihelverzögerung des Merkur, oder vielleicht in der Staffelung
der atomar-relativistischen, physikalisch-chemischen, organischen usw. Funktionsklassen, deren Vergleichbarkeit eben nicht nur analog sein muß.
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Um die Philosophie auf die Beine zu stellen, darf nie Heraklit außer Acht
gelassen werden und wie sein bestes Argument von Platon entwickelt
wird. Der König / der Aristokrat - dessen Leuten wahrscheinlich für lange
das artemisisch freie Land gehörte, worauf dann Athen weitgehend erbaut
und bewirtschaftet wurde. Für die damit nachgekommene Schicht von
Menschen und Werken legt Aristoteles sich ins Zeug. Es ist zu sehen,
wie bei diesem der ganze feine Witz und die Seele des Sokrates
sollen umsonst (vergebens) gewesen sein.
Heraklit, ein wichtiges Moment, das nur aus seiner Lebensfigur (Königs-
sohn) zu ersehen ist: zur Episteme gehört dazu die Verhaltung in sich,
das Standnehmen gegenüber der Wirklichkeit, wie furchtlos aus einer
Schlachtordnung hervorgeschaut. Damit die Metaphorik der Gegensätz-
lichkeit (die Logik von Logos und Pneuma). Der Erkennende sieht sich ja
auch durch die Differenz seiner eigenen Stellung zum unmittelbaren
physischen Kosmos in einer eher ziehenden als treibenden Spannung, und
dieser muß er nicht nur standhalten, sondern sein besseres, allgemeineres Wissen dazu (die Episteme eben) zum Tragen bringen. Das ist der Geist
der Könige. Er gewinnt diese Souveränität jeder Situation gegenüber durch
Standnehmen, und mit diesem beginnt die Schau, welche sich in der
platonischen Lehre verdeutlicht. Kurz gesagt (und das reicht für einen
weiten Blick durch alle Philosophie seither) illuminiert diese das Standnehmen
nicht nur einer widrigen Welt gegenüber, sondern in dem Horizont der
jeweils eigentümlichen Zeitlichkeit dem Ewigen gegenüber und was jenseits
dessen noch sein sollte. "Eidos" ist damit die jeder geläuterten Erkenntnis
jederzeit während ihrer Existenz mögliche Selbstwahrnehmung wie im
fernen Auge Gottes (gespiegelt). Andere, christlichere Philosophen
verbrauchen sich in Erörterungen, wie man im Auge Gottes GESEHEN ist -
das ist ganz etwas Anderes, tendiert zu phantastischem Raisonnement,
zur logikimmanenten Spekulation.

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Hobbes / Nietzsche / Tibetaner: die Gewahrheit allgemeiner, ewig gleicher,
in den nicht unmittelbar einfach materialisierten Instanzen nur meinbarer
ideeller ( ) Verhalte verdeutlicht sich natürlich, indem das Gesetz oder die
Idee des Meinbaren in vielen diffus voneinander verschiedenen Ereignungen spürbar wird. Das ist die wirklich große Sache am Konzept der Ewigen
Wiederkehr, indem damit zwanglos bislang unerkannte Phänomene oder
Phänomenkonglomerate dem freien Erkennen zugänglich werden. Die
Tibetaner kennen diese Erkenntnisform des Dämmerns remoter Wesens-
formen schon sehr lange (Totenbuch) (aber das ist nicht klar - das entspricht
niedereren, titanischen Wesensformen). Platon warnt vor den Denkfallen
des reinen Meinens in Worten und Begriffen (Philologismus). Das Erste
an aller Philosophie und damit phasengleicher Geistigkeit ist das Erkennen
des Erkennenden selber, das von Anderen (den Worten auch) gelenkt wer-
den kann, aber nicht bestimmt. Die Philologoi aber schmecken zu gerne
an Begriffen herum, die ihnen schon gegeben sind, oder verlaufen sich
logisch in Widersprüche aus schon bestehenden Lehren und Argumenten,
die zu ihrer eigenen und besten, oft sehr einfachen Wahrnehmung, dem,
was sie sprechen macht und zu wirklichen Philosophen, gar nicht dazu-
gehören: logischer Aberwitz, logischer Aberglauben. An Platon, dem
Bodhissatva der ganzen Zunft, ist leicht zu spüren diese wissende Ironie,
mit der er die Anderen warnt vor den Mißverständlichkeiten des Nurdenkens,
Nurmeinens, der Verdeutbarkeit der Schrift usw. und daraufhin selber ihnen
Themen und Wendungen anbietet, in die sie sich dann auch unweigerlich
verbeißen, angefangen mit Aristoteles. Denn die Welt wird ja ohnehin
weitergehen, und dafür kann man ihnen zu tun geben, so wie man einem Hund
den Pantoffel zum Knabbern läßt. Es entsteht darüber ja auch gelegentlich
wirklich hoher, klarer Geist wieder, indem daß spätere, ebenso unmittelbare
und originale Geister sich zwar vom Herkömmlichen weisen lassen, aber
mit eben solch rein klarer Eigenerkenntnis wie Platon in das beste Recht
des Philosophen treten. Diese Geister sind in der Philosophiegeschichte
sofort zu erkennen. Selbst in den entstelltesten Darlegungen ihrer Weis-
heiten ist das sofort zu sehen. Platon mit seiner divinen Ironie befindet sich
zum weiteren Sein und Werken der Philosophie ähnlich souverän wie
Buddha, wo er im zeitlichen Schatten der Welt jenseits seines künftigen
Verbrennungs-Scheiterhaufens alles, was je atmen und leben, metabolische
Waberlohe sein wird, in seiner ewigen Schau damit in eines sieht.
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Platon, die Tugend etc. Ganz einfach gefragt (bei gewöhnlichen Menschen
muß sokratisches Fragen mithelfen): was ist die Idee Deines Lebens,

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Deines Daseins, was kann der Inbegriff dessen sein! Was über die Ideen
als die absolute Erscheinungsform jeden Dinges und Wesens erläutert wird,
soll eigentlich nur den Sinn klären dafür, was man dafür halten kann, die
Idee des eigenen Daseins und Lebens, fügt aber zugleich eine Dimension
dazu, jene nämlich, in der alle Wesen und Dinge so absolut gegenwärtig
sind als Ideen. Dort wird sich wohl dann auch die Idee mitbefinden, welche
der Mensch selber als die seines Daseins, seines Wesens gewärtigen kann.
So viele Denker sind dann so vollkommen damit okkupiert, das Selbst-Sein
in irgend einem solchen Sinne sich und Anderen zu verdeutlichen, daß
ihnen die Perspektive einfriert auf das, was einzig der Mensch, das solche
Subjekt, an der Welt sinnhaft erkennen kann, und das ist doch (die Kirche
fand, aus dem antiken Geist, wunderbare Gleichnisse für solche Verhalte,
als Daseins- und Organisationsformen), das ist doch reine Armut! So vieles
in der Welt der Ewigkeiten existiert OHNE den Sinn des Menschen, mit
keinem bißchen Hinsicht auf ihn, außer, daß es eben mit Sicherheit geradeso existent sein wird. Und der Sinn der Schöpfung (mit diesem Wort) wäre
hinsichtlich all dessen ein solcher, daß diese ungeheure Menge der Dinge
im Kosmos sich & alles im All in dem allgemeinen Gleichgewicht erhält,
bei dem ein Sonnensystem, ein Planet Erde in ihm, Leben auf diesem und
Erkenntnis in demselben möglich sind. Wo es aber dazu kommt, daß die
Erkenntnis ihrer mit all dem inne wird, da zeigt sich Wahrheit, welche dem
Ganzen eine Qualität hinzufügt, und diese Wahrheit illuminiert sich mittels
der Idee, der Ideen. Dies zu haben aber kann einen wieder täuschen,
blenden, wenn man meint, damit das All in SEINER Weise zu haben. Wie zu
bemerken war: eher, daß der Mensch die Tugend könne, muß die Tugend
IHN können - das gilt auch und bestimmt für die Wahrheit, den Sinn damit.
Vieles kannst Du Menschen sagen, die nicht schauen. Sinn ist nur eine sehr vordergründige Form des Wahren, hat nur dann wirklichen Wert, wenn er
die Sinne erschließt für reines, ungefaßtes Gewahrsein (Nirwana). Dort
HÖRT sich, was bei Heraklit zu Recht Logos heißt, das Wort, das sich
selber spricht als der Sinn des Alls, der dem Menschen (und jedem Wesen)
zu erkennen wirklich zukommt. "Sein" aber ist der Zustand, in dem Alles
miteinander sich so absolut, d.h. real im reinsten Sinne, befindet.
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"Urbilder" - also: Wesen befinden sich, an sich, immer in diesem Horizont
eigensten Seins im allgemeinsten Seins-Horizont. Es läßt sich aus einzel-
nen Momenten dieses zeitlich ausgedehnten Verhaltes nicht unbedingt
bestimmen, auch aus Gründen nur bedingter Wahrnehmung durch Andere
oder in Reflexion auf sich selbst, wie sehr der Mensch / das Wesen der

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wirklichen Wesensgestalt, die ja eine integrale ist über Zeit und Mitzustände seiner Welt, entspricht. Aber das Ephemere ist ohnehin bestenfalls so etwas
wie Kontrastmittel. Jeder Mensch / jedes Tier hat doch, wo er / es die Welt
für gut gelten lassen kann, diese unmittelbare Gewiß- und Gewahrheit, zu
sein, was er (es) sein kann in einer Welt, für deren Dinge dasselbe gilt. Das
ist geistig, unmittelbare Gewahrheit, kein Beweis, oder: nur relativer Verhalt.
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All das Gerede von der Vernunft des Menschen und der Unvernunft der Tiere! Wozu sollen die Tiere dem Menschen vernünftig kommen, solange der Mensch die Tiere nicht mit Vernunft ansieht! Gerade an diesem Mißverhalt läßt sich zeigen, was das Wort "Vernunft" überhaupt heißen will!
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Das ist so herrlich, aus dem großen, überzeitstillen Leib des Mittelmeeres
einfach zu spüren, zu sehen dann, was das ist, wovon Platon so ganz selbstverständlich kündet. Wie in anderen Dingen der Griechenwelt auch,
so fehlt den Bebildeten das Wichtigste, dieses Erleben, was das Meer ist,
das in seinem großen Leib das allzu Unmittelbare (Klima des Tages, der
Saison) wie in einem Göttergemüt sich ausgleicht, mit einem Zeitsinn weit
über geschichtliches Tun hinaus, und Jeder dort ATMET solchen Geist!
Das füllt seine Seele mit Weltatem daher, und der Sinn erkennt, ohne Mühe.
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Epigrammatische Interpunktationen...
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Es sind die allerwinzigsten, nur seltersbläschengroßen Rülpserchen,
die den ganzen Leib wachkriegen bis ins äußerste Gehirn. Die anderen,
wie billig, entlüften nur den Bauch.
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Der allumfassende Daseinssinn der Streichel-Einheitsweltler...
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Das Parfum des Absoluten...
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Wer sprachliche Ereignung nur erleben kann im Dialog, der ist wahrlich
nicht zu beneiden. Richtig arm dran aber sind die intellektuellen Moderatoren,

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die immer nur, in sich, Dialog stiften wollen zwischen Geistern, deren
Eines und Anderes sie gar nicht sind, nicht sein können. Manche Literaten
leben davon, solche armen Bildungsgeister zu persiflieren...
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Ja ja. Anthropen haben schon ein Verhältnis zu jedem Ding in ihrer Welt!!
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Seinwollen, Durst nach Dasein (Tibeter): manche Menschen sind
einfach zwanglos Intellekt; andere können sich nur verstehen als Dämon.
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...was den Barbarengeist unterhält, das ist das Zweite Gesicht oder die
Andere Vernunft. Das ist nichts besonders Geistiges - er schaut eben gern
in Dingen, die er wahrnimmt, und hört in dem, was er vernimmt, nach
zweitem Sinn. Davon lebt eine ganze Folklore unechten Aberglaubens, und
die Psychologen, die Psychoanalytiker haben diese Erwartungen fein bedient:
Bücher, die einem darin etwas erzählen, sind tolle Hortschätze, solcher
Pseudogeist ist immens geschätzt, wird sehr gelobt, besonders, wenn man
sich per Geheimtip damit irgendwo im Wünschenswerten intimisieren kann.
Für mich darf das nur so aussehen, daß ein gereizter Barbarengeist mir dauernd hinterherfragt: wat will der! Besonders, wenn ich eben gar nichts
will, mich nur halbwegs wohlbefinde und keines meiner Worte, keine meiner
Gesten irgendetwas anderes meinen als, was sie ganz offensichtlich sind.
ICH hab keine Meinung damit, und was meine Gesten im weiteren All der
gewöhnlichen und höheren Dinge bedeuten, das ist mir nur gerade so
bewußt, und unterscheidet sich im Prinzip nicht vom Schatten jeder anderen
Geste, jedes anderen Menschen oder Tieres. Ich bin nur wach, mehr nicht.
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"Hier: das wirst Du sofort sein!!" (z.B.: die Drei Versuchungen)
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Affen wissen zwar die Augendeckel über die Augen zu senken und zu
blinzeln, aber Affen reiben sich die Augen nicht. Das heißt: die Weltschau
des Affen ist wie manisch-einphasig; da geschieht keine Reflexion. Dort ist
immer alles so selbstverständlich, wie's sowieso ist, und der Affe (Makake,
Primat) befindet sich selber so fraglos selbstverständlich - wie's sein
GESICHT ist. Nur der Mensch reibt sich die Augen (und manche Felltiere
wischen und putzen sich das Gesicht, oder: Kühe lecken einander das Fell

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zurecht, ziehen einander so die empfindende Seele in Ordnung), arbeitet
sich (gewöhnlich mit den Knöcheln der Hand-Außenseite) eine Gegen-
Mitempfindung des Begreifens dort ins Gesicht, wo die Augen selber und
die Muskulatur umher, die das Erschauen aktiv und bestimmend mitformt
(das visuelle Meinen), unmittelbar ineinander übergehen. Eine extreme Form
eines Nicht-Verhaltes dieser selben Sache ist der Zustand, wenn Boxer,
manisch aufgepulvert durch die Anstrengung, den Überschuß an Noradrenalin
im Körper, sich die (starren) Augen eben NICHT bedecken und reiben,
sondern mit klammen Armen diese vor allem nur vorhaltend schützen,
wo zugleich Jeder versucht, dem Anderen Schläge aufs Gesicht, die Augen-
gegend usw. zu verpassen. Das Boxen hat seinen Namen daher und wurde erfunden in Chicago, wo Schlachthofarbeiter in den Pferchen (= Boxen)
solche Faustkämpfe miteinander ausfochten (ältere Formen des rituellen
Faustkampfes seien hierbei außer Acht, weil da keine direkte Tradition ist
mit modernem Schauboxen). In gewisser Weise kann man in dieser
massiven Wendung der Gegner aufeinander noch ein physisch verhärtetes
Abbild erkennen dessen, wie Kühe, Rinder einander die Wahrnehmung
richten einmal durch Hornstöße, dann aber auch durch das Einander-
Zurechtlecken. Dieser Reiz wirkt sehr bestimmend in die Wahrnehmung
der so traktierten Kuh hinein, formt unmittelbar und aktiv daran mit,
wie sie sich fühlt, wie sie die Welt unmittelbar sieht.
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Descartes...daher z.B. die methodische Negativität im Positivismus...
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Platon: Narzissos spiegelt sich, ewiger Moment, über alle Zeit hinweg
im Auge Gottes...(eidos)

(Eckart der klare Paniker: aber Gottes Auge ist in jedem Tautropfen!)
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Von S.'s Tyrannei der Nähe, logischer Fortgang zum Dämon der Unmittel-
barkeit. Das hat Dimensionen, beginnend mit den Instanzen (Atomik,
Chemie usw.) des seienden Existierens aller Phänomene der Materie,
das Ausgesetztsein also, wie es sich bei Heidegger sprachlich, doch fraglich ob in direkt solcher Meinung, artikuliert. Was ist, ist in sich unmittelbar,
damit auch unmittelbar zu allem Mit- und sogar Nichtexistenten (Monade /
Etre et Neant). Existenz ist in sich akut. Ein dem Menschengeist näherer Aspekt ist die vor allem bei Idealisten gutgesehene unmittelbare

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Selbstgewißheit des Erkennens, Abbild eben der absoluten Ausgesetzheit
an das All des Mitexistenten, wozu glücklicherweise die weitere Zeit gehört,
in welcher das Aktuale, Momentane ja nur Existenz-Cursor hat. Man kann
nicht sagen, daß der Aktualpunkt einen Vektor in der Zeit habe, so wenig
man sagen kann, die Drehung des Rades forme in sich schon einen Vektor längs eines Weges. Die divinste Selbstgewißheit ist die seit und mit Platon
in der Philosophia mehr oder weniger mitbewußte ideale (bodhissatvische) Selbstbefindung: gelassen, heiter, sehend (eidos), im guten Born seines weitesten Lebenshorizontes, mit Blick und Haltung zum fernsten Zeithorizont (wozu die Möglichkeit, wie in Athen von Hügeln sowohl über die Menschen-stadt als auch Berge und Meerhorizont ins All zu schauen, sehr förderlich ist - an einem solchen Platz ist das Landstück, worauf die Akademie entstand),
die Befindung, wo das Pneuma der Welt am zwanglosesten, und klar bis in die
Tiefen des Alls, zu Atem und Pneuma des so gelassen Selbstseienden wird.
Welche Befindung wäre natürlicher; was sonst könnte man als gut, ohne
weiteres Attribut, bezeichnen! Die davon sich weiter entwickelnde Philo-
sophiegeschichte, weniger eine Ideen- als eine Gedankengeschichte,
taugt leicht dazu, die daher minderen Grade solcher idealen Befindung
des Selbst zu illustrieren. Sokrates zuvor hatte den Daimon hinzugebracht,
berichtet ja von ihm, daß er ihm jeden Morgen, wenn er selbst auf die Straße kommt, zutritt und ihn in Anspruch nimmt (Geist der Hekate) (dazu wieder: Sokrates entlarvt Trivia als das, was sie sind). Das Wesen des Daimon oder
des Dämonischen ist in sich das der Unmittelbarkeit, in direkter oder nur mählich merkbarer Widrigkeit. Dieser Daimon ist alt wie das Leben, wirkt
im Widerspruch des materialen Substrats zum sich selbst ereignenden
Leben der Zelle, im Zugriff des Fressenden auf das zu Fressende, in weiterer
logischer Konsequenz der damit konstituenten Vergänglichkeit bei der
Paarung, Zeugung und Geburt. Das geschieht in einer gewissen
Unempfindlichkeit für das Unterlegene und Erduldende.
Bezeichnender Aspekt für die Wahrnehmung des Daimon: an dem Tag,
wo in der Stadt das Gericht Stand nimmt, dem Sokrates den Garaus
zu machen, erscheint ihm der Daimon nicht selber, macht sich also offenbar Gestalt und Gewalt in dem Kollektiv, das sich das Recht und Mittel zuspricht, ihn zu verurteilen und zu töten, also wiederum die allgemeinste und totalste Aktuation zu bewirken, die einem lebenden, damit erkennenden Wesen begegnen kann. Platon selber findet seinen Daimon solche Art in Dionysios, der ihm die Aktuation eher als die Nötigung beibringt, seinen Aufenthalt
nicht frei nehmen zu können. Auch zeigt sich die Dämonität der Unmittelbarkeit in der Episode, wo Dionysios sein Wort gegeben hat, einen Gegner nicht zu verfolgen, aber weiß sich nächstentags schon nicht mehr hinzu. Der dunkle

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Zorn, der Platon selber ob seiner Mahnung deswegen trifft, ist ein Reflex
des Dämonischeren, Dionysios, darauf, daß nun eben Platon zu aktuieren,
auf ihn einzuwirken trachtet. Dort erscheint als Paradox zugespitzt das
Dilemma des Platon, welches sonst eher als milde Groteske merkbar ist,
indem er, schon zu sehr aus seine wahrsten (aristokratisch-artemisischen) Gründen, mit dem so allgemein gewordenen Zustand kollektiven Menschen-
daseins in der entstandenen Stadt ins Argument kommt. Wo er, mit Sokrates als Menschenkenner zur Seite, das Treiben des Menschenwesens, wie
im "Staat", nur beschreibt und kommentiert, und da, wo er aus der besten,
kräftigsten Weltzeit der ursprünglichen Griechenexpansion das über lange
Wohlerkannte und Geahnte kolportiert und auf seine Weise illuminiert, ist
er in seinen besten Gründen, und mit Blick auf seine Bodhissatva-Statur
vor und über aller Zeit (in Indien tauchte das einige Zeit später wieder auf
in der Figur Šankaras), läßt sich vieles geradezu entwerten, was Spätere
über die Idee und das Gute (vor allem) bemerkt haben, indem ethisches
Geheck davon wird im nicht mehr so Unvermittelten, der Dämon
des Unmittelbaren also mechanischer und blinder zur Geltung kommt.
Die Idealsituation ethischen Ergründens ist eben die, in welcher Platon wahrgenommen wird: gesetzt, ein wacher, wahrhafter, gesunder Mensch
befinde sich so wohl, daß ihn nichts unmittelbar treibt, lockt oder nötigt -
was wird ihm einfallen können, mit der Welt, die ihn so in seiner Individua-
lität wohlbehalten bei sich läßt, zu beginnen oder mit Blick auf weitere Welt-
Aktualzeit, Lebenshorizont usw. anzurichten! Alles, was das Gute, das Ideale, das Wahre, Ethische, auch Notwendige erörtert, sollte nicht nur von dieser Warte her ausgehen, sondern sich immer wieder darauf einfinden: das
Thema des Sabbath, des Sonntags. Platon an sich, als die unvergleichliche
geistige Gestalt, lebt am besten von dieser still göttlichen Ironie, womit er denen nahe ihm, vor allem Aristoteles, besser und feiner aber noch Dritten,
die ihn, Jenen und alle nach ihnen, in einem Blick haben werden, kleine Merkworte gibt, damit das später oft allzu Relative richtig zu situieren. So
ist schnell klar, daß Aristoteles eben nicht mit Platon in einen Rang gehört, sondern: Platon gehört zum ursprünglichen, reinen Land, Aristoteles
zu der Stadt, die darauf entsteht und deren Menschheit. Das sind Welten,
fern voneinander, im selben Grund. Platon zeigt darin feinsten
artemisischen Geist, die göttliche Ironie der Gazelle.
Der Dämon ist natürlich eine urtümlichere Sache, als es in dieser gar nicht
mehr so archaischen Weltzeit der klassischen Griechen sich verdeutlicht.
(Damit eben die charakteristische Wendung vom nur Anthropischen der
archaischen und atavistischen Zeiten zum elementar Humanen, das sich
begrifflich verdeutlicht im Thema des Guten, wie einverständige Menschen

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es mit- und ineinander erkennen, sowie in der Weltsicht, die Jeder in selbem
Sinn für's Wahre, für's Gute so vor sich hält wie jeder Andere - die befinden
sich dabei elementar so wie die Kuh, welche einer anderen völlig neidlos,
aber sinnlich interessiert, zuschaut, wie die etwas Gutes, meist ein wenig
Ungewöhnliches, ißt, schmeckt da auf dem Atem mit, irgendwie hingerissen, fassungslos.) (Was Eudämonie nämlich am ehesten heißt.)
Der Daimon hat eine Urgestalt, eine allgemeine, in der Befindung einfacher, miteinander alleingelassener Pueblovölker; die aneinander nicht vorbei-
könnenden und gewissermaßen einander verfallenen Menschen unterhalten
da Meinungen, ein Wesen, das betreffend, was sie von Jedem, egal wer's ist,
aber eher vom Fremden, aktuieren können (das Fremde entspricht ja am ehesten der Daimonform, die schon den einfachsten Lebewesen das
gelassne Leben benehmen kann) - elementar anthrop sind dabei die Ur-
Gestenerwartungen des Sittlichen: was die Frau vom Mann erwarten kann,
der Mann von der Frau, und für allgemeinsten, noch völlig weltlosen Horizont,
das Kind von der Mutter, das Individuum von der Horde und diese von ihm.
Das ist der horizont- und weltlose, als matriarchalisch meist charakterisierte
Zustand zeitloser Vordergründigkeit einfacher, statisch lebender Völker,
die keine exemplarische Sitte haben (so wie Dionysios nicht versteht, was
Platon mit der objektiven Geltung des Versprechens meint), und wo das
Meinen eben dämonisch zu sich kommt, als Befremden gegenüber unver-
standener Differenz, raubt, plündert, schändet, benutzt einfach, was ihm widrig erscheint, aber nur dort, wo es selber nicht aus seinen nächsten Horizonten
wissen muß. Diese Unmittelbarkeit des Niederträchtigen (da also, wo nie
etwas weit vom leiblichen und örtlichen Platz seiner Geburt fortgeht, wo
alles unter dem bleibt, wovon es ausgetragen wurde) zeigt sich immer wieder
dann, wenn die unmittelbar daraus entstehende, immer noch hordenhafte
Antithese, das archaische Kriegertum, solche Plätze (Aktuation als Schlacht
im personlosen Daimon des Krieges) überwältigt und gründlich heimsucht.
Diese Horden-Pueblo-Existenzform ist steinzeitlich, sicher mit Garten-
herden- und Getreidewirtschaft verbunden, und findet sich so vor allem
in Kleinasien, im Irak und nach Indien hin. Es hat sich später erwiesen,
daß dieses Muster dämonischer Dekadenz und wüster, vernichtender
Überwältigung auch ganze Weltreiche (Byzanz) erledigen kann, in einem
dialektischen Prozeß, bei dem nicht einfach dieser oder jener Charakter
(dämonische Dekadenz, Kriegsfurie) konnte dieser oder jener Partei zu
gesprochen werden. Die Troja-Sage gehört wohl exemplarisch in dieses Bild, als Schmuckblatt. Die Griechen selber hatten Glück, indem sie auf Inseln
relativ sichere, für die Sinne weltoffene Siedlungen unterhalten konnten,
vor räudigem Geläuf soweit sicher, wo die Elemente (Meer, Himmel, panische

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Natur) die Menschen bei tätiger Vernunft hielten. Daher die Sage von Kybris
(Zypern, als großes Exemplar des Themas) der schaumgeborenen, das
heißt: die fast ebenso wie Platon so gelassen in ihren Horizonten lebende,
daher schöne Frau der Inseln, wo sie in Bergen und Triften (sie STEIGT
aus dem Meer) weit genug konnte vom Alltagsverkehr an den Ufern weg,
und dort weilen. Von Athen her hat man viele dieser Inseln im Blick, die da
im ionischen Meer liegen wie die zersprengten Stücke einer Hälfte eines
Vollrund-Amphitheaters, dessen Gegenhälfte Athen selber ist. Auf Kreta
wurde eine der frühesten und lieblichsten solcher Frauengeist-Kulturen von den Achäern vernichtet zu einer Zeit, als die griechische Expansion begann
und damit Welt in die allgemeinen Siedlungsbilder kam. Von da an verlor
der ursprüngliche Dämonismus an Geltung, wurde durch eine lichtere,
feinere, edle Dämonie, die der Titanen und Götter, überwunden. Die damit
klug gewordene Ur-Dämonologie, die bei Fischern und Jägern ohnehin eine
ziemlich andere Gestalt hatte, immer schon den reineren und wahreren
Tier-Weltgeistern zugewandt, blieb aber als Schatten dabei, vor allem in den Formen der Titanen- und Zaubergöttin Hekate, der Schicksals- und Rache-göttinnen usw. Der Daimon des Sokrates ist eben auch zur Erinnerung, daß
er den sterblichen und leidensfähigen Menschen gewöhnlich näher ist, als
es die Götter sind. Was Platon mit dem "Guten" besagt, sieht sich vielleicht
mit dem wohl allgemeinen Bemerken weltbefahrener Griechen, die Fremdes und Eigenes gleichermaßen kennen und zu sagen verstehen: es ist gut;
man sieht, wie es sonst ist.
Wichtigstes Merkmal des Dämons an sich, sowieso, ist seine Unmittelbarkeit, wobei diese nicht vordergründig und akut sein muß - so ist er nur im Haß,
in der Psychose, in der Furie, in Leid und Tod, und natürlich in allen
minderen Formen unmittelbarer Nötigung, seien diese leiblich, seelisch
oder geistig. Im Besonderen gar jenseits aller unmittelbaren Eigenerfahrung, welcher mögliche Verhalt sich Argument und Beispiel macht in Reflexionen darüber, wie unmöglich, im direkten und im quasi moralischen Sinne, es ist, einen Grund für die Existenz seiner selber, bestimmter fundamentaler Verhalte usw. zu finden, welchselbes Argument sich in den Wendungen absurder Literatur usw. auf kommunen letzten Grund gebracht hat.
An sich sieht das noch aus wie eine gallige Platonik, womit gewöhnliche
Menschen sollen wie hieroglyphisch ermuntert werden, diese nun
statischen, nur eigentlich mit der Zeit selber spielenden Aktuationen wie eine
Regel zu nehmen, damit ihre eigenen, aktuell so nutzlosen Daseinsmomente, manchmal, als lesbare Chiffre des Seins an sich aufzufassen, das einen
eben angeht und einem innewird wie reine, etwas gratig verhaltene, sowohl
Lebens- wie Weltzeit - dort leitet sich das Existenzerleben solcherart nicht

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mehr wie in Kalendern, Projekten, Epochen usw., von einem äußeren Maß-
punkt und Maßstab her. Das ist ja schon die halbe Idee, und auch Dialoge
setzen immer einen Anderen voraus, der den Rest der Idee schon beibringen wird, so oder so. Dieses Raisonnement über die Unerkennbarkeit des
Seinsgrundes ist also eher anzeichenhaft zu nehmen für eine Meinung,
daß Pein, Leid usw., die Nötigung des Dämons im Ganzen, nur Merkpunkte
sind und auf einen viel totaleren Verhalt reflektieren, ontologisch und
jenseits des Erkennens, auch der Erkenntnis des Guten, im Guten. Damit
die gelegentlichen Höllenmachereien, beispielsweise des völkermordenden
Faschismus, und früher: die Pessimistik der Gnostiker, die schwarze Bosheit im Dualismus der Weltgeister bei den Persern usw. - einfachen, phäno-
menalistisch fixierten Geistern illustriert man diese Dimension als die Hölle.
Das Böse ist immer ursprünglicher und absoluter als jedes bedingt Seiende
(was ein anderes Wort ist für: das Lebende, das absolut bedingt ist in den
Modalitäten seines materialen Substrats - das MUSS so stimmen, sonst
ist es alles, aber kein Leben), und seine Absolutheit ist eine solche, daß es
dem Erkennenden (= Lebenden) die Sicht vollkommen benehmen kann auf
alles, das man neben dem oder jenseits des Bösen, welches ja auch nur
in einer ZEIT sich gelten machen kann (wo's Verderben, also Zeitläufigkeit,
bedeutet), jemals dürfte noch an Gutem, zuhöchst und äußerst Gutem,
erwarten oder meinen, zu finden. Darauf reflektiert z.B. die semitische
Erlöseridee. Das meint dort: diesseitige Erlösung, keine Transzendenz.
Daher auch erklärt sich die merkbare Dekadenz und Gemeinheit philosophischen Denkens seit der Aufklärung; politisch-weltreal damit einherkommend das Zerreißen alles gut nur Meinenden (und nur kategorisch die Welt Beurteilenden, aber nicht Erkennenden), Zerfetzen der vordergründig nur eudämonisierenden Gemütlichkeiten soll wohl schärfstens heimtreiben, daß es eben kein Jenseits zu erwarten gibt, sondern immer die Stellung und Befindung Platons die gültige bleibt: gelassen, wach, wahr, vollkommen bei sich im ewigen Moment des reinen Daseins, sich zwanglos befindend in der weitesten Sicht auf das Ewige, und hinzu allenfalls die kleinste Möglichkeit eines Gedankens, daß neben dieser sicheren Aussicht an der Oberfläche
aller Materie, durch alle nur mögliche Zeit, noch etwas ist, VOR dem dies alles
existiert - sonst nichts. Alles Weitere wäre unbillig, und wer sich aus dieser
reinen Schau verliert - den hat der Dämon. Und der frißt ihn, wenn's bunt
wird. Die Philosophiegeschichte spricht dann von vieler guter Arbeit,
besonders mit aristotelischen Werkzeugen, und diese sind ja nun auch nur Aktuatoren. Die logischen Funktionen sind eindeutig wie der Biß eines
Verfolgers in seine Beute - "also!!" So werken sie im Weinberg des Herrn
(der dem Heraklit gehört, nicht dem Platon) und verlieren manchmal die Sicht

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in den Reben, hören einander aber gut usw., und alle paar Generationen
steht wieder mal einer auf, erblickt in guter Seinsruhe die Welt und Schau wie
Platon, nur aus etwas anderer Warte, und die Seele atmet auf - es ist immer
noch wahr, so vergessen es manchmal auch ist. Dann aber, bei Descartes, kommt etwas unerhört Sublimes ans Tragen - es ist eigentlich nur ein
Moment, und jene, die das Gute nur zu besagen meinen, gar jene, die schon längst über dem Sortiment der Ideale die IDEE verloren haben, leugnen
sofort und lebhaft (selbst Descartes selber weiß dann nicht mehr so recht): Descartes hat wirklich Platon selbst verstanden, bemerkt, wie er nur steht
im Licht der Ewigkeit, sich still spiegelnd im fernen Auge Gottes, und alle Spekulation des Mittelalters, wie einen Gott darüber auch ansehe, versiegt
im selben Moment. Ob Gott SIEHT, kann kein zeitliches Wesen wissen,
aber in der Stellung dieser fernsten Ewigkeit gegenüber ist doch, bei allem
Begriff des eidos (nicht eigentlich der Idee, wie sie als als Parole dann weiter-gesprochen wird), EIN Auge zumindest, das diesen Verhalt sieht, nämlich
das des Platon! Das des Selbstes, wie es aus aller reflexhaften und unter-zeitlichen Aktuationswelt in die ewig gültige Haltung sublimsten Erkennens gekommen ist. Eh bien, so sehe ich doch selber, sagt er, und es bleibt
dabei: keine Schwertuerei in logicis wird etwas daran tun: es gibt an Gott
nichts zu beweisen (1.,2.,3. Gebot Mosis), aber daß ein absolut wacher,
klarer Geist sich nach ihm ausschauen kann, spricht doch elementar für sich. Seitdem spätestens ist Frankreich die Heimat des reinen platonischen
Geistes, und dies sich beweisen zu sehen, gelingt noch jeden Tag.

Bei Descartes wohl kommt zur Sprache, der Mensch habe bestimmte und
klare Vorstellungen (Wahrnehmungen), womit einzig eine Philosophie
möglich ist, die ihren Namen verdient, als wie eingeboren. Dieses "inné"
ist wohl am ehesten richtig übersetzt als: inhärent. Gebären, das ist viel zu dramatisch, zu agonisch. So sehr ja endlose Tracht- und Geburtsagonie
mitgewirkt hat an der Gestaltung der Lebewesen, welche unmittelbar und
klar bestimmte, ganze Verhalte des Seins in der Welt erkennen und bedenken
können - so weit voraus vor jedem ähnlich aus dem Gesetz der Welt hervor-
geratenen Tier ist das nicht, und der Verhalt, um den es geht, ist ja viel ein-
facher und absoluter: der Mensch (jedes Wesen) kann nur existieren, sich
seiner bestimmten Existenzform innewerden, insofern er aus Materie besteht.
Dieser Materie aber sind gewisse Qualitäten wie Dauer, Bestimmtheit der
Eigenschaften usw. notwendig inhärent - was solche Qualitäten nicht hat,
ist keine Materie und konstituiert damit auch keine Existenz, sei sie unbelebt
oder aus ihr konglomeriertes Leben. Nichts also ist diesem natürlicher,
als mit diesen elementaren Qualitäten von sich, seinem Materiesubstrat weg,

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auf den Rest der materiellen Welt zu blicken und auch unmittelbar diese Qualitäten, die es in sich, an sich selber spürt, wahrzunehmen. Deswegen
vermutet das Erkennen im sonstwie Objekten ein Sein, so, wie eben im
Selbste ein eigensinnig Erkennendes sich spürt, das offensichtlich nicht
einfach identisch ist mit dem Materiesubstrat, woraus der lebende Leib
besteht - diese Qualität "Sein" als eine nicht nur formale, sondern aus dem
Etwas extra hervorgehend, latent darin gegenwärtig, wird meinbar, weil doch
offenbar die Materie des lebenden Leibes, so, wie er in dieser speziellen Konglomeration der Elemente ist, das Leben und damit das Erkennen
als eine Funktion solcher Materiequalität selber hervorbringt. "Gut" im
platonischen Sinne kann man also nennen ein Etwas, das in seinem objektiv
wahrnehmbaren Zustand dem Erkennen begegnet, als atme das Sein in ihm
hervor bis in die Begrenzungen, so wie das reine Leben in einem stillen Leib,
und bei diesem wieder ist "gut" der Lebens- und Geisteszustand, der in den
Dingen um sich her solcherlei zwanglos und klar erkennen kann. Viele Denker beschäftigen sich daher damit, einfach über diesen Zustand und seine
Bedingungen zu raisonnieren, oft mit stark uneigentlicher Tendenz,
weil es eben solch stilles Erkennen nicht leicht gibt, ohne daß die weitere
Menschenwelt sich, auch halb- und unwissend, dazu versteht, solches Dasein
(mußvoll) zu ermöglichen und zu erlauben. Zudem gilt es, das Erkennen
(die Muße) zu beleben, indem anderes, weniger müßiges Erkennen
mitunterhalten wird.

...das erkennende Wesen geht aus dem Leibsubstrat hervor geradeso, und
prozeßhaft damit identisch, wie aus dem atmenden Atem ein innerer, den
Leib durchfühlender Leibatem wird, der Geist überall zugleich gegenwärtigen Sauerstoffs (Bergsons elan vital, einfachstes Aggregat). Damit entsteht
in Analogie zum Diffusionspneuma des im ganzen Leib eingefilterten Atems
das Konzept des Pneuma als eines Geistes (das, was eben oft als "Idee"
apostrophiert wird), der das Ding so durchgeistet wie der Atemleib den
Festleib. Beweisen läßt sich allenfalls daran, daß einem beseelten Blick
auch die Dinge beseelt erscheinen, diese sich dem Erkennen damit auch anscheinend leichter, bestimmter geben, auch ganzer in ihren nicht erkannten Verhalten zu Anderem gewahrt werden. Damit: Logos. Sodann, weil der latente Atemleib, die Seele, sich ebenmäßiger und lichter empfindet als die akute, unmittelbar ventilierende des Lungenatems, so erscheint einem die Welt
(vor blanken Augen, die nicht direkt schauen) auch so, als schiene hinter, jenseits der unmittelbar sich ereignenden, d.h. mitbefindenden Realität
eine latente, lichtere, der Atemleib, die Seele des Alls. So, wie in den
Erscheinungsphasen des Wirklichen sich Formgesetze eines Aggregates

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oft durch mehrere Ebenen des weithin kausal damit Verbundenen
erkennen lassen, wo sie offensichtlich nicht nur analog sind, hat eine solche
Meinung ziemlich etwas für sich. Der Mensch (das Lebewesen überhaupt)
nimmt zwanglos so wahr - das ist starkes Argument.
Mit Worten und Begriffen läßt sich derlei einmal: erläutern, zum anderen:
skeptisch mindern (so, wie man ein Lebewesen auch um seine Atem
bringen kann), aber nicht herbeireden aus nur logischen Abstrakten.
Erst sehen, dann sprechen. Alles Andere ist, im Prinzip, Vergeudung,
plausible Nervosität.

Der Daimon der Unmittelbarkeit hat natürlich Geist: er weiß die Wesen nicht
nur unmittelbar zu traktieren, sondern richtet ihnen die Meinungen und
Vorstellungen ein wenig zu, mit denen sie denken, sich gut müßig wohl zu
befinden im SINN (nicht Blick - es heißt Eidos, nicht Intellectus!) auf das
Fernste, das Absolute. An sich hilft es dem Blick solcher Art sehr, sich gelegentlich die Geschichte Roms in einer guten Kurzfassung berichten
zu lassen - nichts macht so tief satt, in tiefster Seele, wie dieses einzigartige Bild tausend- und mehrjähriger, hemmungslos wahrer Geschichte. Damit auch:
wer immer nur meint, sich einzig vor der letzten Front einer längst zurückhin vergangenen Geschichte des relativen Nichtseins zu befinden, der befindet
sich dort, wo nicht umsonst der Name "Jüngster Tag", das heißt: letztester
von allen schon vergangenen, darüber geschrieben steht, im Weltgericht
ohne jede Aussicht, im unerlösten Horizont von Leid und Agonie, von nur
erlittener Zeitlichkeit. Das ist eine ewige Dimension, aber nicht die einzige.
Wo Menschen daher meinen, nur in Aktualisationen religiöser Gewohnheiten, mit laienhaft theologischen Meinungen gar, in falscher Selbstwendung
vor doch der rituellen Übung der SCHWEBE aller Zeit sich entwickeln zu
müssen, als Wesen, die nicht einfach gut sind, sondern sich üben stattdessen im gut Meinen, gut Tun, gut Fordern usw., da ist kein Weg, keine Sicht,
schon gar keine Schau. Christenreligion, gerade die römische, macht ihren besten Sinn, wenn sie den Blick zurückweist ins alte Rom, in dessen älteste
Zeit und das dort ursprüngliche Haintempelwesen. Dort ist und von dorther
kommt das Wahrste, was Religion sein kann. Alles Übrige ist wichtige
Fassade zur Akzentuierung des Sinnes für Überzeit. All solche Übung
hat irgendwann und irgendwie begonnen, aus dem Geiste ganz bestimmter
Menschen, aus einer Schau, einem Erkennen und Sinn identisch mit dem,
wovon Platon spricht. Das bleibt zu sehen, sonst hat Religion nicht Herz,
nicht Atem, und damit auch keinen Verstand, keine reine Wahrheit für sich.



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Auch bei Leibniz ist dieses Durcheinander zu finden der Begriffe, die reden
wie reine Erkenntnis, aber sprechen vom Mehrerlei apriorischer Muster.
Auch da ist das Gerede vom Urbildhaften oder was dem entsprechen will
(je nach Jargon des Denkers), bei dem man wissen kann (wenn man nur
schaut), daß derlei aus der mimetisch-gestischen Anempfindung der Stern-
bilder im Nachthimmel kommt. Das kann nichts Anderes sein. Leibniz, sagt
das Buch, verehrt Platon, aber solche Komplimente hießen schon oft, daß
er gar nicht daran denkt, zu sehen, was Jener gewiesen hat. Im Deutschen
fehlt eben meist die Ahnung, die stille, den Geist durchatmende Kraft des Mittelmeeres. Daher stehen die Menschen nicht so frei vor den Horizonten
und sind stärker gebannt - in trockenen Landschaften -
von der Suggestivität der Sterne.
_________

"irgendwas gut gefunden in dieser Welt?" Eudämonische Perspektive
mit Todesgelassenheit (Sokrates), die Frage des Dämons bei der Pforte
der Ewigkeit.
_________

Man soll nicht sagen: das Dasein ist eitel, nichtig. Es ist müßig. Es tut
dem Erkennen nicht gut, in solchen Dingen so abrichtend zu urteilen.
Das Leben kann nur werten, also gut oder widrig finden, im Hinblick auf seine elementarsten Vorurteile, sein eigenes, auch geistiges Existenzinteresse.
Über alles darüber hinaus vermag es nicht, daher versagen dort solche Begriffe. Da ist es müßig, und die Sage vom Weltenrichter am Ende aller
Zeiten, wenn alles, was je existieren will, WIRD gelebt (gewest) haben und
sein Ende gefunden, meint ja nichts Anderes, als daß auch allen sonstigen
zeitlichen Wesen nicht obliegt, das Maß zu bestimmen über die Lebens-
meinungen hinaus, dort eben, wo all Solches nur müßig ist.
Laß Gott richten (Kronos) - Dir ist es müßig. Sorg um Deine Zeit, usw.
_________

Nervend: das Licht der Letzten Wirklichkeit.
_________

Es gibt den Staat und es gibt das Staatswesen, so wie es den Wald gibt und
das Wesen, das Gewese in ihm. Gewöhnlicher Staatsverstand ereignet sich
im Ganzen meist in den Belangen und Gesten des Wesens, also dort,
wo das Staats-Wesen sich in einzelnen Akten und Gewahrungen ereignet.
So sind auch die Selbstdarstellungen des Staates, "an sich", nur statutorische

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und zeremonielle Gesten, die das sonst Banale in hehrer Leere, mit
möglichstem Pathos, exemplarisch ausüben. Der Geschichtsbegriff des
Staats-Wesens ist demgemäß im Ganzen geformt aus der Kompilation
staatswesenhaft ereigneter Ab- und Nachbilder und einem quasirealistischen
Raisonnement damit. Was der Staat selber ist oder sein kann, das zeigt sich
am ehesten, wenn Menschen über diese weiteste Aktualität und Alltäglichkeit des Staatbetreibens einfach sagen: es ist ja Staat, der Staat ist, d.h.
beweist sich damit, aber er ist als Begriff zu all Diesem transzendent,
so wie der Begriff des Gesetzes transzendent ist zu den Instantationen der
verschiedenen Gesetzhaftigkeiten, beispielsweise in den Naturgesetzen, oder
wie die Atmosphäre dieses Planeten in allen Einzelheiten als Wind, Hauch,
Kondensation (...Atem) usw. sich ereignet, aber damit im Weitesten auch das
merkbar wird, was man den Atem der Welt nennen könnte, eine Gewahrheit,
die erfühlt sein will über die Zeiten hinweg, und die zu spüren und zu
wissen eine reine Qualität mehr in jeden Aktualpunkt atmosphärischer
Ereignisse bringt - auch in den Atem der Lebewesen.
_________

Heraklit / das Nirwana: was immer ist oder geschieht, also auch alles, was
der Mensch tut, das geschieht doch nicht nur im Rahmen eines Bewußt-
seins- und Meinungszustandes, sondern es geschieht vor allem im Aggregat der nur wirklichen, d.h. kommentarlos existenten, absoluten Wirklichkeit, vielmehr: der Realität (im Begriff der Wirklichkeit klingt das Verb "wirken"
zu sehr mit, das ist zu interaktiv, zu aktiv). Eine böse ironische Verdeut-
lichung dessen sind seit alther die absichtlichen Aktuationen des unzeitig geschehenden Todes an Tieren und Menschen, in Reduktion auf den
Wirkbegriff, am infamsten in der Mechanistik des Fallbeils (dieses sieht
aus wie eine mechanistische Wiedergabe des Ereignisbildes bestimmter
deutscher Wetterlagen - ein Deutscher hat die Urform des Fallbeils erfunden -
wenn steil von Norden her über die Nordsee (freier Fallweg, Beschleunigung extra durch die Erdrotation) sehr kalte Winde über Westdeutschland
gegen den Klotz der Alpen stürzen, Allem kalt machen). Die Meditation
der Buddhisten legt darauf ab, indem der Mensch durch sie und das Ideom
des Nirwana dazu gehalten wird, sein Bewußtsein aus all seinen Verfängen
im psychischen Meinen auf das, was getan, auch nur gemeint oder fürwahr-
gehalten wird, herauszulösen. Das ist nur die halbe Rechnung. Für ein
waches, tätiges Bewußtsein hilft Heraklit: die Welt, egal wie sie wahrgenom-
men wird (perzeptive Antagonie, Episteme, d.h. Gewahrhabung mit einem SINN) oder mit Absichten repräsentiert, kategorisiert usw., ist vor allem
Eines, nämlich absolutes Ereignis, etwas ganz und gar, immer in jedem

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Ereignis und Sein Absolutes, Einmaliges. Das hilft dem Buddhisten
auf die Beine, da beginnt die Welt immer neu bei einem wissenden Lächeln.
Und jedes Bewußtsein für Wirkliches beginnt wohl am besten damit.
Also wieder (die Mechanisten reiten darauf): die Welt ist Ereignis selbst
in den bewußtesten Akten, ganz im Ereignisrang rein bewußtlosen
Geschehens. Natürlich verliert ein Ereignis, das mit Seelensinn gemeint
und getan ist, seinen sprechenden Sinn für das Bewußtsein Anderer,
die das wahrnehmen, nicht. Besonders interessant ist dieser Verhalt
in sprechenden Artefakten, Bildwerken, Schriften usw. Das will der Satz
des Heraklit sagen: es gibt keine Person.
_________

Schiffbruch jeden philosophischen Seinsversuchs: unvollkommenes
Kategorien-Instrumentarium. (Deutscher Idealismus, diese geniale
Kurpfuscherei) (Bürgerliche Rechtmacherei, "es soll ja so sein!")
_________

Der Staat ist nur der Staat. Die Republik ist der Platz, wo Staat sich ereignet.
Demokratie: was macht Raison!
_________

"Das muß mir schrecklich egal sein"
Für den Hund ist der Mensch
ein Affe mit Prinzip -
so lange der Mensch sich da
nicht besser kennt.
_________

Menschen hier wollen mir, in immer anderen Wendungen der immer
gleichen Sturheit, nur einen Satz beibringen:"Du bist schuld,
daß ich mich schlecht befinde, wo ich Dich wahrnehme!"
Ursache zu sein ganz allgemein genügt da nicht für's Argument. Und kein
Benehmen meinesteils ändert was an des Anderen Befindung. Dies ist auch
nichts Persönliches: Jene befinden sich oft schlecht, bei vielem, das sie
sehen. In Amerika nennt man dieses Unprinzip: Guilt by association. Nicht
ein Ursachenzusammenhang, sondern das Vorkommen zweier an sich unver-
bundener Wahrnehmungen in einem Anderen, rein oberflächlich-assoziativ,
macht die Deutung (~ Kartusche). Dieses Meinen ist nicht extra was - das
ist ein allgemein üblicher Zustand. Viele Menschen meinen so, bei Vielem.
Keinem würd' einfallen, seine Diät zu ändern, nur damit seine Disposition

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zum Schlechtfühlen sich vielleicht erledigte - kein bißchen. Die Welt muß ja
so sein, wie sie ist. Und weil das alles ja ein gründlich schlimmer Verhalt ist,
deswegen sind sie gerne ontologisch, fast mystisch: denk' doch an Deine
Mutter, sagt es belegt! Das will sagen: die hat doch schon sich übel befunden, als sie merken mußte, daß ich auch nur sein WOLLTE (was ich ja auch
mußte - man wollte auf mich ja, irgendwie, auch nicht verzichten - ALSO!).
Das erhellt zugleich, wie man die pseudometaphysische Wurzel des
Willensbegriffs in seinsvergessener Lebensphilosophie der vergangenen
Generationen verstehen soll. Und mit dem Sollen rücken sie gleich nach:
wenn ich nicht einfach nur existieren WOLLTE, sondern MUSSTE, also SOLLTE, bin ich damit nicht reineweg sofort ein Kind der Pflicht?! Diese
Kasuistik ist zuhöchst frivol - das Sollen der Existenz erledigt sich ein wenig dadurch, daß man's eher hat systematisch darauf ankommen lassen, und damit bleibt mir eine reine Freiheit, weil so das Existieren eher eine Kunst
sein will in Weltordnungen (doch weitgehend natürlicher Art), die mir das Werden und mittlerweile recht dauerhafte Bestehen doch implizit erlauben. Kein Mensch, der genau ist mit solchen Belangen, kann da Besseres
zu wissen behaupten, indem es ihm da nicht besser gehen kann als mir.
_________

Subquantik, Pneuma: wer der Welt rein mechanistisch in ihre Prinzipien
wirken will, wird sich immer damit begrenzt finden, daß er, Erkenntnis
und Wirkmöglichkeiten auf die Materie nur in Materie selber findend,
immer durch die Begrenztheit direkter Materieeigenschaften behindert ist.
(Mechanik, "Erde" in den Elementen des Empedokles.)
Immerhin transzendiert der induktive logische Prozeß, der aus mehreren,
mehr oder weniger indirekten Wirkungen auf ein kohärentes Ganzes im
"Inneren", im Sein eines Dinges schließt, schon diese Begrenztheit. Es gibt
aber allgemein die Materiephasen des "Flüssigen" (phasenschwingende,
strömende Zustandsausgleiche) und des "Aeroben" (Magnetik, Schwerkraft
usw. das PNEUMA der Welt) - daraus ergeben sich die z.B. gequantelten
Ereignisformen des wirklichen Kosmos (die selber nur wie mechanisch
erscheinen). In einem inspirierten Tanz, der dem gleicht, was der Geist,
das Pneuma, die Laune der Götter ist, und den die titanisch klugen Völker
wie Tibetaner, Indianer mit ihren Tanzriten nicht nur äußerlich adressieren,
kann man auf diese Pneumazone submaterialer Feldkräfte wirken und für
sozusagen Wahrscheinlicheres sorgen. Einem skeptischeren Geist mag
genügen, daß solche Tänze die damit Begeisterten in eine präzisere Konsonanz mit den Rhythmen des Weltpneuma zu bringen vermögen -
das versteht schon eher wer.

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Die Eudämonie, die Aristoteles (der allzu menschliche) meinen kann:
"Ach ja", sagt der Mensch, der sich und das Weitere kennt - wobei
läßt man's denn bewenden! Was läßt man gut sein - das ist Eudämonie.
_________

Hat Platon nicht alle Phasen der Sonderbarkeit in der Philosophie (es gibt,
seit Aristoteles, nicht mehr nur eine Philosophie) zirkumstantial vorher-
bestimmt - in den Ereignisformen des Staates, implikativ? Diverse Philo-
sophien assistieren (oder schmeicheln) den Meinungen, die einhergehen
im Volk, beim Fürsten usw. je nach den Phasenzuständen des Staates!
_________

Ja, sogar dies: was Eckehart einem zu sagen hat hinsichtlich Heraklits:
An einer Stelle seiner Predigten verwendet er als Gleichnis: die Glut kann
die Hand nur brennen, weil Glut und Hand nicht dasselbe sind. Das ist so
genial, da fällt mir zunächst einmal das Buch aus der Hand. Erst nun, nach
Längerem seither, fällt das aber ineins mit Heraklits Lehre von der wirkenden
Differenz zwischen allen Dingen, allen Wesen. Der selber hat das so präzise
gar nicht herausgezeichnet - das besorgt nun Eckehart mit diesem ganz einfachen Gleichnis. Auch hier muß natürlich die Sinnfälligkeit der Gleichnis-elemente (Glut, Hand) mitgesehen werden, und der hier woanders verdeut-lichte Geist der Welttotalen vorfrühlinghafter Panik. Menschen zu Ecke-
harts Zeiten wissen aus Erfahrung, wo auch nicht mit diesem modernen
Vokabular, von der intensiv beizenden Wirkung heißen Kohlendioxids aus
der Glut ( die mit ihrem Plasmaglimmen zudem eine bestimmte innere Seh-
gewahrheit unterhält), welche im Atem die sonstige Hitzewahrnehmung noch
ergänzt. Was aber das Kohlendioxid ganz allgemein an Charakter macht
in der gothenzeitlich-mystischen Weltschau, wird hier woanders erörtert.
Die Gefahrempfindung, die da eben mystisch abstrakt ist, wird im Gleichnis hier verbegrifflicht mit den Gleichniselementen Hand und Glut. Nicht falsch wäre auch, zu beachten die Nähe des Gleichniselementes "Glut" zur Metapher
des Feuers bei Heraklit. Diese selber sollte man nicht allzu symbolisch
nehmen, sondern wirklich darauf schauen, wie reales Feuer sich anrichtet,
zündet, wie es faßt, sich nährt, gerichtet werden muß, zusammenfällt, als Glut
liegenbleibt und glost, schließlich mit einer Art Zufriedenheit ganz mählich
erlischt. Menschen zu Heraklits Zeiten (und den meisten seither) hatten
das immer sinnfällig so in ihrer Nähe und wußten auch die Phänomenalität
dieses Vorganges in superstrukturellen, also sagbarerweise geistigen
Ereignissen (Menschensitten, Staatsleben, Krieg) ohne Weiteres wiederzu-
kennen. Jedes Leben geht so, wußten die Menschen, und daher brachten sie

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ganz natürlich eine eigene Wahrnehmungsdimension selber mit hinzu,
wenn Heraklit das Feuer als Metapher verwendet. Auch müssen sie wissen,
den Brennstoff dafür aus der Welt zu nehmen, und darin alleine verdeutlicht
sich schon, welcher Art der Antagonismus eines jeden Seienden mit
Anderem sein muß, und was Episteme ist, das Bedachtsein, Standnehmen,
Bedenken, die Unterscheidung beispielsweise in der Gewahrung des
Möglichen und des Notwendigen. Da hat die Episteme ihr natürliches Maß,
eine ziemlich genaue Grenze, die dem Selbste spricht: Logos.
_________

Kant: in der Praktischen Vernunft akzentuiert er zu sehr, wie alle Welt da seither, den Willen; es geht beim Sinn für das Gute aber vor allem um ein Meinen: man befindet sich, oder verhält sich nicht primär zu dem, was man
wollen, perspektivisch tun und bewirken kann, sondern vor allem erst ein-
mal zu viel mehr als das ist, zu dem, was man wahrnimmt und schlichtweg
als gut gelten lassen kann, wo einem also das Wollen und Tun nicht
notwendig einfallen müssen. Gerade dieser mögliche Zustand definiert ja
am besten, was das ist: Eudämonie.
_________

...Subsistenz-Phantasmata politikastischer Existenzialisten...
_________

Mach' einen wirklich guten Witz, und manche allzu einfachen Naturen sind
beleidigt, einmal, weil sie den Witz bemerken, aber nicht verstehen, öfter
aber und schlimmer, weil sie ihn in ihrer Weise nicht weitergeben können.
Da dem sehr oft so ist, reduziert sich Alles in einfachen Verhältnissen
auf die Themen Gewalt (Macht), Sexualität und Geld (Salz, Würze),
was drei Grundformen allgemein verstandenen Witzes sind.
_________

Brunschvicg: "Gott ist die Copula". Ja ja. Schau um Gott beim Futurum II,
und besonders da, wo's jenseits des Futurum I erst sein Subjekt findet!
_________

Spinoza: "...Begriff der absoluten Notwendigkeit der Naturgesetze..." usw.
womit der Wissenschaftsbegriff des 19. Jahrhunderts sich behaben soll -
es ist wohl so, daß es eher darum geht in diesem Verhalt, zu bestimmen,
was und wie Naturgesetze überhaupt sein müssen, um als solche Sinn zu
machen. Darum geht es in dieser Sache, bei der im Übrigen die Furcht vor

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einer metaphysischen Partei (nicht: der Respekt für sie), wo sich der Aktu-
ationsdämon eingefunden hat (speziell mit der Inquisition, auch der tyran-
nischen Geltendmachung eines bestimmten Verstandes vom Sittengesetz),
den Blick ablenkt, besonders bei Spinoza, dem ewig das Befremden der
Rabbiner folgt - in all Diesem zeigt sich ja wieder und wieder, verschärft
durch den allgemeinen Zugewinn an Macht für die weiteste Gesellschaft,
dieselbe ungute Konstellation wie jene, die Sokrates um sein Leben brachte. Sokrates, dabei bemerkt, ist wirklich der beste Freund des Platon, indem
er in dessen Gegenwart lebt und stirbt, um etwas zu beweisen, das in
Platons Philosophie selber nicht positiv dargestellt werden kann, ihr aber
ein wesentliches Argument gibt: wer zu sehr im archaischen Menschenbann
lebt, dessen Ausdruck der hekatische Dämon des Sokrates ist, der kann
vielleicht philosophieren, aber er kommt nicht auf die Philosophie, die reine
Erkenntnis der Welt selber, wie sie im Ganzen ist. Der kann den Griff lösen
der Menschen auf das zu Unmittelbare, kann sie in eine gewisse, müßige
Fassungslosigkeit versetzen, worin sie nun imstande sind, die platonischen
Weitsichtigkeiten aufzufassen. Sokrates ist ganz und gar menschlich.
Aristoteles, später, ist menschheitlich in anderer Form - er sieht das Werk.
Und Platon, nicht eigentlich zwischen beiden, sondern in Allem nur wie aus
eigenster Muße hinzugetreten, ist einzig artemisisch original. Jedes frei
lebende Tier, das den Kopf in den Horizont heben kann, sieht die Welt so
wie er. Sokrates und Platon haben gut, die Menschen aus ihren habsinnigen Vordergründigkeiten in Fassungslosigkeit zu lösen, ihnen das geistige Augenlicht hinzu zu geben - bei der nur gewöhnlichen Verfassung der
Menschenwelt sehen die Menschen nicht, inwieweit Freiheit ihnen mehr Raum geben könnte und sollte, als in den weiteren Möglichkeiten ihrer Habituationen liegt. Deswegen richtet die Sitte den Sokrates hin in einem Sinn so, wie am Rand oder nächsten Landblick mittelalterlicher Städte Rad und Galgen gallewürgend die Grenze markieren zum weiterhin Ungemessenen
(Fassungslosen), und dem Platon antwortet vor allem polemischer Geist
in seiner Lebensumgebung, vergleichbar dem, wie einer behaupten wird,
er verstehe den Geist des Wildes, weil er imstande ist, es zu überlisten und
zu fangen, und reibt sich in Widrigkeit an dem, der einfach versteht, mit ihm
in heiterster Weltmuße zu leben und seine Wahrnehmungen zwanglos zu
teilen. Wo nur Mensch ist, da ist eben eine Niederung des Geistes, so wie
in Senken und Tälern zwar das Unmittelbare sehr gewärtig und akut wahr-nehmbar ist, längeres Nichtaufblicken aber da heraus Blick und Geist
notwendig eng macht, borniert, ohne daß der Grund für diese Bornierung
allzu bemerkt sein müßte. Dieses Problem hat die Philosophie oder das,
was sich als sie empfahl, ewig in ihren Widersprüchen rege sein lassen.

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Wahre Philosophen aber erkennt der Blick sofort daran, daß der Geist
in ihnen lebt, so unmittelbar, wie eben das Leben in einem gesunden,
wachen Leib unmittelbar ist.
_________

Kant: wunderschön - in der Reinen Vernunft ist die ganze Kunst des
Sokrates, bequeme Meinungen zu entlarven und ihrethalben auf wirklich
meinbaren Grund zu kommen, ganz große Philosophie geworden. Aber in der Praktischen Vernuft, der Ethik ist er nicht in der glücklichen Lage des Platon, bleibt eben da in Begriffen stecken (Gesetzgebung, Pflicht, Zweck usw.),
die keine Kritik erfahren, keinen Grund haben, und auch keine brauchbarere Wahrnehmung zu ihrem Thema leicht neben sich zuließen - dafür sind sie, nicht in den Prinzipien, doch in der Form zu kategorisch. Es ist eben zu merken, wie ihm der Schatten eines ziemlich bösen Königs zu nahe ist.
Der Preußenkönig ist nicht Heraklit, und Kant ist nicht Platon. Der
vernünftige Geist ist nur wahrhaft, aber nicht souverän wie ein König,
der sich das Königsein erübrigen kann, oder ein Aristokrat, der weiß,
was er an der Welt schon hat und den Weiteren nicht mißgönnen muß,
was sie ohnehin nicht haben oder missen werden.
Kant, Beispiel (erläuternder Text): Sittlich gut...einzig die Handlung, die aus
Pflicht um der Pflicht willen, also aus Achtung vor dem Gesetz geschieht.
Undsoweiter. Das ist zu stark. Sittlich getan ist, was die Sittlichkeit
in ihrem guten Sinn beläßt, was ihren guten Sinn sogar ergänzt und bessert.
Schon bestehende Sitte ist nicht genug. Wo bleibt die Transzendenz
des Erkennens! Das Gesetz (die Wahrheit) will erkannt und geschätzt sein.
Sonst ist es nur Raison, oder Gebot. Diese aber sind unvollkommen.
Deswegen nenne ich Kant verstiegen - in der Praktischen Vernunft geht
alles über Bord, was er in der Reinen Vernunft zurechtgestellt hat. Eher
beiläufig aber nachhaltig weckt er daher in Mitschauenden den Sinn dafür,
auf die Umstände des Denkers mitzuachten. Er gibt sich uneigentlich,
und das bringt das Erkennen weiter, in Konsequenz.
"Wer sittlich gut gelebt hat, ist der Glückseligkeit würdig" (so der Text).
Nee nee: wer sittlich gut lebt, IST glücklich. Das ist ja gerade das Ideal der
Eudämonie, und die Sittlichkeit BEGINNT mit dem Blick müßiger Gelassenheit.
Wer das nicht kennt, kommt aus sittlichen Mühen nicht einfach dorthin. Alle
gute Philosophie erläutert dieses Prinzip sinnstiftender Muße, unwissend
verfehlender Unmuße in tausend logischen Gleichnissen. Kant ist eben
sittlich, raisonniert als ein sittliches Subjekt wie jedes mögliche andere.
Platon aber ist frei, und niemals etwas Anderes gewesen. Auch da aber hapert's (Dionysios), wenn's um sittliche Dinge geht. Philosophen haben

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eben öfter die Nötigung, sich hinsichtlich der Sittenwelt uneigentlich
zu geben (Sokrates), im Widerspruch zu oft reinster Freiheit im Selbstsinn,
ihrer Erkenntnisse.
Kant ist Protestant! Stell Dir vor: nicht die ganze Tradition nur, sondern die darin abgebildete, wahrste Wirklichkeit (das Thema Heraklits also wieder)
verschwindet im Siebsand einer immer gleichen, vernunfthaften
Gleichzeitigkeit (was Nietzsche den Augenblicksgeist, den letzten, nennt) -
das ist doch fürchterlich. Was in der wirklichen Geschichte praktisch, und
hinzu geistig Realität bewiesen hat, das ist doch nicht nur Raisonnement
über Vermeinbarem, so, wie die Reine Vernunft nur von ihren eigensten
Voraussetzungen gegenüber der immer unmittelbaren und mittelbaren
Realität ausgehen kann. Was er dazu schreibt, ist so genial, so final gut.
Und dann das Ausweichen in zeitlosen Konventionalismus -
typisch protestantisch, typisch Sand.
An sich wäre allem Raisonnement, das meint, zu Gott sich etwas denken
zu müssen, also: meinen zu müssen (die Schrift kann nicht lächeln, aber
immerhin, wie bei Platon, Vorstellungen produzieren, die lächeln machen –
jeder logische Gottesbeweis ist Nichts, dagegen), wäre eine längere
Erörterung beizugeben, wie eigentlich die Ahnungen, welche eine Metaphysik
auf einen fernsten, gültigsten Gott bringen, entstanden sind aus einer langen Erlebensgeschichte des Dämons, des Divischen und des Titanischen.
Das vergessen sie so vollkommen, da hilft keine Meinung, keine Logik mehr
auf. Dieser Geist, der durch die Bilder (eidos, eben) der Menschenwelt
solches numinoses Empfinden stiftet, welches sodann erfreut sieht, wie
solcherart belebtem Wahrnehmen die Welt auch besser, wahrer antwortet,
läßt eben vermuten, so wie ein meinungslos nur gegenwärtiges Lächeln,
daß die Welt selber, als Ganzes, auch einem solchen Geist entspringt und
entspricht, und die wirklicheren Gründe solchen Empfindens suggerieren
sich als das Pneuma, also eine wie Atem so reine, elementale Wirkung, die ein
jedes Wesen und Ding in seine Gestalt bringt, es dort in sich erhält, und den
Logos, der erkennbare Weg, den solcherart die Dinge in der Welt miteinander nehmen. Aus diesem wieder emaniert ein elementareres Pneuma, aus
welchselbem wissendes (nicht nur Wissen meinendes) Erkennen entsteht,
in wahren Geistern wahre Per- und Konzeptionen erzeugt. So einfach ist
das doch. Das ganze Reden, Meinen und Raisonnieren mit Gott und
vor Gott - Kant selber stellt das doch so wahr heraus - ist nur Philologie,
Griffekloppen mit einem Begriff, den man nicht selber haben, aber auch nicht
verwerfen kann. Das kommt nicht klar, und, wichtiger: mit dem Begriff eines
höchsten, letzten, alles durchwirkenden Gottes (verkapptes Abbild eines verabsolutierten genealogischen Prinzips) ist die Dämonie der Nur-Sittlichkeit

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in ihrem besten, bösesten Argument geblieben: schon über den Daimon
der Urgesellschaften kam ja keiner hinaus. Vor dem Geist müssen sie
alle brav sein, und keine Geistigkeit konnte ihn daran hindern, nun mit
feierlich rationalen, religiösen Argumenten ganz wie in ältester Dämonenzeit
zu schänden, zu töten usw., da hat sich wenig geändert. Die nicht Freien
hören nicht, außer in ihren letzten Hörigkeiten. Auch das ist wohlbekannte,
namentliche Geschichte. Wo nur Sittlichkeit ist ohne die originale Freiheit
des erkennenden Geistes, da ist die Welt des Guten schon lange zu Ende.
In der Kritik der Urteilskraft weiter mit solchem Zeug. Kant ist ein guter
Astronom gewesen, doch er lebte nicht mit der Natur, in einer Gegend,
wo diese ohnehin eher arm ist. Daher konnte ihm nicht leicht innewerden,
auch aus anderen, konzeptionellen, zivilisatorisch-sittlichen Gründen usw., was hier als wahrscheinlich erscheint (Darwin und das Weitere haben ja auch Phänomene zu sieben und den Blick für's Mannigfache zu klären geholfen),
daß nämlich die verschieden phasierten Rhythmen und die Charakteristiken des näheren Weltalls (Planeten) Kraft- und Raumnischen an diesem Planeten vorprägen (vergleichbar dem Atem-Raumfeld um ein fliegendes Insekt), wohinein physikalische Wahrscheinlichkeit sich eher gefordert als getrieben hineinentwickelte, wonach dann Interdependenzen (Interferenzen)
im so schon Entstandenen das System vertieften und variierten. Das nimmt den getriebenen Zweckbegriff aus der Teleologie. Es KONNTE so sein, also wurde es. Die gewöhnliche Entstehenserklärung stutzt zu sehr, schaut zu
sehr nur vor das einzelne Ding oder Wesen, und borniert sich da. Diese
andere, mehr dem Pneumabegriff entsprechende Erklärung hat zwar nur
den Funktionswert einer inspirierten Hypothese, weil ein mechanistisch -physikalischer Beweis, seines zu kurz greifenden Aktuationsbegriffs
wegen mit nur unmittelbaren physikalischen Elementen, zur Verifikation
nicht taugt, aber ist dafür eben das, was Platon eine Idee nennt, den Sinn
vom Ganzen her (das richtig ERKANNT sein will, nicht nur irgendwie begriffen)
auf das mögliche Einzelne und Besondere bringend.
Das Ganze ist ohnehin immer allgemeiner und eher als jedes Einzelne.
Kein Ontologe würde das infrage stellen.
So gesagt: dieser Ort, der Planet im Ganzen, ist aus dem allgemeinsten
All in solcher Weise gut gesehen, daß in diesem "Blick", der Lichtheit
(prädisponiert, vergleichbar der prästabilierten Harmonie), die Phänomene
des Mikrokosmos (wozu alles Leben gehört, der mannigfachen Mikro-
funktionen wegen, die in ihrer Phasenharmonie erst Leben ermöglichen)
in solche als pneumatische Elastik erkennbare Kraftnoduln hineinfinden, Leben konstituieren, und anderen, statisch-dynamischen Kraftlinien und Feldern selbstentwickelnd folgen (Luft-, Wasserströme, Perspirationsformen,

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Schwer- und Fliehkraft in ihrem Wechselspiel usw. das ist doch alles nur
klar). (Nur unaufgeklärte Kinder, denen man nichts Rechtes sagen will,
fragen doch verbohrt nach dem mechanischen Grund ihres Daseins, und
ihre Eltern dürfen nicht ordentlich antworten - da ist das Motiv: aus dem Pneuma, aus der Liebe, auch nicht recht glaubhaft. Also...aber da wollte
etwas. Die reine Möglichkeit neuerstehenden Lebens wollte gut gesehen sein
- wenn schon nicht in der natürlichen Idee der Subjekte, die's zum Meinen
braucht, so doch in der Physiologie ihrer Leiber und einer Welt, die ihnen
die Kraft und Fähigkeit dazu gutsah, usw. usw. Wieso sollte das All,
im Prinzip, das Leben selbst auf andere Weise herbeisehen!) (Das Problem
der Freiheit ist damit gar keins mehr. Das Leben ist so frei wie die Materie,
aus der es besteht, frei ist, sich in die präformierte Möglichkeit des Soseins
zu finden. Die prästabilierte Harmonie ist eben nicht nur eine fazile
LOGISCHE Meinung, sondern ein sehr fein am wirklichen All postulierbarer,
realer Verhalt. Oh, der Leibniz ist so klug!)
Kant, so zu sagen, hat kein Argument mit dem Geschmack. Das will nicht
wundern bei einer Lebenswelt auf dünnfühligem Sand und fehlt auch
Menschen, die ihm mitmerken, nicht so sehr. Aber die ganze Sache ist es
damit leider nicht. Genial ist er vor allem bei dem, was Andere im Abstrakten
schon weitgehend vorgerichtet haben - da kommt er auf letzten, klaren Grund. Zugleich ist dies aber auch verstehbar wie konsequent zu Ende geführte Logistik; deswegen heißt es ja: Reine Vernunft. Wenn man die Aporien
als witzlos beiseite läßt, die Ring- und Fehlschlüsse entlarvt und erledigt,
sich konsequent nur an ontisch klare Prämissen und solide attachierbare
Logik hält, so kann nichts Anderes dabei hervorschauen. Im Prinzip
wendet er nun die Descartesche Methode nicht nur auf das Subjekt der
Erkenntnis an, sondern gleich damit auch auf's Objekt, das Ding an sich
nämlich. So wie vom Descarteschen Subjekt nur das reine, unmittelbare
Erkennen übrigbleibt auf einem nicht weiter reduzierbaren Seinsgrund,
so bleibt vom Objekt, dem Ding an sich, nur die Tatsache, daß es existiert
und erkennbar bleibt. "Ah, je vois" sagt Descartes, und Kant, der Astronom,
zeigt trocken, sinnig, daß man durch das Teleskop von zwei Seiten durch-
schauen kann - daß da von zwei Seiten etwas durchschaut. Und mit dem
Rest der Menschheit will er nur seinen Frieden, da ist er das trocken
protestantische Gegenbild zum fiebrig leidenden, so immens katholischen
Pascal, den der Gedanke alleine schon leiden macht, von der Menschheit
überhaupt etwas wollen zu müssen. (Der arme Pascal, vom Fieber der Kuh
geschlagen - Grimmelshausen kolportiert, Heraklit sei so jung gestorben
wie vergleichbar Pascal, in eine frische Kuhhaut gewickelt, die seine akute
Krankheit lindern sollte. Da gehören wohl zweie zusammen.)

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Die Aprioriker haben ja ein Argument, aber sie geben ihm nicht ganz die richtige Beleuchtung - die Selbstverständlichkeit, mit der das Argument
verwendet wird, verbirgt eine subjektivistische Tendenz, die nur halb
so störend wirkt, wenn man noch ein wenig was hinzuerklärt. Der Begriff
"Vernunft" zum Beispiel wird meistens in solch einem geradezu onto-
logischen Jargon angewendet, bei dem man meinen soll, derlei komme
von Nichts. Dem ist natürlicherweise nicht ganz so. Nicht Jeder kann still
allbewußt in seinem Sinnen-Atemleib so ruhen wie Platon, in diesem Ideal-
zustand körperlich-seelisch-geistigen Befindens sich von zephyrfeinen
Lüften und dem Feuer der Sterne zu Gedankenreichtum anregen lassen.
Was in der allgemeinsten Gewahrheit schon der kleinen Kinder das weckt
und unterhält, was später dann, in entwickelter Form, die Vernunft heißt,
das sind die kontinuierlichen, wie gestisch so wahrnehmbaren Ereignisse
im Subtilbereich natürlicher Umgebung, angefangen mit der langsamen,
aber durchaus merklichen Bewegung der Sonne, des Mondes auch, und
der Sterne, dem Irisieren dieser in flimmernder Nachtluft, dabei auch die
überzeitliche Quasigestik des Lichtwechsels im Mond, dann feiner Wind
zum Beispiel, der zwar unmittelbar nur Reizwirkung hat, aber in seinen
Modulationen über längere Zeit den damit konsonanten ganzheitlichen
Empfindungen (Grenzeffekt: Gänsehautfrösteln) "spricht", d.h. eine
dem Körper und der Seele wie gestische Zuwendung so sympathetische
Gewahrheit unterhält, usw. Hinzu die Gestenspiele der Tiere, fließendes
Wasser, Bewegung im Feld und auf der Straße. Zuletzt aber und am
deutlichsten in der Entwicklungswirkung auf die expreß vernünftige Welt-
wahrnehmung der Ton, die Laune, die Meinung und Bestimmtheit der Sprache,
auch im Tun, der Menschen, die für ein Kind ganz selbstverständlich so
sehr Teil der Selbstwahrnehmung sind, daß es sich als fast identisch damit
empfindet. Da am ehesten verdeutlicht sich, was es vernimmt; das Vernehmen
solcherart, aufgelöst in einen allgemeinen Grundtonus lebendiger Wahr-
nehmungsfähigkeit, der Bereitschaft, die Welt so bestimmt und bestimmbar
gewärtig zu haben, nennt sich Vernunft. Angeboren ist dem Menschen und
jedem Lebewesen dazu nur die Materialität seines Leibes, die Gewahrheits-
fähigkeit seiner Sinne, die aus dem Atemgeist und den Bewegungssinnen
sich ergebende Selbstverständlichkeit des Subjekt- oder Selbstseins als
der natürlichen Antwort auf den Unterschied zwischen körperlicher Eigenheit und vielfältiger Welt. So, wie die ganzheitlichen Reizkonglomerate in der Lebensumgebung nicht per se monoton sind, kommen und gehen und
oft gar nicht unmittelbar bedeutsam sind, sondern sich nur allgemein
ereignen, erzeugen sie eine seelisch-sensuelle Resonanz der positiven
Gleichgültigkeit, und damit einen Ansatz, in Aktivitäten z.B. auszuwählen

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zwischen Möglichkeiten, damit eine elementare Freiheit, die ja schon in den
natürlichen Variationsmöglichkeiten der Körpergestik ursprünglich gegeben
ist. Daß man mit solcherart subtilgestimmter Vernunft (bei Kant in den Schriften der Praktischen usw. Vernunft klingt das verdächtig nach einem
Tarnwort für "Vernünftigkeit", was ein Begriff ist für reine, horizontlose,
jenseits aller Rechtfertigungsmöglichkeit nur voluntaristische Konventio-
nalität) auch remote Wesenheiten jenseits der unmittelbaren Sinneswahr-
nehmung und Begrifflichkeit auffassen kann, ist nur natürlich, indem der
Atem z.B. im metabolischen Grund der Sinnesgewahrheit eine langsame
Eigenzeitwahrnehmung erzeugt, die in einem Phänomenhorizont mit den
langsamen Ereignissen der (vor allem natürlichen) Umwelt ist (sinnigerweise
finden manche meteorologischen Formspiele wie die Veränderung des
Wolkenbildes in etwa dieser Geschwindigkeit statt). Außerdem müssen ja
bei der sehr vielfältigen Sinnenhaftigkeit der Phänomene die Sinne selber
in wechselnden Konfigurationen sich koordinieren, in zudem einer (z.B.
retikular vermittelten) Wechselwirkung von Aktion (oder Zuwendung) und
Perzeption. Alleine schon die Integration der Sinneseindrücke ist eine induk-
tive Leistung, wird sinnhafter, indem ein "Wesen", etwas so allgemein Ganz-
heitliches wie die eigene Selbstwahrnehmung (die "unteilbare Seele") auch
dem Wahrgenommenen sowas wie gegönnt wird - es ist dann so selbst-
verständlich "Eines", wie es das Selbst und die wahrgenommene Welt als
Ganzes sind. Da aber der Gewahrheitshorizont oder Halo nicht nur auf das
Unmittelbare und akut Sinnfällige reduziert ist, in seiner subtil ereignishaften
Allfälligkeit ohnehin der allgemeine Grund besonderer Wahrnehmung bleibt,
ist es nur natürlich, daß (wiederum am Medium retikularen Ausgleichs)
die Sinne, wo sie müßiger sind, nach induktiv-integralen Kohärenzen nur
allgemein oder z.B. in sinnenhaften Engrammen der Dingwahrnehmung
so etwas wie forschen, wie ja auch die Subtilwahrnehmung für das nicht
unmittelbar Sinnfällige und Akute immer wach ist, selbst im Schlaf, selbst im
Koma. Angeregt - und das gilt nun besonders für Kant, für die Lebenskultur
seiner Zeit, besonders in Preußen - wird solcher Sinn und gewissermaßen intellektualisiert in einer fabriziösen Bedeutung durch nüchterne, angenehme Objekte in einer ruhigen Hauswelt, die durch ihre allezeit realisierbare Gegenwärtigkeit den Objektsinn, im Gedächtnis latenter Nebengründe,
in seinen Sinnhaftigkeiten festigen oder bekräftigen. Das "Ding an sich"
ist etwas, dessen sich das Gedächtnis vor allem in einer Kombination der
taktilen und visuellen Sphären gut entsinnt, so, wie man sich eine Vase gut
bedenken kann, die sich meist nicht direkt bemerkt in einem Nebenraum
befindet. Kant bezieht gewissermaßen eine daseinsrechtliche Position
zwischen Platon und Sokrates. Das Ding-an-sich, wie dieses remote,

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wohlbekannte Objekt genommen, ist schon etwas sehr Idee-haftes.
Wie der Erkennende, Denkende sich davon fernhält und so sein induktives Denken kühl anregt, so hielt Kant sich auch im Ganzen vom Leben der Gassen, der Stadt fern, hielt sich praktisch ein Leben lang in den Binnenereignissen des Hauses auf und vermied so, dem begegnen zu müssen und ausgesetzt
zu sein, was dem Sokrates sein hekatischer Dämon ist. Die Sittenfurcht Kants ist ein Reflex auf diesen, und was er dem Denker antut, dem seine eigene elementare Geistesfreiheit nicht genug ist und der den Witz seiner Sache auf die Gasse trägt. Weil eben der Daimon der Sitte so rachsinnig zu sein beliebt (Sokrates mußte sterben wider jedes mögliche gute Argument), ist dem
Immanuel Kant auch ein König recht, der seinesteils der Sittendespotie
noch ein despotisches Extramaß draufsetzt. Weil man ja schließlich nicht
nur bei Sokrates gesehen haben wird, welche Willkür eigensinnige Sitte
sich erlaubt, wenns ihr keiner richtet.
_________

...verselbstetes Nichtsein...
_________

Literarische Techniken ~ Teil- und Hilfsfunktionen...
Wie man Gewahrheiten Halt gibt.
_________

"Kommentarisieren Sie" - also: warte nicht auf echten Kommentar.
_________

Mit Platon, etwa so: manchmal findet der Geist dieses oder jenes Fenster
der Wahrheit, wenn er nur ein wenig rechnen muß!
_________

Der elektronische Simulant...
_________

Das Garantierbare - das ist Jupiter.
Das Unvermeidliche - das ist Saturn.
_________

"Also! Volkswirtschaft, das geht so: verdien' ich nichts, verdienst Du auch
nichts" vorausgesetzt, Beides habe überhaupt miteinander zu tun. Und
das volkswirtschaftliche Subjekt braucht überhaupt nichts zu sein außer:

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Geld rein, Geld raus, Geld rein, Geld raus, und nichts muß übrigbleiben,
sonst kann man, im Prinzip, kein neues Geld gebrauchen. Owehoweh!
_________

Alle Werktage muß der gewöhnliche Mensch etwas sein.
Die Canaille daher ist bestimmt am Wochenende das,
was man nicht sein muß (was man nicht sein soll)...
_________

"Werte" ach Du je. Vergenauert heißt dieser Begriff nicht selten: Daseins-
werte. Die entsprechende Haltung der damit Argumentierenden ist: ja,
worum gibt man denn was (worum begibt man sich). Das entspricht einem
primitiven Sinn für Kultmäler, die man quasi blindlings, auch ohne jeden
Verstand, jeden Sinn über das Symbolding hinaus, verehrt. Das ist philistin,
und die Bedenker, bei denen "Werte" ein hauptsächliches Argument sind
(dort ebenso unbefragt (nur erklärt) benutzt wie der Begriff in der weiteren
Wirklichkeit auch), beweisen diesen Verhalt selber am besten,
durch den Typ, der sie sind und die Dinge, womit sie sich befassen.
_________

Ach! Wenn Du erst einmal darfst bemerkt haben, welch ein Bild die Welt
selber ist, in allen Dimensionen!! ("was heißt 'eidos'!")
_________

Modern gesagt: gut z.B. ist, wenn Du Licht siehst, ohne eine Glühbirne
haben an eine Elektrik anschließen müssen - das ist schon gut.
_________

Der Bordstein
am ewigen Rand
aller zivilisatorischen Unzeit...
_________

Von Anfang an gilt und bleibt gelten: wer von der Idee zum Ideal ausweicht,
der sieht nur noch den Spiegel, aber nicht das Auge Gottes. Das selber gibt
es auch nicht zu sehen - das ist nur eine façon à dire - aber eine so wahre,
daß man sie schwerlich durch Anderes ersetzen kann. Wem das nicht
genügt, so wie es sagt, was man sagen kann, der hat auch in anderer Weise
nichts zu sagen - nicht in diesen Dingen.


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Nicht umsonst hat Platon die Phasen staatlichen Verwirkens - das ist noch
nicht der Staat als Idee - in solcher Ironie dargestellt. Was Denker später,
angefangen mit Aristoteles, so lehren in der Meinung, das wiederzugeben,
was er gesagt & gemeint habe, kommt aus den Bornen ihrer sozialen Situation nicht heraus und empfindet beispielsweise hinsichtlich des Guten wie:
Ja - was ist denn nun das Gute! Man muß doch etwas sagen können!
Wie kann das sein, daß Geister, die sich in Platons Befindung vor & mit
der Welt hineinkennen, so vordergründig in alle Gassen hinab deklamieren! Von der Idee gibt es nicht viel mehr zu sagen, einmal sie in aller Klarheit bestimmt und erkennt ist. Also reden sie von dem, was hinsichtlich ihrer vielleicht von Belang ist, und genau besehen, ist das nur Zeitvertreib.
Die meisten der Denker sind so etwas wie Unteroffiziere des Weltgeistes,
die dafür sorgen, daß das Volk etwas hört. Das kommt damit, daß aus religiösen Gegenden ein Jargon, ein Mythos auch, hinzugetragen wird,
der sich nicht ignorieren lassen will. Der Dämon spricht, dem alles gehören muß, damit er es gelten lassen kann. Das hat ihnen das Imperatorentum
seit Diocletian besorgt, dieses absolute, streng gegliederte Staatswesen. Dieses verhält sich zu dem Rom, das zunächst einmal aus seinem unvergleichlichen Geist diese Weltmacht zusammenbrachte, wie der Mond
(der späte, welcher mit in den Tag scheint) zu der Sonne. Rom selber,
das ist ein unendliches Feuer, aber die Staatsmacht später, die sich nach den Bedürfnissen zur Beherrschung riesiger Teilreiche organisierte, ist darauf
nur ein flacher Reflex. Rom selbst ist eine Kraft, die alle anderen Kräfte
in Europa, Afrika und Vorderasien bezwingen und überzeugen konnte.
Die spätere, absolutistische Caesarenzeit zeichnet die längst domestizierte Welt aber in Muster, glasfein und blaß wie die Linien und Flächen im Mond. Genau besehen spricht ja auch diese Tatsache für die Kraft (nicht die Macht) Roms, daß es eben mit solcher Entwicklung seiner Machtformen der Sinnfälligkeit allgemeinsten Welterlebens (der späte Mond als Spiegel der Welt, blaß im hell kühlen Taghimmel) so symbolgenau zu entsprechen wußte -
man ließ die Sinnfälligkeit solchen Himmelsbildes für sich sprechen
und formte die Dinge der Erdenwelt danach. Wie das wirkt, läßt sich auch gut in der Philosophie nachweisen: der Gottesstaat des Augustinus ist gezeichnet mit eben diesem leichten reinen Licht der späten Mondzeiten. Überall sehen Menschen solche Zeiten immer wieder, Jahr um Jahr, für mindestens ein
Drittel jeden Monats (bei entsprechendem Wetter - daher paßt diese Geistesart besonders zu bestimmten Ländern und Völkern, Slawen beispielsweise (Polen), Burgund, die Provençe, derlei, wo der Mond mit seinem Licht
auf hellen, dünnen Böden feine Erscheinung hervorzeichnet) (die Idee
des HALOS um das Haupt von Heiligen etc. kommt womöglich daher,

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daß der Wanderer bei Mondschein in solchen Gegenden das Licht
um den Schatten seines Kopfes irisieren sieht, in Sand, Mergel, Tau & Reif).
Wo Menschen aber klug sind wie von solchem Himmelsspiegel, da schafft sich, was im Weitesten vergleichbar ihre Sichten formt wie die Gegenwart solchen Mondes, der Staat (dessen Instanzen nicht so allgegenwärtig sind wie heute, sondern nur deutlich beim Horizont der Wege) nach solchem Empfinden mit. Solche Menschheiten haben dann z.B. keine Scheu, grausam zu sein, aber
sie entwickeln ein nüchtern brüderliches Menschenbild, das den Einzelnen erlaubt, aus dem Bann des Nur- und allzu Sittlichen, der Dämonie der zu großen Nähe des Nur-Nächsten, sich zu befreien - das war große Neuigkeit für's Altertum und wirkte durch die lateinische (provençalisch gegründete) Lebens- und Geisteskultur noch lange nach, bis zum Barock. Dann brach würgend (Seefahrt, Seefahrt, Seefahrt) ein humanistischer Saecularismus dagegen los, der zwar meinen konnte, Mond und Himmel in ihrer klaren
Blässe genauso zu haben wie die Alten, wie das Lateinische - aber das
stand nicht auf dem selben Boden, das kam mit dem, was urprünglich solche Geistigkeit gewesen als Überwindung lähmend dämonischer Sittlichkeit
in Böden, wo Sonne und Erde miteinander wüteten, den Geist der Menschen verbrannten - Symbol dafür ist Jerusalem, die Kornfresserstadt des
Dämons Jer - davon eben kam das nicht her, sondern aus grundlosen oder waldgebirgigen Landschaften, wo immer schon der Mond bestimmte Herden- und Volksgeister als einzig mög-liches Geist-Licht zu wesen gehalten hatte; das atmet nicht auf aus bösem Seufzen und schlimmer Plage, weil die Reinheit und feine Zeichnung des Mondes sie davon für eine Weile erlöst, sondern:
da ist der Mond das Einzige, was die Wesen einander ineinander erkennen macht. Dort ist kein warmes großes Meer in seiner Schale, das Atem hinzugibt bis in die letzte Faser des Leibes und der Seele; Himmel und Meer, in der Nacht, atmen und scheinen nicht ineinander, so daß die Menschen ahnen,
so tief, wie kein Seufzen geht, was das sein wird, der Eros des Allwesens, sondern alles Solide in den Horizonten ist Schatten im Mondlicht wie der Mond selber zu Neumond, wirft Schatten auf wieder Anderes, das nur zu Schatten wird, und nur die Seelen der Lebewesen selber glimmen nebelhaft auf vom Widerschein der himmlischen Nachthelle in ihren Augen, ihren Seelen. Praktisch ohne Atemseele sind sie, perspirieren in Atem und Empfinden
leis vor sich hin so, wie Tau leise knistert und zu Tropfen wird, und Anderes - ist da nicht. Und was bei den Mediterranen Grausamkeit sein konnte bei aber einem allgültigen Empfinden von der Tugend und Freiheit des Einzelnen, davon bleibt hier nur solch eine abergläubische Furcht vor den bösen Möglichkeiten einer Sitte, die nur über diese Wesens-Seelenhaftigkeit
des horizontlosen Mondlichts sich vermittelt, wie sie sich in der geradezu

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würdelosen Respektivität Kants dem Herrscher und der herrschenden
Sitte gegenüber zum Ausdruck bringt. Darin, sagt er mit jedem Wort,
KANN gar keiner frei sein, und im Altertum, am Mittelmeer und in Frankreich
wissen alle, weiß ein Jeder, daß er frei ist in dem Gesetz, das im Guten eher
als im Schlimmen, für Jeden gilt, was immer er sei. Das ist der tief und gut besonnene Geist Platons, der den Menschenbegriff und den Geist
der Institutionen formt durch alle Zeit bis zur Reformation, bis zur Entdeckung Amerikas und erster Ausbeutung fernster Kolonien. "Geist der Institutionen", das sei hier großzügig zu sehen: die ganze Gestalt von Orden z.B. in ihrem besonders so und so definierten Verhältnis zu Menschen, zur Welt, zu Gott formt jeweils eine gewisse Wendung des Denkens mit platonischer Allgelassenheit und aristotelischer Ordentlichkeit so aus, daß die Einzelnen
im Gefüge solcher Körperschaften (wie man das ja heute nennt) nicht meinen müssen, was die gelassenste, weiteste Sicht an ihrem Befinden in und dann mit der Institution im Ganzen solch wohlverstandener Welt sagen, oder:
gelten lassen kann - und doch werden sie sich immer richtig befinden zum Ganzen und teilhaben, bewußt oder nicht, an der Wahrheit, die es durchwirkt, mit der es sich beweist. Und Jene, die vielleicht wissen, welcher sublime Witz in diesen Fügungen steckt, werden so heiter über jedes Lächeln gar hinaus - da findet sich dann wieder, was die Alten Äther nannten, der grenzenlose, kitzelnde Reiz im Grund allen Atems, bis ins letzte Atom der Atemseele, vom still funkelnden, in reinen Atomfarben irisierenden Licht der Sterne in den Himmeln drüben am Mittelmeer. Wer dies einmal in seiner ganzen Tiefe
gespürt hat, der findet es dann auch beim Erkennen mancher sublimer Verhalte, in der Gewahrung solcher Dinge, die aus solcher ersten Empfindung erdacht & gestaltet wurden. Da ist Logik! Das möchte loskichern aus diesem Gespür wie Sternenall-Ätherglitzer, bei jedem wahren Gedankenpunkt, der merkbar wird. Ach Gott, sagt man, wer will denn je weg aus solchen Himmeln, wenn er sie nur einmal wirklich gesehen hat, gesehen mit ganzem Leib, ganzer
Seele, mit allem, was er spürt von seiner Existenz über den Moment hinaus. Und mit dem Guten, nicht wahr, verhält es sich geradeso. Wer es einmal wirklich erkannt hat, der kennt keinen Zweifel mehr, auch nicht in dieser
Welt. Not vielleicht, Pein, Leid auch am eigenen Selbste - aber keinen Zweifel. Das ist es, was Platon den Menschen sagt in vielen Beispielen, vielen Wendungen. Die er gebraucht, weil er die Menschen kennt, mit denen er's
zu tun hat. Denen ist das allezeit mitgegenwärtig, aber aus der Wahrnehmung wie ent-wendet. Sokrates hilft seinem Argument, indem er den Menschen
ihre Vorurteile so, vergleichsweise, entwindet, und wo nur ungefaßtes Erkennenkönnen übrigbleibt - da setzt Platon ein und erläutert ihnen, wovon Weltkenntnis, Mythos und Sage so oder so immer schon mit-wähnten...

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Nominalismus - ja, eh! Was eine Idee ist, das versteht doch jedes Kind,
sobald es lernt, Worte auf Verhalte zu wenden, die nicht einfach unmittelbar
anschaulich sind, einen Tag zum Beispiel. Oder Bewegung, Ursache und
Folge. Der Universalismus definiert die Universalien mit genau diesem Merkmal: daß nicht unmittelbar erkennbar ist, was das universale Merkmal
an verschiedenen Dingen ist. Was Leben ist z.B. erschließt sich als Begriff
erst in zweiter Hinsicht, mittels Harrens und Bedenkens. Wer nominalistisch denkt (oder vielmehr: wahrnimmt) verhält sich zu den Erscheinungen, die
er deutet, wie ein witziger Kopf, der an den Figurenelementen der Malerei
auf einer archaischen Vase herumdeutet. Derlei mag gute Erkenntnis-
gymnastik sein und eine Übung für den Witz, aber es wird wohl nicht leicht Sinn machen mit dem, wie sich Dinge ohnehin befinden. Der Universalist
kann sich, ganz wie Platon, in sich selbst zurückziehen, die Dinge möglicher
Erkenntnis ebenso bei sich lassen, und muß sich damit noch nicht aus dem
Erkennen selber verabschieden - die Dinge sprechen zu ihm in der Stille
seines Geistes. So sieht der Nominalist nicht aus. Wo er nicht deuten kann,
da kann er nur leer systematisieren, und muß den Dingen dauernd auf den
Hacken bleiben, sozusagen, wenn er wahrlich sein will. Der Nominalist lernt
Worte, der Universalist sieht Dinge. Der Nominalist als Simpel kennt die Dinge der Welt wie die Figuren in einem Bilderbuch, erläutert sich deren Dasein
und Verhalte so, wie er sich diese extra erdeuten kann. Was er nicht erdeutet, also explizit im Konnex dazu zur Kenntnis genommen hat, das kann er
nicht für wahr nehmen. Wo er so vordergründig sich etwas ereignen sieht,
da bleibt ihm im Prinzip nur eine wie mengenlogische, nicht ursächlich mögliche Addition von Ereignispartikeln, die nur wie wahrscheinlich sich
miteinander vorfinden. Da ist schon kein wirklicher Gebrauch der Begriffe
Substanz und Akzidenz möglich - die haben nur noch Bezeichnungswert.
Der Universalist akzentuiert aber die Organizität solchen Miteinander-
Erscheinens, und deswegen das Postulat, diese Verhalte haben eine abstrakte Existenz in sich. Das läßt, sozusagen, die Seele des Erkennens im Körper
des Dinges, und lauscht diesem, schaut es an, so wie man ein lebendes Tier ansieht auf das, was es in seiner eigensten Meinung von sich & seiner Welt wohl als Nächstes, oder überhaupt, tun wird. Und wo man solcherlei
sieht, vielleicht findet man sogar, was einem das nicht nur deutbar, sondern wirklich zu sagen habe. Der Nominalist sieht nur, worüber er mit Anderen reden kann. Und selbst, was und wie Jene sind, das kann er nicht bestimmen und berufen, im Prinzip. Deswegen sind Nominalisten auf Affirmation angewiesen des geltenden Geistes, und nicht, was sich ereignet und wie
das sich Ereignende vom Wesen spricht (: Logos), heißt ihnen objektiver
Geist, sondern jene Geistesverfassung, auf die Alle schwören müssen,

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damit sie einander über die Dinge auch etwas zu sagen, zu berichten haben.
Was aber die Nominalisten zur Affirmation ihres Objektivgeistes berufen,
das kann nur möglicher Selbstempfindung der miteinmeinenden Subjekte
sein, und daher haben sie bald Einverstand mit dabei beliebig gemeiner Geister, deren Verfassung des Erkennens ja auch so ist. Und dort herrscht
eine Mythologie meinbarer Ursachen, dessen, was man sich nicht explizit, sondern nur implizit erklären kann, womit dem Dämonisieren jede Möglich-
keit offensteht, und jede Deutung, die nur probabilistisch ist. Es ist der Affe, der der Welt SEIN Spiel abspielt, weil er zu der Welt, wie sie wirklich ist,
keinen Mut und keinen Geist hat. Er hat nur das, was er selber kann,
und selbst die Geltung der Logik endet da, wo er will oder nicht will. Ach.

Die Fragestellung des Universalisten ist: wie ist es wohl überhaupt. Die des
Nominalisten: so, wie's ist: was ist daran nennenswert. Der Probabilismus
des Universalisten findet sich im Ding, im ohnehin immer nur teilweise
Erkannten, und rät mit der Idee, die's ihm gibt. Der Nominalist spricht probabi-
listisch nur von der Möglichkeit eigenen Erkennens: Gewißheiten für Zweifler. Descartes ist unter Anderem deswegen so genial, weil er diesen Unfug
auf den letzten Punkt gebracht hat. Nur im Selbsterkennen zweifelt der
Zweifler nicht. Dann kommt er, ebenso Kant, darauf, daß wir bestimmte und
nennenswerte ( ! ) Wahrnehmungen haben über die materiale Welt und ihre Weiterungen, weil diese Verhalte in material geformten Leibern nun einmal
miteingebunden sind und so, aus der Wahrnehmung von Materie für Materie, klare & bestimmte Vorstellungen erfolgen. Damit erreicht er eine dritte Position, eine elementar existenzialistische, wo er nun, aus dem vorder-
gründigen Erdeuten des Nominalisten und dem mißverstandenen Idealisieren der Universalisten entkommen, wie blicklos, aber offenen Auges in sich ruht: "es verhält sich das Erkennen daher sooo..." usw., aber dann kommt nicht mehr viel hervor. Kant hat es da keineswegs besser. Anstatt inspiriert
die Welt universalistisch einfach zu erzählen (Feudalgeist), nimmt er dem
Descartes das Selbstempfinden für die Welt ab, verdeutlicht das alles, buch-
stabiert nun die Normen und Grade des Erkennens ebenso herbei, wie der
Nominalist die Namen für die Dinge, die Phänomene chiffriert, aber nun:
an sich, von sich aus, mit seinen Gewahrhaftigkeiten, gegen die Dinge, welche
als Ding-an-sich mit dem Blick nur zu berühren, aber in ihrem Wesen nicht
anzunehmen, genauso fliegenwitzig oberflächlich ist wie die Geistesart der
Nominalisten. Dies ist der Korridor der Unterwelt, wo Hermes die Seelen
nötigt, nicht zu bleiben - Heidegger später figurierte diesen Zustand als die
Angst, die Furcht - denn es gibt keinen Grund, keinen gebietenden Geist,
auch keinen Dämon, der objekt dafürkönnte - man ist nur nicht, wo man

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doch ist, und alles wissende, wahre Leben und Erkennen nahebei ist auf
Solche allemal vergeudet. Die Seele ist nicht mehr als der Schatten, den
die Existenz-in-der-Materie wirft, die Panik der Weltlosigkeit. Bei Husserl,
Heideggers Lehrer, ist dieses Thema des Schattens seiner selbst auch
sehr deutlich zu spüren (Nietzsche romantisiert mit dem selben Thema
beim Wanderer und seinem Schatten). Sie wollen nicht sein, höchstens
(seufzend schaut Kant auf seine Nächsten, auf deren Inbegriff, den Herrscher)
ein bißchen so sehr, wie die Anderen auch sind, die doch in der Ungewißheit des Weilens auf dieser Welt miteinander das Mißbehagen tendenziellen
Nicht-Seins deutlich-reell präsent halten.
Mutlos, aber tüchtig, so sei der Preuße. Eije.
Was aber der Universalist einfach so gelten lassen kann, auch wenn er
nicht genug weiß und meistens niemals Alles wissen kann oder wird,
das nimmt der Mono-Nominalist Kant bei Diesem & Jenem als nennenswerte
Möglichkeit an, weil er irgendwie sieht, daß er sich das ja so denken muß
und ihm Niemand darin widerspricht, er selber auch nicht. Eije. Wem soll
das helfen, wozu! Ah, die dunstige Ostsee, mondblindes Nebelmeer!
Die Tibetaner hätten wohl einen Ort (Loka), wo solche Geister zu finden
sind, deren Sinne nie erwacht sind, deren Atem nie in Götterhimmeln Luft
schöpfte, die nur nicht an der maledetten Tatsache vorbeikommen, daß sie
existieren und erkennen. Hermes, das ist einer, der lächelt nicht. Wenn
selbst die Himmel bersten vom Gelächter der anderen Götter - Hermes
verzieht allenfalls angeregt "ja, wie!!" ein wenig das Gesicht - das ist schon
heiter! Aber er hat immer todernstes Geschäft. Die Seelen, die er führt –
was tun die? Hoffen die?
_________

Eckart, wunderschön. Es wird herausgestellt die göttlich überhelle Klarheit
(das findet sich ohnehin beim Lesen der Predigttexte selber) in der Unter-
schiedswahrnehmung des Ewigen und des zeitlich sich doch wie vektoral
bewegt Befindenden (worauf ja später Heidegger noch einmal abzieht),
wie da eine ganz sonderbare, als aus dem Urlicht der Welt herbeirieselnde Durchwirkung des ewig Seienden und des immer Werdenden (das spielte
so bei den Scholastikern zu der Zeit öfter eine Rolle) Wirkung entsteht,
mit der sich - das ist Hasen-Lichtgeist - der innere Blick ganz wunderbarlich
aus dem unmittelbaren zeitlichen Zustand ins Licht der Ewigkeit hebt, eine
Wirkung, welche ja auch in den Bauformen der Gothik ganz bewußt erzeugt
wurde (diese Zeit nun baut sehr hoch, aber in Zellenbauten, wo die einzel-
nen Räume nicht so hoch sind, keine zwei Menschenlängen gewöhnlich -
daher haben jene, die von dort in die Klüfte zwischen solchen Hochhäusern

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blicken, meistens auch kein Empfinden für die Raumwirkung solcher
Ensembles im Binnen-Himmelsraum, der damit entsteht; die Menschen
sind dafür so wenig eingerichtet wie für die Sichten beim Fliegen oder
in asiatischen oder amerikanischen Gebirgen, reduzieren sich zu reinen,
unrelativierbaren Wahrnehmungspunkten, vergleichbar dem, wie Adler rein
im Licht schweben und sehen, aber die haben ja die damit konsonante eigene Körperempfindung). Eckehart hat wohl einige Zeit im Rheintal (Straßburg?)
und in Paris gelebt und gelehrt - an Plätzen, die eine Besonderheit aus-zeichnet, indem dort ein Fluß (besonders der Rhein) im Ganzen nordwärts (oder nordwestwärts die Seine) fließt. Damit verhält es sich ja so, daß der nordwärts weisende Vektor des Flusses (in jedem seiner Massepunkte,
Moleküle) der in Europa besonders ausgeprägten Fliehkraftwirkung der Erd-drehung entgegenläuft. (Dieser Verhalt, die sehr starke Zentrifugalwirkung,
scheint sich auch abzubilden in den geschichtlichen Bewegungen
nordischer Völker nach Süden hin, bis nach Nordafrika.) Es entsteht daher,
besonders im Rheinlauf, ein quasi paradoxer Effekt, den man empfinden
kann ähnlich, wie man bei der Betrachtung des langsam rotierenden Stern-
himmels eine Gewahrheit haben kann der den Körper um ca. 1/40 seines
Massegewichtes erleichternden Zentrifugalkraft (in Europa). Jeder Massepunkt
(im Rheine) bewegt sich mit dem Gefälle des Tales unweigerlich nordwärts,
zugleich aber strebt er der Erdrotation wegen (im Betrag von 1/40 seines
Massegewichtes) nach Süden, in Richtung auf den Himmelsäquator hin
(wo der Horizont der Fliehkraftwirkung zu sein scheint, definiert durch die Polarachse der Erde, um welche die Drehung ja erfolgt). Ein solch subtiler Aberwitz, und genau aus diesem Effekt, ist der sonderbar inspirierten Logik
in den Gedanken und Wahrhaftigkeiten Eckarts oft anzumerken - es kann
nicht schaden, dies beim Lesen und Bedenken seiner Schriften & Worte
nicht zu vergessen. Schon zu Plotins Zeit, als die Römer den Norden
Europas weitgehend kannten, spricht eine andere Schau von Aspekten
desselben Effekts. Diesmal ist es der Metapherngebrauch zur Erläuterung
des Einen. Die Welt soll daraus hervorgehen wie der Baum aus der Wurzel,
das Wasser aus der Quelle usw., aber ein Blick für die darin gleiche Empfin-dungsidee weist um eine Spur weiter, auf den spürbaren Zusammenhang
zwischen der Rotation der Zirkumpolarsterne (um den Polarstern, das
All-Einende selber) jenseits der Nordhorizonte und dem wie springendes Quellwasser von Norden nach Süden IN den Horizonten so hervortreibenden (wie: klärenden) Wirkung der Fliehkraftbeschleunigung...

"Urbilder" sagt das immer (Philosophietext), als wenn das die Idee wäre
oder etwas rein Metaphysisches - not so: viele Formen, die der Menschheit

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in sich oder in ihrer Welt darzustellen gelang, oft in den Bewegungen ganzer Völkerschaften, den größten Werken alter Staaten, sind Verdeutlichungen
und Abbilder von Formen, welche in der Proportionen des Sternenhimmels erkennbar sind. Bei Aristoteles wohl geht das los, solcher Wortgebrauch
in solchem Sinn. Aristoteles aber scheint von Hirten abzustammen,
und es sind Hirten um große Talweiden oder auf landweiten Triften gewesen, die in ihren Nachtwachezeiten Muße und Geist für solche Beobachtungen fanden, was das wohl sein könnte in irdischen Begriffen, diese Formen,
ewig vorgegeben in den Proportionen der Sternenhimmel. Jäger und
Seefahrer rieten dazu. Es ist eben auch kein Zufall, daß Astronomie und
Geometrie zu den freien und höchsten Künsten zählen: wer wie die Hirten, Jäger usw. über längere Zeit den Lauf der Sterne, der Planeten und des Mondes zuschaut, der kann in deren himmlischen Gestenspiel ohne weiteres die :Urform des geometrischen Erörterns und Beweisens erkennen. Daher...

Eckehart, noch einmal: die ungeheuer begeistigende, sich in immer neuen
Wendungen (Flußschleifen) verdeutlichende Erkenntnis von der Durch-
wirkung des Ewiggleichen mit dem zeitlich Geschehenden ist in derselben
Formel empfunden, die in dem Paradoxeffekt des Fließwassers erkennbar
ist (wenn man von den physikalischen Voraussetzungen weiß, und DENKT),
denn auch dort durchwirken sich das Zeitliche (die Flußbewegung) und das
zumindest Immergleiche (die Fliehkraft, aus celestialen Verhalten hervor-
gehend) in einem Element, das so selbstverständlich zum Körper und seinem
Befinden dazugehört wie kein anderes. Die photonenfeine Panik Eckeharts
ist deshalb so ungemessen, so unsagbar elementar, weil da auch ein
Empfinden mitspricht (vielleicht aus Flußfischen in der Nahrung), ein wie
ungeheurer Raumkörper, welch reine Masse alles Rheinwasser miteinander
ist - worin allzugleich, aber mit einem leichten Tendenzwechsel in der Fliehkraft
von Norden nach Süden, dieselbe, aus der noch viel ungeheureren Masse
& Rotation des Planeten, im dann schon unnennbar weiten, ätherklaren All,
sich beweisende FELDkraft (da sieht der Hase mit, in solchem Wortwitz) Subtilwirkung tut. Das ist nicht mehr die Dimension des Göttergelächters
aus griechischen Berghimmeln - darin "lacht Gott selber", könnte man
sagen, aber man tut vielleicht gut daran, dabei eher an den Titanen Kronos
zu denken, der dem All die Zeit macht und alle Bewegung - bis zu dieser
Dimension haben Menschen jedenfalls noch Wahrnehmungen. Nur das
Gesetz, die Idee, der Inbegriff der Natur - usw. - Gesetzlichkeit selber,
in dem sowohl das All, Zeitlichkeit, Bewegung und dieser unsagbare Subtileffekt, hinzu natürlich das Erkennen der Wesen, die Materie,
worin sich das so gewaltig beweist usw, usw, aufgehoben sind, in einem

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Nabelpunkt kosmischer Abstraktion, läßt jenseits des Titanischen
noch die Meinung absoluterer Divinität zu. Das konnte so werden,
vom Gewaltigsten bis ins Feinste, Subatomare, bis in die Gewahrheit (Eckehart) oder das Erkennen mit dieser (solche Erörterung wie hier dies) -
was bleibt sonst noch zu sagen, wenn es so IST!

Der Weg nach Süden: wer ihm, längs des Rheines beispielsweise, folgt,
dem steigt der Sternenhimmel merkbar (um einige Grad) entgegen. Zugleich
ändert sich der Vektor der Fliehkraftwirkung, die ja auch in jedem Atom
jeden lebenden Körpers wirkt, um denselben Betrag, weist um so mehr nach
oben, außen, himmelwärts. Das ist wie ein leicht hebendes Gefühl um den
Oberbauch. Wer solche Effekte (das Steigen des Sternhimmels) SEHEN
kann, der spürt auch diesen Lift, der ohnehin ein wenig stärker wird, weil
der Fliehkrafthebel, die Strecke vom Pol zum Rotationspunkt, größer wird.
Und dann kommen die Alpen, heben sich und den Wanderer um so viel
weiter in die Himmel des Südens usw. - wer kann die Ereignisse der Alten Welt
mit wirklichem Sinn erklären, der dies nicht mitsieht! Eckehart wurde später
dann von der Inquisition befragt und gerichtet, wobei man von ihm als von
einem schon Toten sprach. Das meint: seine Seligkeit kommt eben in der
Grundempfindung aus dem Titanischen, für das gilt, was schon bei Heraklit
zu sagen war, daß nämlich das beseelteste Tun und Geschehen dort immer
doch nur den Rang hat rein physikalischer Ereignisse, reiner, auch ohne
jeden Geist geschehender Wirklichkeit - Eckeharts Geist unbenommen, und
auch die Seelen seiner Zuhörer, aber was er da elementar beruft, befindet
sich im All des Kronos - bei dem jedes Ding & Wesen nur Materie, in nur
Raum und Zeit ist. Beim Lesen der Predigten Eckeharts ist auch öfter diese Empfindung auf einmal da ungeheurer Gefahr - das aber gleicht sehr dem,
wie im Vorfrühling, bevor noch Gräser und Getreide wirklich zu wachsen beginnen, und wo den Hasen aber der reinste, klarste Himmel ins Gesicht,
die Augengründe, die Seele selber scheint haarscharf bis in die letzte Spitze
jedes Härchens, wie da der Himmel von allem Zufälligen leergefegt und
so sengend scharf gefährlich erscheint, aus den Alltiefen her an die Erde
selber. Eckehart spielt sozusagen in seinen Gleichnissen, in der Logik seiner Worte, mit dieser Empfindung, welche den Menschen seiner Zeit nicht
unbekannt gewesen sein dürfte - die Institutionen des Karnevals, des Fastens danach entspringen direkt daraus. Wahrscheinlich entsteht diese Empfindung aus einer überzeitlich in endlosen Generationen aller Kreatur, von der Pflanze bis zum Fleischfresser und Parasiten eingeborenen Gewahrheit für die Rolle des Kohlenstoffs in aller Natur, klar empfunden in ihrer ganzen, noch viel gewaltiger als die Massigkeit des Paradoxeffektes in allem Rheinwasser

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etc. wirkenden Gewaltigkeit, wie scharf eingezogener Atem aus dem
Wesensgrund allen Lebens selber sooo - gespürt, wenn noch alles Kohlen-
dioxid, das zu Blatt, Holz, Nährpflanze usw. wird, in der Weltatmosphäre
darauf harrt, gerufen und assimiliert zu werden. Alles auf diesem Planeten sieht die scharfe Grenze von Sein und Nichtsein in dem unmerklichen,
aber realen Brechungseffekt für das Licht der Sterne und der Sonne aus
DEM Kohlendioxid im Himmel, das bestimmt zu Pflanze, damit Tierleib,
Stand und Ereignis der realen Welt noch werden WIRD, in diesem Jahr
und in jedem - derlei sieht man nicht nur zu Eckeharts Zeiten, sondern immerzu, jedes Jahr erneut, so sicher, wie Leben existiert, das dieses
Effektes bedarf, ihn wahrnimmt (Kohlendioxid entsteht im Grund der Atemseele immerzu) und in Erkenntnissen sich verdeutlichen kann.
Erkenntnis in solchem Sinn ist aber schon der Appetit und Genuß,
den das Grastier mit dem Grase hat. Usw. usw.
Es finden sich ja noch andere Elemente recht unmittelbar zu dieser Totale
des Kohlenstoffs. Einmal der Sauerstoff, der in der Photosynthese
von ihm gelöst wird, sodann der Kalk (Knochen), das Eisen (Blut), Silikate
(Haut, Zähne etc.etc.). Aus diesen Elementen im Ganzen aber ist die Lebens-
umwelt der Menschen in der Gothik gefügt. Stein, Holz, Schmiedeeisen,
und weitere organische Materialien (Seile usw.) aus der Kohlesynthese. Man verfeuert Holz, man vergießt und kocht Blut über Eisen. Da ist eine reine Mitte
der Welt, genährt und beschienen von einer Sonne, derengleichen Energie
(und Energiestruktur) im Inneren entsteht beim Kreisen des Fusionsprozesses um eben diese Elemente, bis hin zum Eisenatom. Soviel ist heute dazu bekannt, und was bei den Alten Äther hieß, das ist vielleicht die Diaphanität
aus einer Sphäre (Kernfusion) durch eine andere (Elementphysik der
Erdenwelt) ins Leben (Rolle dieser Elemente im Gesamtmetabolismus der
Lebenswelt), daraus hervor zur mittelalterlichen Weltgestalt um die Mensch-
heit her, auf den klarsten Punkt gebracht im Erkennen der Mystiker aus der Mitte dieser Menschen- Weltgeschichte hervor. Da geht ein Licht, das mehr
ist als Photonik - es hat die Qualität reinen Erkennens & Seins, nicht nur
der Erkennbarkeit und Existenz.
Ein Nebenblick bleibt vielleicht noch aus der Verdammung Eckeharts durch
die Hierarchen, das wäre, daß man diesen Effekt im nordwärts fließenden
Wasser ja auch aus dem Nil kennen kann - dort aber, so nahe beim Äquator,
ist der Fliehkraftvektor zwar sehr stark, aber sehr steil, das heißt: nicht
in diesem Antagonismus mit der Fließrichtung des Wassers merkbar.
Was dem dort phänomenal eher entspricht, das sind die alljährlichen Hoch-
wässer, damit die Wirkung dieser auf das Leben & Dasein der Menschen
am Fluß, der Tiere natürlich auch. Vielleicht bildet sich dieser Verhalt (der

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Winkel des Vektors im Verhältnis zur Flußrichtung des Leben bedeutenden
Nils) in der Sonderbarkeit ägyptischer Figurenmalerei ab, der doch an sich
unlebendigen, feinzeichnenden Fügung auch plastischer Gestalten nach
beinahe rechten Winkeln etc. - wie sollte sich das Vektorbild im Nilwasser
nicht ebenso total abbilden in Menschenwerk wie in der Lebenswelt,
Geistigkeit & Mystik Europas derselbe Verhalt in nordwärts laufendem Fluß!
_________

Der Mensch unterscheidet sich vom Tier nicht in der Hinsicht, daß er Ver-
nunft hat, sondern dadurch, wie sie sich ihm ausprägt, als Selbstgestaltung
in weltergreifenden Kollektiven. Darin ist er aber oft vorgeprägt durch den
Arten- (Herden-) Weltgeist mancher Tiere, die ihm die Welt mitvorgeben,
zumal Rind, Schwein, Huhn und Schaf (Ziege). Diese Tiergesellschaften
zeigen in sich selbst vorstrukturierte, funktionale und hierarchische Verhält-
nisse. Der Mensch bringt vor allem eine bestimmte kognitive und fabriziöse
Intelligenz dazu, eben jene, welche ihm diese Charaktertiere schon aus-
geliefert hat. Da, wo er sich dem Geist solcher Tiere zu sehr überläßt, sieht
man, daß es begrifflich und technisch nicht weit über die schon tierischen
Verhältnisse hinausgeht. Es befreit sich nicht und präzisiert nicht, was es selbst daneben sein kann. Die Technik kann dabei sehr weit gehen, wo z.B.
der Mensch die jupiterische Idealwelt der Kuh, deren Sinn für hohe Himmel,
feste, weiße Wolken usw. als Kulturformen (Marmor, Tempel, Foren etc.)
seiner eigenen Welt dem nach- und mitformt.
_________

Für die Bildung (solche Dinge sind nicht selbstverständlich bekannt):
Des Sokrates Daimon heißt hier der hekatische, weil er dem Sokrates typischerweise immer dort an den Weg tritt, wo er sein Haus verläßt.
Hekate ist eine alte Elementar- (Titanen-) und später Zaubergöttin,
der oft neben den Türen der Häuser auf der Gassen dreigesichtige Male aufgestellt wurden. Das Lexikon erörtert: bei anderem alten Zauber spielten Dreiwege eine bestimmte Rolle; so auch hier. Hekate hieß mit einem Attribut: Trioditis, und wachte bei den Scheidewegen, wo der Mensch sich entscheiden mußte, oder dies nicht tat, aber das zu Lasten besserer Erkenntnis.
Die Trioditis-Statue stand deswegen an den Haustüren, weil dort eben drei entscheidende Wege zusammentrafen: der Weg ins Haus selber oder aus ihm heraus, und die gewöhnlich beiden Richtungen der Gasse davor. Es konnten also Fremde davor einfach vorübergehen oder auch sich dem Haus zuwenden, so, wie die Hausbewohner, aus der Tür tretend, eine Meinung finden mußten,
in welcher Richtung nun der Gasse zu folgen. Möglicherweise sollten die

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Hekate-Male Hausfremden extra anzeigen, daß sie dort durchaus Neuigkeiten und Anderes an die Bewohner loswerden konnten. Die Griechen, als ich längere Zeit hatte, ihrem Leben und Treiben in einem Lokal zuzuschauen, zeigten da neben dem für das Spiel vor allem Sinn für witzigen Schnick-schnack, den Westentaschenhändler gelegentlich hereintrugen und feilhielten. Diese Dinge hatten nur mäßigen praktischen Wert, wurden aber oft deshalb
gekauft, weil es für alle Interessierten witzig genug war, sich mit den Sinnig-
keiten dieser Dinge an sich unterhalten zu finden. Eine ähnliche Façon wie
das und die vermutbare Geschäftsfreudigkeit mit Neuigkeiten und Dingen von
Fremden, die sich durch das Trioditis-Mal eingeladen fühlen konnten, fand
sich bei anderen Völkern später im etwas entwickelten Europa, indem dort
vergleichbare Leute wie das Hekate-Volk mit Stoff, Zinnfiguren, Tabak usw.
ihre Geschäftchen zu haben wußten. Es ist also für den Hausbewohner
einer weitläufigen Stadt voller einfacher Menschen, wie Sokrates doch einer
ist, immer eine mögliche Frage des morgens, wenn sie aus der Tür treten,
in welcher Richtung sie denn jetzt den Weg in die lebende Stadt antreten
werden. Dies ist ja keine Einzelheit, sondern ein ganzes Wesen. Viele
Menschen im wegereichen Gefüge der Stadt, die ja auch ein weiteres
Bewußtsein über die weiteren Weglagen um ihr Haus hin haben, finden sich
so jeden Tag in ihre Wege (in der Oberstadt von Thessaloniki, wo früher wohl
eher die Ziegen geweidet wurden, verlaufen beispielsweise viele Wege so miteinander, daß man fast absichtslos oft immer wieder in einem - deformierten, natürlich - Kreisbogen an seinen Ausgangspunkt findet)
(ein bißchen Absicht an sich gehört schon dazu, aber die Weganlage lädt wirklich dazu ein). Der Daimon des Sokrates ist also eine Verdeutlichung dieses Verhaltes, das ein WESEN ist, nicht nur ein da oder dort vereinzeltes Befinden. Die Bewohner der Stadt, soweit das Hekate-Volk ist, verstehen
Sokrates da unbedingt, ohne weiteres Bedenken, und nun diese speziell
sokratische Frageweise hebt ja damit an; diese Befragung des weiteren Wege-
sinnes durch jeden, der in der Stadt meinen kann, etwas zu finden zu haben,
gibt diesen ganzen Verhalt wieder: Ja eben, sagt er, was ist denn da selbst-
verständlich! und die weitere Durchfragung des Meinbaren gleicht elementar dem, wie man sich bei jedem möglichen Wegpunkt, den man fraglich
finden kann - Zweigungen oder Kreuzungen usw. - neu besinnen kann -
das ist doch die reine Möglichkeit, und das allgemeine Finden und Bedenken
aller so wegnetzkundigen Menschen in der Stadt formt einen hermetischen
kleinen Kosmos aller kombinatorischen Möglichkeiten und Wirklichkeiten,
wo sie zu je solcher und solcher Zeit, mit solchen und solchen bestimmt-
ungefähren Ideen, was das Mögliche und Wirkliche des allgemeinen, realen
Befindens Aller in der Stadt wohl sein wird, selber sein können - das ist,

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an sich, so ungewiß wie der fassungslose Geisteszustand, in dem das
sokratische Fragen die sich Mitbefragenden schließlich läßt, dies eben jener
Hermetik wegen, in der das Tun und Wesen der Menschenstadt sich nur auf
die Bautenstadt und ihre Wegnetze begrenzt. Hinzu Gewahrungen aus dem Ensemble insgesamt hervor, ins noch ohnehin Erkennbare, ins überhaupt Elementare. Platon als aus dem Ur-Adel der Stadt, also in seiner Genealogie
dort ansässig seit jenen Zeiten, wo die Weite der Landschaft ziemliches Wildland gewesen ist, weiß sich daher eine Schau, wie sie den freien,
wilden Tieren ohnehin selbstverständlich ist, und dies sucht er Jenen zu
vermitteln, die von der Sagenhaftigkeit des Klein-Atheners Sokrates auf die
Höhe wohl des Hügels gelockt worden waren, von wo die Stadt sowohl wie
das Umland und das Meer selbstverständlich in einem Blick (: eidos) sichtbar waren. Dortselbst wohl stiftete seine Landschenkung später die Akademie. Hekate, die zauberische Hüterin dieses Wegesinnes, mit dem Sokrates sein geistiges Argument fand, galt zunächst als eine Titanin (in Vorderasien,
wo ihr Geist her ist - Kult wäre das falsche Wort), jene der Sterne, der Nacht und des Meeres. Das sind auch die drei großen Elemente, die bei den sonst
im Häuser-Wegnetz der kleinen Stadt Behaltnen selbst dann spürbar (Meer-
atem) und sichtbar (weiter, hoher Nachthimmel) bleiben, wenn die ephemere Logizität des Tage-Wegwesens keine Rolle spielt. So oder so bleibt also
das Volk mit seinen Häusern und Haushöfen in den Dimensionen der
Hekate, sei das nun die titanische, elementare Nacht oder das Wegewesen
zwischen all den anderen Volks-Aufenthalten in der weiten Stadt. (Auch
dazu hat Thessaloniki gute Beispiele, mit den flach in der Meerebene sich erstreckenden Vorstädten, im Ganzen ziemlich fest gefügte Gemeinden;
regelmäßige Häuserlabyrinthe durchsetzt mit Werkhöfen, ummauerten
Grundstücken usw.)
Das Daimonion des Sokrates (was der Bericht darüber als "Gewissen" übersetzt) ist also auch nur die personalisierte, eigentümliche Form des Wissens und Empfindens nicht nur über den logischen Verhalt alleine,
wie das Wesen der Menschen in den Wegelabyrinthen ohnehin ist, sondern
solch ein Ahnen, wie es sich damit unmittelbar befindet. Aus Gegenden, die
mit solchen Zuständen weitgehend vergleichbar sind, habe ich schon früh
Beispiele witzig-sinniger Hellsichtigkeit von einfachen Menschen (auf der
Straße oder bei ihr) kennengelernt, daß beispielsweise in N**, wenn ich
in freien Zeiten ein wenig umherstromerte, also mich diesen trioditischen
Halbgewahrheiten nach Ahnung und Gefühl überließ, aus Gesprächen von
bestimmten Menschentypen am Wege diese sonderbare, wissende Witzigkeit
sprach, ein Wort oder eine Wendung, was sich mir ein wenig einprägte,
und dann fand ich, zwei oder drei Hausecken weiter und auch eine Zeitlang -

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zwei Minuten oder so - danach irgend etwas, das diesem Witz antwortete,
das ihn erst dazu machte - nichts Statisches, sondern irgendein beliebiges
kleines Ereignis, das nicht schon zugange gewesen sein konnte, als die
Hellsichtigkeit mir den Witz hinzugab. Das also ist der hekatische Geist,
oder die Geistesgegenwart des sokratischen Daimonion, eher eine Gewiß-
heit, ein Gewißsein als ein Gewissen. Die Gewissensform selber ist nur eine
Entstellung, so, wie die Erscheinungsform des toten Tierfleisches eine
Entstellung des Tier-Lebenswesens ist, vergleichbar der tyrannischen
Niedertracht, die Jedem entgegentreten kann und insistieren:
aber Du weißt doch!!
Auch das macht Argument sowohl bei Sokrates wie bei Platon, wenn sie
mit jenen, die noch nicht (oder vielleicht nie) ihre Weisheit haben, sich
über die Merkbegriffe angesichts möglicher Bosheit, Tyrannei und
Niedertracht im Menschlichen (immer dort im nur Menschlichen)
unterhalten, als über die Tapferkeit zum Beispiel, die Tugend,
Wahrheit und Wahrhaftigkeit etc. sowie Platons ganzer Kalender
über die Spielarten des Staatswesens und des Staats-Unwesens.
Für die Kuriosität: bei Fotos von Empfängen im Kreml, vor allem in der
Jelzin-Zeit, ist oft eine sonderbare, ziemlich feine Skulptur zu sehen, nicht
allzu genau erkennbar; anscheinend tragen da mehrere Figuren miteinander
eine Art Kalottenschild mit sehr scharfen Rändern. So etwa muß man sich
ein Hekate-Trioditis-Mal wohl vorstellen. (Als weitere Kuriosität: an einer
Bildwand eines Tempels in Tibet sind Menschengestalten gezeichnet in
gekammerten Feldern, die eine weitläufige Ähnlichkeit zeigen mit gewissen,
elementaren Typen des Bürokraten- und Apparatschik-Wesens in bester
Sowjetzeit. Vor dieser Wand aber, sehr vergleichbar der nur halb so großen
Skulptur in dem Empfangssaal des Kreml, steht eine wunderbar fein
gearbeitete Dämonengestalt aus tiefrotem Holz oder Stein, anscheinend
eine Kriegerfigur, mit einem Gesicht ähnlich einem Schnabel, der aufgesperrt ist, eine Zunge darin sich geringelt hervorstreckend - sofort dürfte einem
einfallen der Alkoholismus Boris Jelzins, der dieser Statue auch weithin
allgemeintypisch nicht unähnlich ist. Zu der hervorgeringelten Zunge darf einem einfallen, wie Wodkatrinker wohl nicht selten mit halbgelähmter Zunge so schnalzen, in einer ausgewachsenen Form des Milch-Schnalzers mancher Säuglinge. Die Bären schnalzen auch nicht selten so, wenn sie gewisse Meinungen äußern.) (Ah so: diese Gestalt tritt also sehr plastisch, arche-
typisch wie die großen Dämon-Skulpturen der Maya in Mexiko, vor dieser
flachen, wie Ikonen so irisierend grundierten Bildwand hervor. Als Zeichen
hält sie einen schmalen Speer, eine Lanze, mit einer Mondsichel statt einer
Spitze. Die Tibetaner haben weitere solcher Bildwände, in denen unschwer

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die Typik eines gewissen Preußentums (DDR-typisch) oder eine
wild intensiv gestaltete Bildlichkeit des Jüdischen erkennbar sind.)
Zum Trioditis-Thema, weil das alles ja mit titanisch tiefer Klarheit vom
Geschick spricht, gehören vielleicht auch die übrigen Dreiheiten, weiblich:
Die Grazien, die Parzen etc. etc.
_________

Hermes und der Weg der Seelen durch die Unterwelt - ja sicher, das ist
einfach genug. "Da kann ich Ihnen folgen" sagt das eine Wesen zum anderen,
soweit ihm dieses auch deutlich weist und Spur gibt. Da sehe ich, da
empfinde ich, da habe ich ja was - und was sonst ist, das weiß von keinem
Bleiben, ist wesenlos wie der Weg durch die Unterwelt - was eigentlich eine
Nachtwelt ist, eine ohne Tages-Vordergründe, auch eine andere als jene der
Hirten und Wächter, welchen der Wind und die Sterne durchaus Geschichten erzählen - aber das ist nicht beim Hermes. Die Gewahrheit solcher Art
ist irgendwie wesenlos, verloren, gleicht dem Sinn von Hund, Schwein,
Bär für Spuren und Gewahrheiten, denen ein ahnungstiefer Geruchssinn
zu folgen versteht, oft im Ausforschen von Aasresten, die solchen Sinnen
Geschichten erzählen, wie das so ist, und war, zu existieren als ein
bestimmtes Lebewesen in seiner eigensten Welt, dem, was als ein hermetischer Horizont des Leibes selber spürbar bleibt, das ganz bestimmt metabolisch Ereignete und Attachierte. Der Lebensgeist selber kann ja
nicht mehr sprechen von dem, was Atem, Licht und Bewegungssinn vom wirklichen All wissen über den Leibkompakt hinaus. Da ist denn (wo die Aasluft verflogen ist, zumal) ein zeitlicher und zuständlicher Abstand
zum bewegt-lebend Gewärtigen, das sich das verdeutlicht - ein Abstand
wie von dieser Erde zum schon fernen Sirius, im Prinzip. Da ist Gewärtigkeit, aber zeitlich entsetzt, und zwischen Erde und Sirius ist luft-atemleeres All.
Nur die Gewahrheit überwindet diese Spanne, nicht das Leben selber.
Bei Menschen aber, die schon fern dem leben - nur sich ihre Daseinsweise
so einrichten - was doch um jedes Dorf und über jedem Dach jederzeit aktuelle, weite Weltgeschichte ist, da übt sich ein so ähnliches Befinden miteinander - die Menschen forschen im jeweils Anderen, was der wohl ist, was dem
wohl Figur macht über das hinaus, was man ohnehin erkennen kann.
Diese Gewahrheitlichkeit fühlt bei nahen Menschen auch oft über den
Tod des einen oder anderen hinaus, wittert z.B. aus dem nachfühlenden Lebensempfinden bei dem mit, wie der so nah erlebte Leib vergeht,
und auch, was aus der Welt, die sein Vergängnis annimmt, vielleicht
noch mit herzuwittert (Orpheus & Eurydike, aber auch: Kierkegaard,
der nicht umsonst so heißt).

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phi 2


...alleskönnerischer, alleswisserischer Stummelfingervolapük
der Weltbarbarensprache...
_________

Wahn: die Vergeistigungsform von Wüten, vergleichbar Glas, das aus
Feuerhitze sich formt und dann erkaltet, erstarrt. Geistig: das kann ideale Form haben und bricht das Licht, nach WIRKLICHEN Gesetzen. Aber es hat eben auch andere Qualitäten, die nur material sind: kann zerspringen, fallen, so und so verletzen usw. Spezieller Verhalt zu Charakteren in und beim Sand.
In Westfalen z.B. mit seinen Glaseichen auf Haifischzahn-feinem, glastig
reinem Sand, ist die ganze Welt so - das braucht keine Spezifikation als
geschaffenes Glasobjekt. Dazu die genialisierenden, aber doch sinnlich
bannenden, totalen Farbwechselspiele der Wälder, beispielsweise im Weser-gebirge usw. Solche Dinge machen Supercharakter, d.h. eine ganze Mensch-
heit erlebt als Totale diese Phänomene in Totale und spezifiziert ihre
Wahrnehmungen daher in bestimmte Lebens-Sitten-Charakterformen und
individualisierten Ideen dazu, wie die Welt "daher" ist. Es gibt andere vergleichbar einfarbige Gegenden (da suggeriert sich die Bezeichnung "morgenländisch", weil solche Gegenden besonders klar hervorschauen
zu Zeiten des späten Mondes, wenn er im Vormittag fein gezeichnet mit
in den Tag scheint); solche Landschaft macht z.B. das Ende der Adria
und die Gegend zwischen Ravenna und Venedig. Dies letztere ist ja auch bekannt für ebensolch feines, buntes Glaswerk wie in der ersten Bemerkung erwähnt, und, beim späten Mond (da ist noch ein symbolisierender Verhalt
zu Empfindungen des weiblichen Leibes in der späteren Phase der Periode) - die Formen und die Sprache beim Karneval beziehen sich deutlich auf dieses: man hält Hof wie im Burgundischen (eine noch so schöne, einfarbene Welt), zieht die PrinzenTYPEN an wie in flammendem Landschmuck, mit Formensinn wie im sandgläsernen, bunten Westfalen, nennt die Prinzessinnen "Venezia",
dies alles in einer Zeit, wo die Natur umher nicht "spricht", d.h. unmittelbar
aus der Sonnenkraft ihre eigenen Kräfte wiedergibt, sondern wo alles
nüchtern ist wie Sand, auch: wie schlämmender Mergel (Schwaben, Pfalz,
Burgund), der in sich passiv ist, aber der Vegetation Charakter mitgibt
vergleichbar geleimter Kulisse. Wahnhaft kann man Geisteszustände nennen,
die sich in solchen oder vergleichbaren Verhalten zu sehr verselbsten,
im Sinnencharakter sozusagen verglasen, davon insistente, aus der Selbst-
wahrnehmung nicht korrigierbare Meinungen entwickeln, die sich eher leiden als wirklich leben. Hinzu Entstellungs-, Verfalls- und Negativformen dieses Charakters, fragmentarisiert usw., so wie Glas ja auch in seiner physischen Form nicht ohne korrosive usw. Neben- und Abfalleffekte zu haben ist.

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Wahn: wichtig für den Wertesinn der Menschen damit
(auch Tiere erkennen da manchmal etwas).
_________

"Aber es MUSS meinen Wahrheitserwartungen entsprechen!" Es muß,
es muß, es muß! Was soll das für eine Philosophie sein! Fixieren sich
an Vordergründigkeiten wie starrend vor eine Pharaonengrabwand,
und in ihrem klar Unbewußten, in dem, woran das präemptiv orientierte
Bewußtsein sich nicht stößt, woran es nichts findet, wo Dinge der Welt
sich wahrlich miteinander abbilden, ohne daß der SINN darüber erwacht -
da zieht leis Hermes mit Seelen auf ihren Wegen hindurch -
es ist jemand da, aber hier ist es nicht...
_________

Hobbes: definiert als Philosophie, was aber Naturwissenschaft ist.
Die "idea" bei denen Engländern, das ist nicht Idee,
sondern Konzept und Begriff.
_________

Gutes IST oder Gutes geschieht. Daß Gutes werde, wage keiner
zu behaupten - dazu sind seine Kategorien niemals endgültig genug.
_________

Die Gelassenheit (Nicht-Tun) des Lao Tse als gute Nebenposition
zu platonischer Wesenselation. Lao Tse selber ist lebenscharakterlich vergleichbar genug mit Sokrates, kann aber seiner natürlichen Gelassenheit wegen nicht leicht in dessen Argumentweisen und finale sittliche Not geraten. Lao Tse ist klüger als das, konstatiert wissend, daß Sittlichkeit und Nötigung ein und dasselbe sind, indem gewöhnliche Menschen (so meint das ja selbst Kant) sich nicht einfach als sittlich vorhanden wahrnehmen können und der Sinn sittlicher Verfaßtheit über die mindeste Existenz hinaus darin besteht
(im Weiteren: bestehen WILL), in der Welt (dem Reich allgemeiner Gewalten)
etwas auszurichten. Dazu muß man sich wollen; das ist nicht naturläufig wie
die einfache Sorge um seine primäre Existenz. Die Sittlichkeit im Weiteren
entsteht ja aus der natürlichen Interferenz zwischen einfachen Sittengruppen oder Urgesellschaften, und der Sinn für das, was über das allergewöhnlichste Existenzinteresse Einzelner und kollektiver Selbste Sache sittlicher Wahrnehmung sein muß oder soll, wird auf dieser Interferenzebene
ermittelt mit den Regungen und Gewahrheiten, welche schon in den
Urgesellschaften zwischen den Individuen, Familien usw. Wahrnehmung

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machen, namentlich Interesse (Appetit), Abscheu (Feindschaft, Objektion), Notwendigkeit, usw. So ist z.B. die Welt der griechischen Poleis, so ist der
Zustand des Polemos, die unentschiedene Friedlosigkeit zwischen Subjekten,
die einander eben nur als unabweisbar existent wahrnehmen müssen.
Das Wollen, womit die Subjekte inerter, statischer Lebensverhältnisse erst über sich hinauskommen, bleibt natürlich ein wesentliches Element größerer
sittlicher Aggregate, und dort, ab einer gewissen Dichte der Weltwahr-
nehmung, konkretisiert sich das Meinen dazu in der Individuation eines
präzisen und autonomen Wollens, in einem Willen, den man sich,
wie bei anderen elementar-allgemeinen Gewahrungen notwendiger Art,
in einem einzelnen Menschen inkarniert vorstellt, und schafft Umstände (wollenderweise wieder, natürlich), worin dieser Wille als einzelnes Bewußtsein, als Sublimation des allgemeinen (sittlichen) Subjekts zu
sich kommen soll; daher Könige, Heerführer, weltunternehmende Leute
und ihre Privilegien, die eine tätige sowohl wie rezeptive Teilhabe
der Allgemeinsubjekte ermöglichen, sogar garantieren sollen, denn
die Möglichkeit des Unwillens bis zur letzten Verweigerung, in Emeute
und eventuellem Totschlag, behält sich die Sitt-lichkeit immer vor -
sie kennt sich nicht anders. Lao Tse kennt und sieht diese Verhalte sehr genau, aus einer unruhigen Weltzeit dort in seinem China, dessen Zustände sowohl vergleichbar sind der selben Zeit der streitenden Stadtstaaten
in Griechenland und manchen Verhalten beim Ende des Römischen Reiches im nördlichen Europa. Lao Tse zieht sich bewußt auf eine still kultivierte Sorge um die nur notwendigen, also immer schon einfacher Sitte, einfachem Dasein entsprechenden Gesten zurück, und seine, nicht Forderung, sondern eher: formative Meinung des Nicht-Tuns reflektiert eben die Grenze zwischen wohlverstandener Eigensitte und der fluchtigen Weltverlorenheit, die bei solchen Weltzuständen blindlaufender Sittlichkeiten, von heilloser und absichtsvoller Klügelei zudem verdorbenen, immerzu wie das unbedingt
einzig Mögliche erscheinen will.
Das zuvor Bemerkte über den Willen sittlicher Konglomerate, der sich
in einer zentralen Figur individualisiert, reflektiert nur auf ein Wesen, das
man als Volkskönigtum bezeichnen könnte, so wie in den dingdemokratischen
Zuständen des alten Germanien und bei vergleichbar archaischen Menschen-völkern, etwa in Vorderasien usw. Daneben findet sich aber seit je eine mehr der unmittelbaren Sitte entsprechende, in sich schon weltkluge Regimentation von feiner strukturierten und gestensichereren Menschengesellschaften, meist in Landschaften, welche dies ohnehin begünstigen. Daraus entstehen, und beweisen sich, neben dem archaischen Königtum schon, solche
Lebens- und Weltregimes, die man z.B. als Fürstentümer und andere

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aristokratische Daseinsordnungen kennt. Sittlich sein zu MÜSSEN
ist nur eine Not, und die Einrichtung des Volkskönigtums reflektiert darauf,
daß solch ein Motiv nicht genug ist. Was soll die Not taugen, danach schaut
es sich damit aus. Die primalen Aristokratien aber, bei denen kratein weniger das Herrschen in einem weiteren Staats- und Weltbild bezeichnet als die kluge, auf Daseinskultur ausgerichtete SELBSTbeherrschung sittlicher
Gesellschaften, haben aus ihren vielfältigeren und sinnenwacheren
Gewahrungen immer schon eine bessere Klugheit zur Seite, welche ihnen
die Welt zu bestehen hilft, selbst da, wo man sie nur erleiden und erdulden muß und ihr nicht mit einfacher Willkür etwas kann.
_________

"Glauben" - alles viel zu äußerlich. Das Wort meint doch: innige Gewißheit,
nicht im Sinne einer Verinnerlichung eines (abstrakt) Vorgestellten,
sondern einen geradezu nur objektiven Verhalt gleich dem, daß die Welt
einmalig und unbegrenzbar Ereignis ist; was sich Glauben nennt, gründet,
genau besehen, auf einer intuitiven Einsicht wie der, daß die Wahrnehmung
der Welt insofern Materie, selbstverständlich und apriorisch sinnreich und
wahr ist, weil die Materie des Leibes ja in ebendenselben fundamentalen
Verhalten gegründet ist - in beidem, Welt und Leib, insofern Materie,
zeigt sich damit ein Gesetz, das bei Interaktionen sich so deutlich
merken läßt wie vergleichbar die Abstoßung gleichpoliger Magnete
oder die Beschleunigung in der Schwerkraft. Ausgehend von der
Immergegenwart solch mittelbaren Empfindens findet zumindest
die Intuition zur Gewahrheit noch abstrakterer,
dem Sein an sich (sozusagen) inhärenter Behalte.
:Pythagoras + Pneuma.
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"Macht des Tabu" - es gibt keinen sinnvollen Beweis Gottes, der nur
argumentiert wäre. Jedes Wesen, nicht nur der Mensch, jedes Ding sogar,
hat Grund, dort jenseits seiner begrenzten Existenz und der Ferne der
gesamtesten Zeit etwas zu vermuten. Bei Lebewesen spricht dafür die
einfache Tatsache, wie die Welt sich zwanglos so in die Form des Lebens
fügt, daß dort Bewußtsein - BewußtHEIT zunächst, möglich ist, dies also
im Urgesetz der Materie mit angelegt ist. Menschen lernten, auch von Welt
und Tier, auf Daimon zu achten, welcher eine Spezialform des Logos ist,
das, wie die Welt auf bestimmte Taten und Wendungen mit ihr bestimmter
antwortet, Besinnung induzierend. Vom Daimon kam das Weitermeinen
(Denken, Empfinden) zu dieser Auffassung des fernsten, damit ganzesten

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Daimon, fern jenseits Diven, Göttern und Titanen, und davor fand der
Mensch Stand, etwa in der Statur des Platon. Die ganze Geschichte aber der
Philosophie seither und der geschichtlichen Welt auch zeigt, wie der Mensch
verkommt und quasi zwischen alle Teufel fällt, wendet er sich in dieser
innersten Gewahrheit des Fernsten und Wahrsten ab - dazu braucht es
keinen Glauben, keine Expression. "Sein" ist ein Synonym für eine Stille
des Selbstes vor (und in) der stillen Ferne des Alls. Zu Lebzeiten wird
keiner wissen in solchen Dingen - aber kann sich befinden, und verläßt er
dieses Befinden (meinend oder auch unwissend), so spürt er sofort,
wie ihn die Welt hat, und zwar falsch. Nur im Weg des Logos, wie die Welt
in sich auch über weite Zusammenhänge "spricht", kann die Tiefe
der Seele verstehen, so, wie man den Gesang der Wale verstehen kann.
_________

Griechentempel: Nachttempel, Schauhilfen für die Meteorik des Himmels,
also schon die Drehung des Firmamentes, Lauf der Planeten etc.
Die Cannellierung der Säulen eine Art Mondlichtuhr. Mit dem Fortgang
des Mondes durch den Himmel kippen die hohlen Tiefen zwischen den Riefen eine nach der anderen ins Licht. Das weckt auch die viel feineren Sinne
für denselben Effekt mit Planetenlichtern und Fixsternen. Die Zella:
Inbegriff des Kleinhirntonus, diese wissende, tiefe Ruhe, die alle Zeit sieht,
welche nur je gewesen sein wird zu dem Ort im All, welcher der Tempel ist.
Wer sich nachts zu den Tempeln in Agrigent stellt (Mond überm Junotempel), der SPÜRT in der Seelenluft der Nacht jene Menschen, die wirklich in jeder Zeit dort gewesen sind. Das ist ein sehr mildes, tiefes Empfinden,
überzeit Allgegenwarts-bewußt.
(Das weiche Vulkangestein umher wirkt da wohl mit.)
Die Römer halten das ein wenig anders, zeigen darin einen Sinn für
kleinode Schönheit, der selbst die Griechen bezaubern konnte.
Auf den Höhen der Hügel hielten sie Haine, worin wohl meistens
ein Tempelhäuschen stand (nach etruskischen Mustern), aus Holz oder Ziegel erbaut. Der Sinn solcher Anlagen war, daß man dort weilen konnte wie
in unbegrenzter Gartenlandschaft, und sah in Sternennächten die Fixsterne beim Horizont zwischen die Zypressen und Akazien anderer Haingärten
auf ferneren Hügelkanten so hineinfliegen wie Flitterfunken. Niemand wird Rom verstehen, der diesen unendlich feinen Reiz nicht beobachtet oder verstanden hat. Die Tempelhäuschen selber waren Inkubatoren für zeitlichere Ereignisse, den Lauf der Planeten, namentlich Mond, Merkur, Venus und Mars. Saturn und Jupiter hatten ihre Entsprechungen drunten im Boden der späteren Stadt. Dem Jupiter gehören Kapitol und Forum, dem Saturn

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die Schatten und Gassen zwischen den Häusern der Menschenstadt.
Mit der Akazie hatten die Latiner schon immer eine reine Schau, aus deren Schatten her, nach den Sternen der Galaxis, auch fernen Galaxien wie dem Andromedanebel und jenen vielen Nebeln in der Zone zwischen Löwe und Jungfrau. Die Gewaltigkeit des Himmelsraumes, die damit spürbar wird,
ist verdeutlicht durch die filigrane Wuchtigkeit des Kolosseums.
Die phänomenal gewahre Höhe mancher anderer Bauten reflektiert
vielleicht auf das dort schon unhohe Rad der Zirkumpolarsterne. Nicht zufällig
gleichen Grabhäuschen den Tempelhäusern in den Höhenhainen - das Gefühl,
mit dem Gebein der Toten darin, soll den Sinn für die sternenlichtfein
kitzelnde Überzeitlichkeit der Sichten dort droben zugleich festigen und
die Gelassenheit des lebenden Gebeins in jene müßigen Allräume und Bewegungsfluchten hineinzufühlen helfen, sozusagen - man findet sich dazu lässig wie locker trockene Knochen. Solche Gärten und Höhen mit Himmel derlei gibt es bis hinauf in die Alpen, weit durch die Provençe nach Westen. Diese Garten-Allsichten formten merkbar mit am römischen Sinn für Juwelen.
Manche Sichten bei alten Städten und Plätzen passen ohne Weiteres da hinzu; Avignon sowieso, aber auch in Deutschland Plätze wie Aschaffenburg, Hohenlohe usw. usw.
Die Bedeutung des Colosseums als Abbild der Galaxiengigantik mit Blick
auf jene Galaxien bei Löwe und Virgo bildet sich ab als das Löwentheater
in diesem Bauwerk. Dazu das Wesen des Kornspendens an die Massen
als Gleichnis mit dem Jungfraustern, der Spica. Die ist bronzegelb
wie der Saturn, wie Korn.
Gigantik bei den Griechen: eher ozeanisch als galaktisch.
Das Höchste (Eudämonie) der Menschenwelt: eine schöne, natürliche, zwanglos ungerufen sich einstellende Ordnung, wie die Menschen sich
zu den Abenden und Nächten bei diesen Tempeln finden. Katzen, Eulen und
Fledermäuse als Moderatoren. Das NATÜRLICHE ist das Schöne, was sonst! Aus dem Mißbehagen der Götter aber über unzeitige Bemenschung entsteht so mancher Menschenhader, bis hin zum Krieg. Der Typ, der am ganzesten
in diese Himmelsgartenwelt paßt, ist Julius Caesar. Das Genie, die Klugheit, der Sinn für's Ganze, der Verführer - alles Qualitäten aus diesen Himmeln.
Das ist alles dorther.
Der später so kultische Sinn für die Sonne, zumal als Sol Invictus, ist zu
sehen gegen diese weitere Matrix des still durch die Gärten kreisenden Alls (dazu: Nero, der schlimme Nachtschwärmer). Die Sonne kommt eben jeden
Tag wieder, erkennbar als der naheste aller Sterne, bleibt niemals aus,
gebietet Allen und überdauert Alle, selbstgewiß wie ein Krieger-Bauer
auf halbtrockenem Tonboden. Die Religion, die vom Nächsten spricht,

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bekommt damit ein absolut halkyonisches Element hinzu, einen allstillen Witz,
den die auf's Nur-Menschliche des Nächstenbegriffs Fixierten nie verstehen
werden. Rom, wie gerade bemerkt, hatte diesen Kult des Sol Invictus, der immer wiederkehrenden Sonne im sylvestrisch schönen All, die in einer
klaräugigen Nacht-Weltschau, wie sie nur Rom haben kann mit GÄRTEN
(Amman z.B. und Damascus haben vergleichbare, aber titanisch kahle
Höhen) als der nächste, naheste aller Sterne wirklich erkennbar ist. Welch sonderbare, göttliche Ironie in ein Verständnis der Sprache vom Nächsten
da hineinschaut und sieht, wie EXTRA wahr das ist, wird sich Nächsten-
behoffender Nurmenschheit wirklich nicht leicht erschließen. Die ganze
Christussage (die doch mit großem Weltallzauber beginnt) wird damit viel
elementarer gleichnishaft in einer Tiefe, die hier im Norden nicht gefühlt ist - kein Skorpion, keine Pinie macht Diesen hier Augen für solche Schau.
Der Nächste, wo Menschen wie im Arabischen auf den Dächern schlafen oder
auf Hügeln reinen Sternenhimmel um das Haus des Nachbars scheinen sehen und dort hindurch, wird auch so zu einer ganz anderen Erscheinung, zu so etwas wie einem Scherz des Weltalls. Und so der Charakter, die Sitten
der Menschheit dort. Die Azteken und Maya in Mittelamerika verdeutlichen dasselbe durch ihre Tempelpyramiden, dazu den Goldblattschmuck und bunte Federspiele. Menschen (auch Tiere wie Adler, Leopard, Papagei, Schmetterling und Fledermaus), die so unmittelbar vor den fernsten Sternsichten erscheinen, wirken daher als feinhäutig oberflächliche Hüllen um Kräfte und Formeln von Kräften, welche mit dem, was Sterne formt, bewegt und scheinen läßt, elementar gleich sind, und unmittelbar dazu. Die Weihnachtssage, und das Weitere, ist eben ein Geschenk der Völker drunten im juwelenfunkelnd klarnächtigen Süden an die weiter im Norden (nicht ganz vergessen: Griechen (...Danaer) haben dem Christentum nach Westen und Norden geholfen).
Wenn dort die Sonne am tiefsten steht, direkt vor der Mitte der Galaxis,
dann können Menschen hier auch diese sonderbare Oberflächlichkeit,
die hautdünne Hülle um Kräfte nach dem Gesetz der Sterne (woher ja auch
alle Winternahrung kommt) wahrnehmen ( die mahlende Galaxienmitte
als der stark fassende Magen, die Sonne: Solarplexus, oder Gesicht).
Der Sylvesterkrach hernach soll diese Elementarwahrnehmung noch
vertiefen und verdeutlichen. Was die Menschen auf Weihnachten in sich
hineinessen, vor allem Zucker und Würzen, zeigt auf diesen Charakter der
Sterne. Zucker und die Kräfte der Pflanzen, die in Blüten und Früchten als Aromate erscheinen, kommen direkt aus der reinsten Energie der Sonne
und der Sterne. Alle Kohlenstoffsynthese plus ihrer Nebeneffekte und
Auswirkungen, Olefine, Paraffine, Wachse, Zucker, Zellulose, entsteht
so unmittelbar wie möglich aus dem reinen Licht der Sonne, der Sterne

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(die Tiefstheit der Sonne zum leeren Horizont ist leicht lesbar wie: unmittelbarstes, reines Licht usw., so geht ja oft die Schrift der Welt,
in Sylvesterhimmeln).
Nordische Tempel (Gothenkirchen) stellen sich mehr zum näher wirkenden
Zirkumpolarkreis (Radrosette im Giebel), dazu Formensprache wie Frostreif
in sternfunkelnder Nacht...

Elagabals des Syrers Meteorstein, den er den Römern zutrug (Sonnenkult),
womit er aber verjagt wurde, ist vielleicht jener, der nun in der Ecke der
Kaaba steckt? Das wäre gewiesen, belassen, gegönnt. Als Rom geendet hatte,
nahm der Prophet das Thema auf für die Südseite des Meeres - mit einem
Meteorstein als Siegel, als Lizenz, sozusagen.
_________

Keine gute Erkenntnis, daher kein gutes Verstehen, Meinen, Tun, Sein usw.
(so sagt das ja Buddha), wo der Mensch nicht die richtige Mitte in seinem Erkennen hat. Körperfunktionen konstituieren keine Mitte. Plakatives
Erkenntnisinteresse für Dinge, Ereignisse, den Nächsten usw. konstituieren
Kulisse, aber keine Mitte. Wer allerdings versteht, sich da oder dort wie in
der Mitte der Welt zu befinden - der hat vielleicht dann auch ganz zwanglos
eine Empfindung, wo die Mitte seiner eigensten Wahrnehmung daher ist.
Es ist so einfach.
Die Welt im Weitesten wird bald erkennbar, wo nicht unmittelbare Nähe und
Unruhe anderer Elemente das Empfinden vereinseitigen. Wo den Menschen
das Echo seiner Gesten nicht mehr erreicht, da ist er schon ziemlich im
Absoluten. Dort spricht dann die Welt sogleich eine ganz andere Sprache,
die der Elemente; das Fernste wird spürbar und sichtbar, damit
ein Horizont und umstandslos die Mitte: Wer sieht das denn! WAS sieht da!
Innere Ruhe ist bald gefunden, wo es einem schon physikalisch gar nicht
einfallen kann, auf irgendetwas loszugehen - weil da in plausibler Nähe
nichts ist, weil's zu dumm wäre, auch nur einen Fuß weit was um Anderes
zu geben. Wer sich dort wohlbefindet und öfter in solche eigene Mitte
kommt, der hört auf einmal in sich, was das ist: die Vernunft, ziemlich
solche, wie Immanuel Kant sie meinen konnte, der ja nicht umsonst Astronom
war, das heißt: sich extra solch stillen Raum in Richtung auf das Universum
hinzunahm. Der HASE sucht und findet gewöhnlich am ehesten solche
Plätze reiner Weite, mit interessant ruhigen Horizontformen. Der Hase baut
sich keine Baue, weil es ihm nicht um solche Stumpfheiten geht, sondern
um die horizontklare Gelassenheit. Und der Hase weiß recht gut, was
Menschen sehen und empfinden, die sich in Selbiges finden, besonders,

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wenn er es ihnen selber gewiesen hat. Der Hase ist das Wahrtier der Vernunft (...das Kanin das Unwahrtier der Vernünftigkeit, zum Kontrast). Wenn die
Vernunft wirklich tief wach geworden ist, dann hört sie auch die Welt selber
ihre Sache sagen. Dann sprechen Ereignisse eher als Meinungen, weil
die Stimme der Welt aus solcher - Tiefe, sozusagen, aber Raumtiefe oder
Konzepttiefe ("Logos"), "spricht", wo menschheitliches Meinen nicht hinredet.
Dieses befindet sich damit nur mittelbar, meist parasitär, und Parasiten,
wie man weiß, pflegen ihre Vulgaritäten. Die aber blicken nicht weit,
sind allenfalls wissend witzig.
_________

Heidegger, ach so. Fahrangst. Das "Sein" als ein Vordringen in der Zeit, während in-hinter einem (die Kuh scheißt dazu, mit Meinung) dasselbe vom
Nichts aufgelöst wird. Nicht schlecht. Nietzsche kannte diese Prellpanik,
die schon alte Reiterfiguren manchmal paranoid wild gemacht hatte, der Effekt
parforcehaften Preschens auf einem Pferde, weit über Land, vor dann wieder nahe, vordergründige Kulissen, welche sowohl Pferd wie Reiter durch ihre Echonähe erregen und bimsig machen, die Erschütterung des Hufschlags zuvor usw. als intensivierendes Moment, als maßgeblich für die Empfindungen sonst eben auch: laut, schlaghart und unbestimmt (Hufe greifen und halten nicht) - paranoide Schreckhaftigkeit eben, ein gewisser Binnenhorizont des Pferdegeistes. Nietzsche hatte einen lange nachwirkenden Unfall mit einem Pferd (verletzte sich am Sattelrand), fuhr nach seiner Zeit
im Deutsch-Französischen Krieg mit einem Lazarettwagen der Eisenbahn heim. Dann später bewegte er sich wohl (nach Basel? nach Berlin und Italien) mittels der Eisenbahn. Das gab ihm Muße und Gelegenheit zu moralitären Betrachtungen. Auch die Eisenbahn vermittelt eine mildere Form jenes Paranoia-Schocks, den Parforcereiter kennen - die Eisenbahn trägt einen binnen eines, zweier Tage in die fernsten Nahbilder von Landschaften und Städten. Das war zu jener Zeit reizvoll und interessant, führte aber manchmal doch zu einem etwas entgeisternden Befremden, dessen stärkster Ausdruck die desolate Befindung Nietzsches nach seinem Zusammenbruch in Turin darstellt (Turin ist auch ohnehin eine sehr bizarre Stadt). So kann man verludern, wenn einen nicht genug alltägliche Umgänglichkeiten bei Verstand halten; aber die Städte selber, wie Turin, an Kavaliers-Paranoia ohnehin lange gewöhnt, befördern das zudem. Nietzsche selber wußte viel besser eigentlich, wie richtig und gut es ist, sich (allein) kräftig durch gute, helle Landschaft
zu bewegen, statt dessen. Wie er schließlich, als er Geldgewinn aus seinen Büchern wittert, ganz banausig aus den Bergen hinab nach Turin zieht
und sich dort schmausend, der Musik hinterhereilend, gehen läßt -

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das kann schon erstaunen! Schließlich entsetzt er sich (da werden Augen-lichter in der Stadt mitgeholfen haben) und wird von einem Freund aus
seiner Lotterbude abgeholt und nachhause gebracht - per Eisenbahn.
Bei Heidegger wird sich das unbedingt geändert haben. Sein Gefühl von
Sein und verfolgendem Nichts reflektiert auf des Erlebnis des Autofahrens
in jenen frühen Zeiten, wo sich allgemeines Erleben erst nach und nach
darauf einfand. (Den Wechsel von Sein und Nichts konnte ich mir nur wie einen ewigen Phasenkreislauf vorstellen - das gleicht auch am ehesten atomistischen Erkenntnissen.) In den 50ern, als Heidegger lebte und
ich erfuhr meine erste Welterklärung bei ziemlich vordergründigen Eltern,
da war, bis weiter dann fern in die 60er, dieses Erleben des so vordergründig sinnleeren Vorandringens im Raum sowohl wie Zeit sehr stark, ereignete
sich als Autofahrten im dunklen Abend über Dutzende von Kilometern,
in ganz solcher Phänomenalität. Wenn niemand hinter dem Wagen herfuhr, verschwand alle Welt wie nichtgeschehen jenseits der Heckscheibe.
Heidegger, wie da in der Kompilation seine Merkworte zitiert werden, spricht
andeutungsweise vom Lümmeln. Heute, wo das Autofahren ein logistisch
organisiertes Massenereignis ist, können Menschen, die auch sonst zu viel
Vordergrund und entstellendes Elektro-Lichtwittern blendet, sich das
geradezu satanische Abenteuer erster Automobilfahrten auf groben,
finsteren Straßen gar nicht mehr vorstellen, und Geistesart, die damit raunend
phänomenalisiert, auch nicht sehr. Die Satanik, das Wagnis, das machte sich heroische Verreckgestalt in den Ungeheuerlichkeiten des Staates, vor allem des faschistischen. Es gibt ohne Weiteres noch Zeiten, Touren, Orte, wo
dies merkbar bleibt, bei nächtlichen Fernfahrten etwa, die sich nicht zu kurz
in den allernächsten Tag hinabbinden, aber die Panik, die allzusehr aus-
gebaute Wegenetze ermöglichen, ist von ganz anderem Charakter, äußert sich in Ereignisformen, welche in Amerika ihr Muster haben: Drogen, Rodeos, Zusammenrottungen, dazu Verbrechergesten und solche Extrakicks wie die notorisch immer wiederkehrenden Kindesentführungen mittels Autos etc. etc. Das füllt die Zeitgeschichte mit banalen, fragmentarischen Bösigkeiten,
neben dem ohnehin immer weiterwürgenden kleinen Theater alltäglicher Unfälle, bei denen oft Achtlosigkeit eine Rolle spielt, die man sich
bei Menschen, deren Sinne mit SINN einhergehen,
eigentlich nicht recht erklären könnte.
_________

Bei dem, was Platon die "Wächter" nennt, sollte man weniger an die
Bewacher (der Herden, der Menschheit) denken als an die Wachsamen,
Achtsamen, die, welche eine bestimmte Vernunft in sich finden, eine

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elementare Wachheit, die im Innersten ihre Welt kennt, sie gelegentlich ausharrt und im Ganzen immer sofort weiß, woran sie ist. So richten individuell lebende Tiere ihre Zeiten und Wege so ein, daß sie immer dann, wenn sie spüren, daß es Zeit dafür ist, eine Weile lang so etwas wie über die Welt kontemplieren, begeben sich an bestimmte Orte, nehmen dort still platz und lauschen. Dazu müssen sie nicht explizit wachen - oft ist es besser,
wenn sie ruhen und dämmern, aber sofort erwachen können, wo etwas Interessantes (nicht unmittelbare Reaktion Erforderndes) merkbar wird.
So möchte ich meinen, Eulen träumten von den Beuten, die sie in der Folge antreffen und jagen werden. Kühe ruhen lange Zeiten während des Tages und spüren aus dem Leib mit dem Lauf der Sonne. Bei bestimmten Planetenzeiten, wenn Venus oder Jupiter sehr deutlich in den Abend und die Nacht scheinen, sind sie im Dunklen sehr wach, legen sich so in die Weide, daß sie den Planeten selber gut sehen und sich von ihm gesehen fühlen. An einer Stelle meiner Wege fand ich öfter ein vereinzeltes Reh an, das offenbar mit der
Strömungsrichtung eines eiszeitlichen Wasserstromes, der dort sehr flach
zu einem Senkenrand ins Rheintal sich hinzieht, schaute, stand da für lange und lauschte nur in die Ferne und Tiefe, schrak natürlich auf, wenn ich
daherkam, und eilte davon. Zur Wachsamkeit solcher Art gehört auch dazu, daß ich, wo Tiere mir so begegnen und machen sich eine Flucht, innehalte, zuschaue und warte darauf, daß das Tier sich Besseres weiß. Meistens findet sich, daß es in sicherer Entfernung anhält und herschaut; sodann erfolgt
ein kleiner gestischer Austausch, mit dem man einander versichert, daß
sonst alles friedlich ist, und mit diesem Abkommen gehe ich weiter und
bleibt das Tier, wie's sich befinden will. Hasen z.B. tauchen dann meistens
deutlich in guter Meinung ab, zeigen mir, wie sie im Grün verschwinden.
Im "Staat" beschreibt Platon im Ganzen die Effekte, die es hat, wenn Men-
schen zu nahe miteinander leben, vor allem auf anderen Mensch zu achten
haben und von dem, worauf sie da achten können, Macht z.B., Geld, Gewalt,
wie geblendet sind, davon in heillosen Zyklen durch alle Phasen kollektiver
Uneigentlichkeit getrieben (und verlockt) werden. Platon hielt die Tyrannis
für die letzte und absurdeste der Staatsformen, sucht aber selber einen
Tyrannen mit seinen Ideen eines idealen Staates zu beeindrucken. Das
könnte einen wundern. Immerhin aber kann man, gemäß seiner Lehre von den
Phasen des Staatslebens, davon ausgehen, daß er meint, Menschen, die beim Letzten, in der Tyrannis angekommen sind, werden danach weniger anfällig sein für die blindlaufenden Hänge, woraus die Dekadenz der Lebens-
Staatsgesellschaften erst entsteht. Außerdem darf man vermuten (Platon
war nicht mehr jung, als er Dionysios aufsuchte), daß sein guter Geist ihn
zu dieser Expedition anstiftete, damit auf die weitere Zeit hin die Energie

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(Tyrannei) und der Geist in einer bestimmten Verhaltsform miteinander
erkannt seien. Späterhin die Römische Kirche hat für lange Zeit ein Regime
gehalten, worin diese beiden Elemente dominierten. Dort war es Jedem
jederzeit möglich, weise zu sein wie im platonischen Geist, und solche
Weisheit wurde ermutigt. Aber in sittlichen und zivilisatorischen
Dingen war diese Herrschaftskultur, die ja aus dem späten Absolutstaat
des Römischen Reiches hervorgegangen ist, bestimmt und klar
bis zur Despotie.

Zu diesem Vorigen, etwas weiter hin: Der Name Schiller heißt "Schieler",
von "schielen" dem Verb her. Das denkt man sich wohl besser nicht wie
eine körperliche Entstellung, sondern eher als die Bezeichnung für eine Art
Flunkerblick. Solche Menschen benehmen sich nicht einfach vordergründig
geradlinig, sondern behalten sich Façette vor, hören z.B. mit einem wie weglauschenden Blick zu, wenn zu ihnen gesprochen wird, blenden aber einen meinenden Blick hinzu, wenn sie sprechen. Solcherart Flunkergeist könnte man in vielen Menschentypen nachweisen, die in deutscher Geistigkeit sich bemerkbar gemacht haben, als starkes Beispiel Hegel. Dort baut man eben darauf, daß Menschen - aus der Kirche her z.B. - gewöhnt sind,
zu hören, spricht zu diesem vorgestimmten Geist in ihnen und hört selber
mit etwas anderem Sinn. Was Kant über Apriorik in der Vernunft bemerkt, gehört wohl dahin. Menschen stehen voreinander dabei als separate Figuren, als Vernunftwesen, haben sonst keine Interaktion zu gehen. "Schielen"
mag auch heißen dieser bedenkerische Blick, mit dem jemand sich
sinnend von innen in die Braue schaut. Dieser Blick gewinnt Extrabedacht,
wo Menschen gelernt haben, Gestirne zu bemerken und zu beachten.
Bei manchen Konstellationen und Traversen von Mond & Planeten so weit
durch den Himmel, daß sie nur noch ein ungefaßter Blick wie mit der ganzen Stirnseite auffassen kann, entstehen von selber solche Respektivitäts-Seitenblicke, wenn unterm Tag, wo man zuvor den Himmel frühmorgens
so gesehen hat, der noch sichtbare Mond den Sinn damit latent gegenwärtig hält. Das sind Namen (Worte) und Gewahrheiten aus einer älteren, einfacheren Zeit als dieser, wo die meisten Menschen die Grundelemente solcher Gewahrheiten gar nicht mehr wahrnehmen können in den Vordergründig-keiten ihres Tagwesens. Viele Menschen meinen zu wissen, was die Planeten sind, aber haben ihrer Lebtag noch nie mit Bewußtsein und wissendem Verstand auch nur einen davon gesehen und erkannt.
("Schieler" könnte man übersetzen wie: sonderbarer Seher.)
_________


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"Ich hab' da noch 'nen Bacchanten"...
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...psychologisch stäupen...
statt dessen (Frankreich): couper la tête, das kann heißen, den Kopf
ABschneiden, oder, geistiger: einen Kopf in Form bringen, wie:
ihn aus einem Material herausarbeiten...
_________

Möglichste Posse: falsch bediente Gier...
_________

Sich totstellen (der Philister):"ich höre nicht, ich bin nicht für Sie,
und ich existiere nicht, wo ich nicht WILL!!" Ach Du je.
_________

Nerds: der Sinn für neurotische Nuance...
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Kasuistik der Daseinsmenagerie. Das 19. Jahrhundert, von Napoleon
praktisch mit Ägypten bekanntgemacht, verlor sich bald entzückt in die geistigheitlichen Witzigkeiten, welche diese eigentlich nur demonstrativ erneuerte, aber nicht so neue Bekanntschaft mit sehr altem Weltgeist einherbrachte. Für den lebensnäheren Horizont setzte es von vielen Denkern Gedanken, die eigentlich nicht weit von der Daseinspsychologie des Thoth (der schon die französische Revolution inspiriert hatte - da hatte alter phönizischer Blutgeschmack zugespielt) entfernt sind, inclusive
eines Operettentenors: es darf alles wahr sein, aber Sot (man beachte
die phonetische Nähe zu "Thoth", gezischelt) muß man sein können.
Das wackelt da durch allen Realismus, Materialismus, die Lebens- und Daseinsphilosophie und so viele Böhnchen - es ist ein Zoo. Derlei richtet man zu jener Zeit auch mit neu-gefundener Systematik ein. "Sein", bei allem Durcheinander, was sonst mit diesem Begriff so stattfindet, fand damit auch eine neue Darstellungsformel, die einfachen, aber wachen Geistern eher
inne wurde als der schriftfixierten Philosophen-Literaten-Zunft. Sein,
das ist im Natron-Phosphat-durchklärten ägyptischen Auge diese sonderbare, der "Idee" Platos wie Glasfluß dem Tautropfen ähnliche Qualität, die manche Schriftkartuschen selbst (gerade) dem naiven Blick zeigen, indem die darin eingeschlossnen Chiffren einander erläutern und belichten, daß in einem Prozeß der Abstraktion und Verdichtung zugleich eine klare Wahrheits-

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empfindung darin auftaucht, welche nicht mit dem möglichen Bedeutungs-wissen, dem Wert der Chiffren alleine sich erklärt, die damit sogar überhaupt nichts zu tun hat. Strukturalismus späterhin und andere Nebentöne
in philosophischer Raisonnage demotisierten in ihren jeweiligen Zungen peripher oder so daran entlang und hielten das alles in einer meinungslosen Nähe, so, wie man sagen könnte, die Wortzeichen auf den Mumienbinden hielten die Mumie selbst in der Nähe und damit das Leben des Pharao auch, mit allem, was dort ganze, einmalige Wirklichkeit umher gewesen ist.
Die Pharaonen stammen von Jägern ab, das sind keine Sitzer. Da ist Tanz. "Sein" nennt man nun also einen erkennbaren Zustand, der nur in der Erkenntnis selber merkbar wird, einem sonderbaren Animationseffekt gleich, wo die Chiffren einander erst begrenzen, dann ergänzen, dann erläutern, sodann sich wie Augenaufgehen beleben, und wenngleich die Chiffren
und was ihnen real entspricht, darüber wie unwesentlich werden und sich
als Realwert entwerten, so ist doch, was sich damit im klaren Erkennen
einen "Namen", einen Geist, also diese sich verselbständigende Bedeutsamkeit reinen, aber artikulierten Bedeutens gemacht hat, realer
als alles, was Element hinzugab inclusive des Erkenntnisweges. Das heißt
"ah, je vois" bei Descartes oder die kluge Erklärung in Platons Brief, was die Idee, "das Noch etwas" sei, wenn der Begriff nur erläutert hat, das Konzept klar ist, und alle Erläuterung um soviel zu viel, wie Worte zuviel sind über "Namen", die nur noch Präsenz sind, nicht mehr umdeutet werden müssen (oder so: wie der Hörende die Idee des Gesagten hat, wenn doch die gesprochenen Worte schon vorüber und verklungen sind). Daher auch
heißt es bei den Juden (Israeliten), NACHDEM sie aus Ägypten wiederkamen: der Name Gottes ist unnennbar, und Gott selbst zu denken schon - ist ein Frevel. Dann viel Erläuterung seines Zornes und all dessen, damit klar ist,
wie schon das Bezeichnen dieses Verhaltes zuviel des Meinens ist.
Einzig, was wie das Gesetz vom Berge her als der Logos aus der geistigen Wirklichkeit selber wie selbstverständlich spricht, mag wahr sein als wie Gottes Wort, aber "als wie" - darüber begann der Tanz um's Kalb und weiter ging's mit aller Umspringerei seither wie gekannt. Die Juden sind eben
ein daseinsfrohes Völkchen, und DÜRFEN nichts Anderes sein.
Dies alles, wie Platons Brief sagte, sind nichts als frivole Gewohnheiten
von Geistern, die zu sehr mit ETWAS meinen müssen, anstatt nur zu sein,
wo Sein ist. Sein ist seither in tausend Façetten als ETWAS, irgendwie,
identifiziert worden, aber nichts, wirklich, erklärt, was es ist, wie der naive,
wache Blick eines Kindes, das diese oder jene Bildzeichenkartusche aus
ägyptischen Horizonten schaut; mir selber ist das so gegangen in erster
Kindheit, und nicht umsonst malen die Ägypter den Pavian Thoth als

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Zeugen neben viele Schriftzeichenwände, nicht umsonst besteht die Schrift
aus selbstredenden Bildzeichen. Deren Selbstredendheit sagt - und das versteht jeder Pavian: das, was die Zeichen miteinander sagen, ist so selbstredend klar in dem, was es miteinander heißt, wie die Bildklarheit
jedes einzelnen Zeichens, und mein kindnaiver Blick, als er, der Bildhaftigkeit wegen länger schauend, sich dem, was da miteinander spricht, innewurde, verstand wie in wissendster Verblüffung: ja klar, wie sonst soll das auch sein.
So, wie mir ohne jede weitere Erläuterung, nur durch meinungslos inter-
essiertes Hinschauen, dies innewurde, und darauf die Augen ohne jede
Meinung über die BEDEUTUNG der Zeichensinne aufgingen, blank, hell,
erleuchtet ohne jeden fremden Inhalt, so entsteht "Sein" in der Chiffre
selber, wenn nur ein unbefangener Intellekt wahrnimmt, daß diese Zeichen wirklich etwas miteinander sind, das sich nicht in der Erklärung von irgendetwas sonst gebraucht. Deswegen gelten ja Kartuschen als NAMEN, etwas, das an sich nur spricht, zu einem Geist gehört, aber keinen Gebrauch eigentlich beweist. Ich selber gewöhnte mich damals gerade daran, einen Namen zu haben, damit auch: zu sein, was sich mit diesem Namen (einem Namen an sich) befindet. Damals gab's oft Rosinen zu essen und Zitrone, und ich hörte öfter von Syracus, auch von Paris, und derlei. Man erläuterte später auch: Kartuschen sind also Namenszeichen; dazu gehören Menschen mit ihrem Leben, und diese Leben wieder bedeuten ein Reich, ein Befinden,
eine Geschichte, ein Geschick, Kultur, die aus Leben und Leib einen Begriff machen wie die Kartusche aus den inbegriffenen Zeichen usw., und die
Welt geschieht ja, nicht nur mit jenem, wozu die Chiffre sich zeigt, sondern
allmählich auch mit meinem eigenen Leben, das nach und nach, fast
meinungslos, eine Gestalt gewinnt. Das alles sind nur Nebensachen,
Existenzgeräusche, wie auch mein eigenes, wirkliches Leben nicht leicht etwas Wichtigeres sein will als Geräusch um nichts als Existenz. Sein,
um damit wieder zu beginnen, ist aber eben NICHT das, was das Erkennen meint, in seinem Realisationsakte zu bemerken, ist nicht abhängig von solchem Erkennen, so wenig der mit dem Namen Bezeichnete von meinem Erkennen oder dem Bedeutungsverstehen seiner Namenskartusche abhängt. Aber ohnehin sind alle diese Verhalte, die das Gewahren formen, nur existenziale Beiläufigkeiten. Husserl, der sonst nur kognitive Fingerspiele absolviert, erläutert an einer Stelle, die Formel für die Beschleunigung
im Gravitationsfeld sei nun mal elementar wahr und von bewußter Realisation unabhängig so, dazu auch dann prinzipiell dasselbe, also wahr, wenn
dieselbe Formel mit anderen Größen, sogar mit anderen Formelelementen
sich schriebe. Das leuchtete mir ganz unmittelbar EXTRA ein und ist
für meine sonst naive Meinung das Substantiellste, was er je gesagt haben

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wird - weil er da etwas sprechen gemacht hat, was ja auch für sich spricht
und immer wahr ist mehr als nur, daß es real ist, als so abstrakt realisierbarer Verhalt in der wirklichen Welt selber. Bei Einstein hat sich zu vergleichbarer Zeit gezeigt, wie interessant solche Elastik des Auffassens die Weltidee zurechtzustellen vermag. Es eh ist aber so, daß das Sein offenbar
eine Qualität mehr, nicht: bekommt, aber: zeigt, indem ihm das Erkennen
so meinungslos klar auf die Schliche kommt (zu jener Zeit schlich ich auch öfter meiner Schwester vor oder nach und erschreckte sie, indem ich mich hinter Türen versteckte, wohindurch sie kommen mußte - es waren das
eben Zeiten, wo wir noch nicht mußten geworden sein, gar etwas gewesen -
es geschahen lauter elementare, rein wahre Dinge). Sein ist also diese Qualität, die nicht ein Ding, ein Lebewesen, ein Zeichen, ein sonstwie erkennbarer Zustand hat, sondern etwas, das sich nur durch einen realisierenden Vorgang des sich unbefangen interessierenden Erkennens erschließt, von diesem selben Vorgang aber nicht erklärt und bestimmt wird. Deswegen z.B. ist es egal, ob ich die Kartuschenchiffre begrifflich verstehe - ich verstehe, wie darin das Sein offenbar gerne wartet, erkannt zu sein,
aber nicht alleine darin besteht, dieses Zeichen zu sein oder zu geben.
Es ist im Abstrakten real, und es dort zu erkennen, verdeutlicht zugleich,
was das ist, diese Sphäre, die nur im Abstrakten gewahr wird, oder in solcher Weise. Es wurde damals das Wort "abstrakt" sehr populär, man sprach viel so und illustrierte den Begriff auf mancherlei Weise, als Mathematik, in den Künsten usw. Auch sonst wurden ja Worte, und was sie meinen, auf gar sonderbare Weise zugetragen. Ich hatte eine gewisse Ahnung von dem,
was der Dreißigjährige Krieg, der Siebenjährige waren, wer Napoleon usw., lange bevor Geschichte mir schulweise verabreicht wurde oder
das Kriegswesen desselben Jahrhunderts erläutert und dokumentiert.
Darin auch aber bin ich offenbar in kompletterer Weise informiert worden
weit über das hinaus, was heutzutage das meinungsvolle Halbwissen
der Öffentlichkeit dazu sein soll.
Die Koketterie dessen, was mir das "Sein" mit seiner Erkennbarkeit zu
merken gab, zeigte sich ebenso in der nächsten Umgebung, aus der Haltung
und den Gesten einer Architektentochter, ein Jahr älter als ich, deren Haus angenehm ordentlich und fein proportioniert war, darin, so weit ich mich
entsinne, ein sehr großes Foto des Andromedanebels und sonst ein
moderner, abstrakter (eben), ganz sachte ägyptischer Akzent, ein Bild
der Pyramiden oder irgend sowas. So ist das nämlich, lachte und zierte es
aus ihren Gesten.
Das Tollste aber ist der Aspekt, daß das SEIN nicht nötig hat, existent zu sein. Zu erkennen, daß es in reiner Wahrnehmung möglich ist, sich in solcher Form

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erweist, verdeutlicht, wie da und daß da eine Dimension ist, die sich meinem naivsten, meinungslosen Gewahren so erschließt, aber das, wie gesagt,
ist Akt, ist Existenz, die einen Verhalt für das Erkennen erschließt,
der über Akt und Existenz hinaus nur eine Dimension hat, aber keinen Inhalt.
Das, was SEIN ist, ist damit vollkommen verdeutlicht, aber die Verdeutlichung ist nur der NAME des Seins, das damit einen Ort hat im Gewahrsein, das, einmal erkannt, so etwas wie absolut kognitiv präsent ist, oder: nur präsent wie kognoszierbar, aber die Erkenntnis dazu kann nicht aufgesucht werden, erschließt sich eher, wieder, wie im meinungslosen Gewahren dessen,
was die Zeichen in der Kartusche sind über den Verhalt hinaus,
daß sie sich so befinden usw. "Ach ja, ich bin" sagte etwas dazu in mir selber wie eine klare, wache Seelenstimme, und Engel waren damals auch sehr reale Wesen, undiskutiert, weils an Engeln nichts zu deuten gibt. Es gibt sie, oder es gibt sie nicht, aber was sie sind, bedarf keiner Debatte.
Mit diesem allen verhält es sich also ganz gleich wie mit dem woanders hier
Erörterten, Platon, Zeit, Ewigkeit, die Spiegelung im fernen Auge Gottes,
und daß es keinen Sinn hat, auf Gott zu zeigen oder nach ihm zu schreien,
ihn zu behaupten oder was immer. Ich kann mich befinden wie Platon
in diesem Gleichnis von Selbst, Zeit, Ewigkeit usw. und mich so halten
und behaben, wie es der Sinn mit dieser fernsten, absolutesten Perspektive ist. Ich kann auch merken, wie mein Befinden und die Welt um mich her
aus der guten Ordnung gehen, sollte ich diesen gleichgültig wahrscheinenden Belang in Meinen und Tun leugnen oder negieren. Mehr kann ich nicht,
und mehr kann niemand. Es gibt ja auch die regulativ nützliche Gewahrheit
für das Gute. Wenn das nicht genügt, ist ohnehin nicht viel Wahres übrig
an dieser Welt, von der aber banalstes Erkennen wohl zu merken weiß, daß sie wahr ist in etwas expliziterer Form als, daß sie nur real ist, nur existiert. Dies
zu bemerken braucht es allerdings etwas Zeit, etwas Geist, etwas Vernunft.
So, wie da eben erläutert, beim Hasen.
Ach, ist das alles ausführlich, wo mir doch eigentlich nur ein paar merkwürdige Seitenblicke einfielen zu Nietzsche, der von Leopardi spricht, und Leopardi, das ist jener junge Mann, den sein Vater in einem Ort oben auf dem Berg weit über Rimini einsperrte, weil er ihm zu frivol war - so präzisiert sich ein Aspekt der sittlichen Eifersucht auf jedes Eigene, in der bigotten Sorglichkeit eines Vaters, der seinen Sohn meint daran hindern zu müssen, daß er ihm Schande mache. Aber solche Idee von sittlicher Gewalt ist in sich
selber schon frivol. Ja eben, sagt das, frivoler Vater, frivole Gefahr der Sohn.
Leopardi mußte sich einsperren lassen wie ein Bildzeichen in eine Kartusche, und alles, was es sonst von ihm zu wissen gibt, das sind diese sonderbaren, mythisch animativen Skizzen, die ebenso in zeitlosen Absoluten oder Totalen

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bildzeichenhaft deutliche Wesenheiten miteinander sprechen lassen, absolute, kleine Unterhaltungen, wie sie auch ein mickymausiger Pavian sich vorstellen könnte, so, wie er sich die Wahrheit einer ägyptischen Schriftwand vorstellen kann - mit allem Erkennen des auch darin explizit Absoluten, wie im Vorspann hierzu beschrieben - weil man ihm seine eigene Figur dazugemalt hat.
"Das verstehst Du", sagt das, und der Pavian versteht, wie nur irgend einer. Wie er BEGREIFT - das ist etwas Anderes; da muß er erläutern, aktualen Subtext produzieren in den ihm möglichen Gesten, und das kann so oder so abwegig sein, weil seine beste Kunst darin besteht, Gesten durch die fassungslos meinungsunfähige Nurgewahrheit diverser Selbste so davon-zuschicken, daß im Gange alltäglichster passagerer Weltbewegungen konzeptioneller, aber nicht allgemein gewahrheitlicher Seelengleichheit,
oder so, das, was er meinen kann, irgendwo als Ereignis zusammenkommt, und das wird dann schon sprechen und sagen, was es meinen will. Das heißt bei ihm Logos; da ist er, was die Griechen dazu brachte, den Thoth dem Hermes gleichzusetzen, denn so geht sie, die ägyptische Seelenwanderung.
Leopardi also schrieb kleine Geschichten wie Schriftkartuschen so gefügt,
und nicht die Zeichenhaftigkeit und deren Animation blieb übrig im
Gedächtnis davon, sondern eine Ahnung, daß derlei eine Kartusche ist und
daß die Elemente in ihr miteinander sprechen, wie die zeichenhaften Wesen
das dort tun, und: Leopardi mußte sein, was er nicht sein wollte, weil er war,
was er nicht sein sollte. Rotieren leise umeinander Sein und Nichtsein -
wo auch ist Geist, der nicht im einen oder anderen NUR sein kann. Nietzsche
findet auf Leopardi zu weisen, ohne genau zu werden - das tut er oft,
stellt sich zu Zeit- oder Geistesgenossen wie Chiffren sich zueinander
in ägyptischer Schrift. Leopardi ist auch der Name, hergeleitet von einem Tier,
desgleichen man schon lange aus Gelegenheiten kannte, da fand es sich eingesperrt wie das Zeichen in die Kartusche. Leopardo heißt Parther-
oder Perserlöwe - der Pavian in manchen Gegenden hat öfters Streit mit Leoparden, und die Bosheit beider füreinander hat den Tenor: der ist frivol, der Pavian dem Leoparden, dieser dem Pavian. Die haben ein Charakter-
argument miteinander, ein geistig-ungeistiges, so und so. Ich selber finde
Leoparden geistiger, und die Frivolität des Pavians hat einen funktionalen Sinn, indem sie ein Mobil macht bei seinen Strategien, wie man durch leere, nur auf seine Frivolität starrende Seelen hermetische Witze in Bewegung hält, fernhin, wo ihm derlei hinweiß. Nietzsche plaziert sich auch gern zum
Persischen, deutet das Parthische an, indem er sagt, Rom sei der letzte Platz
für einen Philosophen usw. wie kann er das wissen, wenn er nicht dort
gewesen ist - es ist doch genau umgekehrt! Aber er sagt das nur, er stellt sich in eine Chiffre, die von Anderem spricht usw. usw. usw...

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Die wichtigsten Leopardengeister aber fand das 19. Jahrhundert in Amerika, dem kontinental fernen, kartuschenhaft isolierten. Vielleicht mußte Leopardi leiden, damit man einen uneigentlichen Begriff dafür habe, wie Amerika die Alte Welt verdirbt, frivolisiert. Das war da schließlich lange schon merkbar.
_________

In der Stadt ist das so eine Meinung daß, wo etwas schlicht ist,
da muß es sich für ordinär halten lassen, und wo schön,
da darf es das nicht für sich sein.
(Damit ja auch der Wortgebrauch "schön" in der Addestration der Kinder.)
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Stoa (spätere): Eudämonie des römischen Essigs...
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brain jerks...
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Die Menschen bedenken so Vieles nicht, was doch ganz selbstverständlich
ihre Wahrnehmung (Sinne, Laune) formt bis in die abstraktesten Meinungen
darüber, was die Welt ist und bedeutet, vor allem die recht unmittelbare,
zugleich subtile und gigantische Wirkung einfacher klimatischer Verhalte.
Da ist zunächst die alle somatischen Funktionen direkt belebende
Wirkung der Sonne, dann die feinere der Sterne auf einer Reflexebene der
allgemeinen Wahrnehmung, daneben eine vergleichbare aus dem Spiel
und den Charakteristiken des Wolkenbildes. Wo derlei interessant genug ist, entwickeln Menschen leicht einen guten Sinn für's Symbolische (formenreiche, feste Wolkengestalt), oder für plausible Geschehensfolgen ihres sonstigen Weltbildes, wo die Wolken eher flächig ziehen und sich dabei verändern, speziell in manchen Mondabenden. Das erstere macht sich Ausdruck in plastischer, symbolhaltiger Kunst und in manchen
Theaterformen (auch in Tanzspielen bei einfachen Völkern usw.) (gemischt
mit Gestenspiel aus der Vegetation), dann im dramatischen Übergang wie beispielsweise in Stücken der deutschen Klassik, bei Mischung mit eher
dem Geschehenscharakter des Wolkenziehens. Dieses in seiner reinen Form inspiriert den Film. Hochdruckzeiten erleichtern und verdichten den latenten Atemleib, der im Körper sich diffus dicht befindenden und im Lebensprozeß sich bewegenden und umsetzenden Atemseele (Sauerstoff). Menschen
(Tiere auch) sind zugleich lebhafter und gelassener, empfinden genauer
und selbstbewußter, haben eher einleuchtend wahre Ansichten über die Welt,

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wie sie ohnehin ist - der Leib und seine Atemseele nehmen da teil am rein physikalischen Charakter eines weit ausgedehnten Hochdruckdomes,
so wie Fische ja auch Teil einer allgemeinen physikalischen Gewahrheit
sind mit dem weiten Wasserkörper, in dem sie sich befinden und bewegen.
Bei sinkendem Luftdruck machen sich dagegen Verausgabungsempfindungen geltend, weil in Umkehrung der Hochdruckzustandes der osmotische Druck und die Atemleibdichte im Körper sich abbauen, der Aktualatem der Lunge zugleich stärker arbeiten muß, einmal, weil die Luft schwächer ist (sozusagen), die Vitalfunktionen im Leib selber aber auch nicht so direkt
antworten. Der verminderte Sauerstoffdruck überträgt sich ja auch träger
von Element zu Element. An offenem Feuer lassen diese Effekte sich in
reiner Form, nur physikalisch, zwanglos beobachten. Niedrigdruckzeiten
fordern daher von den Vitalfunktionen zurück, was Hochdruckzeiten dem Körper schenken, und wo bei diesen sie allgemein und hell sind, wie eben
der Himmel ist, so macht sich im Wiedergeben der Kraft nun vor allem
der Lebenskraft-Charakter jedes so geforderten Lebewesens bemerkbar.
Menschen merken dann am ehesten, welche Organe oder Verhalte in ihrem Leib am miserabelsten sich befinden, atemleiblich gesehen. Leichte Neuralgien von daher machen sich bemerkbar oder diffuses Unbehagen
rein körperlich empfindender Art. Dies ist am stärksten, solange der Luftdruck sinkt, normalisiert sich gewöhnlich, wenn er sich stabilisiert, egal auf welcher Ebene. Wo sich die Atmosphäre auf längere Zeit hin mit niedrigem Luftdruck stabilisiert, da ist der Himmel meist grau-hell bedeckt. Die Wahrnehmung
des Selbstes und Anderer ist damit kühl nüchtern; die Wahrnehmungen
und Bewegungen zentrieren sich im Leib selber, wie er in seiner tragenden
Festigkeit ist. Zu solchen Zeiten ist gut merkbar, wie der Atemleib und der,
worin die solideren metabolischen Funktionen, vor allem der Fettumsatz
(der ja Sauerstoff verbraucht) stattfinden, ineinander wirken. Der Körper insgesamt befindet sich auf einem niedrigeren Tonus-Niveau, gleicht elementar in diesem Zustand am meisten einem ruhigen, frischen Leichnam, in welchem ja auch nach dem Erlöschen des Atems und der aktiven Lebensfunktionen noch der dann diffus verdämmernde Atemleib latent gegenwärtig bleibt.
Es ist zu sehen, wie manche Menschentypen in ihrem Lebensregime durch
eine naturläufig so empfundene Diät sich zu humorisieren verstehen, indem
sie milde Reize, so oder so metabolisch besonders interessante Nahrung
etc. mit Verstand für Empfindungsrhythmen azyklisch (nicht: antizyklisch)
als Korrektiv gebrauchen, zu welchen Mitteln vor allem Fleischgenuß, Fette,
Zucker und Würzen gehören, meistens ergänzt durch ein Quantum Alkoholes. Nicht umsonst wird assoziativ der gebrannte Alkohol mit dem sternklaren

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Nachthimmel in Zusammenhang gesehen. Das geht aber auch weiter
mit der überzeitlichen Lebenserfahrung, daß Wetterlagen sich auf die Dauer
nur bessern können. Klare Sternennächte gibt es nur bei Lufthochdruck,
und so hat Sternchen-Alkohol vor allem körperzuständlich-meditativen
Wert: damit empfinden sich die anderen metabolischen Wahrnehmungen
der Latenz-Regimes innerlich in solche Dichte wie der Leib selber, wenn er
sich wohlbefindet bei Hochdruckwetter ohnehin. Natürlich hilft alkoholische Selbstkonzentration (Bier darf man bei diesem Regime nicht selbst-
verständlich mit einbeschlossen finden, weil es insgesamt energetisch
und perzeptiv anders wirkt - der Kohlensäure wegen schon, näher beim
Horizont des aktuellen Umsatzes von Sauerstoff in Kohlensäure) hilft solche
künstliche Intensivierung der metabolischen Empfindung nicht, wenn
klimatisch bedingt die Empfindungen ohnehin schief gehen und instabil sind. Damit erläutern sich Frustrationsempfindungen, welche der Alkohol nicht behebt, sondern allenfalls verdeutlicht, mit oft praktischen Folgen des
Mißbehagens und Zanks zwischen Trinkgesellschaftern und Weiteren.
Zudem verdirbt gewohnheitsmäßiger Alkoholgenuß das Empfindungsleben der Sinne äußerlich und innerlich, verfälscht damit in zweiter Linie die Wahrnehmung der Mitwelt, den Sinn z.B. für das richtige Nahrungsregime,
und stört nachhaltig das metabolische Gleichgewicht, wovon im Weiteren wieder Mißbehagen selbst in guten Zeiten, weitere Störungen des Diätsinnes, die wieder das Mißbehagen bestärken usw. Alkohol KANN guten Sinn machen,
aber eher so, wie die Sternmetapher andeutet: als Tropfen in den Teich des
Lebensgeistes, vereinzelt und mit Sinn für Rhythmus analog den Rhythmen
des Klimas, klar vom Üblichen unterschieden, so wie Sternpunkte im All
nicht sture Muster bilden oder ineinanderkleben etc.
An sich läßt sich ein fast gleicher, aber eben nicht das Bewußtsein so
unmittelbar verändernder Effekt erreichen durch den Genuß natürlich zucker-
haltiger Früchte, dabei besonders die Rosine, die ja physikalisch dasselbe
ist wie das, woraus eines der Lieblingsgetränke der Menschheit entsteht,
der Wein. Da der Alkohol in diesem ja nur die Pervertierung des Zuckers
ist, der sich in der Traube ohnehin findet, läßt sich sagen, er treibe in
oberflächlicher (wo auch klarer) Blendung Empfindungen hervor, welche
aus dem organischen Zucker der Rosine usw. eher als kristallfein schatten-
deutliche Erkenntnis merkbar werden. Ganz sinnreicherweise erläutern
die Weltzustände, die mit beiden vor allem erkennbar sind, das obendrein: beim Wein sieht das Herkommen z.B. das Rheintal, Sinnenlaune wie Sonnenlicht auf Wasser gespiegelt, Klirren und Gelächter eher als Gesang, intensive Vordergründigkeit des Bacchantentums (dahinter eine Angängerei wie Hefe, Knöterigkeit wie Trester) - zur Rosine aber gehören wie dromedar-

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oder eselaugig solch reglos wohlgestalte latente Sichten wie ein sonnen-
und sternloser Trockendämmer meist südlicher und südöstlicher Land-
schaften (Tonerde), wo die Rosine meist her ist, Sizilien alther, Griechenland,
Tunesien, Persien usw. Von der Rosine entsteht ein Sinn im sozusagen inneren Augengrund, den man mit Nietzsche als zufriedene Düsternis bezeichnen könnte, eine innere Landschaftssicht vergleichbar reglos ewigen ägyptischen Weltbildern, tonisiert von der feinen Anregung der Fruchtzucker-aromate in der Trockenfrucht. So ist der Horizont der Weintraube ja selber; das ist nur genauestes Abbild ihrer Lebensform, ihres unmittelbaren Horizontes mit der Welt, in der sie entsteht, wächst und durch Trocknung
auf die Deutlichkeit dieses Charakters konzentriert wird. Ich vermute,
daß der Islam den Alkohol (= Wein) vor allem deswegen verbietet, weil
die Traube eben für solchen Gebrauch verwendet werden soll. Alkohol ist
verderberisch für jene, die ihn umstandslos haben können und im Weiteren ein unsicheres und frivoles Handelsgut (die Phönizier verdeutlichen
am Nahhorizont Griechenlands die dekadent-laszive Düsternis (: Laios,
der Vater des Oedipus) eines Lebenszustandes, der sowohl Rosinen und Wein, Schaffleisch und Octopus etc. ins Regime mischt - da wird der Geist nicht finster (Ägypten), düster, dunkel oder dergleichen, was ja noch positive Eigenschaften sind, sondern unlicht lasziv, unordentlich aus Unmut usw.; Carthago wiederum zeigt, wie am richtigen Platz (die klaren Gartenböden Tunesiens) und bei etwas Mäßigkeit derselbe Grund auch bestimmte,
klare Weltweise zusammenbringt, eine Weltschau, wie sie z.B. auch
in Burgund zu finden ist - das Maß macht die Musik,
bei etwas gut resonierendem Welthorizont).
...Rosinen aber lassen sich leicht herstellen, bilden einen interessanten Nahrungsfaktor, sind praktisch und leicht transportierbar und auf dem
Wege zugleich schon gute, die Sinne festigende Nahrungsergänzung für Mensch und Tier. Der innere Horizont, der aus ihnen entsteht, scheint am
ehesten der Weltschau des Dromedares zu entsprechen. Das schaut so
klar reflexklug, etwas düster und mit einem unmittelbaren Sinn für solch
archaisch stille, aride Landsichten. (Meist ist aber nicht zu sehen, wieso
man sollte aufwendig Trauben ziehen, wo doch die Palme Datteln gibt,
die auch recht dicht zuckern...)
(Für die Bildung: die Syracusaner Trauben sind seit alther berühmt, wurden
wohl ebenso zu dem bekannten, tief dunklen Wein wie zu Rosinen verarbeitet - der Name "Korinthen" für solche zeigt ja, wie üblich die Trockenfrucht bei den Griechen gewesen ist. Die spezielle Unterhaltung zwischen Platon, dem eher apollinischen Typ, und Dionysios, dem finster zerwühlten Dionysier, macht nicht wenig Charakterbild mit eben diesem Verhalt um die Traube, als

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Hefebeute oder als Nahrung des klügeren, ernsteren Sinnencharakters.
Die Groteske, welche das ganze böse Spiel der syracusaner Dinge ist,
die irgendwie ungeratene Figur, die Platon selber dabei abgeben muß, egal
wie gut seine Erkenntnisse und Motive, sind wohl zu sehen damit, daß die
Weinrebe selber schon einen etwas unguten Charakter in Menschen-Welt-
bilder bringt (dazu die Sage, der Typ des Dionysos) und daß der Anbau von
Reben, damals schon eine Monokultur mit abstrakten Vermarktungszwängen, wie plantagenweiser Olivenanbau, Fischerei usw. auch, unabänderlich
Unbilligkeit ins Gesellschaftsbild dieser einfachen Menschheiten bringt,
denen selbst die klarste und bestimmteste Weisheit nicht einfach
beikommen und gebieten kann.)
Zurück zur nordischen Natur: der Superzustand der klimatischen Depression ist die Wintersaison; bei reglos unhohen Wettern stagnieren natürlich auch
die Lebensfunktionen der Pflanzen und Tiere. Klima ist ein Weltzustand,
nicht nur ein typisches Mißbefinden einzelner oder kollektiver Subjekte.
Im Winter erlischt alle metabolische Arbeit der höheren Pflanzen, die
Insekten sind fast spurlos aus dem freien Weltbild verschwunden, viele
Tiere nehmen Winterschlaf oder tun nur das Nötigste an Daseinsgesten.
(Damit eine Typenverdeutlichung, einmal solchen Tuns, aber auch in der Wahrnehmung übrigbleibender Tiere im offenen Land also: Fuchs, Reh,
Rebhuhn, Hase, Wiesel, Raben, Krähen und Greifen, alles Tiere, die nun
sichtbarer sind, dies auch wissen und sich daher auch deutlicher, meinender verhalten, somit seit alther die Charakterfolklore der Menschheit mitgestalten. Die Wege letzhiniger Menschenwelt bringen ja eher eine verkürzende,
verblödende Tendenz dazu in Form des Hundes, der mit seinen ephemeren, halbwitzigen Vordergründigkeiten den in Kürzen der Haushorizonte
Bornierten zu erübrigen hilft, sich mit dem Naturbild, wie es wirklich und
von selber ist, überhaupt nur kognitiv abzugeben. Das bleibt da beim gemeinen Zweck und findet nicht leicht zu wirklichem Sinn für das weiterhin Umgebende.) Seit alther entwickelt ist also eine Weltbesorgung in den Binnen-
orten der Menschheit, womit die zuvor beschriebenen Praktiken der Selbst-
humorisierung angewandt werden. Man belebt die Wahrnehmung, indem
Menschen auf Märkten zueinandergebracht werden, dort sinnendeutliche
Reize hinzugetan (Licht, Musik, Zucker, Alkohol usw.), die Menschen zudem
ermuntert werden, ihre Lebhaftigkeiten (nicht: das Leben selber, das Hoch-druckhimmel-sommerliche z.B.) zu pflegen und zu unterhalten, und überhaupt wird die ganze Winterzeit angefüllt mit Gelegenheiten und Festen, wo die inneren Belebungsformen im sonst latent-reglosen Dauercharakter
klimatisch-niedertypischer Stagnation geübt und berufen werden. Dabei
teilt sich das Bild ganz nach dem Muster des eben über die Traube als Rosine

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und Weinfrucht Gesagten: in der sich verdüsternden Zeit, wo die sinkende Sonne den Horizont akzentuiert, wird vor allem der Sinn für's Süße, damit
speziell Innige und wie feinaromatischer Zucker so Sinnige bestärkt. Sobald aber die Sonne wieder steigt und damit so etwas wie Blendung entsteht
weil diesem Licht noch keine physiologische Reaktion in der Natur umher antwortet), verlagert sich das allgemeine Regime auf die Nahr-Reizmittel Fleisch (gesalzen, wie Kassler oder Eisbein - das Salz hilft, das Soma in einer allgemeinen Reizebene geradeso zu stabilisieren - rein somatisch, nicht nur
im Empfinden - wie vergleichbar der Sauerstoff, der Zucker; diese allerdings werden ja prozeßhaft dauernd umgesetzt, während Salz eher staut, die somatischen Prozesse sowas wie staucht), dazu Fett + Zucker + Stärke (Karnevalsgebäck usw.) und Alkohol (Gelagewesen der Karnevalszeit).
Das ist allgemein so bekannt und üblich und endet erst, wenn im Vorfrühling die leis schmelzende Wirkung erster neuer Aminosäurebewegung im Pflanzengrund spürbar wird und bald die grünende Natur mitsamt ihres Schleiers von Insekten aller Art und dem Spiel der wiedererwachten Lebens-geister sonst erneut direkt aus der unmittelbaren Kraft der Sonne, des Alls damit, zu arbeiten beginnt. (Das Osterei macht für's Empfinden einen Punkt davon, daß nun die Arbeit der Aminosäuren (Eiweiß!) dicht genug sein müsse, die darauf aufbauende, glukoseproduzierende Photosynthesearbeit der Pflanzenzellen zu tragen.) Dabei scheint nicht unwichtig zu sein, wie im schon voll ergrünten Frühling, bei windstillem Wetter insgesamt, Mensch und Tier Atem und damit Sauerstoff in sich hineinfinden, der aus Pflanzen-Synthesearbeit unmittelbar umher entstanden sein wird. Davon wird die
aus dem Mittelalter her wohlbekannte Mai-Mystik, eine beseelte Klarheit,
die sich aus sonstigen Reizen der unmittelbaren Zeit nicht einfach erklären ließe und auch nicht aus einer allgemeinen sonstigen Lebenserfahrung. Konsonant mit diesem Effekt ein ganz leiser Akzent von Gichtigkeit,
des physiologischen Charakters wohl wegen der Trennungsarbeit von Sauerstoff, Wasserstoff und Kohlenstoff in der Pflanze, und eine überhelle Sinnenklarheit (dem entspricht die Lebhaftigkeit der Regungen besonders der Vögel im Walde), die wohl direkte funktionale Analogie zu dem unablässigen Umsatz von Wasser in diesem Prozeß, der auch gleichzeitig als Taukondensation deutlich wird. Von da an sind auch die Menschenleiber, wenn zugleich etwas müd und mürbe vom Winterregime, im Ganzen wieder auf Hochdruck-Klimazeiten eingerichtet, welche, genau wie die Natur umher, die tragenden Funktionen und Strukturen zu festigen helfen, welche am selbstverständlichsten sind in den großräumigen Elementardomen solcher Hoch-Zeiten. Ein Nebeneffekt oder Schatten dieser Frühjahrs-Ungemessenheit noch unvollkommen in Takt miteinander gekommener Vitalfunktionen ist,

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daß viele kleine Tiere von der Unmittelbarkeit und Totalität des elementaren Tosens umher und in ihnen selber einfach getötet werden, so wie später, nach der Getreideernte (so, wie sie heute erfolgt, rapide und radikal) scharenweise Mäuse an den Feldrändern zu finden sind, die einfach aus panischem Schreck tot hinfallen, weil all das, was ihnen Zuversicht machen konnte, das nährende und beschattende Korn, auf einmal weg ist und der leere Himmel voller Gelegenheit für fliegende Verfolger unvermittelt statt dessen aufscheint.
Ein solcher Panikcharakter haftet übrigens dem Getreide selber an, weil es
so völlig auf den Ereignishorizont eines einzigen Jahres je fixiert ist und abstirbt, bevor es noch andere Jahre, auch nur andere Saisonen sehen
und erleben könnte. Das wirkt so weit bis in das Befinden und die Sitten
der Menschheit hinein. Das Wintergetreide erläutert daher das Charakterbild
der Sozial- und Gewohnheitstrinker, zumal auf Gerstenbier, und das Sommergetreide die banale Witzigkeit der Urlaubssitten (Schwärmerei
in Analogie zum zuvor erfolgten Pollenflug in den Getreidefeldern)
zu der Zeit, wo das Getreide reif wird und eingefahren.
Dazu wieder auch bliebe der Extraaspekt im Sittenbild zu bemerken,
wie der Tod der Nächsten, oder auch allgemein, nicht tabuisiert, aber in einer kommunen Meinung als Abwesenheit inszeniert wird. So wie die kommunen Menschen der banal zugerichteten Lebenswelt nicht dabei sind, wenn
das Korn geerntet, also der Tod der Pflanze (die ja schon vertrocknet ist)
vollendet wird, so läßt die Funktionenteilung aller wie Ährenstände und
Vorratskammern so fragmentarisierten Nahverhältnisse es gewöhnlich nicht
zu, sich um Leiden und Tod seiner Nächsten (wozu auch ein vom Ganzen,
dem All ins Einzelne findendes Daseinsmuster gehörte statt eines horizontlos zeithackerisch fragmentierten) selber wirklich zu bekümmern. Einzig der endlich tote Leib bleibt übrig, ein Analogon zum Brote, das sonst der
allgemeinen, schwärmerischen Ignoranz aus den verlassenen Kornfeldern
zu Tische kommt, dort Phänomen macht. Daneben bemerkenswert eine
allgemeine Schnödheit, den Sinn für Nachkommenschaft und deren Mensch-
werdung betreffs, Abbild der Tatsache, daß ja nur die Pflanze stirbt, die
Saatkörner aber Embryos sind, welche nun zum allermeisten Teile zerstört,
d.h. zermahlen, getötet werden. Reflex daraus wäre der Lärm, mit dem vor-
gerechnet wird, was einen Brotverdiener die Erziehung und Ausstattung
seiner Kinder in wirklichem Geld - und nur Geld - kosten wird - nach aller Mühle. Geld ist dabei - aus der Hermetik alter Mühlenstädte - synonym mit Getreidekorn. Ein Saatkorn, das wiederkommt, wieder anwachsen wird,
ist bezahlt - in der Logik der Getreideökonomie - mit sovielen unzähligen
anderen, die nur zermahlen werden, die nur als anonym totgeriebenes
Wirtschaftsgut die Existenz des Überlebenden umgeben und charakterisieren,

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usw. Da ein Gutteil des Getreides zu Bier und Schnaps verarbeitet wird, welche das allgemeine Zustandsbild der Menschheit zu charakterisieren
und zu tonisieren helfen, die allgemeinen Konsumsitten mitmotivieren,
gibt dies ein ziemliches Bild unbedingter Uneigentlichkeit und bedingter Eigentlichkeiten, die dem Imperativ des Egalseins nicht entgehen sollen.
Wer bei solchen Zuständen Geist machen will, muß sich mit den Dingen stellen, die unleugbar gegenwärtig sind (im Allgemeinsten: wie der Himmel,
das, was in ihm ist und von ihm her auf der Erdenwelt Charakter und
Ereignis macht), und die nicht selbstverständlich mit durch den Mühlstein passen, so, wie man Früchte und Schmuck, Dinge feinerer Empfindung,
auf den Mahlstein stellen kann, und nur letzte Dummheit kann meinen, das
gehörte dortselbst mit hindurch. Alle bewiesenen Dinge aber können dort
nur endlich sein, und jeder Geist, den man dem Ding nicht sofort ansieht, ist
zuhöchst verdächtig. Der Trunk wiederum darf helfen, den Geist des Dinges
zu ergründen. Bei diesem, wie beim Brote auch, macht sich mitbemerkbar
die Hefe (beim Brote, noch stärker, die Säuerung und das Backfeuer), bei
solchem Ergründen also fast kalauerhaft aspektativ, indem vergleichsweise
die Hefe ja nach und nach zu Grunde sinken muß, wo sie im flüssigen
Substrat hat ihre Arbeit getan und den merkbar durchklärenden Alkohol
erzeugt. Wenn solcherart Betrachtung sich ergründet hat, so ist ihr dann
auch klar, was sie bemerkt haben wird, und um wirkliches Erkennen wirk-
licher Verhalte ist es ihr nicht zu tun, soweit sich das nicht in diesem ewig wiederholbaren Pompenzyklus abspielt des Sichwunderns, des Ergrün-
dens und des soweit bedingt für klar Habens. Viele Literatur, auch in der Philosophie, ist allein in den Empfindungsbornen dieses Zyklus und seiner weiteren Umstände zuhause, und dementsprechend ist der Aussagewert
ihrer Eruditionen. Für das Weitere der Welt (das "Vorhandene" Heideggers
im Unterschied zum "Zuhandenen") haben solche Geister nur uneigentliche, reizhaft angeregte, aber im Sinne des Spieles von Pneuma und Logos unerkennende Wahrnehmungen. Da ist kein lebendes Spiel. Wenn ich
derlei manchmal bemerken muß, beliebe ich mir, zu sagen: Ihr seid keine
Menschen - Euch grüßt kein Tier. Das ist, in diesem Verhalt, schon so. "Mensch" heißt dabei ein Menschenwesen, in dem die gewöhnlichen Tiere (und manche andere Menschen, öfters z.B. wache, dreijährige Kindertypen,
in der Lebensphase, wo der Charakter Buddhas gründet) spontan und ohne weiteres einen Lebenscharakter wie sich selbst entdecken, der sich also selbstverständlich in den Koordinaten der Weltelemente (weiteste Natur) befindet und bewegt wie sie. In den übrigen Menschen :ereignet sich etwas
für menschlich, was der natürlichen, erkennenden Lebendigkeit wacher Tiere nicht entspricht. Dort wirken eben gemeinere und anonymere Agenzien,

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welche das Menschenwesen durch Reizung und Tonifikation mitbewegen,
so, wie, einfacher gesagt, der gewöhnliche Mensch immer auf dem Wege
sein wird aus einer Tür zu einer anderen (oder derselben) Tür, und ganz selbstverständlich in einem Haus, einem Bett zu schlafen erwartet,
ohne jede Variation. So wirken viele Kommunitäten der Menschen-
Lebensführung weglenkend von der Natur, daß ein darin befangener
Mensch die Aufmerksamkeiten im Spiel der Tiere gar nicht bemerken wird,
selbst wenn sie deutlich gezeigt würden. Es ist der Horizont nicht.
Zu den Wetter-Großformen bliebe zu sagen, daß diese in zweierlei Form
geholfen haben, Weltgeschichte zu machen. Einmal: die weiten Hochdruck-
lagen haben manchen Völkern, die nicht eigentlich Reiche formten, oder
formen wollten (wie doch die Perser, Römer, Griechen und Deutschen)
(aus der Kraft der Erde gegründet), in zeitweiligen Expansionen begünstigt,
so die skandinavisch-russischen Hitzhochlagen die Expansion der Goten,
die Azorenhochs jene der Mauren, die eher gemischten Phänomene aus Schwarzmeerhochs und Einflüssen von Nil und Indischem Ozean her die Eroberungen der Türken usw. Solche großen Bewegungen ergaben sich damit, daß Völker, die sich in diesen Klimaten besonders wohlbefinden,
denen folgen, soweit sie spüren, daß sie ihnen noch rechtgeben, d.h. ihre
Kraft zu behaupten helfen. Selbst die Züge der Hunnen werden wohl einem
solchen Kraftgesetz entsprechen, das aber zu weit in Asien gründet, um
hier anders als in Nebenformen merkbar zu sein, etwa als Element in den Windzügen, welche von Novaja-Semlja-Hochdomen über das Schwarze Meer und den Balkan nach Europa getrieben werden. Bei offenem Feuer zeigt sich, daß solche Ost- und Südost-Windlagen sehr hitzige Glut machen aus
schnell zerfallendem Brennholz, und sonst recht chaotisierend wirken.
Die andere prägende Wirkung des Großklimas zeigt sich bei den gründ-
licheren, seßhaften Völkern, welche feste Reiche schaffen, sich gegen
daher auch unvermeidbare Widrigkeiten festigen. So behauptet der Lebens-
charakter der Franken sich vor dem West- und Nordwind, der der Sachsen
und Ostseeslawen gegen die schleichende Kälte von Osten und von
Norden über die See her. Italien hat mehr mit rein erdreichlichen und damit
verbundenen Nöten aus Meer und Gebirge zu tun, das macht die Völker
dort, ohnehin von tollen Mittelmeer-Hochzeiten begünstigt, so realistisch.
Ein anderer, weniger positiver Effekt ist die unvermeidliche Dekadenz
der Menschentypen und ihrer Lebensverhältnisse, welche daher kommt,
daß sie den gewöhnlichen klimatischen Nachteilen, so, wie sie bei Beginn beschrieben wurden, nicht ausweichen können, daher eben von schlechten - nicht nur widrigen - Zeiten so geformt werden, daß die Körperselbste sich
dem nachbilden, wie schlechte Klimate ihnen zäh und ungut die Kräfte aus

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dem Leib ziehen. Damit einhergehend ein kompensatorischer, nicht aber explikativer und korrigierender Moralismus, der schließlich die Dominanz eines allgemeinen Charaktergemischs von existenzialisierenden und moralisierenden Uneigentlichkeiten hervorbringt (eins von Nietzsches Themen). Das ist alles so bekannt und hat viel Not und Leid, damit auch
viel Literatur gemacht. Die Menschen, solcherart schief befindlich, wissen nicht frei zu sein, können sich nicht leicht dazu finden, sich selbstzentriert
zu beleben und beispielsweise sich wandernd und schaffend Lebenserfahrung in der wirklichen weiteren Welt zu finden, aus der man die schlechteren Zeiten besser erträgt und vielleicht sogar weise ist über ihre Art, ihr Kommen und Gehen mit anderen Zeiten. Die so weggestillten Menschentypen moralisieren mit aussichtslosen Hoffensideen usw. und vergeuden Nerv und Atem zudem auf das, was sie nicht hindern können. Auf dieser Perspektivlage entsteht dann ein staatlich organisiertes und garantiertes Wohlfahrts- und Rentensystem, dem die aktiveren Menschen in sehr merkbarem Anteil zuarbeiten müssen, was die Schlechtbefindlichkeit in alle Menschheit eintreibt wie die Säuerung durchs Brot. Zudem verfälscht wird das durch die Einmischung des banalsten Hoffnungssubstituts, des Geldes mit seinen
quasi versalzenden Effekten. Das hat so keinen Sinn, keine Aussicht
und kein Ende, weil nichts dabei zu sich selbst findet und dem elementar Nächsten, woher alleine Kraft, Zuversicht und Realitätssinn im besten, allgemeinsten Sinn des Wortes sich wiederherstellen können.
Das Übrige ist notwendig nur dekadent.
_________

Am Nil müßte es doch sehr viele Libellen geben - wieso hat man
davon nie gehört, nie gezeigt bekommen! (Oder vielleicht: ist das Mâât?)
_________

Die Monade; Frage: Wie deformiert man einen Punkt?

(Antwort: Indem man ihn bewegt!)
_________

Im Garten stand ich und hatte eine Frage: jagen Eulen auch Fledermäuse?
Zeit verging (ein paar Tage). Dann stand ich, bei Anbruch des Abends,
wieder im Garten, und die Antwort kam vorbei: einträchtig flogen Eule und
Fledermaus an mir vorüber, Flügelspitze an Flügelspitze, die Fledermaus
zur Linken.
Ein kurzer, wahrer Moment viel später bringt (Eulenauge): Von dem,

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was Licht ist in der Welt draußen, wo es mir als Reflex erscheint, geht eine
kontinente Instanz aus der fernsten Ursache, jenseits des Phänomenes
selber doch (das, was die Photonenbewegung erst verursacht) durch alle
materialen (atomaren usw.) Stationen, das äußere Auge, die Retina, den Nerv,
die Neuronen in den Ort des sehenden Bewußtseins selber davon, und auf
diesem ganzen Wege ist das Ereignis "Licht", das mehr ist als Photonik
und neuronale Bewegung, sich gleich, in sich ganz identisch geblieben.
Das ist das "Licht", in dem Platon's Ideen z.B. ganz unmittelbar erscheinen, und somit DIREKT sind.
Die Fledermaus erörtert: sie ruft ihren Ultraschallschrei nach außen und
treibt zugleich diese Schwingung durch den Gesichtsknochen nach innen
zu den Ohren. Wo also Echo aus der Außenwelt wiederkommt und informativ verfälscht ist, da wird aus diesem und aus der Vibration durch den
Gesichtsknochen ein Interferenzfeld erzeugt, bei dem die Originalfrequenz
von Ruf und Schädelvibration sich, da identisch, gegenseitig löscht,
und nur der Signalschatten des Objekts bleibt geklärt übrig. So das Prinzip.
In einer ähnlichen Wendung flippen Motten ums Licht, und ergötzen sich
Façettenaugentiere an den lichtklaren Qualitäten der Augen-Glaskörper
größerer Tiere. Fliegen wimmeln den Kühen und Antilopen nicht nur
deswegen um die Augen, weil dort Säfte umher sind, die sie mögen, sondern
auch der Reflexe und der transparenten Luzenz der Augen selber wegen.
Die können das, des oben beschriebenen Verhaltes wegen, sehr genau,
nicht: sehen, sondern: wahrnehmen. Fliegen und Mücken orientieren sich
solcherart aber auch um andere, abstraktere Lichtheiten wie jene des
Raumes zwischen Subjekten eines fliegenden Schwarmes usw. Die Motten
erläutern: das Ganze sei doch recht einfach für die Façettenaugen, gleiche
dem Effekt, wie Leuchtdioden Licht erzeugen, nur eben nicht emanativ,
sondern rezeptiv: ein Façettenauge erzeugt in sich eine mit bestimmten
Lichtphasen kohärente Nervenschwingung (auf molekularer Ebene wohl),
und wo das Licht von außen einschwingt genau in Phase mit dieser Schwingung, da entsteht überhaupt kein Widerstand; das Licht geht dem
Tier ein in seinen inneren Lichtgeist, wie Butter, und allenfalls die kleinen
Frequenzstörungen im Einen wie im Anderen verbrauchen, als cracks oder
wahrer Signalwert, neuronale Energie. Das ist da ähnlich dem Sonareffekt
im Kopf der Fledermaus. Augen gleichen elementar den Blüten, bei denen
der Identitätsfaktor des "Lichtes" ganz entsprechend dem da oben Bemerkten, so Charakter macht, daß eine unmittelbare Entsprechung ist zwischen
dem relativistischen Schmelzpunkt in der Sonnenmitte und dem Nektarpunkt im Grunde jeder Blüte. Das beiden elementar gleiche Auge sieht die Blüte, sieht das Sehen und das "Licht" - eh voila: was den Äther sieht

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(diesen Schmelz), das ist mehr als dieser. "Wo ist Geist!" Ja, wo!
_________

Lachen ist der Ausdruck unmittelbarer Wahrnehmung solche Kohärenzen -
da fällt im inneren Raum der Selbstwahrnehmung eine Phasenschwingung,
vielleicht als gespiegelt wie im Laserkristall das Licht, in sich zurück,
existiert, gleicht sich aber phasenlöschend aus und wird wie unsichtbar
(Grimmelshausen). Was eigentlich passiert denn da dem Narziß,
an seiner Lache!
_________

Blindsassen...
_________

Schopenhauer, mal wieder: richtig schauderhaft, was der zum Besten gibt.
Bei dem Zeug darf man wohl nicht die sich zur selben Zeit allmählich
entwickelnde Spiritistik außer Betracht lassen. In der Kurzdarstellung
seiner Thesen und Meinungen erscheint er als wie ein (beturbanter)
Amateur-Hypnotiseur, der zumindest weiß, wie sich die Leser (die Leser,
über die Nietzsche später gar nichts Gutes zu sagen wußte) vom Buche
in den Halbschlaf ziehen lassen, sich auch gerne, mangels besserer Unterhaltung, davon bannen lassen. Insofern als Literat ist er darin
deutlich schlechter als die Epiker und Romançiers, vor allem Russen und
Franzosen, die einem Bürgertum, das Zeit zum Lesen hat (und oft längere
Zeit in Sanatorien verbringt) richtig was zu lesen geben, mit Drama, Moral,
Eros, Weltklugheit - davon hat der alles nichts. Schopenhauer ist Händler,
der raisonniert seinen Basar, kennt seine Stadt, kultiviert seine Vorlieben
und Abneigungen. Er negiert den freien Willen, weil Kunden hinnehmen müssen, was es gibt, und er im Horizont der Bürgerstadt (Frankfurt) auch
von nichts Anderem wissen will, als was er sich ohnehin bieten lassen kann. Ein im Grunde ziemlich kleiner Mensch, der nicht gerne weiter denkt als da, wohin sein Pudel laufen kann. Schopenhauer ist oft unterhaltsam, aber trotzdem meist eine Zumutung: er ist sich selbst im Weg, und darüber
spricht ja auch sein Raisonnieren. Philosophie kann man das eigentlich nennen, dafür ist es viel zu idiosynkratisch.
_________

...eine solche Kindheit gehabt! geschätzt als kleiner Geisttöter.
Weil's funktioniert hat, mag er gar nichts Anderes mehr sein...
_________

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"...ein alter Glaube der Menschheit, daß Wahrheit darin bestehe,
das zu denken, was an sich ist, und so, wie es an sich ist." (zu Hegel)
Das ist nicht die Definition der :Wahrheit, sondern die des :Geistes.
_________

Es gibt nicht viel zu schreiben in diesen Dingen ohne zumindest ein
bißchen literarischer Anregung. Dabei kommt es nicht auf Systematik,
Wahrheit mit Format oder sowas an, sondern braucht es nur die figura,
mit der ein Literat dies oder jenes Wörtchen vorbeiträgt so, daß mir was
dazu einfallen kann. Ganz dem Weg der Güter tragenden Gestalten gemäß
im Höhlengleichnis - ein Schatten des Wahren genügt, und ich kann Dir
was erzählen von daher, wo die Dinge her sind. Oder: auf dem Jahrmarkt
den Philosophen geben auf's zugerufene Wort hin. Bücher kommen gewöhnlich über einen Markt zu mir, oder an dessen Rand entlang.
_________

Um alles Ideengetu (eine Objektsucht) ein wenig abzustellen, mit Platon die
Frage: was ist die Befindung der Welt um ein ideal sich befindendes Selbst!
Alles Übrige findet sich daher, und IDEE, die man meinen kann, ist die Form
jener zwanglos im mußestillen Geiste heraufsteigenden Gewahrheiten,
die meist aus der Ahnung vom remoten Sein und Geschehen einer müßig bei
sich gelassenen Welt entstehen, und die dem sodann hernach Erfahrbaren
entweder eine vorgewußte Erscheinungsform oder einen für geistigen
Begriff notwendigen Vorhalt geben. Derlei muß man erlebt haben; das kommt nicht aus Schriften. Gute oder auch zuträgliche Philosophen geben Anderen meditative Ruhe, gestalten das geistige Sensorium und wissen, da und
dort stutzen zu machen, damit Raum entsteht für diese fein atmende Stille.
Diese muß nicht dem bewußten Willen zu Gebote sein, daher ist bei solchen
Denkern nicht Not zu rigorosem Rationalismus (der viele Formen hat).
Derlei ist Lärm. Nietzsche z.B. darf daher ruhig wiedersprüchlich erscheinen -
er insistiert nicht umsonst darauf, die Musik zu haben. Und wer sie nicht
hat, dem hilft auch nicht das Studium der Noten. Nietzsche originalisiert
da natürlich aus einem allgemeinerem Empfinden her, das das musische Schaffen schon seit einigen Generationen beseelt hatte, mit dem Entstehen
eines Sinnes für Musik als Werk, als ganzes, ideenhaftes Ereignis. Was gibt
es eine sinnfälligere und zugleich geistigere Verdeutlichung jenes wieder-
holten Satzes, daß das Einzelne nicht das Ganze sei, und Dieses nicht
Jenes, aber auch die Variante: die Idee ist mehr als der Gedanke, der ihr
entspricht (Leibniz), mit anderen Worten: nicht der einzelne Ton macht die Symphonie, sondern das Ensemble aller Töne, jeder im Geiste des Ganzen.

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Wieviel philosophistisches Geschwafel kann man mit dieser Beobachtung
erledigen!
_________

Himmlisch: eine doch sehr schöne (und in Giebelrosetten des Gothischen
verdeutlichte) Wendung des Paradoxons, wie der Gott jenseits allen Welt-
Seins mit dem zusammengehöre, der die Welt hervorbringt und gestaltet,
ist der Zusammenhang des Zirkumpolarkreises mit den Wirkungen der
Zentrifugalkraft (Giebelseiten der Gothenkirchen schauen nach Westen,
wo im Sonnenuntergang die Drehung der Welt am sinnfälligsten ist) in der Erddrehung (welche den Zirkumpolarkreis ja erst miterzeugt). Diese ist am stärksten merkbar in den Breiten Europas. Leichtheit gehört zum Grund-muster der Belebung. Divus, das ist das Mittelmeer. Zeus, der Berg darüber.
Theos - das gehört zum Polarkreis-Drehimpuls-Schwung. Das gehört zu
Plotins Thema, dem Gleichnis Wasser aus Quelle, Licht aus Sonne, Baum
aus Wurzel usw. das ist alles in derselben dynamischen Klasse damit.
Die Gleichnisse sind nicht einfach dahergesagt. Plotin, das ist schon fortgeschrittene römische Zeit, wo man den Norden kennt. Damit
(dem Schwung) illustriert sich auch die sehr alte Bewegungsrichtung
von Norden nach Süden: Goten nach Rußland / Kleinasien, Deutsche nach Italien usw. das ist nicht nur die Sonne, sondern dieser Schwungimpuls,
der sich ja besonders auch im Klima zeigt. In einem gewissen Kontrast
dazu die Völker, die einfach nur auf etwa gleicher Breite dem Tagesweg
der Sonne folgen: die Kelten, die Hunnen. Deren Kulturformen sind kruder, phänomenalistischer, vordergründig. Das durchgeistigt sich nicht,
bleibt willkürlicher, weil die Sonne, wo man ihr nur so folgt, nichts erklärt -
das nimmt nur kein Ende in seiner stets witzlosen Wiederholung. Die Goten sind auch eher Barbaren, expandieren eigentlich wahllos, erst nach Süden, dann nach Westen usw. Die schon entwickelte Alte Welt im Süden
hat es ihnen vielleicht zu einfach gemacht, Kriegerbarbaren zu bleiben,
die nur herrschen mußten, wo sie andere Völker anfanden.

Jeder kennt die Farbe des Polarsterns, sein gutes, unhelles Licht.
Stern der Vorsehung (Pourvue).

Einen besonderen Schmelz zu den Westzügen der Barbarenvölker
(die Urvölker des Germanischen damit auch) kommt hinzu bei der sagen-haften Geschichte der Drei Weisen aus dem Morgenland, die daher ja auch nach Westen zogen bis nahe vorm Mittelmeer, von Sternen (Planeten,
wie man meint) geleitet: Planeten, wie Mond und Sonne auch, bewegen sich

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im Himmel selber nach Osten, abgesehen von den alljährlichen Kehren,
wenn die Erde schneller vor ihnen auf ihrer Innenbahn vorbeizieht. Wer nach
Westen zieht, sieht diese also praktisch zu seiner Linken, im Süden, durch
den Himmel in Gegenrichtung vorbeiwandern. Das ist eine sinnige mimetische Wiederholung des Effektes, daß der Langzeitweg der Planeten, der Sonne usw. der Richtung des Himmels-Tageslaufes (von Osten nach Westen) auch
entgegenläuft. Das macht den Sinn (die Weisen waren Astronomen) hell,
still witzig, und solcher stiller Witz ist öfter auch zu spüren in den Haltungen
eher als offen dargestellten Meinungen des orthodoxen Geistes, dessen Völker ja auch im Ganzen östlich des Mittelmeeres leben. Solcher Witz wird
auch merkbar in den Regeln, nach denen die Zeit für das Osterfest bestimmt
wird. Selbst wenn man das alles erklären kann, bleibt dieser blinzelnd feine
Reiz im Himmelsbild merkbar...
_________

Selbst die besten der nachgearteten Philosophen (besonders im
Deutschen, seit Descartes) haben diese konzeptionelle Schwierigkeit mit
dem Unterscheiden und Anwenden der Begriffe Zweck und Sinn. Die Existenz
an sich jedes Dinges in der weitesten Schau der Welt ist in sich sinnhaft.
Wer das aber auf einen Zweck bringen will, verirrt sich im Pseudo-Logos.

Das heißt doch nicht: Werte, sondern: Selbstwahrnehmungen
in Hinsicht auf etwas. Die aktive Form dessen ist die Tugend,
die reale die Tat oder Handlung.
_________

Sizilien ist, wie Korsika, Zypern, Kreta usw. zu groß, um einfach der
stille Garten der schönen Frau zu sein. Daher diversifiziert sich das Bild.
Die Welt dort, Tier und Mensch, wird zu einem Ausdruck grazilen
Weltgeistes, wenn nicht, wie in Sizilien, die sittliche Eifersucht
um die Schöne als Weltpfand überhand nimmt.
_________

"Das darf man aber eigentlich. Nicht??"
_________

Zuspiel aus der Zeitung: die alten Griechen aßen ungesäuertes Brot. Hatte
mich schon gewundert, welches Brot das sein mag, das Platon sich in sei-
nen Syracusaner Briefen genügen ließ, mit Blick auf die Unanständigkeiten
der Lebewelt um ihn her...

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"Ich bin eifersüchtig, und ich kann Ihnen schaden." Die Kreatur des
sittlichen Komposts (weitgehend das, was Nietzsche "die Moral" nennt,
in Exemplaren).
_________

"I will now fix you with this here trick-word, if you would kindly refrain
from moving your bloody eyeballs for a while!"
_________

Ordnung, um das hier so zu sagen, ist ein vereinfachter (vereinfachender)
Ausdruck des Empfindens für Maß und Sinn.
_________

Tolle Sache eigentlich: sich in einem Film wiederzufinden,
den man sich niemals selber ansehen würde...
_________

Mental Potholes
(Potholed Minds)
_________

"Sie haben das studiert??"
Nee. Ich hab das verstanden.
_________

Schmusige Wert(e)sophistik...
_________

"Vorstellung", wie sie bei Leibniz und später, etwas bornierter, bei
Schopenhauer gemeint sein will, entspricht unbedingt den Begrenzungen
und Freiheiten der körperlich-seelischen Konstitition des Erkennenden,
also den tatsächlichen Möglichkeiten der Sinne und Körperfakultäten.
Bei Merleau-Ponty, im Strukturalismus auch sonst, wird das ja noch einmal
extra herausgearbeitet, indem z.B. mit dem Begriff "un certain sens de Paris"
nicht nur die Laune, der Humor, die Gewohnheiten des lebenden Selbstes
mit den Allgemeinzuständen des Platzes bedeutet sind, sondern auch eine
geläufige Aufmerksamkeit damit, wie man all die kleinen Zeichen und Ver-
haltensformen von Dingzuständen, Menschen, auch Tieren, die im Ganzen
niemals gleichbleiben und sich dauernd in den Einzelheiten verändern
und zutragen, als strukturiertes Material für seine WELTwahrnehmung

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mitbenutzt, diese mittelbare Intelligenz, die ja nicht die eigene ist, die aber
im Zutragen und Anrichten der Partikel, selbst in Achtlosigkeiten, Zerstörung
usw. der Effekt von Wahrnehmungen, Einsichten, Meinungen usw. ist,
annimmt und das eigene Befinden, Wahrnehmen, Meinen usw, wie: nach-
bessert. Gerade Paris, aber auch Frankreich allgemein, ist in diesen Dingen
sehr klug, sehr bewußt, sehr weltweise seit alther, und die Reklame z.B.,
die manchmal speziell nicht nur sich auf die Gewohnheiten der Menschen
dort allgemein richtet (eine allgemeine Idee von immerfertiger Welt-
Läufigkeit, als billige Reiseempfehlungen über den ganzen Planeten, usw.),
sondern manchmal ganz genau auf den Humor bestimmter Stadtgegenden,
arbeitet mit feinem Witz an der Subtilwahrnehmung von Nebensachen mit.
In der Temple-Gegend, einem der ältesten Plätze der Stadt, zeigte sich
beispielsweise für solch spezialisierte Humor-Reklame, einst ein Plakat,
das nur an diesem Platz Sinn machen kann und daher nur in diesem einen
Exemplar existierte: die liegende Steinfigur von einem Templergrab hält
eine Cognac-Flasche unter den gefaltenen Armen, und der Text dazu sagt:
encore une que les Sarrasins n'ont pas eus - Zumindest eine, die die
Sarazenen nicht gekriegt haben. Das ist nicht nur witzig, sondern soll eben
auch den Sinn für geschichtlich abliegende, aber bekannte Kleinigkeiten
mit wachhalten usw. usw.; die übliche Reklame bleibt natürlich näher an nur
modernen, auch banalen Gewöhnlichkeiten. Barthes hat sich ja, wohl schon
zu Merleau-Ponty's Zeiten, mit solchen quasi vernünftigen Funktionen der
Reklame und anderer Nebensachen der Allfälligkeit für ein überzeitliches
und überörtliches Bemerken aus den sonst nur situativ kurzen
Daseinsplätzen heraus beschäftigt.)
_________

Die Engländer haben von alther einen gewissen Hang, in geistigen und
ganzen Dingen ein wenig, manchmal ein wenig sehr, den Advocatus
Diaboli zu geben. Das kann in seltenen Fällen die Gestalt annehmen eines zickigen Engels voller abscheulicher Empfindungen, der im Himmel selber
mit den gerechtesten Argumenten die falschesten Töne macht. Aus diesem Irrsinnscharakter erläutern sich solche phänomenalen Figuren wie Richard Löwenherz, Cromwell vielleicht, so intentional etwas schief deutende
Denker wie Duns Scotus (der Schotte ist, nicht Engländer, daher wohl dieser Verhalt mehr andeutbar vorführt als bedenkenlos ausfährt), sodann die
mechanistischen und utilitarischen Denker der Voraufklärung, selbst Darwin
in seiner denkerischen Unentschiedenheit. "Die Welt IST wohl schlecht –
wenn man nur denkt!" so etwa die Parole dieses Intents. Hinzu wäre zu sehen, welchen Denkern bzw. ideologischen Gestalten England letztendlich einen

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Platz gewährte, beziehungsweise gewähren mußte, notabene Marx
und Freud. Dem allen liegt wohl eine Beschränktheit und Schlechtheit
im allgemeinen Nahrungssubstrat zugrunde, verschärft durch die sich
in der scharf gezeichneten Klassenstruktur abbildende Tatsache, daß Land und Naturressourcen dort hermetisch beschränkt sind, die Tierwelt z.B.
bei aller Durchmischung und gelegentlichen Auffrischung doch in einem grundsätzlichen Sinn inzüchtig ist. Das widersprüchliche Klima nicht zu vergessen, Nordatlantik, Nordsee, dazu der etwas grotesk kontrastierende Golfstrom mit seiner Wirkung. Das alles macht in einer ebenfalls so hermetisierten Menschheit, die vor allem erst einmal abstrakten, von den Möglichkeiten widriger Naturwirkungen allgemein vorbestimmten Wagemut beweisen muß, um über ihre eigenen Bornen hinauszukommen, sich
in einer superstrukturellen Daseinsmimetik darstellenden (also: nicht nur vorstellenden) Charakter. Es ist eben nicht leicht ein gelassenes Leben möglich in hermetischer Welt. Der allgemeine Anspruch auf höhere geistige Wahrheitsgeltung kommt damit, daß Britannien keine kleine Insel ist,
daß dort deutlich voneinander unterschiedene Völker diese selben Grundwahrnehmungen haben, und daß die höchste, und hinsichtlich der weiteren Welt freieste Kaste, der normannische Adel, Platz und Geltung auf dem Kontinent auch und in der weiteren alten Welt, des Mittelmeeres zumal, hat und behaupten kann. Der Utilitarismus in seiner absichtlichen Ignoranz
für das, was er nicht selber meinen MUSS, geht einher mit dem Sonder-charakter der neben Normannen und Sachsen die Wege zum Kontinent unterhaltenden Flandern, welche wie die Normannen sich auf beiden Seiten des Kanals halten und behaupten, als Händler. Der englische Geist artikuliert daher gerne gedanklich verdichtete Meinungen für solche anderen Völker mit, die in ihrem allgemeinen Befinden ein wenig (oder sehr) durch widrige Weltbedingungen (schlechtes Klima, arme Böden, horizontlose Lebenswelten) in sich isoliert sind, die daher sich eher mit eigentlich vagem Zweckempfinden sozialisieren und eher einem metaphysizierenden Mangel- und Hungergefühl folgen als den müßigeren Gewahrheiten sich wohlbefindender Geister,
denen eine allgemeine Gunst des Daseins ohnehin die Sinne befreit
und löst, ihnen zwanglos Erkenntnisse ermöglicht,
die so auch eher für sich sprechen.
_________

Ja gut, noch einmal: Schopenhauer (der schöne junge Mensch,
mit einem Hauch von Ziegendämon) (vielleicht der Angorawolle wegen, die
geholfen haben wird, ihn reich zu machen). Sehr schön, sehr geistreich die
Verdeutlichung gegenüber Kant: anstatt das Objekt (Ding an sich) logisch

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zu obskurieren, verdeutlicht er den vorstellenden Geist wie eine diamanten
fluide Seelengestalt in den Grenzen des sinnbegabten Leibes (vielleicht
helfen da Brunnen mit im Maintalboden vor dem Taunus). Das ist so
superb - solche Geistgestalten gibt es sonst nur in Djinngeschichten
aus 1001 Nacht (oder als die Bornen im Paradies). Himmlisch. Solche klare Geistesschönheit kommt wohl vom Indischen Ozean her und dies wieder
paßt gut zu den indisch-pessimistischen Anwandlungen späterhin.
Doch Vorsicht: von der Existenz wagt er nur zu raunen. Er ist Händler
und Kapitalist, und zu seiner Zeit bahnt sich schon - Napoleon hat das aufgebracht - das Projekt des Suez-Kanals an. Daher z.B. pessimisiert er,
zeigt das Wunderlicht aus dem Garten Gottes und sagt gleich dabei,
das werde wohl - so tatsächlichkeitssinnig ist Thoth - nichts mehr sein.
Das Jahrhundert nach dem Suez-Bau wiederholte die Manier mit der Errichtung des Assuandammes, der den Nilhochwassern ihre pulsende
Kraft nahm und damit den Monsunableger des östlichen Mittelmeeres
verdarb. Irdische Auswirkung daraus: der Ruin des Libanon (Parallele
zu seiner Entwaldung durch die Römer) und der endlose Hader überhaupt
an der Levante. (Zu bedenken wäre, ob nicht dieser Monsunhimmel
gute Zeit früher die Ausdehnung der Türkenherrschaft
auf dem Balkan nach Nordwesten begünstigt habe.)
Schopenhauer (der Bericht, der Kommentar) spricht von der Hand, dem
Auge, die nun mal notwendig Medium der Wahrnehmung und zugleich
der Vorstellungsfunktion sind. Das liest sich so weiter: die Geologie,
oder strategische Politik, die beschäftigen sich beide mit eben dem, was
da über Ozean, Suez usw. ja nur als Beispiel bemerkt ist - aber nach ihren bestimmbaren, begrenzten Zwecken, also: wie die Spanne geht,
wie die Hand tastet und kratzt. Das ist Thoth. Das Auge aber findet sich beispielsweise, um seine völlig andere Funktion zu verdeutlichen, nicht
in dem zweckbegrenzt Mitschauenden, sondern in einem anderen Subjekt, welches eben zusammenschaut, IDEE findet am Erkannten - da ist der Horus. Wenn Schopenhauer von Indien spricht, dann spricht da nicht Indien,
sondern Ägypten. Das will nicht egal sein. Der Pessimismus bei ihm will
ein durchaus gnosischer sein - auch die Gnosis gründet in Ägypten.
Die Überklarheit der Figur des vorstellenden Erkennensgeistes vielleicht Abbild der durchklärenden Phosphate und anderer Vulkansalze im Nil.
Der Pessimismus wiederum, dieser gnosische Schatten, eine chemische
und physiologische Verausgabung, der andere Effekt dieses selben Verhaltes.
Beides bedingt einander. Parallele dazu in der relativistischen Kondensation in der Sonne und um sie her. Auch dort polarisiert wahrscheinlich etwas
nach Überklarheit und Erschöpfung, wie, sehr sinngemäß, Zucker aus

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Blütenseim belebt, erfrischt, davon aber auch Ermüdung entsteht, final
als Zuckerkrankheit. Die persische Lehre von den beiden widerstreitenden Mächten des Lichtes und der Finsternis paßt gut daneben ( :: Yin / Yang),
und sonderbar aus diesem Formenkreis die offensichtliche, nicht obskure
Vergleichbarkeit mit den einander im Himmel gegenüberstehenden
Sternbildern Orion (unterm Sommer-Hochbogen der Sonne) und Ophiuchus
(über dem Winter-Talweg des Sterns) (Platon / Dionysios, usw.usw.usw.)
(Des Raisonnierens über solche Dualismen ist kein Ende, wie eben auch
die Sonne ewig ihren Weg nehmen wird, über den einen hinweg,
zu Füßen des anderen hindurch...)
_________

Auge / Blume / Sonne / Relativistischer Schmelz: Erkenntnis, die hehre
Gelassenheit des Platon, entsteht im direkten Gegenschein zu jener Mitte
in der Sonne und aller Schwerezentren im All, und weil die relativistische Verzögerung ein transzendenter, ewig gleicher Prozeß ist, deswegen
endet die Elation im immer möglichen, ewigheitlichen Aufblicken auch nie.
Die relativistische Kondensation ist nicht Analogon,
sondern direkte Ursache dieses geistvollen Wohlbefindens.
(Der relativistische Tautropfen findet seine absolut so verstandene
Entsprechung im Wasserborn des Taufsteins.)
_________

"Wenn Einer was sagt, haben Andere auch etwas zu sagen" –
daher kommt der Nominalismus.
_________

Lao Tse warnt vorm Reden. Platon warnt vorm Schreiben. Aber beide
haben nicht schlecht Worte übriggelassen, als gute Welt-Geist-Literaten.
_________

Leibniz, wieder: Seitenblicke. Galileo - das ist zu seiner Zeit wohlverstanden, wird sonst nicht offen argumentiert. Galileo voraus gingen Kopernikus
und Kepler. Dieser wieder hat sich empfohlen durch die kleine Genialität, einige der sogenannten platonischen Körper weiterzuentwickeln, indem er einfach die Polyederkanten verlängerte, bis daß sie sich mitten über der Fläche, an die sie ursprünglich anstießen, zusammentrafen. Dadurch
entstanden die sogenannten Keplerschen Sternkörper. (Außerdem betrieb
er eine bemerkenswerte Astrologie und hat ziemliche Bücher darüber
geschrieben.) Ein ebenfalls schon lange zu Leibnizens Zeit bekanntes

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Prinzip war das der camera obscura, der Lochkamera. Es wäre ja gut denk-
bar, daß diese Dinge dem Leibniz geholfen haben, das Prinzip der Monade
zu entwickeln, zusammen mit der schon erwähnten neuen Möglichkeit,
die Planeten nicht nur anzusehen darauf, wie sie auf die Erdenwelt wirken, sondern: aufeinander. Feste Objekte, egal ob Atome, Steine, Lebewesen, Planeten usw. kann man ja ohne Weiteres so ansehen wie hermetisch in sich gefügte Körper, die in sich selbst einen einartigen Binnenraum einschließen, welcher in jedem seiner Raumpunkte eindeutig korrelierbar ist mit jedem
Masse- und Raumpunkt im All umher, wo diese doch in ihrer gesamten Eigenart als von den Objektgrenzen umfügt dasselbe bleiben. Das sieht sich mit dem Prinzip der camera obscura so, daß jeder Punkt darin das All auf alles Andere umher, besonders aber auf die Materie des Objektes sonst, abbildet. Alle Raumpunkte bilden also das Um-All noch einmal in verdeutlichender Weise (für den hermetischen Eigencharakter - deswegen: "Monaden haben keine Fenster") besonders ineinander ab. Und dasselbe gilt auch für den Raum NICHT in Objekten eingeschlossen, sondern zwischen ihnen, wie der Allraum zwischen den Planeten usw. Lebende und daher so oder so (Wachs-
tum der Pflanze, Bewegung der Tiere etc.) in ihrer Form, ihrem Ort veränder-
liche "Objekte" artikulieren sich aber nicht nur als latent passiv abbildend
in diesem Welt-Raum, sondern durchwirken ihn, sich selbst gestaltend.
Das ist rein realerweise so und bedarf in dieser Hinsicht keines Motives extra.
Die All-Monade aber, der Inbegriff allen freien Raumes um jedes Besondere,
Begrenzte, Materielle, ist der Aufenthalt, sozusagen, des Logos, der zunächst einmal nur die Möglichkeit bedeutet, daß jedes Ding & Wesen sich in ihm befindet und in der :besonderen Form des Logos in allem Weltgeschehen
mit Anderem interagiert. Diese reine Freiheit, die keiner weiteren Spezifikation bedarf, formt wohl den Grundzug dessen, was sich als der Optimismus, eine elementare Empfindung reinen Freiseins an sich, bei Leibniz darstellt. Die
All-Monade ist auch das Medium, wo schon nicht notwendig der Daseinsort, des Blickes Gottes, sozusagen. In der Darstellung ist zu spüren, daß Leibniz dabei eine allgemeine Richtungsempfindung im Raume, wie weiträumlich
von steil oben auf die Erdoberfläche herab, sieht.
Das wunderte mich, weil das so deutlich ist, daher habe ich ein wenig nach-
gerechnet, daß zu Leibnizens bester Lebenszeit die drei äußeren Planeten
alle auf dem Scheitel der Eklyptik, in der Sommerhöhe der Sonnenbahn,
zu finden waren, besonders Pluto, der äußerste Planet. Zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges und danach von Optimismus zu wissen, will sonst eher sonderbar erscheinen, und Voltaire hat ja auch dann sehr heftig gegen Leibniz deswegen polemisiert. Dreißig Jahre, das bleibt bei dem Krieg aber immer zu bemerken, ist auch etwas mehr als die Umlaufzeit des Saturn,

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des viertäußersten Planeten, der für gewöhnliches Sehen der äußerste
der sichtbaren Planeten ist. Man kann sagen: die äußeren Planeten waren
zu jener Zeit lange noch nicht entdeckt, aber die allgemeine Änderung in der Auffassung dessen, was das All und die Planeten wirklich sind, hatte absolut die wirkliche Möglichkeit für die Menschheit eröffnet (manche Tiere sehen
z.B. den Uranus ohne Weiteres, und sogar den Neptun) (Katzen, Eulen etc.), beim selbstverständlichen Fortgang der Beobachtung und Forschung im nun
als räumlich frei und nicht nur wie ein Bann auf die Erdenwelt scheinenden All diese Planeten zu finden. Und Leibniz, dieser kluge, wache Geist, spürte das. Zugleich, weil die Planeten noch nicht objekt, also perspektivisch begrenzt, wirklich erkannt waren, diese Empfindung von so etwas wie himmlischer Gunst. Das ist nichts Irdisches im Sinne einer Moral, indem ja auch
die Dinge und Wesen auf der Erde als einzeln und frei vor dem All
wahrnehmbar geworden sind. Illustrationen aus jener Zeit zeigen,
daß auch Städte und Plätze eine large Weitläufigkeit haben, die Häuser
klar voneinander entfernt und Menschen, Tiere, Karren usw. bequem vereinzelt im weiten Bodenraum. Bei Grimmelshausen erscheint öfter die Redensart: der alte Kaiser, was wohl nicht das leibliche Alter des Menschen meint, der's ist, sondern eine Respektivität für die Erscheinung des Herrschers insoweit als die Mitte einer Staatswelt, die schon unvordenklich lange so ist. Der Seitenblick, den man sich dabei denken kann (ein innerer), sieht wohl ein wie laubbraunes, archetypisches Menschenprofil, und
so ähnlich könnte man sich den Pluto versinnbildlicht denken, wenn er,
wie in dieser Zeit hier nun wieder, in der Tiefe des Zodiak und damit nahe
über dem Horizont ungesehen scheint. Was die anderen Planeten angeht,
die ungesehenen, aber wohlgefühlten, so könnten dem Neptun entsprechen die Schweden, dem Uranus aber (der auf seiner Bahnebene rollt, phänomenal dem Rollwagenwesen gleich) die wallensteinische Façon der Kriegführung
als wie eine dichte Wolke, die über die Erde wallt und rollt und sich aus dem erhält, was sie aus dem belagerten Lande an sich ziehen kann, usw.usw.
Der Saturn, wie er während des Dreißigjährigen Krieges einmal ganz
um den Himmel zog, ja selber auch als ein (trabantenreicher) Körper im All kognosziert, bildete sozusagen das sonst noch Unerkannte, aber absolut schon Bewußtseins-Imminente wie ein Schattenspiel in irdischer Materie ab. Das ist natürlich keine Doktrin (diese Schau) - Leibniz mag ja auch alles Mögliche sein, aber doktrinär ist er bestimmt nicht. Die Menschheit aber,
ach, mußte ja weiter, das All beobachten, Planeten einmessen, Störungen herausrechnen, die auf jene Unsichtbaren wiesen, nach ihnen forschen, sie finden, und schließlich sogar mit mechanischen Apparaten in den Weltraum selber ausgreifen. Dazu aber muß man die Erde, den Planeten selber,

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und die Menschheit, die an ihm keine Ruhe hat, hart rannehmen.
Und dann zeigt sich: die Menschen machen Fehler, da lachen böse Götter.
Die Planeten nämlich sind der Hort der Titanen. Nur gottverlassen können
die Menschen wagen, sich damit anzulegen. Und so, wie diese feine Welt
nun öfter erscheinen will...
Die Griechen haben doch schon gesagt: wohin, Antaeus, ist Dir nicht gut?!

(Ha ha.)
(Ha. ha.)
_________

Leibniz, unter Anderem, hat der Menschheit ein Gutteil der mathematischen
Instrumente herbeigedacht, womit die Planeten konnten errechnet werden
aus den Bahnstörungen der anderen. Ein meteorisches Monädchen wie der! Ein nicht nur welt-, ein ALLgeschichtlicher Geist!
_________

Eine nordisch-volkstümliche Form dessen, was Platon für die alte Welt
des Mittelmeeres sein kann, ist der Soothsayer, den man auch typischerweise kennt in der Spielart des Rauners, des Besprechers oder Goden. Ein Mensch also, der nicht nur eine allgemeingültige ewige Idee von der Welt hat, sondern auf bestimmte Lebenswelt-Topoi spricht. "Soothsayer" heißt wörtlich so
etwas wie Besänftiger, auch: Seufzer (als solches kehrt das Thema wieder
in bestimmten Literaturen, wo die Seufzerthemen bestimmter Menschheiten behandelt werden, "ach ja", teilweise in Schriften und Schauspielen seit dem Barock bis in die Deutsche Klassik, ab wann sich aber dann der Geist mehr ins Realistische wandte, und die Sprache verhärtete und pervertierte, bis hin zu den Propagandasagen des Faschismus, oder den Leckerheiten hernach des wieder republikanischen Alleskönnens). Ein Soothsayer kommt umher
im Land (Kierkegaard spielt auf den Typ, auch Hamsun, der viel reist
und Vorträge hält in kleinen Gemeinden), sieht, wie es den Menschen geht, und spricht zu ihnen von dem, was es, mit Maß und guter Meinung, dazu zu sagen gibt. Beim Goden kommt, wie beim Priestertum, noch eine mythenhafte Gestik dazu, ein Sinn auch für Kraftworte usw. Am entwickelsten, und
oft ein wenig verkommen, ist dieses Spiel in Amerika, wo es sagenhafte
und nicht selten groteske Geschichten gibt von Wanderpredigern,
Zauberern, Heilern usw. Die Heilsarmee ist eine Verbandsform dieses
Wesens. Ein Soothsayer (Nietzsche ist, der Predigersohn, oft etwas von diesem Schlage) muß natürlich seine eigene Weise, seinen Geist haben.
Soothsaying ist eine ganze Wesenshaltung, nicht nur ein Dienst an

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Menschen, daher hat das nur Sinn, wenn ein Soothsayer zu welchen
Gewahrungen seine Sache zu sagen weiß, unabhängig davon, ob ihn jemand
hören wird deswegen - er festigt seine Gewahrungen damit allgemein, und
es genügt, wenn er selber gut hört, was ihm zu sagen wird, angesichts
Dieses oder Jenen, allen Möglichen in der gewahrbaren Welt. Juden, die viel umherkamen als Wanderer und Händler, leben in solchem Eigenhorizont (werden aber oft ihre Witzigkeit nicht los). Buddha kann man als einen
kapitalen, kosmischen Soothsayer ansehen. Die Banalform des Soothsayings sind Redensarten, Sprichworte und Stoßgebete, die jeder kennen und
beachten kann. "Ach ja, laß gut sein" ist das beste, vorläufig letzte Wort
eines Soothsayers. Soothsayer müssen zuhören können bei Nöten und
Plagen gewöhnlicher Leute, achtsam sein und ein gutes Gedächtnis haben. Ein solches kann man nicht haben in Vordergründigkeiten, man braucht
ein allgemeinbegriffliches, eidetisches Gedächtnis, in dem Wesens- und Unwesensformen allgemeingültig aufgehoben sind und sich je nach besonderer Situation präzisieren lassen - so funktioniert gutes Gedächtnis und auch guter Geist, wo doch in einem so allgemein vorgestimmten Seelenraum, der geübt ist an den Erscheinungen in ihrem Kommen und Gehen, auch schon einmal Gewahrhaftigkeiten aufsteigen (dabei hilft das Selbstsprechen bei nur mäßig aktuellen Wahrnehmungen), die nicht aus direkter Sinnfälligkeit plausibel sind, aber in der Folge zeigen, wie sie imminenter Aktualität vorherwissen oder assistieren. Das ließe sich erklären mit einer allgemeinen Ahnung aus Wahrnehmungsgründen latenter Art,
einem lebendigen Gefühl für die Bewegungen des Klimas, die oft im Körper eher wahrgenommen werden als im Bewußtsein, das ja erst bei einer gewissen Reizdichte Vor-stellungen produziert. Vernunft, wie bei Kant,
läßt sich gut verdichten und festigen durch die Übung des Soothsaying
oder besser, des Besprechens. Logisch spricht das für sich, indem einer,
der ruhig eine Sage zu jedem Ding, jeder Sache sagt, die er gewahrt, eventuelle Irrtümer oder verfehlte Meinungen, Haltungen usw. (ein selbstzentrierter Bewegungssinn, wie ihn Einzelwanderer leicht erwerben können, gehört mit hinzu) in seiner besten Ruhe ergänzen oder berichtigen kann, ohne durch die Vordergründigkeiten des Sprechens und Dialogierens mit Anderen, extremerweise Hohn, Beschämung usw. verstört zu werden. Gute Wissenschaft z.B. ist meistens ein solches (methodisches) Selbstgespräch, das hernach aus vorläufigen Eigenerkenntnissen die praktischen Dinge prüft, und erst dann darüber zu Anderen spricht, wenn das klopffest ist (daher wohl das Sprichwort: klopf auf Holz!), was es so meinen kann, daß es auch für Andere selbstredenden Sinn hat. In dieser Façon bekommt die Vernunft den Charakter der sogenannten intellektuellen

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Redlichkeit. Volkstümlich, beim eher schnellfertigen Machertum, nennt sich das Verantwortlichkeit, verfehlterweise: Schuld, Dummheit und Sünde.
Ein Soothsayer tut gut daran, sich einen Blick (: eidos) für das Sprechende
in allen möglichen Formenspielen der Welt zu machen (damit Leibnizens Lehre von den Monaden in ihren gestuften Vorstellungsfähigkeiten, passiv
in den Mineralien, gleichgültig dynamisch in denbeweglichen Elementen (Wasser, Luft, auch Planeten, Sterne usw.), latent charakterlich in Pflanzen, sinnlich in Tieren usw.), Ähnlichkeiten und Analogien z.B. in Formen verschiedener Aggregaturen passager gelten zu lassen und als Anregung
in Denkvorgängen mitzubenutzen, Pflanzen-, Wolkenformen z.B. totalisierend eidetisch und nicht nur dingbewußt funktional anzusehen, also auf sprechende Plastik oder Diaphanie, und nicht materialistisch verkürzt.
Vor allem aber der mimetische Geist der Tiere ist gute Unterhaltung. Indem der Soothsayer (oder Schauer) auch sein bestimmtes, lebendes Verhältnis selbst haben muß zu jedem Element, jeder Qualität und Regung in einer ganzen Welt, nicht nur in banalisierten Vordergründen, befindet er sich damit elementar
wie jedes wache, weltweise Tier, und Geister solch verständiger Art haben immer etwas Wesentliches, auch Geistiges, ineinander zu erkennen. Daher kann der Rauner, wo er sieht, daß ein Tier ihn bestimmt bemerkt, auch zu ihm sprechen und wird finden, daß ihm geantwortet wird - in den gestischen und perzeptiven Möglichkeiten des jeweiligen Tiergeistes. Dies wird weniger
die Form haben eines dialogischen Gesprächs als die eines sich immer weiterspielenden gestischen Tanzes. Wer mit solchem lebenden Wissen einmal bei den Tieren angekommen ist und HAT sein Gespräch, der ist
bald berühmt und wird finden, daß Tiere von selbst zu ihm kommen,
ihn grüßen, ihn auch durch Wegbleiben warnen usw., und auf Wegen
durchs Land wird er sich nicht wundern müssen, wenn ihm manche -
extra kluge - Tiere zu begegnen wissen wie verabredet.
Da ist viel los, und die Tierwelt (eine Republik) führt einen feinen Kalender.
_________

Interessant für sich (Animismus, Totemismus) ist es auch da, wo aus MENSCHEN monadische Selbste (sozusagen) hervorschauen, die eher
pflanzlichen oder tierischen Charakteren entsprechen. Entstanden ist
derlei wohl in archaisch einfachen Kulturen, wo den Menschen keine
Weltsage hilft, aus den Vordergründen (: Höhlengleichnis) ihrer Lebenswelt
zu kommen (dem halfen zunächst höhere Formen des Schamanismus auf, dann die großen, weltbegründenden Religionen). Dort liegt ein Bann auf horizontlosen Seelen, und in diesen bildet sich vor allem das Mythische ab: das Gewaltige, und das, welches sowohl Sein wie Nichtsein beweist,

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indem es erst lebt, dann stirbt und vergeht. Der Animismus der Höhlenmaler z.B. arbeitet damit, daß solcher Seelengeist auch in den Tieren selber arbeitet. Wenn Tiere merken, daß jemand oder etwas sie abbildet, dann kommt
eine ahnende Neugier in denen hervor (der Kalender, eben) und treibt sie,
ihr Ebenbild zu kommentieren. Das tun die, und Menschen, die darum wissen, können darauf warten. Reineweg genial und geistig (: Urbilder) wird das da, wo sowohl Mensch wie Tier in bestimmten Sternbildern den Charakter eines Tiers erkennen. So machen Katzen z.B. die tollsten Sachen, wenn ein Planet (der Mars, der Jupiter vor allem) durch das Sternbild des Löwen zieht,
besonders, wenn er, wie öfter der Mars, in diesem Sternbild eine
seiner Wegschleifen fährt und sich dabei der Erde nähert, hell wird.
Manche Menschen-Lebenstypen formen eher Pflanzencharakter nach. So scheint in Westfalen die Eiche ein Alles dominierender Charaktertyp zu sein, wie auch in manchen Gegenden Englands und Neuenglands (: Hickory-Eiche), weiter nördlich in Amerika und in manchen Gegenden Asiens (Tibet, China) die Tanne, dort aber vermischt (wie sonst eigentlich auch) mit Tiergeistern (Bär, Hirsch, Luchs), die damit oft erscheinen. Zu vermuten ist, weil die
großen Ur-Religionen solchen Geist mitaufnehmen, daß z.B. das Gebot
der Freigebigkeit (nicht nur des Almosen spendenden Mitleids) im Islam
sich aus der Mimetik der Palme usw. herleitet, die ihre Früchte von selbst
gibt und nicht erst muß darum gefragt werden, etc.etc. Der animistische Geist zeigt gewisse elementare Ambivalenzen, weil seine Wesens-Objekte sowohl seiend wie nichtseiend (aber dann gut erkannt : Jagdgeist, Opferwesen) wahrgehabt werden. Darin liegt ja der elementare Zauber des beschwörenden Abbilds, indem dieses die Form produziert, wo das damit signifizierte Lebewesen elementar NICHT ist - da kommt es und sagt: aber ich BIN,
und listiger Menschengeist weiß es bei dieser Selbstbehauptung zu nehmen, eventuell zu fangen und zu töten. Das ist weit über einfachen Köderzauber hinaus, der dem Tier nur Futter anbietet und eine eventuell ausbeutbare Genossenschaft, wie beim Hund, der oft selber dann gefressen wurde,
wenn nichts Anderes mehr dawar, oder bei den übrigen Tieren, die sich der Mensch domestiziert und damit nahezuhalten gewußt hat. An dieser Grenze zwischen der ästhetischen Bezauberung freier Geister und banaler Domesti-
kation des für dumme Beute Gehabten beginnt wohl die auch philosophisch und in Kulturformen deutliche Scheidung zwischen dem Idealgeist und
dem tendenziell (Aristoteles) oder offen Materialistischen. Besondere
(totemistische, kultische) Formen nimmt der Animismus an, wo in alter Jagdzeit bestimmte Tiergesellschaften gehegt und nur gelegentlich ausgebeutet werden, der Hirsch zum Beispiel, der Bär, Ur, Elch usw.usw., dieser Tribut verzehrt wurde, die Körperreste aber, vor allem die Schädel,

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kultisch bewahrt wurden als ein reales, exemplifiziertes Abbild, das ja im Körpergeist der lebenden Tiergesellschaft, zunächst im Mutterleib vorgeformt (damit gewisse Kulte der Tiermutter) und dann im lebenden Exemplar selber aus seinem Weltspiel ausgeformt worden ist. Da spricht Mehrerlei, einmal
ein Sinn für den allgemeinen Welttheater-Horizont, der diesem Tier und seinen Artgenossen den Lebensleib gönnt, wovon der Mensch (nicht alleine - informeller findet sich derlei auch bei anderen Jagdwesen, beim Bären zumal,
der mit toter Beute "spricht" und sie sprechen läßt, solange noch etwas davon hervorschaut) sich selber nährt, und das nicht nur in körperlicher Hinsicht, denn, außerdem, hält er damit (Ahngeist) dem Tiergeist die ohnehin unvermeidliche Vergänglichkeit vor (um ihn zu besänftigen - Tiere
antworten durchaus positiv darauf, wenn man sich um die Körperreste
von Artgenossen etwas sorgsam begibt, sie z.B. aus dem Weg trägt und
an plazenterem Orte, wie man ja sagt, bestattet, d.h. ein wenig mit Dekor nur
so ablegt), behält auch einen Rapport, eine Art Gedächtnis, in seinem Leib,
dem tierleibgenährten, wenn sein Schädel, die Knochen usw. quasi taktil bemerkbar bleiben, und zudem denkt sich von diesem Pfand her, wo ja Erkennen und Wissen des Tiers lebendig zugegen gewesen, gut weiter
in die draußen fortlebende Gesellschaft seiner Art- und Familiengenossen, "hört" quasi, wenn von dort zu dem Vergangenen gedacht wird, wenn
irgendetwas eines der lebenden Tiere schwach oder sonderbar macht, und findet daher gelegentlichen Anlaß, Weiteres daher zu jagen. Antilopentiere,
die sicher von Jägern, Tier wie Mensch, bewartet werden, haben in ihren Gesellschaften eine Art Gerichtsordnung, womit ausgehandelt wird, wer
von den Lebensgenossen nun sicher eher als die Anderen zur Beute der Jagdfeinde werden soll, und Rehe z.B. scheinen da eine ausgesprochene Selbstopferidee zu haben, suchen manchmal den Tod und machen auch,
in ihrem Welt-Geist, extra Raison damit. Bei Tieren, die selber auf solche denkenden, richtenden Antilopentiere usw. jagen (Bären), bildet sich das weiter ab als eine Verschißordnung, indem Lebensgesellschaften einzelne Genossen zu Gelegenheiten regelrecht rausschmeißen, damit die sich um Weiteres kümmern, ganz beiläufig solch exponierte Beute finden & jagen, damit sich ihrer Horde oder Bande empfehlen. Nicht umsonst ist der Bär
das Wahrtier Rußlands: dort ist dieser Mechanismus öfters zu beobachten, wenn aus dem Staatsrat gewisse Individuen geschaßt werden - das bringt
die durchaus nicht um; es zeigt sich nämlich meist, daß sie dann Wichtigeres und wirklich Interessanteres zu tun haben, als tote Zustände zu regieren.
Eine Spezialwendung nimmt das Thema (Animismus), wenn Menschen in entwickelteren, aber immer noch einfach strukturierten Lebenszuständen
statt Pflanze oder Tier das Ding zum Charakterinbegriff machen (damit ein

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etwas besondereres Verständnis des Terminus "Ding an sich" bei Kant).
Die Hochform dessen ist der feudale und religiöse Kult mit sehr symbolischen Gegenständen, Heilige Lanze, Kelch usw. Immer noch hohe Kultigkeit zeigt sich in der Verehrung der Gegenstände geistigen Gebrauchs, des Buches
an sich, etwa (Bibel, Meßbuch usw.) und feierlicher Kleider, besonderer Gebrauchsdinge wie Sitzen (Thron), Tischen (Altar), Schrein & Schrank usw.usw. Diese Dinge sind geschätzter, als Gelegenheiten zu besonderer
und prinzipiell freier Benutzung, als jene, welche einer unmittelbaren Not entsprechen - dort entsteht ein eher abseitiger, uneigentlich strukturierter Nebenkult mit Dingen wie Geräten des Tötens, Behältnisse für Ungutes
(Gift, Körperreste, z.B. die Canopen in Ägyypten), Gegenstände
des Bestattungswesens usw. Derlei ist immer noch nicht profan, aber eben
nicht Teil des hohen, hellen Horizontes. Auch den Charakter solcher Dinge
bilden manche Menschen als quasi-animistische Geistform aus sich hervor ab, und etwas weiter, bei den Werk- und Richtzeugen für das ohnehin
Notwendige, findet sich sodann ein Wesen, wo geschlossene Kommunen
als kollektives, vereintes Quasi-Selbst aus diesem her die Wendungen und
Fakultäten damit weisen, wie etwa die Freimaurer oder manche Orden.
Da ist das Ding-Geistwesen, im Prinzip immer noch Animismus, schon sehr weltgeistig, indem zu Dingen höheren Gebrauchs so sehr ein Welt- (Materie-) Horizont dazugehört wie zum Ahn-Tier sein lebensweltlicher Eigenhorizont.
Dann aber wendet sich der Geist ins Götzenhafte: wo der Nächste, sein
Lebensspiel als Beruf oder Geschäft usw. verinnerlichter Gegen-Stand wird,
und die Geräte seines Geschäftes mit in den Begriff gehören. Das sind
einmal die Formen der Existenz, welche allgemein und unmittelbar zum
Bestand und Umsatz relativ fest gefügter Kollektive gehören. Sodann
die Menschen, Dinge und Zustände, wo die so sittliche Gesellschaft oder
Gemeinschaft sich leiblich formt und festigt. Wie es sich befindet, ist diese Ebene des Seins, Meinens und Tuns durchaus tyrannisch, sinngemäß wie ein dreijähriges Kind, das nicht für sich selber kann, aber genau spürt und weiß, wessen es bedarf, und äußert seinen Willen damit. Der Typ Buddhas,
aus einer so schon entwickelten, aber einfachen Menschenwelt entstanden,
hebt davon ab: der niemals hat solche Not gekannt, aber weiß um sie und
kann z.B. künden von Zuständen des Leibes und der Seele aus dem Alter
zuvor, wo man gut gestillt seinen Schlummer hat und sich die Welt träumt
(: Maya), in sehr wissenden Traumsinnen, wie sie da und dort wirklich ist -
der Maya helfen dabei die Blumen, die Insekten, von wo her solches Wissen
(um reale Dinge und Gegenden um das Kindlager her) herbeiweht. Buddha
ist der Götze, der nichts zu wollen braucht. Andere Götzen sprechen eher
von dem, womit man sich hat. Und niederträchtig wird es da, wo nur noch

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Menschen einander vergötzen. Das ist alles alte Sage so, findet sich
immer neue Formen, und braucht hier nicht weiter erörtert zu werden.

Politik!
_________

"Wie recht hab' ich denn jetzt!!" Ist das die Demokratie??
("Ich ja auch, ich ja auch!")
_________

Gelehrte wollen sie alle sein / nicht unbedingt im Anspruch guter Schule.
Ach...
("ich weiß dat nämlich!")
_________

Was bei den Griechen das Trioditis-Mal vor der Haustür - diese Funktion
hat im Deutschen der Kleinsassen vielleicht der Vorgarten. Dort stellt man
motivisch verstehbare Dinge auf, Gartenzwerge, kleine Karren, Räder usw.,
und sagt damit doch etwas - zumindest spricht ein solcher Zustand von der Rührigkeit des Hausbewohners, auch von seiner Gewahrheit für die Gärten,
Häuser und Menschen um seinen eigenen Platz her. Auch scheint sich da,
wie oft sonst in den Meinungen und Unterhaltungen solcher Menschen,
deren Weltbild etwa so unübersichtlich ist wie das der einfachen Leute zu
des Sokratis Zeiten im Labyrinth der Athener Vorstädte, ein spezieller Sinn
für kalauerhafte Wortsymbolik zu beweisen, indem Namen und Worte eben
nicht dort einem allgemeinen Bildungshorizont entsprechen, nur wie Rätsel
mitgenommen werden und in ihrer Unerklärtheit aber assoziative Anklänge wecken in der Sprache, welche diese Leute wirklich verstehen. Banales Beispiel: den Namen "Geranie" für die Blume deutbar zu haben wie: Geh
ran hie, welcher Wortverstand ja fast dasselbe sagen könnte wie die Symbolik des Trioditis-Males. (Die Linguistik Saussures würde hier, im Assoziativ-Psychologischen, eher Sinn machen denn als eine allgemeine Erklärung des Charakters der Sprache überhaupt. Saussure dürfte sich, bei dem sehr regen Sinn in Frankreich für Wortwitze, vielleicht öfters gewundert haben über die assoziative Nähe seines Namens zu "Chaussure" (Schuhwerk), und solch ein latenter Sinn für assoziative Sonderbarkeit der Sprache insofern als System von Lauten und damit sonst witzlos verbundenen Bedeutungen ist Grundelement seiner Sprachlehre. Das bürgerliche 19. Jahrhundert beweist sich ja auch sonst als das psychologischer Totalisationsversuche. Nietzsche prahlt geradezu damit, ein welch toller Psychologe er ist, und seine Freundin,

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Lou Salome, assistierte später dem Sigmund Freud in seinen Menschen-beobachtungen. Vor allem Adler hat dann eine Lehre geboten, in der kalauerhafte Verdeutungen aus der etwas beschädigten Nahwahrnehmung unbedingt nur sozial lebender Menschen eine gewisse Rolle spielen.)
Der Sinn der einfachen Deutschen für kalauerhaft symbolischen Gebrauch
sonst unverstandener Worte ist ja recht allgemein und wird auch mit einer gewissen Systematik benutzt, oder gestärkt in dem Sinne, daß Tabloid-
zeitungen jede Neuigkeit, selbst wenn sie ausführlichere Information vertrüge,
auf die kürzestmögliche Form reduzieren, mit dem Refrain: da sieht man
mal wieder. Und dieser Refrain ist gewissermaßen der catch, der Inbegriff
jeden so kurzfertigen Mitguckens ohne jede Reflexion oder Tiefe, weil
da meist ohnehin nichts ist, was wirklichem Erkennen hülfe. Aber der Sinn
für kalauerhafte Nebenklänge ist immer dabei, hat auch manchmal eine
symbolhafte Dimension, wenn Situationen oder Elemente in ihnen müssen oder können erst bedacht werden, erhalten dabei Namen aus dem Begriffe-repertoire der Mitdenkenden, oder aus dem, womit sie in kommunen Denkweisen attachiert sind, mit einem Effekt manchmal hernach der Verblüffung ("dumbfounded" heißt das in Amerika, wo solcher Halbgeist
auch sehr bekannt und gehegt ist) über scheinbar welterklärende Aufblicke, die daraus erfolgen. Bären und Hunde blicken manchmal so auf aus Wahrnehmungen, in die sie sich hineingeschnüffelt haben - aber da macht solches Assoziieren auch unmittelbaren physiologischen Sinn - was man
von Menschen, die scheinwitzigen Assoziationen aufsitzen, nicht unbedingt sagen kann (außer, daß sie aus der Anspannung halbverstehender Unweisheit wieder zu Atem kommen). Daher eben gehört der Hund ("beim Hund!" ist öfter ein Ausruf bei Platon) zum Hekate-Wesen dazu. Deutsche, die sich mit dem Spiel der Halbwitz-Sonderbedeutungen auskennen, sagen dann manchmal
von sich: die haben Ahnung. Das ist, also, mit Absicht weder Wissenschaft,
noch Moral, noch sonst irgend ein Sinn mit geistig entwickelten Genauigkeiten wirklicher Weltauffassung, sondern nur solch ein klarer Nebel des Bescheid-wissens (wo es eben nicht einmal auf bewußte Wahrnehmung des Witzes ankommt) im allgemein Unübersichtlichen seiner Daseinshorizonte.
Der einfache Deutsche verwendet so wenig als möglich an Geist auf
die reale Welt, das, dem er alleine sowieso nichts kann, stellt sich seine
Meinungen damit zurecht, und was ihm Sinne und vielleicht Intellekt darüber hinaus sein können, das gehört seinen Delektationen. Es kann einem schon
manchmal das Auge wehtun, zu sehen, wie dieser flache Sumpf mit Öffent-
lichkeitswerten bedient wird. Populistische Politiker erholen sich manchmal
in diesem Garten. Daß Intellekt, Sinne und weitere Wirklichkeit etwas sein
könnten, das lebhaft, präzise, detailliert und mit durchaus delektativen

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Effekten für's Gemüt zusammengehört, als Geist ein und dasselbe sein
können, belieben die Halbwitzigen besser nicht zu bemerken - man könnte seine kleine Vorlieben des Selberwasandresseins darüber verlieren. Was ist das "Hehe" des Halbwitzigen aber gegen das satte Gelächter dessen, dem eine wirkliche Welt wirklich antwortet, dem sie ganzen Sinn macht! Wenn
der Halbwitz merken muß, daß da Einer Genaueres und Wahreres an der-
selben Welt findet als wie er, dann möchte er davon erzählt haben (vielleicht künstlerisch) oder dies, was ihm nicht selber leuchtet, nach den Begriffen seiner Billigkeiten für sowas-wie-Wahnsinn ansehen dürfen. Man muß ihm nämlich - da ist er kleiner sittlicher Tyrann - etwas dafür geben, daß er brav ist, und bei diesem Unprinzip, das von der Volkspolitik gern gehegt und bedient wird, ist er völlig gewissenlos. Diese Gewissenlosigkeit ist sozusagen
die leere Luft, in der seine sonstigen Meinungen erst ihren Rand zeigen.
In solchen Typen, könnte man sagen, ist die sittliche Tyrannis, vermehrt
um die witzige Klugheit des (von der Sitte wie: gefressenen) Sokrates
zu kleingeistiger Existenzialsophistik amalgamiert. Das kennt eigentlich
nur einen Imperativ: Man darf ihm nichts können. Das, wie man sieht, ist
der Ausdruck einer existenzialen Not, und kann sonst nicht viel mehr sein.
_________

"Wahr ist, was nicht weggeht" (zum Vorigen)...
_________

"Seien Sie nicht genial! Das sind wir AUCH nicht!" (dasselbe)
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...ein gewisser Intellekt beginnt da, wo etwas boshaft ironisch die impliziten Lebensmeinungen und Haltungen meinungslosen Halbverstandes kommen-tiert, sowas wie enteignend witzig im vorher hier erläuterten Sinn, ausgesagt werden, als eine Art Untertitel zu Naivitäten. Sowas macht wach, ist zwar kein Geist selber, regt aber an, sich präziser selbst mit seiner Welt und den eigenen Meinungen von ihr zu beschäftigen. Wo dem nichts wirklich antwortet oder Sinn gibt, bekommt das wohl zunächst eine Form destabilisierender Neurose, ein Effekt, den psychologisierende Sozialisatoren gern benutzen. Manche Lasterhaftigkeiten finden hier ihr Futter. Die Siebzigerjahre in Deutschland bestanden fast nur aus dem psychologistisch aufgefrischten Geheck solcher Strategien - soweit nicht einfach nur meinungslos arbeitende Weltgeschichte bedient werden mußte. Davon (diesem pseudohedonistisch geblendeten Gewühl) gab's im Weiteren Ausfallformen: den Terrorismus und moralistische Massen-Gutmenscherei im politischen Horizont, und die Entwicklung eines

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Phänomens, das als Mobbing notorisch geworden ist, in der banalen Arbeitswelt Nur-so-Sozialisierter...
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Interessant, die Wendung: Laß das sein!

Man könnte mit der Schreibweise experimentieren, Interpunktion hinzufügen usw...
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"Et IS ja Alles datselbe, ne!"
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...your silent enemy...
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"Die politischen Tiere Europas"...
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"Was Du selber siehst, muß Dich keiner lehren"
(Weisheit des Tigers, des Literaten).
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"Enfin - on aura tout vu." "Oui, mais: comment!"
_________

"Laws, man, are painted eyes!"
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Aristoteles / Kant, "nus poïetikos" (oder: Intellekt): die Chinesen haben
(im I Ging) das Sinnbild der Sonne über dem Bergrand oder des Auges über
dem Zaun. Um das also so zu nehmen: die Sinne sind der Zaun (durch den
z.B. Winden wachsen) und der Intellekt, das selbsttätige Erkennen damit
ist der Blick, der dahindurch sieht, was zu sehen ist, und schaut,
was er meinen mag...
_________

"Seien Sie doch nicht so delikat!!" Argument bei Undelikaten.
_________


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Für Sündige (sozusagen) ist Geschichte bevorzugterweise das :Vergangene, das, wo man vielleicht schlecht gewesen ist und möcht' nicht dran erinnert werden. "Geschichte" heißt aber wörtlich: das, was geschieht, also das
Feld der Erscheinungen, wie sie unbegrenzbar ein Herkommen und ein
Hingehen haben, prozeßhaft gewärtig im ewig darin weitergeschehenden
Moment. Heraklit spricht von nichts Anderem, und mehr braucht er auch nicht
zu sagen, so, wie des Platons Konzept der Idee, einmal hinlänglich erklärt,
auf immer für sich spricht. Von Heraklit ist auch bekannt, daß er auf die
Orgiastiker flucht und nicht viel Gutes zu sagen findet über die bornierte
Zufriedenheit (und damit Rechthaberei), mit Verlaub, der Fresser, welche die
Welt nicht sehen wollen, wie sie ist, sondern nur das an ihr, was sie meinen
wollen. Diese Leute nennt er "Vieh", und feucht, also so etwas wie Mistvolk,
indem ja, was da geschieht, als Geschichte allenfalls gemütliches Gewühl
ist. So aber ist die wirkliche Welt nicht, die doch zum größten Teil NICHT
aus solch selbstvergessener Vordergründigkeit besteht, und woher das
auf Jedes, nicht nur die Menschheit, kommt, was man das Geschick nennt,
ein Wort aus selber Wurzel wie "Geschichte" und "geschehen".
_________

Aristoteles wieder: die Metaphysik als eine Lehre, welche sich um die
weiteren Gründe besorgt, aus denen die Erscheinungen sind, das, was er "Sein" nennt und neuere Philosophie wohl das Dasein oder das Seiende, befaßt sich perspektivisch mit dem, was bei Heraklit das Spiel des Logos
ist und damit im Weiteren die Episteme, wissendes Standhalten, das über
die unmittelbare, sonst nur vordergründige Anschauung dessen, was gewahr
sein kann, hinausweiß. Wie die Dinge gehen, das doch macht das Wissen.
_________

...damit kann man Wissenschaft begründen. Aristoteles will eben nicht
zeigen, sondern lehren. Er besorgt nicht das allgemeine Bild einer Welt,
sondern den Menschen, der mit ihr etwas kann.

Platon spricht nicht so als von einem Gott wie es Aristoteles tut, und woran
der dabei denkt, das ist wohl die Figur des thronenden Zeus. Platon lebt aus
dem nächtlichen Atem des Meeres, Aristoteles dekretiert vor dem Berge.
Er ist aus dem Horizont der Hirten. Dort sieht man die Welt weiträumig
objekt, und mit dem Geschick der Tiere sieht man, was aus den Dingen wird. Platons Wesenselement ist die Ruhe, die Gelassenheit; des Aristoteles
ist eine Art Zorn, damit ein Sinn.
_________

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"Ihre PERSÖNLICHE Geschwindigkeit!!"
_________

Archiphänomenales: Das Urgesetz von Form und Materie, wie es die
Pythagoräer, dann Aristoteles und jene in der Folge berufen, hat seinen
ersten Anhalt in der Beobachtung, daß auf dem festen Lande, wo ja die Menschen natürlicherweise leben, und wo an anderen Lebewesen sie
zu Genauigkeit der Wahrnehmung finden, eine Grundspannung besteht
zwischen der blanken Erde und dem Himmel (damit beginnt auch Lao Tse).
Die Erde ist elementar firm für die Wahrnehmung, der Himmel aber zeigt
schon ein erstes, grundlegendes Formelement, indem er dauernd in Bewegung zu sein scheint, dreht sich unablässig, ist nach wechselnden Proportionen mit Sternen bestückt, zeigt eine überzeitliche Bewegtheit,
indem die Sonne, der Mond und die Planeten unablässig, mit Gegenlauf-phasen in den Planetenschlingen, entgegen der Tages-Drehbewegung
des Firmamentes dort hindurchwandern. Zudem - damit die Form,
oder vielmehr die Formgebung oder Formwerdung Argument werde,
erscheint als Hauptelement darin die Sonne, ohne die (auch in geologischer Hinsicht) keine Formen aus der Erde entstehen können, als Pflanzen, Tiere daher, auch als allgemeinste Interaktion, nach Tag- und Nachttieren usw.
und den damit sich ergebenden primalen Erkenntnis- und Geistformen.
Zudem bewegen sich Sonne, Mond und Planeten nicht nur in einem deutlichen Kreisbogen über den Himmel, sondern mit dem Weg durch den Zodiak (jedes mit seiner eigenen Zeit: der Mond monatlich, die Sonne jährlich, die äußeren Planeten in 2-, 11- und 29-Jahreszyklen (soweit damals bekannt) - wodurch
die Zeitläufigkeit als weiteres Ur-Formelement abstrakter Art kennbar wird) steigen sie auch auf und ab im Himmel; konsonant damit erblühen, reifen
und vergehen Pflanzen, richten Tiere ihre Gesten ein usw. Dann, was die bemerkbaren Harmonien angeht (das ist im Norden merkbarer als im Süden), so gibt es Zeiten des scheinbaren Unmaßes, starke Regenzeiten im Süden zum Beispiel oder das hervorbrechende Chaos aller Pflanzenkräfte im Frühjahr des Nordens, aus dem aber durch Stillung und Ausgleich hernach deutlich harmonischere Naturbewegungen sich herausarbeiten. So ist hier
im Norden leicht zu sehen, wie ab Juni circa ein Takt in die physiologischen Bewegungen der grünen Natur kommt, wenn die arbeitenden Kräfte nach Ausprägung des Blattwerks ihr weiterhin gültiges Maß gefunden haben
und nun selbsttragende, harmonische Schwingungen darin aufbauen,
mit den Wechselfällen des Klimahimmels als Stimmung, als Gegenmaß. Symphonische Musik seit Haydn und Händel circa entwickelt das oft, komplimentiert damit die Gemütslage von Fürsten, die selber auf Jagden

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für lange durch die Wälder ziehen und dies natürlich kennen. Das Unmaß
oder Chaos gehört elementar mit zu einer Welt, in der Formen immer erst
neu wieder entstehen oder sich bekräftigen müssen, und die Mystik, etwa
bei Eckart, weiß um Wahrnehmungen, welche an der Grenze zwischen Chaos und göttlich klarer Ordnung sich finden - seine Predigten z.B. rufen gerne
eine Art Chaos im Seelenraum seiner Zuhörer an, indem er geglaubte Sätze zitiert, dann unmittelbar kontrarisiert, was eine Art Entsetzen hervorruft - sodann perlt er ihnen tauklare Wahrheiten, unmittelbar überzeugende Erkenntnisformen in den Geist - das macht er oft, und balzt geradezu mit
der Liebe Gottes vor den wachgerufenen Seelen, daß es eine Schau ist. Eine spezielle Form des Frühjahreschaos ist findbar in frühesten Morgenstunden
in Wäldern, wenn zunächst einzelne Vogelstimmen wachwerden (oft wie
ein enthusiastischer Schrei: "das stimmt, ist wahr, es IST die Welt, die ich
grad geträumt habe" usw.), wonach sehr schnell ein kurzes Spiel weniger Wechselstimmen folgt, dann aber auf einmal der ganze Wald erwacht
zu ungeheurem, allgemeinem Vogelgeschrei, ein wirklicher, unendlicher Lärm, den zu belauschen einfach die Sinne, besonders bei frühaufgestandenen
oder übernächtigen Lauschern, überfordert. Da ist nur noch ein allgemeines, fast schrilles Rauschen, in dem aber nun, weil in dem Lärm der Gehörsinn nach erkennbaren Strukturen sucht, ganz automatisch, Klänge wahrgenommen werden, derengleichen man seit der Gothik als
Kloster- und Kirchengesänge weiblicher Stimmen kennt. Die Litanei-
und Singübungen, wie sie seither bis in diese gerade verflossene Zeit
zum Schulwesen mit dazugehörten, kommen wohl genau daher.
Natürlicherweise sind solche Zustände nicht überall so zu finden.
Dazu braucht es Auen-Mischwälder mit Grasboden, von dessen Körnern
und Kleingetier so viele Vögel überhaupt erst leben können usw.
Wo die Wälder einfacher sind, nur aus Buchen, Eichen oder Koniferen
bestehen wie in weiten Gegenden Deutschlands, da leben wenigere und andere Vogelarten, die teilweise auf Raub angewiesen sind (Häher, Elstern, Spechte, dazu körnerpickende Finkenarten usw.), und die nicht laut werden, im Allgemeinen, nur gelegentlich nach Gefährten rufen in den Weiten
ihrer Reviere...
_________

Was Platons kluge Nebenblicke angeht: eine seiner Erörterungen ist
darüber, wie die Arhythmetik eine vergeistigende Wirkung schon hat,
wie darin das Erkennen aus dem Phänomenalen ins Abstrakte findet.
Dies wurde von Aristoteles teilweise so übernommen und entwickelt
(wo er sich sonst aber eher mit der Logik beschäftigte), dann von den

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Weiteren eher nur mitgenommen und mehr allgemein argumentativ
verwendet, indem die Offensichtlichkeit mathematischer Wahrfindung
zu erklären helfen sollte, daß der (menschliche) Geist elementar dazu eingerichtet ist, nicht unmittelbar sinnfällige Wahrheit zu erkennen und
damit die Welt in ihrem Gesetz durchschauen zu können. Dies ist ein
anderer Wahrheitssinn als der logische, der im Ganzen auf die Erläuterung, die Wahrheitsempfindung in den Fluchten des in Phänomenen sich aushandelnden Logos gerichtet ist. Logik ist sozusagen trans-eidetisch,
aber Mathematik ist prinzipiell abstrakt. Die meisten Denker, auch Kant, gebrauchen mathematische Beispiele nur als ergänzendes Motiv in der Behauptung, daß dem Menschen Wahrheit prinzipiell erkennbar, und wesentlich Element seiner Weltauffassung ist, aber der Gebrauch dieses Motivs oder Argumentes ist logisch, dazu kollateral fakultativ und nicht notwendig, wie mathematische Wahrheit in sich ist. Erst bei Leibniz
kommt das Erkennen darüber hinaus, indem er aus prinzipiell geometrischen Betrachtungen auch eine Weltidee entwickelt, die nun wieder elementar
der platonischen entspricht, und nicht zufällig ist Leibniz - ausentwickelten GEOMETRISCHEN Betrachtungen, auch ein Genie in arhythmetischen
Dingen, wo er die Infinitesimalrechnung auf seine spezielle Weise begründet.
Wie schon bemerkt, befindet er sich damit an einem ersten komfortablen Ort in einem neuen, zum Kosmos hin in Freiheit eröffneten Platz, und erst
hier, wo deutlich die Grenze überschritten ist aus erdenweltlicher Selbstbezogenheit des Erkennens, wird die Weite des platonischen
Horizontes, die reine, klare Offenheit zum All hin, wieder erster Grund
erleuchteten Erkennens. Die Tibetaner, die ohne Weiteres, wie Indien auch,
von Platon wußten und seinen Geist in ihre eigenen Lehren miteinfügten,
würden Platon als einen Bodhissatva bezeichnen, eine erleuchtete
Menschengestalt, deren Geist absolut für sich spricht und damit induktiv
das reine, gute Erkennen in Anderen weckt und belebt. Aristoteles ist
ein Guru, ein Lehrer und gewissermaßen Richter, indem er Kategorien
für konkretes und bestimmtes Erkennen und Tun gibt. Leibniz aber ist
ein kleiner Buddha, ein Geist, dem ein ganzer eigener Kosmos antwortet,
und dessen präzise Wahrnehmung damit nicht nur den Geist hat, wie Platon (oder auch die vorsokratischen Elementarphilosophen), sondern in der Durchklärung, Durchgeistigung solchen Absolut-Erkennens den Geist sich selbst Funktion sein läßt, etwas, das die Denker seit der Antike oft in tautologisch klingenden Attributionen als das Wesen Gottes ausgesagt haben: die Idee der Ideen, das Gute des Guten, die Wahrheit der Wahrheiten usw.
Es sind auch geometrisch-arhythmetische Überlegungen gewesen, welche das ptolemäische Weltbild in diesen neueren Erkenntnishorizont auflösten.

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Kopernikus sah die Planetenbahnen noch als Kreise an. Erst Kepler, in einer beispielhaften apriorischen Wendung mittels Gesetzen, die aus der Geometrie der Kegelschnitte bekannt waren, auf das bis dahin nur unvollkommen Erkannte, brachte eine eindeutige, prinzipiell und absolut richtige Idee in dieses vorläufige Konzept des Kopernikus, und damit eben fügte sich das Erkennen als mit einem Schlußstein in eine Form, die nun zur Basis der leibnizschen Weltschau werden konnte. Der aber befindet sich damit,
wie schon bemerkt, wieder elementar so wie Platon: genial, EIDETISCH
(nicht nur logisch) apriorisch, aus einer allgemeinsten, geistig vollkommen klaren Idee souverän über alle Einzelwahrnehmungen verfügend.
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Logik ist zwingend, aber Mathematik ist selbstverständlich.
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Zu Leibniz muß man aber doch sagen, daß die Leseweise für die gestuften
Vorstellungsformen der Monaden dem entsprechen, was er selbst an den
Dingen sieht, wie sie ihm erscheinen. Er sieht z.B. den Sinnencharakter
des Tiers, die Verhaltenheit der Pflanze, die Passivität der Materie und sagt: das ist die Form der Vorstellungskraft der damit umschriebenen Monade selber. Das muß so nicht wahr sein. Was die Monade ist, das zu definieren
und klarzustellen ist er perfekt. Aber wie diese wirklich ist - das kann er nicht wissen, nur meinen. Die Welt ist so groß, und der Mensch sieht nur so viel - das muß er ja meinen können, kann aber von allem, was er sieht, nur
bestenfalls inspiriert denken oder meinen, aber nicht so um das Wesen der Dinge wissen, daß ihm Endgültiges wie diese Aussagen über den Charakter der Monaden im Besonderen, wie in diesem Beispiel, gelingen möge. Dieser feine Unterschied muß da gemacht werden, angesichts der Unbedenklichkeit Weiterer, die solch ein Wort über das Wesen einfach für ganz und endgültig wahr nehmen und achten dann nicht weiter auf ihr Tun. Das ist das Problem mit allen Lehren, die Totalen produzieren und nicht ALLES extra erklären können.
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"Mais - c'est rigolain, ça!"
(Monet)...
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Appetitus cunnus
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"Sie sind doch auch Männchen. Das verstehen Sie doch!" Ein nicht großer
Hund zeigt: er trägt seine Dötzchen wie Mädchen ihre Zöpfe. Er gehört auch
einem. Dasselbe ist so gut, dies nicht einmal zu ignorieren, und weiß damit,
bei welchem Namen ihn zur Ordnung zu rufen. Manche Weiber brüllen
ihre Köter an, daß ihnen der Unterleib wehtun muß: der soll da bleiben,
wo er hingehört (zu einem groben Begriff von Idee)! Eine läßt alles tierisch Männliche kastrieren, das ihr in die Nähe kommt, nur ihren Köter nicht.
Vielleicht versteht jemand diese Selbstverständlichkeit...
Was Kynik heißen soll, erklärt sich vielleicht damit, wie Hunde über ihre Sphingen- und Muskelreflexe verfügen: die können derlei bewußt mit
spastischem Impuls ruckhaft anspannen. Wo Hunde bestimmte Dinge miteinander tun, da hängen die, kommen für eine Weile nicht voneinander los. Das haben Menschenweiber nicht nötig. Als Greiferinnen haben sie ganz andere Möglichkeit, ihre Männchen im Fang zu halten, besonders, indem sie sich nicht so sehr mit diesen selbst verklammern, sondern anderes Gegreif
mit in den Hangel nehmen. Das ist eine der Grundfiguren der Sitte.
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Der Barbar: Es soll alles nicht(s) sein - wenn man's nicht selber ist!
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Der Optimismus der Ahnungslosen...
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Aristoteles / Averroes / Siger von Brabant: die individuelle Seele ist
sterblich, nur der Eine Intellekt der Menschheit (und der, muß man sagen,
aller Lebenswelt) ist ewig: das entspricht chinesischer Idee (von Canetti so
kolportiert im "Überlebenden"), daß der Mensch, wie er dort im Ahnenkult gesehen wird, eine Lebensseele hat, die ihm durch die Zeugung mitgegeben wird, und eine Weltseele (das, was bei Aristoteles "durch die Tür (die Sinne)
kommt"), welche (dort: relativ) unsterblich ist. Man würde sagen, dies sei
der Geist oder weltfähige Intellekt im Unterschied zum Wesen, das einem
miteingeboren ist. Mir selber erschien das in dem Begriffspaar "Körpergeist" / "Visitatorgeist" als plausibel, lange bevor ich diese Dinge (außer bei Canetti) zu lesen bekam. Der Körpergeist ist auf die existenziale, einfache Befindung des Selbstes bezogen und kann prinzipiell über diese Bornen nicht hinaus. Der Visitatorgeist aber kommt damit, daß jedes Individuum, das nur ein
wenig weltfähig ist, d.h. sich selber oft genug in wechselnden Horizonten wiederfindet und kennt, fast automatisch etwas lernt, das dem allgemeinsten Gesetz der Welt entspricht, etwas, das zwar in individueller Erkenntnis

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realisiert und organisiert wird, aber eben sich nicht auf die Erkenntnisse
des Individuums reduzieren läßt. Schon die Kommunikation mit anderen Wesen, Mensch oder Tier, über solche Belange setzt einen allgemeinen,
die einfachen Formen individuellen Erkennens überschreitenden Intellekt voraus. Dies ist ein lebender Geist, im Prinzip, durchmischt mit den Charakteristiken der Weltelemente, die da notwendig mit im Begriff sind.
So, wie das bei Averroes und Siger extra akzentuiert und verabsolutiert
erscheint, hat das starke Ähnlichkeit mit dem Geist der Juden, deren Begriff
des Lebenden Geistes oder des Lebenden Gottes sehr dem zu gleichen
scheint, was hier als der ewige, allgemeine Intellekt erscheint. Dieser
Gott-Geist ist zwar überindividuell, absolut insoweit, als er nicht begrenzt ist
auf die Wahrnehmungen und Aussageformen Einzelner, etwa der Propheten,
aber die Hermetik, mit der dieser Daimon sich einzig um das Geschick
dieses einen Volkes bekümmert, mit Zorn, zeigt ja, daß er die Objektivation (sozusagen) dessen ist, was der unsterbliche Weltgeist dieses einen Volkes
ist. Die Juden (Salomon z.B.) wissen nichts von einer Welt nach dem Tode,
welche allgemeinste Metapher vor allem eine Transzendenz und Freiheit
über die Bornen des subjektiven, allgemein durch die Nichtexistenz des Selbstes begrenzten Erkennens in weiteste Horizonte des Seins bedeutet.
Der jüdische Gott spricht nicht vom Sein, sondern nur vom Sollen einer Exi-
stenz, die sich per se nicht infrage stellen lassen kann ("Ich bin der ich bin"
etc.). Darüber sind die Griechen, als weltkundige Kolonisatoren, die Römer
als ein schon zu republikanischer Zeiten imperiales Volk, bald hinaus. Dort
hat jeder Einzelne in ziemlicher Erkenntnisfreiheit Sicht auf die Einzelheiten
und das Ganze, wie es das welterobernde Menschenwesen anfindet und
in allgemeinen Begriff bekommt. Das hat Atem. Der jüdische Geist hat sein
Blut und damit den Zorn, der nur Grenzen setzt, aber keine Weiten öffnet
für den Blick. Die Erlösersage ist ja geradezu die Herausarbeitung dieses Freiwerdens aus der nur sittlichen Hermetik und der (da noch unqualifizierten) Überwindung dessen, was für gemeinstes Erkennen mit der Sterblichkeit,
dem Tode verdeutlicht ist. Das ist, bei dem Messias-Glauben der Juden
belassen, ein eschatologisch codierter Begriff der Transzendenz des leben-
den Erkennens. Die, welche die Lehre von der Vergänglichkeit der Individual-seele und der intellektuellen Weltseele (des Intellektes) verurteilten, sahen wohl, daß man damit im Ganzen wieder auf die alttestamentliche Sicht
zurückkäme, auch wenn das Erkennen des allgemeinen Intellektes mittlerweile klug geworden ist im Beherrschen einer weiten, wohlverstandenen Welt.
Das ist eine Regression, so wie das Weltbild des Aristoteles in Prinzipien
regressiv ist gegenüber dem des Platon. Dies ist alles wohlverstanden
und mmacht sich vielen Ausdruck, etwa bei Thomas von Aquin, der in allem

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aristotelisch fundierten Welt-WERKbild der Menschenhorizonte aber immer
die freie Mitte des Erkennens und Tuns, also den Platz Platons, akzentuiert.
Die Meinung von der Sterblichkeit der Individualseele, der Unsterblichkeit
des Einen, Allgemeinen Intellektes ist auch prinzipiell gnosisch, und auch
darin eine Regression gegenüber dem hellen, weltergreifenden Erkennen
im Lichte eines ewigen, transzendenten Gottes. Zudem bricht dieses
Konzept das Erkennen an der Grenze zwischen dem Individuum und dem
Allgemeinen. Dadurch verliert das Erstere ein gutes Stück seiner Freiheit
im Erkennen und Meinen vor einer Welt allgemein erkannter Deutlichkeit
und Klarheit. Das ist gnosisch, pessimistisch, und der Pessimismus solcher Art versteht sich eben nicht auf das Gute, sondern auf die Verfehltheiten
des Selbstes davor. Weshalb sollte man eine solche Erkenntnisform, oder
Matrix, bestärken oder nur gelten lassen! Die Griechen hatten ursprünglich nicht viel Sinn dafür, ein allgemeines Reich zu begründen. Die allgemeine Verfassung einander bekämpfender Stadtstaaten reflektiert auf den Sinn
für persönliche Tüchtigkeit, wie es ihn braucht zur Kolonisation in
barbarischen Gegenden. Platon verkörpert das Optimum an Gelassenheit dieses Typs, Aristoteles das Optimum praktischer Weltfertigkeit. Das genügt für eine gute, eine große Erkenntnisordnung. Die Römer aber erkannten früh,
daß es ihnen nichts hilft, nach solcher Ordnung zu leben. Dort umher leben
landsäßige Stämme, mit denen es eher Sinn hat, sich zu verbünden,
Macht miteinander zu akkumulieren und ein republikanisches, allgemein
begründetes, formales Rechtswesen als Paradigma zu instaurieren. Dieses
begrenzt die Individuen nur allgemein und läßt sie sonst in ihrer landläufig möglichen, allgemeinsten Freiheit. Genau deswegen hat Rom zwar gute Ethiker und Gesetzeslogiker hervorgebracht, aber keine so grundlegenden
Geistesgestalten wie Aristoteles, Platon usw. usw. Gerade das antike,
römische Christentum akzentuiert doch die grundsätzliche, absolute Freiheit
des Individuums selbst im Widerspruch zu den allgemein gesetzten Grenzen (des MEINENS über die Welt - dies bezieht sich nicht auf die unabdingbaren Begrenzungen des Sittlichen). Das Alles wird durch die gnosische Tendenz dessen, was Averroes und Siger da postulieren, getrübt und ist
so durchaus nicht wünschenswert, usw.

Der Dekalog wird gelegentlich erwähnt - im Grunde besteht er nur aus zwei
Sätzen: Du sollst Gottes sorgsam achten, und: Du sollst Deinem Nächsten
nicht zu nahe treten. Die Zehn Gebote sind nur Präzisionen dieser beiden
Grundgebote (phänomenal: man hat zwei Hände, aber zehn Finger daran).



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Zum Vorherigen noch: die begriffliche Trennung nach ewigem Allgemein-Intellekt und individuell vergänglicher Seele zeigt aber auch, wie es da
in ersten Andeutungen auf die Wende zum modernen Geist kommt,
angefangen mit Duns Scotus. Das Individuum muß sich doch bei solcher Welterklärung elementar verlassen fühlen und hat daher Grund, erstens vordergründiger SEINE Welt anzusehen und zudem diese Sicht gelten zu machen, daher die Akzentuierung des Willens. Dies ist die Grundlegung einer verallgemeinerbaren Weltsicht, wie sie bei Hobbes und Hume, also wieder Geistern von der Britischen Insel, viel später System wird, mit weiteren Folgen bis in den modernen Materialismus, und erst dort wird offen und allgemein sichtbar, wie eine solche Weltdeutung nicht mehr befreiende Schau, sondern Ideologie ist. Die Rationalisten, nicht zuletzt auch Kant, haben besorgt, das Erkennen zu subjektivieren, sein Erkennen aus einem sonst allgemeinen,
im Großen geschehenden Welt-Erkenntnisprozeß auszukoppeln. Das Meinen, so klug es auch ist, ist da stärker als das wirkliche Verstehen - wie sich
das prinzipiell verhält, wurde hier ja schon in dem kleinen Exkurs über Uni-
versalisten und Nominalisten erörtert. Als ich vor nicht langer Zeit das erste
Mal im Lexikon über die Thesen des Universalismus las, ohne irgend eine
Idee von dem allgemeineren Zusammenhang, lachte ich ab einer bestimmten Stelle spontan auf (das passiert mir öfter, wenn ich bei manchen Sachen
auf einmal merke, WAS da spricht und wovon). Da wußte ich sofort,
daß ich nicht nur ideogrammatische, logische Wendungen verstanden hatte,
sondern die Sache selber. Vor solchem Verstehen erscheinen Nominalisten, Rationalisten usw. vor allem als eine Art Nörgler, und spätere, rein materia-
listische Geister (wozu man schon Schopenhauer zählen muß) als reineweg verdorben. Selbst die Deutschen Idealisten machen sich da vor allem als
klug (Hegel) oder egomanisch (Fichte) dekadent. Das Sagen ist da allemal wichtiger als das wirklich Besagbare. Interessant bei all diesem ist, wie im realistischen, aber auch immer divin inspirierten Italien Geister da verstehen, bei aller Modernisation doch die allgemeingültigen Gewahrheiten zu behaupten, alleine vom Akzent des Erkennens her das Über- und Außer-
individuelle, gar das jenseits des Gesamt-Intellektes nur der Menschheit, als
grundlegend beizubehalten: die Natur (Bruno), die Macht (Macchiavelli und
das Renaissance-Fürstentum), schließlich das All, wie es wirklich ist (Galileo wieder). Das sind Totalen, die sich nicht einfach individuellem oder aus solcher Verlorenheit verallgemeinertem Halberkennen fügen - das ist nicht vordergründig und steigert den Geist in dem, was bei Platon, eben, die Wachheit ist der Wächter, der Wach- und Achtsamen. Solches Erkennen bleibt eben prinzipiell naturrechtlich und ist durchaus nicht nominalistisch, indem es sich um das kümmert und besorgt, was auch ohne seine richtige Erkenntnis

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unweigerlich das Geschick der Menschen und der Tiere formt.
Nicht der Nominalismus hat die moderne Technik erfunden und geformt -
dessen moderne Ausläufer befassen sich nur damit, wie man sie, auch
in uneigentlichen Meinungen, benutzt. In den neuesten Zeiten, die man
hier miterleben kann, zeigt sich ja lärmend, wie derlei sich in seinen selbst-
bezogenen Vordergründigkeiten zum großen Teile ad absurdum führt. Men-
schen haben keinen großen Sinn für ihren Platz im Weltganzen und geben
sich daher mit titanischen Vordergründigkeiten zufrieden, oder was das ist:
viel, viel Lärm um recht nichtige Existenzen. Nominalisten etc. sind nicht original, so wie Galileo, wie Leibniz original und heiter sind. Einziger Licht-
blick im Geheck der Vordergründigkeiten, wie so oft, eine Art Witzteufel
in Frankreich (der in der Antike schon verstanden hat, Julius Caesar nach
Gallien zu locken, damit die energische Kraft der Römer eine große Aufgabe fände, sich raffiniere und durchkläre), wo man oft gratig und gelegentlich überspitzt sagt: also..., und: aber..., und so eben wieder den Wachsamen
feine Ohren macht für das, was sein will, und das, was sein WIRD. Haha.
_________

Das hier zu Beginn über den großen Atem des Meeres Bemerkte kommt mir
natürlich nicht von ungefähr. Zwanzig Jahre lang habe ich Zeit gehabt und
Gelegenheit, das Mittelmeer längs seiner Nord- und Ostküste kennenzulernen, von Iskenderun an der Ecke zwischen der Türkei & Syrien begonnen,
bei Latakia in Syrien selber, dann in Spanien bis hinüber jenseits Gibraltar,
wo schon der Atlantik beginnt (diesen selber in Portugal gut gesehen),
dann an der Riviera, ganz Italien hinab bis an die Südseite Siziliens,
die beiden Adriaküsten, ein Stück Griechenland und Thrakien bis an das
Schwarze Meer. Ich sollte es kennen. Aber davon alleine kann ich noch nicht verstanden haben, was ich hier zu sagen weiß damit. In den späten 80ern,
als ich viel und oft in Südfrankreich weilte, viel in die Berge hinan und über
die Uferhöhen wanderte, kam ich einst an einem blendend schönen Sommer-
nachmittag einen Weg entlang bei neueren Residenzen westlich Monaco.
Ich hatte eine Sicht voraus von Meerpinien, die links der Straße zu den
Appartmenthäusern hinwiesen, und vor diesen, hundertfünfzig Schritt mir
voraus, sah ich zwei Frauen miteinander stehen und sprechen, eine panisch
stille, wie stumme Szene in balsamisch dichter Luft. Im selben Moment wußte ich: das muß die panische Stille sein, von der die Alten zu berichten wußten. Ich ging nicht weiter dorthin, sondern ließ das Mysterium bei sich. Ähnlich dichte Sommerluftszenen habe ich zuvor nur in meiner Kindheit gesehen
auf dem Dorf im Lößland, bevor eine faule Welt davon gemacht wurde.
Ich ging einen Seitenweg nach rechts hinab, was mir den Blick öffnete

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auf eine nicht große Bucht, und in dieser selber war etwas zugange,
das die Gegenschau abgab zu der Szene unter den Pinien. Das Meer ist dort
gewöhnlich hellblau, und hellgrün, wo es ans flache Ufer kommt. In dieser Bucht aber durchmischten sich, ganz eben sichtbar, diese Farben; es schien, als sei die Bucht ein großer Topf, in dem durch die Sonnenwärme des
späten Mittags ein großer Konvektionswirbel sich in sich selber drehte,
ein ganz leichtes, fast unmerkliches Brodeln. Jahre später fiel mir zu dieser
unvergessenen Beobachtung ein, solche Effekte müßten zu tun haben
mit der Form und der Dramatik von Amphitheatern. Zu diesen ist erstens
zu bemerken, daß sie oft in ziemlicher Nähe zum Meer angelegt sind, nicht selten sogar mit direktem Blick darauf. Die Trichterform des Publikumsplatzes hätte ein gutverständliches Herkommen aus dem weiteren Alltagsleben
der Menschen, die solche Theater benutzen. Die haben meist Gärten in der weiteren Umgebung ihrer Stadt, die immer wieder verkrauten und geputzt werden müssen. Dabei fällt viel Schnittholz an, das man zu großen Haufen auftürmt und erst einmal trocknen läßt. Zu geeigneter Zeit bringt man Feuer mit aus dem Herd des Hauses (damit die Kulissen des Theaters, fürderhin), legt das bei der vorderen Mitte des Reiserhaufens an und schaut sodann
zu, wie die Flamme faßt, sich in die Zweige hineinfrißt und schließlich mit
rasanter Lohe durch das ganze Material fährt. Dabei entsteht eine sehr hohe, flächige, intensiv golden leuchtende (: Oreichalkos) und heiß strahlende Flammenzunge. Wenn diese am kräftigsten ist und gerade wieder tendiert, sich zu mindern, wird in dem Reiserhaufen ein steiler Trichter ausgebrannt sein, in den man nun das übrige Holz von außen her nach und nach
einwirft, damit sich das konsumiere. Ein solches Feuer ist sehr dramatisch,
und seine Hitze macht den Körpergeist jener, die an ihm arbeiten, in einer Schockwirkung sehr ernst und wie bestürzt. Wenn aber das Feuer sich aufgebraucht hat im Holz, so bleibt im Ganzen nur eine dichte weiße Aschenschicht übrig, unter der nun die noch lange weiterglühende
Holzkohle so etwas wie murmelt. Es kann zwei Tage lang dauern, bis daß
die letzten Gluten darin erlöschen (in Monaco habe ich mich einmal dazu eingefunden, wie der Fürst am Ende des Februars auf dem Platz vor der Devote-Schlucht, worin vorne, beim Hafen, eine kleine Kirche steht (die der Devote, der Patronin der Monegassen), rituell ein Boot verbrennt; ich kam recht spät und es war eigentlich alles schon vorbei, mußte dann finden,
daß die Feuerwehr, die das alles mitbewacht, die Zunderreste des Bootes
einfach mit Wasser abgelöscht hatte, fand das ein wenig sehr profan).
An diesem Ereignisbild des Garten-Fegefeuers ist ja nun ohne Weiteres die
Dynamik des kathartischen Effektes zu erkennen, auf den das tragische Drama abzielt. Die Menschen, welche man in den Wettspielen der Dramatiker fragt,

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welche Tragoedie die beste gewesen sein wird, haben da ja eine
Empfindung, an der sie die Kunst des Schauspiels messen, und deren Urmaß
ist das Erlebnis des alljährlich mindestens einmal stattfindenden Garten-
Fegefeuers, wie es fast jeder von Denen aus seinen Haushaltsgesten kennt.
Aber nicht nur dies macht den Effekt des Theaters aus, sondern auch ein Beimerken von diesem zu Anfang beschriebenen Siedetopf-Effekt in nahen Meerbuchten her. Man wird wohl die Schauspiele am nicht mehr frühen Nachmittag spielen, und enden lassen, wenn noch eine gute Spanne bis
zum wirklichen Sonnenuntergang ist. Um diese Zeit aber ist der Siedetopf-Effekt in den Buchten am stärksten. Die Fische dort werden sich von diesen subtilen, aber voluminösen Strömungen umhertragen lassen, die sie zwei,
drei Mal vielleicht so im Wasserkörper der Bucht auf und ab tragen.
Die Menschen aber, die das Schauspiel sehen, wollen ebenso willenlos matt vom dargestellten Geschehen mitgenommen werden. Wenn dieses vollzogen ist und die Katharsis erwirkt, ist das subtile Chaos dort draußen in der Bucht am vollkommensten - alles ist durchmischt, und die Fische, die sich in die Tiefe ihrer seligen Willenlosigkeiten davongeträumt haben, müssen wieder
zu sich finden. Ähnlich ist das Blut der Menschen um den Schauspielplatz
in einem sonderbaren Zustand, wohl mit nicht wenig Stickstoff durchsetzt, vergleichbar dem Blutbild nachmittäglich träumender Säuglinge.
Wenn nun die Sonne sinkt, wird es durchaus nicht kühl werden, aber
die Dichte der Mittagshitze läßt nun merkbar nach. Der Nächste wird wieder spürbar. Es ist diese dichte Hitze, aus der die Philosophie des Parmenides
ist, von daher weiß er, daß es nur Sein gibt und kein Werden. Das Drama,
das in solcher Dichte der Luft nicht physisch erinnert werden kann, weil
die Leiber nicht spüren, was sie sehen (so, wie man in kälteren Gegenden
die Bewegungen Anderer sympathetisch fühlt anhand feinster Wärmewahr-
nehmung des anderen Leibes im Grund der Augen), da sie selber weder
Wärme aufnehmen noch abgeben können, erleben das Drama wie einen Traum, und wo sie dann sich schließlich erheben und gehen davon, zum eigenen Herde, wohin sie die jetzt stark sinkende Sonne weist, werden bis
in den späten Abend hinein, wenn es dann vielleicht etwas kühl wird, diese gestaute Hitze aus sich abstrahlen, bis zu einem Moment, wo der Körper dessen innewird und so etwas wie schaudert - ohne daß es umher wirklich kühl würde - nur "brrrrr" sich faßt, vergleichbar dem, wie ein Hund sich schüttelt, um Fell, Sehnen und Nerven in eine neue Ordnung zu bekommen, und erst dann beginnt das Leben wieder, erst ab dann haben die Menschen
wieder eigene Worte. Das Drama erzeugt diese Effekte nicht selber, aber
es stimmt sich damit, fragt, fast augenzwinkernd (feuchte Aschenträne):
ist wahr, ne! und ein tiefernstes, fast sardonisches Lächeln, nur im Ober-

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gesicht, antwortet. So ernst macht gute Hitze, und Vergleichbares kann
man auch ohne Weiteres fern allen Amphitheatern und dem Meere erleben
in sommerverlassenen Stadtklüften über Asphalt.
_________

Niemandsland (oh!) ungekonnter Träume!





(110)




































phi3


Buy, buy, buy! Buy what you can, and what you won't sell again
will be called your personal property!
_________

Was Gesten sagen: "Wo das Gesetz ist, da findet's auch leicht ins Maß."
Das heißt...
_________

Die Spottfee (ein ziemlich heiliges Wesen)...
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Landlauf / Hauslauf
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"Nichts gibt es umsonst" - das liest sich besser (wahrer) als: es gibt nichts
ohne Bedingungen. Beispielsweise: aus welchen Gründen Mensch und Tier
erst subsistieren, das hat seine unbedingten mittelbaren Wirkungen in
Charakter, Sitte und Geist. Das wirkt unmittelbar in der Physiologie, und
wie sich das daraus hervorgehende Leben empfindet, so, sinngemäß gesagt,
die Grundfarbe, das Elementarmuster des Lebensbildes. Solche Dinge
vertragen viel feine Betrachtung und sind gern in sich wahr,
so wie Nahrung wahr ist dem Leib, dem sie zuträgt...
_________

Wie Tiere einander bei Namen halten: "Der kleine Stutz" sagt die Amsel
(gestisch), als ich sie für Weisheit über den Zaunkönig ansehe. Der Stutz,
das ist der kleine, steile Federstoß über des Zaunkönigs Hinterecke...
_________

Kleiner Weg durch die Bibliothek. Die kleine Stadt D. hat sich vor einigen Jahren eine Bibliothek erbauen lassen, eine recht freundliche. Die soll nicht
gebieten, profilieren oder wichtigen Intellekt füttern, sondern nur ein wenig gebildet unterhalten. Es gibt die üblichen lokalen Zeitungen und ein paar ordentliche fernere. Dazu ein ziemlich verläßlicher Kaffeeautomat. Hinter
der Theke arbeiten nur Mädchen in ihrem Ställchen. Da ich keine berufbare
Postadresse habe, kann ich mir keine Bibliothekskarte ausstellen lassen,
aber das ist ganz gut so. Von meinem Platz bis dorthin sind es vielleicht
sieben Kilometer, die mit dem Rad zu fahren mir angenehm ist und eine
wache Temperatur in den Kopf trägt, mit der die Zeitungen zügig zu lesen sind, und wenn mich das in den Platz eingesessen hat, fällt mir sodann

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müßigerweise eher ein, was mich nun an den Büchern selber interessieren könnte. Zehn bis fünfzehnmal pro Monat mache ich mir wohl diesen Weg.
Da ich mir nichts Bestimmtes vornehmen muß, ist es weitgehend meinem allgemeinsten Zeitgefühl überlassen, wie sehr ich mich womit beschäftige.
Die Ausstattung der Bibliothek ist mäßig im Volumen, aber ziemlich gekonnt. Im allgemeinen Klima des zweistöckigen, atriumweis gefügten Raums
machen sich natürlich je nach Wochentag und Jahreszeit diverse Nebensachen mitbemerkbar. Wenn's im Sommer heiß ist, wird eine Terrassentür geöffnet, und man kann sogar dahindurch auf einen kleinen Balkon, worauf zwei Tischchen, vier Stühle, eine kurze Aussicht über Souterrain-Gartenböschung, einen kleinen Parkplatz und eine unwichtige Spielecke für Kinder bei büschereichen Hausgärten. Wie woanders auch oft, so verändert sich das Verhaltensklima deutlich, sobald geheizt werden muß - die Mienen und Gesten an der Theke werden dann merkbar ein wenig tyrannisch (gelegentliches Nachdenken ergab, das könne rein physikalisch keinen rechten Sinn haben: jeder Menschenkörper ist mindestens doppelt
so warm wie die Raumluft und braucht für soviel Volumen, wie er einnimmt, keine Heizenergie, gibt dem Raum sogar etwas mit; es geht aber offenbar nicht um solche Dinge). An Freitagen und an manchen anderen kommen die kultivierten Barbaren, bringen im Ganzen immer mindestens vier Kinder mit, und der Platz verwandelt sich in eine Mischung aus Fingerbasar, öffentlicher Toilette und Krabbelstube. Die Kinder (bis zu sieben Jahren meist) spielen Nachlaufen und Verstecken zwischen den Regalen und bewegen sich dabei NIEMALS ohne lautes, eiliges Getrampel (über einen scharf polierten Granitsteinboden und ein recht feines, helles Parkett). Manchmal,
meistens vor Mittag, unterhalten sich bestimmte Bibliothekarinnen
über interne Sachen, wie oft sonst auch bei solchen Gesprächen
mit einem ziemlich nierenwinsligen Timbre (besonders zu Heizzeiten)
und der dynamischen Ausdauer fortwährenden Wasserlassens. Derlei
bin ich gewöhnt und nehme denen das nicht übel, obgleich es in seiner wirklichen Ausdauer schon einige Nerven trifft und eine Empfindung intestinaler Übelkeit erzeugt. Ein vielgelobtes Rezept, überaus feines Schmorfleisch zu kochen, rät, dies kurz anzugaren, bis daß sich die Poren geschlossen haben, und dann ca. 4 - 6 Stunden das Ganze bei geschlossener Casserole gerade unterhalb der Siedetemperatur simmern zu lassen.
Danach zerfließt das Fleisch auf der Zunge, zarter als wie Butter. So ähnlich geht's wohl diesen Weibsen, indem die erwärmte Luft vor allem die flüssige Phase ihrer Leiber ein bißchen unnachgiebig aufheizt und damit einen Druck auf die Nieren erzeugt (neben einem auf die Lunge, der nicht so unmittelbar Nerv macht, aber dafür auf die Dauer erschöpft). Ich selber bin es gewöhnt,

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Sommer wie Winter an denkbar freier Luft zu leben und zu atmen und kann sagen, daß es so leicht nichts Besseres und Angenehmeres gibt, selbst
bei starkem Frost (gegen den ich mich mit Bahnen aluminierten Stoffes abschirme, der meine Körperwärme unmittelbar reflektiert; bei wirklich starkem Frost tauche ich ab und halte Dämmerschlaf - solche Zeiten dauern nie lange und bessern insgesamt nur die Lebenslaune, weil nichts das Soma und den Geist so klärt wie ein für einen oder zwei Tage bis auf die Knochen durchbeißender Frost). Die überall von jenseits des Horizontes herwehende Nachtluft, durch nichts gedämmt als dünne Plane, SCHMECKT von der Zunge bis ins Blut, dergleichen kennt kein Hausschläfer: eine zarte, im Solarplexus vibrant resonierende wirkliche Süße. Hier in diesem geschlossenen Raum kann ich derlei nicht haben, lasse meine Umgebung aber soweit auskühlen, daß der Körper Wärme abgeben kann, und das hält zumindest wach. Manchmal dreht irgendwer die Heizung auf ohne mein Bemerken (maßlos nach gedankenloser Gewohnheit), und finde ich mich dann daneben ein,
so merke ich das unmittelbar, weil die Wärmestrahlung (nicht die Raumhitze) an meinen Schädelknochen selber als Widerstrahlung merkbar wird und eine gewisse Übelkeit erzeugt wie von einem kälkenen, flächigen Scheuern. Natürlich drehe ich dann die Heizung sofort auf Null, und diese Blödheit schwindet in der Folge auch sehr bald. Was ich da mit meinen kühl konditionierten Skalpnerven, in der Schläfe vor allem, so bemerke, reflektiert ja auf rein physiologisch nachteilige Effekte, und diese machen sich eben bei den falsch beheizten Bibliotheksmädchen auch nur bemerkbar, selbst wenn sie da oberflächlich nicht besonders empfindsam sein sollten (die boilende Reizung der Nieren hat den Nebeneffekt, die Nervenempfindungen insgesamt zu stauchen, das heißt, die direkte Wahrnehmung für diesen Effekt ist ohnehin gelähmt, und daher wird das erst bewußt, wenn er ohnehin schon zu stark ist - das geht so ähnlich wie beim Rauchen, das einen allgemeinen dumpfen
Druck oder Schmerz in der Lungenfläche erzeugt, welcher aber wieder durch das Nikotin der nächsten Zigarette gedämpft wird usw.usw.usw.). Diese Jammerzeiten bei der Theke erledigen sich früher oder später, wohl, wenn
das Wasser sich bemerkbarer macht als die Niere selber, aber das dauert und wiederholt sich, meist an Vormittagen, wenn die Mädchen eben sicher in der Mummelwirkung des Raumes angekommen sind und nun für etliche Stunden nichts Anderes mehr kennen werden, mit einprägsamer Regelmäßigkeit. Ich weiche öfters davor aus ins ferner gelegene Obergeschoß, wo man Fenster nahe zu zwei Seiten einer Tischgruppe öffnen kann und so zumindest einigen Atem bekommt. Die Anlage des großen Raumes ist sonst recht klug. In dieser Etage tagen öfters Hausaufgabengruppen, die ihrerseits ziemlich ergiebige Schwatzblasen zugange zu haben pflegen, auch hier oft mit diesem

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winselnden (find' sonst kein Wort, das paßte) Beiton. Gelegentlich steigen
dort auch juvenile Lebensart-Simulanten durch, die fürchterlich chemischen Parfümdunst um sich verbreiten. Derlei geht an sich auch vorbei, nervt aber deutlich und unmittelbar stärker als die Laute an den Mädchentischen,
und die Nase kann ich mir dagegen nicht ebenso zustopfen wie die Ohren gegen allzu oberflächliche Echos und die Leidenstöne von den Schularbeits-tischen. Die Parfüms sind meist von einer dermaßen aufdringlichen, anorganisch chemischen Widerlichkeit in ihrer Grundnote, daß ich wirklich nicht verstehe, wie die Typen selbst in diesem Dunst Atem finden mögen; vielleicht verhält es sich damit ähnlich einem anderen Effekt des Rauchens, nämlich, daß der Teergestank in Raucherräumen selbst für Raucher selber
viel abartiger riecht als der Qualm einer aktuell inhalierten Zigarette,
und dieser selbst wieder erstens diese Empfindung übertäubt und einen Binnenraum erträglicherer Aromate um den Raucher hüllt. Der Ekel vor solcher Kaltqualmigkeit ist eines der brauchbarsten Motive, sich die Fleppe abzugewöhnen. Im Ganzen aber ist die Bibliothek, abgesehen von den D-Zug-Eisengeländern um den kleinen Abgrund des Atriums, ein verhältnismäßig wirklich freundlicher Platz. Der Vorzugsort da oben in der sonnenlichten Nachmittagsecke zwischen den beiden Kippfenstern ist auf zwei Seiten umstellt mit den Regalen für Philosophie, wohl 50 Bände (Ostseite)
und Geschichte (mehrere Regale weit, Nordseite). Aus einem kleinen
offenen Abgrund in der Südwest-Raumecke rangelt sich eine Pflanze
empor aus dem Parterre, und durch das Fenster dort unterhalb schaut man
steil auf die Wohnstraße vor dem Haus. In zwei Lagen vor dem Fenster,
mittlere Höhe und eben darüber, ziehen sich Blendroste entlang. Es ist
einem nicht untersagt, den Kaffee hier mit hinaufzunehmen. Gleich zur Linken
stehen drei Regalborde (oder vier) hoch die Bildbände zur Zeitgeschichte
seit 1900. An sich blecke ich nicht einfach nur zum Gucken dort hindurch,
aber wenn z.B. in der Zeitung Themen anschlagen, die sich damit ein wenig
auskleiden lassen, schaue ich mir gerne diesen oder jenen Jahrgang durch, nicht selten mit kleinem, aber interessantem Erkenntnisgewinn (desgleichen lohnt es manchmal, zu den ja sonst herzlich ungenauen Aktualnachrichten aus aller Welt in den Atlas zu schauen, nicht fern drunten im Parterre). Natürlich habe ich mir den Bildband zu meinem Geburtsjahr (1950) ein
wenig genauer angesehen. Genau auf den Tag gibt's da nur das Kuriosum eines jungen Elefanten, den man zu Werbezwecken in der Wuppertaler Schwebebahn mitnehmen wollte; er geriet aber in Panik, durchbrach die Seitenwand und stürzte in den Fluß (ohne sich ernstlich zu verletzen). In summa derselben Woche brannte fern in Tokyo ein schöner, klar gebauter Tempel ab, zwei Stockwerke hoch, aus vergoldetem Holz, mit einer Phoenix-

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figur oben auf dem Dach. Der Tempel soll einige Jahre später wieder aufgebaut worden sein. Erstaunlich ist seine ziemliche Ähnlichkeit mit dem Bibliotheksbau hier selber. Was die wirkliche Lektüre sonst angeht, so muß ich sagen, daß ich zu derlei (wie auch zu anderen, praktischen Sachen)
in einer Weise das absolute Händchen habe wie vergleichsweise manche
Musiker das absolute Gehör. Ich kann von mir sagen, daß ich in 98% der Fälle noch nie ein Buch in (solch gutsortierten) Bibliotheken aufs Geratewohl aufgeschlagen habe, ohne an dem, was mein Blick dort fand, unmittelbaren oder im Laufe weiterer solcher Hernahmen mittelbaren intellektuellen
Gebrauch zu finden. Das ist schon lange so, und ich wundere mich darüber
so wenig wie über den spontanen, meist sehr freundlichen Zuspruch von
Tieren, die mir meist immer etwas Bemerkenswertes zu sagen (also: zu zeigen) verstehen, sobald Beiderlei einander gewahr ist. Ich frag' mich nicht
in solchen Dingen, ich benutze es. So lohnt vor allem das Philosophenbord solche spontanen Einsichtnahmen quer durchs Bord, vor allem, weil sich da über die Zeit oft ein Kreuz-und-Quer weitläufig miteinander reziprozierbarer Ideate ansammelt, zu dem ein oder zwei Bemerke einen Schlüssel geben, nach dem sich daraus eine kleine Erörterung oder ein längerer Aphorismus wie von selbst fast erdenkt und schreibt. Um sich zu Letzterem Appetit zu machen, lohnt immer ein Blick in einen der nicht wenigen Bände Nietzsche. Ich möcht sagen, daß es bei dem, neben den nicht unbeträchtlichen philosophischen Augenmerken vor allem diese eine Kunst für mich zu finden gab: wie aus drei, vier Beobachtungen, von denen meist nur eine aktuell zu sein braucht, wunderbare, in sich selbst sprachlich dicht gefügte Satzgruppen entstehen, die Aphorismen eben. Nach meiner sonst nicht sehr bemühten Belesenheit bringt nur noch Paul Valery solche zugleich in Beobachtung wie Aussage dichte, kräftige, und sprachlich perfekt geformte Aphorismen zustande. Aphorismen solcher Perfektion gleichen fein geschnittenen Gemmen,
die nicht nur ihren Beobachtungsgrund mit durchscheinen lassen über das direkt Vermerkte hinaus, sondern in ihrer wie Qipu vernetzten Sprachstruktur einen Air, eine konzise intellektuelle Vibration erzeugen, die von selber,
relativ abstrakt, im Geist weiterwirkt, dort fernere Assoziationen weckt und manchmal unterhält. Vor allem diese Kunst der ursprünglich meist sehr beiläufigen, sich durch eigentlich mühelose Denkarbeit anreichernden
und aus dieser Verdichtung zu bis da unerdachten Subtilitäten findenden Beobachtung gibt es bei Nietzsche zu lernen, neben einem mehr beiläufigen Sinn für korroborierenden Streusal von einfachen Beobachtungen,
die in ihrer eigenen Menge (zwei dichte Bände) schon eine ziemliche Welt abbilden. Auch das Druckbild der Nietzsche-Schriften in sich ist, egal
in welcher Ausgabe, ein solches, daß aus der Blattfläche zwischen den

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gedruckten Buchstaben eine ziemlich intensive Helle hervorscheint.
Nietzsche selber hatte es ja derart mit den Augen, daß ihn schon gewöhnliches, bedecktes Taglicht schmerzhaft blendete. Ein ähnlicher
Effekt des Schriftbildes ist zu finden in Musils "Mann ohne Eigenschaften",
wo ja auch nicht wenig (von den Protagonisten) über Nietzsche dilettiert wird, und worin eine ganze Strecke des Romans (wenn's denn der passende Name dafür nur sein kann) über solche Wahrnehmungen der müßigen, liebenden Geschwister thematisiert. Dort spielt wohl die kalkig-sandige Helle des Bodens im weiten Donaugrund bei Wien, und eine Hellsichtigkeit allgemein so intensiv angeregter Sinne für die Mitgegenwart des Sternenhimmels im hellen Sonnentag. Dort ist dieses Buch wirklich bezaubernd, während sonst viel
geredet und raisonniert wird, zu viel für meine Geduld, wo ich das Buch
aber ohnehin mindestens zweimal gründlich durchgegessen habe. Es ist allemal nicht vergebens. Ich find' halt für solche Luzidität hier nicht leicht antwortenden Prospekt, konnte nur einst in den Meeralpen, von einem Gipfelgebirge im Sonnentag, nach einer knisternd dichten Sternnacht oben, diesen geradezu mystischen Effekt des spürbaren Sternenlichts im Tage selber erleben. Das ist etwas ziemlich Absolutes und läßt sich nicht einfach durch absichtliches Erkennen- und Findenwollen herbeibringen. Den ganzen Tag lächelte dieses Bewußtsein aus den Augen; ich war wirklich bezaubert.
Auch dort in den Bergen ist solcher heller Kalkgrund, in den tieferen Zonen mit dichten Streifen blassen Tons durchschwirbelt.
Die Bibliothek: bei den Philosophen ohnehin das Lexikon der philosophischen Begriffe und der Philosophen selber. Einstein wird zu diesen gezählt,
ebenso Schrödinger, Heisenberg und Planck. Die philosophischen Begriffe unterhalten vor allem da, wo beispielsweise chinesiche Items erörtert
werden, auch weiter von der Hauptstraße abliegende Themen bei den
Griechen. Diese Sachen wirken oft wie den Seelenraum leis erweckende
Klingelspiele, denen fein nachzulauschen lohnt. Zwei oder drei Bände auszugsweise Platon stehen im Regal, in die ich anfangs (das Händchen)
nur so passager aufschlug, las einen Absatz oder zwei und schloß leise
den Band wieder, behielt meist ein Echo derart davon wie: "Ah Du!! Wir unterhalten uns gerade über..." und im Atem, wie Hauch, blieb mir das Ungefähre davon halbbewußt, meldete sich nicht selten später bei Anderem, um dort wie Lächeln den Blick helle zu machen für das darin wie Konsonante. Grad hier nun in der vergangenen, durchwachten Nacht, die mir gleich Gelegenheit gab, zu sehen, wie eine Eule und vielleicht ein kleiner Nachtfalke sich direkt vor dem Fenster zu tun machen, ging mir auf, wie man das so besonders Originale der doch gar nicht elementar philosophierenden Römer qualifizieren könnte, was die Griechen so faszinieren konnte. Dies ist vor allem

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die packende Sinnfälligkeit, mit der die Römer das von Griechen so tief Erdachte in ganz praktische, im Katholischen z.B. leicht wiederkennbare Gesten, als Lebensübung, Riten usw. umsetzten. Wer derlei nur praktisch kennt, hat einen unvergleichlichen Zugang zu den Themen (nicht nur Weisen) griechischen Denkens. Als sinnfälliges Gleichnis fiel mir dazu ein, wie in den
Syracusaner Briefen des Platon (die für recht wahr, aber nicht ganz echt gehalten werden) die Idee als Begriff am Beispiel des Kreises erläutert wird.
Als ich das zum erstenmal las, gingen mir die Augen eher so auf, daß diese
Erörterung, die alles zum Kreis als geometrische Figur Gesagte gleich
in mehrerlei Weise auflöste, ohnehin nur papierenes Gekritzel sein wollte,
das implizit fragte: ja hör mal, mußt Du Dir einen Kreis erst denken, wenn Du im Auge Platons selber, an der Iris, doch sinnfällig einen solchen vor Dir sehen kannst! Schon früher fand ich zu meinen, das Absoluteste, was es
zu Platon zu bemerken gebe, sei die ziemlich sichere Tatsache, daß er
selber verdammt noch mal gelebt hat in einer ganz präzisen räumlichen
und zeitlichen Ferne, über die hinweg er geradezu selbst zu Jedem spricht,
der dies, von seinen Schriften aufblickend, nur merken will. Und nun,
mit diesem zweiten Aufblicken, sah ich regelrecht Platons lebendes Auge
wie direkt vor mir in dem schon alten Gesicht, wie es der spätere Bildstock abbildet. Ja, wahr: und nicht mich sieht er damit an (dies eher beiläufig,
mit dem (rechten, äußeren) Irisrand), sondern in eine ihm selbst gewahre, ungefaßte Ferne, mit einem leisen Weh in der auch nicht ungetrübten Pupille, daß ihm selbst dieser Blick in nicht ferner Zeit vergehen werde. Nun, sagt die Moira, das ist nur so. Von daher aber, diesem Erkennen des lebenden Auges des Platon selber, kommen die weitläufigen Bemerkungen am Beginn dieses
Textes her. Sich räuspernd, nicht fern daneben, Heraklit. Es blieb zu sagen,
es bleibt zu sehen. Usw. (wie es bei Grimmelshausen, diesem Weltmeister,
öfter heißt). Die etwas kokette Bemerkung vom Narziß, sich spiegelnd im
ungemessen fernen Auge Gottes, ist eigentlich nur ein catch - wer liest
dann nicht einfach nur aus müßiger Neugier weiter! Der Spiegel auf Platons eigenem Auge aber ist ziemlich gewiß, und damit sieht er ja nicht JEMANDEN an. Also gut, aber, man kann diesen Spiegel ja ein wenig vergeistigen.
In Zaragoza (wo nicht fern von der Stadt ein Gedenkstein für eine dort
zu Tode gestürzte Besatzung aus dem Flugzeugpark der Legion Kondor
steht) zeigt man das Wahrzeichen einer der Invicta-Legionen (der XX.
vielleicht), die dort Garnison gehabt hat, eine Eisenstange, an deren Spitze
ein Eisenkranz mit etlichen Strahlenstacheln umher. Das Symbol des
Sol Invictus. Die Strahlen erlauben, mit Blick auf eine gerade vergangene (nun), sehr eindrucksvoll über den Zodiak gestreute Planetenkonstellation,
die Assoziation mit dem Zackenhalo um die Stirn des Kronos. Der Ring

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selber aber, so mit Fingern umfaßt und in den Raum gehalten, umschreibt
ja nur eine beliebig genau denkbare Ebene in ihm, eine leere Kreisfläche,
die einige eher präzise fühlbare, aber explizit aufwendige Erwägungen über mögliche Abbildungen von der einen weiten Seite diesseits der Ringfläche
in jene auf der anderen erlaubt, praktisch belanglose, aber wie die Allwelt
des Kronos sooo still gewaltige, eh, Ahnungen, denen nur ein wirklicher Begriff genügt, nämlich der still reflektierende der Finger, die diesen sonst leeren Ring ein wenig sinnend façettieren lassen, vielleicht in einer sternklaren, fein dunklen Nacht am tyrrhenischen Mittelmeerufer. Der Ring, unter anderem, schließt seiner Materialität wegen das Sternenlicht aus der leeren Fläche aus, dessen Schatten er nur in der Ebene übrigläßt. Das genügt vollkommen zu Materialisation eines lichtlosen Substrats, das einen Spiegel zu nennen mir einfiel, obwohl es doch nicht in irgendwie deutlicher Weise
dessen Eigenschaften hat. Da ist nur etwas, das im schauenden Geist ein
wenig szintilliert, und ich möchte diesen beiläufigen Zauber auch gar nicht weiter elementarisieren. Ein weiteres Auge aber ging mir damit auf, diesmal
das des korsischen Falken, oder eben: Napoleons. Derselbe hat ja ein sehr
präzises und wissendes Interesse für die Geschichte, verbliebene Anlagen,
Artefakte, Strategien etc.etc. der römischen Heere gehabt. Die Sinnfälligkeit,
die einem mit diesem leeren Spiegel-Ring irgendwie als schwarzer Spiegel
selbst einleuchten kann, findet in Gegenständen des nach seiner Herrschaft
(dem Regime) so genannten Empire-Stils unauffällig deutliches Beiwerk.
Dort liebt man schön proportionierte, meist schwarz lackierte und damit
schwach spiegelnde Schrankmöbel, sehr reizvoll mit bronzen hellen
Beschlägen dekoriert. Das ist ja an sich nicht wichtig, spielt aber wie
absichtslos beifällig der mit dem Ring so suggerierten Sinnfälligkeit zu. Allgemein (weil auch dieser Aspekt eigentlich keine Vertiefung erträgt)
läßt sich mit diesem Akzentwechsel vom erscheinend-schwindenden Kreis
im Syracus-Brief und Platons Irisrand zu der kernigen, nachtmagischen Begrifflichkeit des Eisenringes, subtil akzentuiert durch die Sinnlichkeit von Empire-Schränken, der Blick lenken auf den deutlichen Charakterunterschied
zwischen dem Mittelmeer östlich Siziliens und dem westlich, zwischen der
tyrrhenischen Küste und einer Länge etwa von der Camargue südwärts
(die Zone vor der Ostküste Spaniens sinkt dazu, vielleicht des kontinentalen
Abendschattens wegen, wie tiefbraun schattig aus dem Blick, und der
Meeresschlauch südwärts zwischen Spanien und Marokko schimmert schon
weißgrünlich opak, von der Lichtfülle des offenen Atlantik westlich Gibraltars - nur so, für erläuternde Vision). Die Grenze zwischen diesen beiden
Meerhälften läßt sich am Nordrand haarscharf bestimmen, mit dem einen,
steilen Felsengrat, der bei Menton, der südlich-östlichsten Stadt Frankreichs,

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die Grenze zwischen diesem und Italien markiert, dort nur 20 Meter Uferbreite übrigläßt. Westlich davon ist helles, klares Kalkgebirge, das in andere,
noch härtere und klarere Gesteine übergeht. Nach Osten, durch ganz Ligurien, ist ebenfalls Kalkgebirge, aber hier karstig geschrotet und überall dunkel fleckig wie mit Tintenfischfarbe besprengt. Ziemlich genau südlich dazu auf ihrem Meridian Korsika und Sardinien, Marksteine, von denen her westlich
das ganze Mittelmeer in klare, scharf zeichnende Ränder gefaßt ist und, mitsamt dem Himmel dazu, eher hellblau erscheinen will,
mit einer irisierenden Note ganz im Farbspiel der Trikolore Frankreichs.
Die Zone zwischen den Inseln und der italienischen Westküste mag den
Sardinen, Octopoden und Thunfischen gehören, auch recht hell, aber seiner
Lebendigkeit wegen, auch im Uferbild Italiens, so etwas wie eine gemütliche
Suppe, sicher wärmer als die westwärtige Weite. Ab Pisa südwärts vielleicht
verwandelt die Welt zu Lande sich, vulkandurchsprengselt, in einen Garten,
die Vulkane darin und deren Umland große Blüten. Halbwegs von Neapel
bis Sizilien beginnt ein eher zum Ostmittelmeer gehörender, erzen
schmierender Schatten, der sich in Griechenland fortsetzt, Gebirge
voller Eisenerz etc. Die Finsterkeit dieser Zone könnte erläutern helfen
die zu finsteren Tyranneien neigende griechische Eisenzivilisation.
Der Blumengarten setzt sich derweil durch Sizilien fort, über die liparischen Inseln bis nach Malta. Dem gegenüber antwortet auf dem Westrand der Syrte das lichte, liebliche Paradiesgartenland um Kairouan (auf diesen Platz wies mich ein Wortspiel, aus einem Aphorismus Valerys abgezogen, das selber überhaupt nichts dergleichen berief). Von hier an (der Südostecke Italiens) ostwärts wird das Meer nun dicht warm (dazu: Parmenides), sehr hell hier auch, aber mit einem eher weißen Schimmer, bis hin zur kleinasiatischen Küste. Nördlich dazu das Thrakische Meer fast schwarz und anscheinend ziemlich kalt. Am Peloponnes wieder die Erzschmiere, woran die Achäer
ihr Blut schärften. Der weite, warme Tümpel aber südlich der Türkei, mit Zypern, dem Levantegarten, Ägypten umher, wird (in alter Zeit) regelmäßig von den phosphat- und nitratreichen Nilwässern durchpulst, von deren Mulm wohl vor allem Octopoden, deren Verfolger, und Mollusken leben können,
da das Meer für Plankton viel zu warm ist. Bekannteste Beute aus diesem Wasser ist wohl die Purpurschnecke, die's ohne die Nilwässer dort wahrscheinlich gar nicht gäbe. Gewöhnlichste Beute ist der Tintenfisch,
mit dem die Phönizier in aller Welt ein wenig Falschlicht machen gehen (Byblos, bekannte Bücherstadt, ist eine phönizische). Die Adria sieht man
am besten an als die westlichste Lagune Asiens, wie deren als Ostsee, Schwarzes Meer, Kaspisches Meer, Aralsee und noch einige kleinere so
vom großen Westmeer, dem Atlantik, und vom westlichen Mittelmeer her

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langsam auf den Kontinent kleckern, bis da etwa, wo die Wirkung der Westwinde, vor dem Gegendruck häufiger Hochdruckdome, vom Indischen Meer und von Novaja Semlja her, sicherlich endet. Auch Napoleon kam
im Prinzip nicht weiter nach Osten als das, nicht die Goten und nicht
die rezenten Deutschen.

Naja. Die Bibliothek. Ein I Ging steht zwischen den Philosophiebüchern,
dem man ganz gut seine Orakel glauben kann (das Händchen, auch hier).
Umseitig des Regals, Abteilung Religionen, eine schöne Sammlung von sekundären Sprüchen Lao Tses, still und praktisch interessant; eine
seltsam poppige Ausgabe des Tibetanischen Totenbuchs, das Tao Te King.
Die Bibel, der Koran, Talmud etc. alles fein da, aber um diese Schriften bekümmere ich mich praktisch gar nicht. Im Geschichtsregel, ebenfalls umseitig, hat sich eine reich illustrierte, mehrbändige Geschichte
Deutschlands empfohlen (Siedler?), dazu starkes Material über die Kreuzzüge aus dem 19. Jahrhundert (Henne van Rhyn, vermutlich), eine Geschichte der ersten römischen Caesaren, eine der deutschen Kaiser bis zu den Staufern. Zusammen mit sonstigen, teils physikalischen (ein fotografierter Meteortreffer im Mond kürzlich) und anderen Daten ließen sich darausher richtige kleine Extraschmöker hervorschreiben. Das will hier nicht weiter wichtig sein.
Eine französische Königsgestalt aus den Kreuzzügen, Louis (oder Jean?) Philippe (der mit dem einen Auge), erschien mir sehr interessant,
und darüber würde ich gerne Genaueres lesen. Das Frankreich, in dem ich jahrelang denkbar freizügig umherstöbern konnte, schaut sehr nach dem aus. Für's Nähere hatte man ins Regal gegenüber, wo der Blick beim Heraufsteigen über die Wendeltreppe (rechtsdrehend) leicht darauf fällt, eine Biographie Charles de Gaulles ausgestellt, dieser selber als Fotografie auf der Titelseite. Ausgesprochen gern habe ich ihn in diesem Foto jedesmal begrüßt
("Monsieur"), gelegentlich die Nuancen in seinem Gesicht studiert. War die Welt noch in übersichtlicher Ordnung, als man mit seiner largen Präsenz jederzeit rechnen konnte! (Si si). Diagonal gegenüber der Fenster-Tischecke im Atrium-Oberraum das Astronomie-Regal, aus dem ich mir öfters Anregung und Daten hole. Die übrigen Regale sonst, Wissenschaft, Literaturgeschichte etc.etc. interessieren mich, rein so, nicht sehr. Lange Zeit habe ich mir nicht antun können, die etlichen Regale voller Romane im Parterre, ostwärts,
bei großen Fenstern mit Lesetischen, zu einem offenen Platz hin, überhaupt auch nur auf Autoren oder Titel hin anzusehen. Romane geben mir gewöhnlich nichts. Oft viel zu kolloquial, phantastisch egal, im allgemeinen nur mit drei, vier wirklichen Ideen ausgestattet und (immerhin) moralistisch oder so geartetem Charakterkolorit und Reflexion, fordert mir das viel zu viel leer

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murmelnde Lesezeit ab, wo doch in lexikalische Kompendien ein Blick genügt, um immer interessant Neues zu finden, und das dutzendweise, Seite um Seite. Lexika gibt's jenseits der Romane mehr als genug, zweimal Brockhaus,
die ganze, so gediegene Britannica, Biologie, Physik, Astronomie etc.,
und etliche Duden, von denen mir der etymologische am meisten gefällt,
der manchmal überraschenden Seitenblicke wegen entlang den Fernwegen alter Kulturen, die beim Erklären der Worte mit anfallen. Das ist ziemliche Musik. Auch das Handbuch des deutschen Aberglaubens fehlt durchaus nicht. Natürlich ignoriere ich die Bellettristik nicht rightaway, begann aber mit einer Schau nach deutschen Gedichtautoren, als etwas über Friederike Mairöcker, dergleichen, in der Zeitung erschien, aber da ist nichts, gar nichts. Keine Gedichte, keine Dichter. Doch, immerhin: Hölderlin. Drei oder vier Bände,
aber daran interessierte mich vor allem die lesenswerte Biographie zu Beginn. Mit den Gedichten selber habe ich noch nie irgendwas anfangen können, finde das Zeug zu gewollt, wenn auch interessant gebildet, im Ganzen zu großartig. Immerhin kann ich mir das Vergnügen gebildeter Bürgerlicher
zu anderer Zeit gut vorstellen, die sich derlei im sommerlich stillen Garten gegenseitig laut vorlesen. Dafür ist das ziemlich geeignet, macht sicherlich gute, klingende Artikulation. Mich unterhalten im Garten vor allem Blumen
und Vögel - ich brauche derlei wirklich nicht. Aber die Biographie liest sich gut, besonders anschaulich der Beginn, wo der Blumenreichtum der schwäbischen Wegraine und Wiesen recht dicht durchleuchtet und geradeweg duftet. Da ist mir Literatur aus älterer Zeit immer am leckersten: wo Dichten aus dem Land selber durchscheinen, derengleichen seither, und zum großen Teil in der Zeit seit meiner Kindheit, reineweg vernichtet worden ist. Das bekommt das Bild eines Weltlaufs seither in mir wach, aus dem ich selber
dies und das aufnehmen und manchmal ausspielen kann. Unliebe Ignoranz verträgt es, gelegentlich gut mit so geklärtem Blick angeschaut zu werden.
Ah, sie haben. Nee nee, was sie sind! Auch nicht unwichtig vielleicht die wirklich harten Lebensbedingungen Hölderlins etc. während Schulzeit und Studium. Was Menschen alles ertragen dürfen, um zu werden, was sie nicht sind. Und sonst - o.k., Hölderlin haben sie. Bei anderer Gelegenheit, ganz im Vorübergehen zufällig, fiel mir ein rötlicher Einband auf ganz unten am Ende des Regals: Lernet-Holenia, Mars im Widder. Von L.H. meinte ich vor langer Zeit den Gaulschreck im Rosennetz zu beschauen gehabt zu haben, fand den amüsanten, klugen Stil, diese adrett wienerische Ironie wirklich interessant,
konnte aber mit der sonderbaren Geschichte gar nichts anfangen. Muß
dann finden, daß ich wohl den L.H. verwechsle mit Herzmanovski-Orlando. Naja. Immerhin ist auch da eine so starke, klare Helligkeit, die aus licht
dunstigen Himmeln oft durch Hecken und Bosketten zu leuchten scheint.

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Da war dieses hier aber ganz anders, eine geheimnisvolle Räuberpistole
aus der Zeit gleich vor dem Beginn des Zweiten Weltkrieges. Der Nachtext
berichtete, L.H. habe den Roman von der Zensur nicht zur Veröffentlichung freibekommen, weil er, größtenteils Tagebuchnotizen während einer Reserve-übung berufend, ganz offen vom heimlichen, systematischen Aufmarsch
in der Slowakei berichtete im Vorabend des Angriffs auf Polen, und damit
die Propagandasage von der polnischen Provokation decouvrierte. Wie üblich, so schnitt ich mit dem Daumennagel erst einmal mitten ins Buch hinein und fand mich sofort in sicher interessanter Gegend, weil Fahrten durchs kühl nächtliche Wien beschrieben wurden, mit Mars und Saturn hell leuchtend
im Himmel. Da ich nun seit Jahren schon die Planeten selber auf ihrem
Weg durch den Himmel mit wissenden Augen verfolge, packte mich die unmittelbare Präsenz der Planeten absolut. Ich habe, einfach durch
Hinschauen, den Clip der verschieden schnellen Planeten zu beobachten
gelernt, und aus dem damit entstehenden, verschieden phasierten Zeit-
und Raumgefühl (der Planeten im großen Bogen des Zodiak) wußte ich
wie unmittelbar, alleine aus diesem sicheren Sinn, wie jene Augustnächte
dort in ein und demselben Zeitbogen mit dieser selbst ausgeklärten Zeit nun
hier in einem Stück sind. Dadurch wird die nur schattenklar deutliche
Gegenwart der Stadt (Wien), ihrer dunklen Straßen, viel gegenwärtiger, als
es gewöhnlicher, irdisch vordergründiger Geschichtsfolgen-Begriff vermitteln könnte. Hier an der Erde hat sich rasant alles Mögliche verändert, aber dort
im klar leeren Himmel, nicht ein Deut (was diese Planeten angeht - an sich schon doch, aber das ist hier jetzt nicht wichtig). Überhaupt nichts steht
von daher, mit diesem reflektiven Zuweg aus dem stillen Planetenlichter-himmel, dem Zugang in die übrige Szenerie der Geschichte (einer Erzählung eher), im Weg, und so las ich, in mehreren, tageweis durch die Besuche in der Bibliothek sequentierten Portionen, diese Militär- und Spionage-Putschisten-geschichte. Die Story, die alles zusammenhält, ist ein bißchen blaß süß,
wie Pferdegras, aber die astronomischen Gewahrnahmen und die sehr dichten Details und Totalen aus den Notizen während der Mobilmachung und des Aufmarsches im geisterhaft schönen Sommerbild vor der Tatra, dazu
des Vormarsches bis an den Bug (Lug) (vermutlich) haben nicht leicht ihresgleichen. Selbst wenn mich die Räuberpistole der Erzählung irgendwie blaß enttäuschte, weil da wenig erdacht und recht viel herbeigebogen war,
so haben sich mir die Landszenen an der polnischen Grenze und auch einige der Charaktertypen, zumal der Soldaten, fein eingeprägt. Ganz, ganz picobello, wie grazil geschliffenes Glas. Ich bin nicht sattgeworden an der Geschichte, aber alleine die so ganz beiläufigen astronomischen Präzisionen haben mir einen Atem gemacht, der vielleicht hier im Vorigen geholfen hat, die

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Beobachtungen zu Leibniz in neu eröffneten Planetenhimmeln gerade so überhaupt, so, aufzufassen. Dieser Atem ist dabei weder ein ventilativer,
noch der hier öfters vielbesungene Atemleib, wie er daraus entsteht, sondern eher eine ganz ebene Anspannung der Rippenbogen bis zum Brustbein hin, wodurch sich insgesamt das Skelett anders trägt - die Beine stellen sich
von daher mit besserer Sehnenspannung, etwas nach hinten zur Ferse hin akzentuiert, aus dem Oberskelett hinab an die Erde, ganz eben seitlich zueinander ausgestellt: die Spannungsfigur des so menschengleichen Orion-Sternbildes. Solche Spannung, noch viel stärker auf dem Rippenbogen, ist mir bekannt aus der ersten Adoleszenz, als ich mich zunächst einmal mit System nach dem Sternenhimmel ausschaute. Damals bekam ich ein einfaches Fernrohr geschenkt, womit ich den abends in guter Höhe südlich findbaren Saturn beobachten konnte, seine Ringe leicht erkennen, hatte aber sonst nicht die Spur von einer Ahnung, weils kein Datenmaterial dazu gab, wie ich heute leicht welches zu finden weiß, und brauche auch kein Teleskop, um, mit aller Forschungsmusik seither ohnehin, ziemlich gründliche Sachen aus dem Himmel der Planeten wie des weitesten Alls zu lesen. (Auch hier zeigt sich, was bei den Büchern das Glück des wissenden Händchens ist: ich kenne wohl einen absoluten Kalender, wie er im All selber einfach materiale Wirklichkeit ist, indem es mir wirklich oft gelingt, ganz beiläufig, in einem meist gerade absichtslos sich hebenden Seitenblick, soeben ins Bild fegende Meteoriten aufzufassen.) An dem einen oder anderen Abend, wenn ich so auf der Gartenterrasse, eigentlich ziemlich ratlos, schaute mir den immerhin klar identifizierbaren Saturn an, kam mein Vater, ohne Weiteres selbst ein saturnisch-marsianisches Menschenexemplar, in die durch Hauslicht
unechte Dunkelheit heraus und sowas wie ergötzte sich am Tun seines Ältesten, baggerte mich dabei in seiner schief jovialen Art an, wie es ihm
eben niemals besser glücken wollte, gab ein paar überzeugte Bauch- und Halstöne von sich, die er statt brauchbarer Wahrheiten über die wirkliche Welt so allgemein für mich übrighatte, und hätte nicht ein Motiv gefunden, auch
nur einen Blick selber nach dem (ja immerhin sowieso gut sichtbaren) Planeten durch das Rohr zu tun. Ich stand für etwas Reelles an, immerhin. Mehr brauchte es nicht, ihn zu beruhigen, und er kehrte ins nahe, helle Wohnzimmer zurück zu einem Bier und seinen verreckten Zigaretten,
derengleichen er schon in den spätesten Vorkriegshimmeln Lernet Holenias gefressen hatte. Mehr als einmal ist der Saturn seither um den ganzen
Himmel gezogen. Ich habe die Venus zu sehen und zu mögen gelernt,
die allen Pflanzen Kraft zugibt und denen, welche direkt von diesen leben.
Der Jupiter rief mich eines wunderklaren Frühestmorgens aus meinem Schuttquartier in der winzigen ehemaligen scuola eines Bergdorfs dort

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im Süden - da sammelte ich mein Zeug auf und machte mich davon, bis
zum späten Mittag, langen Weg hinan bis auf 1900 m Höhe, hatte dabei vor dem steilen Berg, so lange nicht die Sonne aufgegangen war, diesen mir da noch namenlosen, sehr hellen Stern gegenüber vor Augen und weiß seither ziemlich um seine Wege, seine Bleiben, seine besondere Wahrheit. Ich weiß seither von der köstlichen Interaktion beider, des Jupiter und der Venus:
wenn beide zusammen sich den Himmel teilen, erscheinen wunderschöne, leuchtende Farbspiele von stark Rot und Blau in den Wolkenbänken um
den Horizont, und die hohen Wolken bauen ausgebufft dichte, feierlich mattgrau glänzende Wolkenskulpturen so in den Himmel, daß es scheint,
als schwebten sie einem gerade eine Armlang entfernt vor den Augen. Ich habe die Wege und Orte des Mars kennengelernt, nicht wenig davon auf der Eisenbahn in Frankreich. Wenn er stillstand, seine Kurve zu nehmen, dann stand auch ich ganze Zeiten lang, ohne sonderliche Idee, wieso, bis daß mir endlich einfiel, daß er ja gerade dann selber sich scheinbar nicht regte (während aber Erde und Mars recht rasant aufeinander zufuhren).
Zu anderen Zeiten war sehr schön auszumachen, mit welch flottem Clip, bestimmt eine Daumenbreite vor dem langen Arm, er seinen Marschweg
durch den Himmel nimmt, Tag um Tag, eher wie ein steigender Indianer als wie ein marschierender Soldat, so flott, so entschieden. Den Saturn mußte
ich erst wieder finden, habe ihn die meiste Zeit bis da garnicht gesehen,
hab einiges über ihn zu verstehen gelernt, seine Wege in der Allerwelts-Menschenwelt, auch irdischer Materie, in Form unvermeidlichen Verderbs.
Das ist einer der Wege der Welt. Der Mond ist mir lieb geworden als großer Gong, der manchmal neben Planeten, womöglich mit diesen neben Schicksalssternen des Zodiak, auftaucht, und bestimmt gibt es dann
soo große Zeitung, die erklärt haben wird, was in irdischen Begriffen soll das nun wieder gewesen sein. Die Sonne. Ach, die geniale Sonne. Wem sagen, was doch keiner wird ihr ansehen wollen. Alle Kühe beten zur Sonne, schwören beim Jupiter und leiden still beim Saturn. Nur den Merkur wollte mir bisher nie gelingen, klar zu sehen. Ich meine, in meiner ersten Kindheit ihn bemerkt zu haben in solch vanillebuntem Himmel, aber hier, zu meiner klarsten Zeit - no chance.

. . .
. . .
Die Bibliothek: einmal Lernet-Holenia hatte mir diese reine Schau auf den
Kriegsbeginn 1939 eröffnet (berichtet, es sei während des ganzen Feldzuges staubknochentrocken heiß gewesen), war es irgendwie nur logisch, daß ich mich nun endlich nach den Tagebüchern Ernst Jüngers umsah.

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Lernet-Holenia, der im Zweiten Krieg nur anfangs als Reserveoffizier
teilnahm, hatte aber als junger Soldat schon im Ersten gestanden. Jünger-
Bücher waren ziemlich welche da, das Kriegstagebuch des Ersten Weltkriegs
und die Tagebücher des Zweiten problemlos mit dabei. Mit dem Lesen, d.h.
doch Aneignen der Jünger-Tagebücher hatte ich mich bisher ziemlich
vorgesehen. Es wäre mir irgendwie unbillig erschienen, mich zu seinen Lebzeiten darüber herzumachen, so sonderbar das klingen mag. Es gibt
noch ein paar andere Autoren, deren Bücher ich mir zu deren Lebzeiten,
und damit gar meiner, nicht würde reinziehen, wie etwa dem Handke seine Sachen. Viel zu wichtig! Oder ganz egal. Vom Handke habe ich mir gerade soviel angesehen, zu finden, daß er müßte ein ziemlich patenter Büchermacher sein in einem vor allem mir speziell erkennbaren Sinn,
insofern er sich gut auf Texttautologien versteht, eine Kunst, die ich selber recht perfekt (das glückliche Händchen) verstehe und von der ich daher an Anderen gut zu schätzen weiß, was sie selbst in dieser durchaus naturläufig unbewußten Fertigkeit zustandebringen. Tautologien sind vergleichbar den Schnallen und Clips an alten Büchern, bestehen darin, daß an bestimmten Stellen des Textbildes, vor allem an den Unterzeilen, wo es auf die Blattecke kommt, die sodann ja muß zum Weiterlesen gewendet werden, das Blatt übergeblättert, dort, ganz passager, ohne jede angestrengte Absicht, werden sich Textformen, als Worte, Bedeutungen, vielleicht Teilsätze finden, die
in wie wissender Bemustheit diesen Verhalt unauffällig kommentieren. Die Tautologien müssen beiläufig und im Textintegral durchaus selbstverständlich sein, sonst sind sie eben keine gute, d.h. absolut treffliche Kunst. Ich halte diesen Sinn sprechendster Nebensachen für meine eigenste Entdeckung, habe jedenfalls noch nie von jemandem, der von Rhetorik, Grammatik, Semantik oder Schriftstellerei abstrakt zu handeln versteht, irgend ein Wort über diese hermetische kleine Extra-Kunstfertigkeit bemerkt gefunden.
Ich bemühe mich aber auch kein bißchen um solche Schriftenwisserei im Allgemeinen, habe dafür weder Zeit noch direktes Interesse. Für mich ist
die Literatur, wie ich sie übe, eine rein praktische Sache, weil ich pausenlos und viel notiere, und dort schon, in Notizbüchern, oft genug solche kleinen Nägel und Kniffe unterbringe und dann auch gelegentlich bemerke.
Ein wirklich guter Autor, möchte ich meinen, kann derlei, ohne es zu wissen oder bewußt zu wollen, im Gang einer selbstredenden Geschichte so, daß die Tautologien sowohl in seiner Urschrift wie in einem different formatierten Druckwerk oft genug erscheinen. Bei sehr versierten, mit ohnehin gut durchklärter Sprache arbeitenden Autoren habe ich derlei oft genug finden können, und eben auch (möchte ich meinen, denn ich mache mir da kein Gedächtnis) beim Handke. Mehr will ich von dem eigentlich gar nicht wissen,

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da ich im Ganzen meine, die wahrste Literatur wird sich zwischen wirklich gebildeten und sagenswerten Individuen finden, die tatsächlich nur einander erstmal gründlich Nennenswertes zu lesen geben. Das ist, meine ich,
eine Angelegenheit des geistigen, intellektuellen Atems, weil Schrift dem Rezipienten es völlig freiläßt, wann und zu welchen selbstgesuchten Bedingungen, auch: mit welcher selbstempfundenen inneren Stimme,
er sich das vergegenwärtigt, was ihm will in solcher Besonderheit gesagt sein. Manche Autoren übrigens sind mit Tautologien outrightly naß platt, so,
wenn z.B. Garcia Marquez einen Roman beginnen läßt beiläufig genug, und irgendwo auf Seite 2, wo man schon zwei Satzspiegel vor sich hat, heißt einen seiner Provinzhonoratioren seine Mittelscheitelfrisur weisen. Da kann ich nur den Affen zum Balbieren schicken, spare mir seufzend die urwaldfeuchte Geschichte und bedanke mich für soviel überflüssiges Papier. Marquez ist eben echt, wirklich literarisch echt ehrlich. Mir sagt er damit, es sei wirklich kein Stoff für mich; ich laß es gern gelten und nehm's ihm wirklich nicht übel. Die Seitenfresserei der ohnehin nicht Raffinierbaren ist schließlich sein
Geschäft. Ich gönn's ihm. Ich, weil ich ohnehin mein heiteres Spiel
mit allen Schwarm- und Staatstieren habe und die Literatur erstmal nur als
Ausklärungsform meiner eigensten Wahrnehmungen (Gedanken z.B. mache
ich mir nie eigentlich selber, sondern schaue nur müßig zu, wie sie aus
Verschiedenerlei von selbst, da und dort her, in mir was werden wollen),
hab'mit den Kleinen, den Lieben, ein noch ganz eigenes Spiel, genau mit
solchen Tautologien. Die Tibetaner haben in ihrem Kosmos der Buddhas
und Bodhissatvas auch einen, gekleidet in ein tief blaues Gewand, der hält
ein geschlossen (~ hermetisch) Buch in der linken Armbeuge und ist genannt
der Buddha der Tiere. Es wird erläutert: das Buch signifiziert die Gabe der Sprache, welche dem Menschen eignet, den Tieren aber so nicht, und der
Buddha trägt nun das so in Menschengeist logisch verbal extra Erschlossene den Tiehieren zu. Soweit der exoterische Untertitel. Meine lieben Geister
aber, die ja, wie hier schon in anderer Weise bemerkt, es durchaus mögen,
eidetisch finit abgebildet zu werden, auch in denkbar logisch-abstrakten Formen (wo doch Geometrie, Logik usw. in jedem Tier, siehe das zu Descartes, Kant usw. Vermerkte, lebende, integrale Wirklichkeit sind etc.).
Ich hatte mir den Buddha, eben weil mir die Tiere immer zu Spiel kommen
von selber, ohnehin extra vermerkt und gedachte, wie das so meine Gewohnheit ist, das soweit Verstandene in mir sich selber ein wenig zurechtdenken zu lassen. Oh, aber die Kleinen, zu denen der ja staatsmäßig eher fast gehört als zu mir, kamen wirklich sehr bald, verdeutlichten:
das mit Dem da, das ist schon was, aber das geht so... Sodann in der Folge mindestens mehrerer Monate, aber eigentlich ohne wirkliche Begrenzung

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über mehrere Jahre, während ich wie üblich alle Witzchen und Sinnigkeiten, Skizzen, Meinungen usw. usw. gerade so notierte, wie's anfiel, kam ich
immer wieder an bemerkenswerte kleine Szenen, die Tiere mir zuspielten
oder zeigten (da tun sich manche sehr hervor: Bienen, Spinnen, Greifen, Katzen, Hasen, auch Hunde usw.), gaben mir so und so viel zu spannen,
zu denken und zu reflektieren, und meist etwas später, wenn ich Zeit fand
und hatte die Hände frei, schrieb ich mir das soweit Bemerkenswerte in mir zupaß findenden Worten auf, und siehe da: aus der Kollusion der Tiergesten, der situativen Elemente und meiner händigen Worte für die Notiz kam es
ohne Weiteres fast jedesmal so hin, daß eine Texttautologie nicht nur zeilenweise und wörtlich auf einen Textabsatz, Seitenende usw. auskam, sondern auch oft noch gewisse Strukturen im Textbau oder seinem Erscheinungsbild mit gestischen Zuspielen etc. der Kleinen in eine selbe
Form kamen. Das ging wirklich gelöst in nicht wenigen Notaten so weiter, bewies mancherlei Spielart, und wenn auch in letzter Zeit nicht mehr solche Reime das gemochteste Spiel sind und die Tiere (Eule und Fledermaus etc.) mir Schmuckbildchen anderer Art servieren, so ist doch sicher das Letzte
und Äußerste dazu bestimmt noch nicht gesagt. Now that's Jazz. Genau
so ja schreiben die Kosaken ihrem Zaren einen Brief. Und die Tierchen
sind subtil: aus Büchern gibt man doch nicht erst heraus, sondern zuallererst einmal hinein. Die prima materia, wie's bei Aristoteles will gelten, ist erst einmal das Ding, oder besser (schon steht Platon gleich dabei): das Ereignis. Dann der begreifende, verstehende, signifi-syombolisierende Intellekt. Und vor diesem doch erst entsteht eine semantische Duplikation, und dies alles will doch integral zum Ereignis selbst gehören, es verallgemeinern, damit stärker vergültigen, als es in sich selber, als reines, freies Spiel-Ereignis schon ist. Und, he! Wenn es einen Buddha der Tiere gibt, der ja die Tiere nicht selbst gemacht hat, aber so gut ist, Jenen so gern und bestimmt etwas zu sein,
was die ihm, auf irgendwie reziproke Weise, auch sind & sein werden, so sind doch die Tiere das Erste, der Buddha ist das Zweite, und das Buch halten beide zwischen sich. Usw. usw. usw. Natürlich trumpfen die Tiere bei mir keineswegs so auf: die spie-len mich so freundlich, so unwiderstehlich bemerkenswert an, daß nichts mir genehmer sein wird, als ihre Geste usw.
zu verewigen (Schrift, das ist ja verewigte, oder verewigende Geste).
Das geht mit fast genau solcher, fast bewußtloser Selbstverständlichkeit
wie der Textgang zu den sonst üblichen Rändern, Clips und Tricks. Tierleben haben saubere Ränder (zwei der Amselindianer, die bei mir ein kleines Festmahl besucht haben - Haferflocken, die fast alle höheren Tiere mögen - kamen dann tags oder zwei später und fochten mir von der Dachrinne bis
auf die Bodenrampe hinab, und wieder hoch, hinab, wieder hoch, ihr gutes

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Gesetz vor, denn das tun Tiere auch gerne, gerade die Landgenossen,
die ich gar nicht erst extra füttern muß: mir ihr Gesetz vorfechten.
Mein wissend mitschauendes Erkennen ist denen gut Salböl genug
zu ihrem sonst doch nur selbstverständlichen Lebensappetit...).
(Natürlich dürfen Schrifttautologien kalauern oder dazu einladen.)
...Tierleben haben saubere Ränder, und so hat es auch ihre Sprache,
der Geist ihrer sprechenden Gesten.
Jünger, also - einfach gesagt: ich durft's wohl erwarten können, daß er's
nicht würde wiederhaben wollen, nicht so. Es wäre auch falsch, zu meinen,
ich hätte nun gezielt seinen Tod ausgewartet - so auch nicht. Es war
irgendwie die Idee, sich zusammenzunehmen, nicht vorwitzig zu sein,
irgend so. Und nichts frug mich drum, das zudem. Ich hätte auch noch
zehn oder zwanzig Jahre lang diese Schriften für gut sein lassen, ohne
jede Neugier, wirklich. Gerade der ist doch der Typ, zu dem sich Vorwitz
und Neugier wie verbieten - das muß der mir doch nicht erst schreiben,
und dann, wenn's im Prinzip schon zu spät ist. Usw.usw. Es ist ihm gelungen, ein gut angezähltes Stück über hundert Jahre alt zu werden, und die Grunzer, die zu seinem Centennium miterklangen, verrieten genug von der ziemlichen Gewißheit ihrer Äußerer, mit Sicherheit niemals auch nur annähernd so alt
zu werden - und mit Figur! Bis auf die Jahrtausendmarke hat er es um so wenig nicht gebracht, und das ließe sich bedauern. Ein Jahrhundertmensch
zu sein ist ja auch was, ein ordentliches Maß. Bei seinem Tod, meine ich
mich nun bestimmt zu erinnern, mußte er nicht alleine auf den Weg gehen.
In Gallien gilt er gern und eher etwas als hier, bestimmt seiner präzisen
und wahrhaften Tagebücher wegen, die, wie sich zeigte, alleine mich auch interessieren konnten, denn die eher polyglotten oder nur literarischen Opusculn bürsten Anzüge vor, derlei würde ich ohnehin nicht anziehen, erinnere mich auch nicht vorteilhaft der Zeiten und Zustände parallel damit. Aber die Kriegstagebücher - die sind absolut. Die hat er, so zu sagen,
zu keiner Zeit, als er sie schrieb, alleine selbst in der Hand gehabt, so,
wie die Notizen, wo mir die Kleinen und die Lieben etwas hinzudiktieren, auch nicht in meiner Hand alleine liegen. Die Kriegsszenerie, wie sich spät zeigte, ereignete sich insgesamt als ein großer Text, in dem er selber nicht mehr als ein Buchstabe sein konnte, dafür aber einer an intensiv bewußtseinsfördernd herausgehobener Stelle. Der übrige Text des Schlachtfeldes bildete sich sozusagen durch ihn privilegiert ab. Ernst Jünger ist ein im besten Sinne naiver Mensch - er reflektiert nie über das elementar direkt Abbildbare,
den Welt-Wesenstext, wie er sich ihm unmittelbar - mit Fluchten, Prospekten hinzu - darstellt. Da ist kein bißchen von dieser vieldimensionalen,
elastischen Durcharbeitung intellektueller Gewahrheitsmöglichkeiten, wie mir

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das so selbstverständlich ist, daß es in kleinsten und egalsten Bemerkungen mitspricht, ohne daß es auch nur irgendwie explizit ahnbar wäre (auch das
übt sich mit der Elastik und gleichzeitigen Entschiedenheit Nietzscheaner Aphorismen ein - das käut im Geist weiter wie der scharfe Zahn der Kuh, unbemerkt, aber wirksam). Es eh scheint also bei manchen gut alten Völkern, wie es die Gallier sicher sind, da eine sich ziemlich offen beweisende Ordnung zu geben, den Chic des Ankommens, Weilens und Wiedergehens betreffend. Als ich mich längere Zeit in Nice rumtreiben konnte einmal, wie oft, annoncierte die Zei-tung die Vorführung eines kleinen Films, den französische Lagergefangene in Deutschland während des Krieges gedreht hatten, mittels Kameras und Filmmateriales, die sie dort hatten eingeschmuggelt. Der Film selber, wie sich zeigte, bildete zwei, drei dieser Tricks ab, aber wahrscheinlich nachgestellt. Die Filmvorführung sollte gratis sein, und war somit fast das einzige Divertissement, das ich (der für Jahre damals ohne jeden Pfennig Geld lebte) das ich mir gewissermaßen gönnen konnte. Ich ging also an dem
hellen Nachmittag zu der angekündigten Vorstellung. Nicht viele Menschen,
etliche Frauen, saßen in dem Saal, und ich suchte mir einen Platz, der zu
beiden Nebenseiten frei hatte. Gut. Monsieur hat einen Platz gefunden.
Aber fast unmittelbar, wie von einer leisen Hand aus dem weiblichen Teil
des Auditoriums herbeigeführt, tauchte eine feingliedrige, blonde, wirklich hübsche fille zu meiner Linken auf und nahm da Platz, durchaus bestimmt als ordentliche Ergänzung zu mir. Das sollte und wollte nichts sonst sein, stellte nur ein gewisses Dekor her, das nun mal so sein sollte - c'est la coutume,
monsieur. Das begriff ich ohne weitere Erklärung, nahm die Ergänzung
genau so freundlich an, wie sie mir zugesellt worden, und alsbald
konnte die nicht sehr lange Filmvorführung beginnen. Als sie beendet war, verabschiedete ich mich von meiner stillen Nachbarin und ging, wie's sich nicht an-ders gehörte, wieder zurück zum Bahnhof, wo ich den Rest des Tages, wie immer sonst auch, in den abgestellten Zügen verbrachte.
Dieses leise Prinzip, daß Pärchen nun mal zumindest für's Dekor komplett
sein müssen, hat sich mir dann bei mehreren Gelegenheiten exemplarisch bewiesen, und zwar nun, wo ein Dieser mußte endlich seinen letzten Weg gehen, und ohne Eile, aber bestimmt erkennbar in diesem Gesetz leiser Ordentlichkeit, gesellte sich ihm ein in sittlicher Schätzung so ohngefähr gleichrangiges Wesen hinzu. Das Kapitelzeichen dazu gab - in umgekehrter Ordnung - ein wirklich schon für ein ganzes Leben miteinander verbundenes Fürstenpaar. Ein wenig unerwartet starb die alte Fürstin in Liechtenstein,
und ich meine ziemlich genau zu wissen, daß der Fürst selber ihr keine
zwei Monate später ins Grab folgte. Einfach so. Kein Kommentar.
Das schickt sich wohl so. Hier nun vor vielleicht zweieinhalb Jahren, um

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soviel später, scheuten mir Rehe bei Ingelheim (mit Rehen war ich da schon lange in einem tiefen, weltbewegenden Gespräch) denselben Verhalt auf ihre Weise vor. Ich fand im Straßengraben neben dieser engen und holperigen Landstraße die Überreste eines Rehes, das die Füchse schon tüchtig ausgeweidet hatten, und das eine richtige Aasfahne auf sich hatte. Ich mußte erst meinen Tag besorgen, kam aber später wieder, organisierte ein Stück flachen Kartons und lud den Kadaver darauf, trug ihn sodann etliche hundert Meter weiter nach rechts in die flachhügelig sandigen Gärten. Auf dem Weg hatte ich gut Gelegenheit, das Aasparfum mit einzuatmen. Das ist ohne weiteres ein bißchen stark, bringt aber nicht üble kleine Erkenntniseffekte
mit dem, was davon mit in den Atemleib gelangt. Die fast fleischlosen Gebeine bettete ich in einer Tannengruppe auf Sand, so daß der Schädel hügelan
in Richtung auf den Sonnenuntergang schaute. Nicht fern von diesem Platz, kurz vor Heidesheim, nahm ich selber später Nachtlager, weil der feine Sand dortselbst ein ziemlich nobles Bett gibt, träumte dann während der Nacht
drei nacheinander mich knallig wachschreckende kleine Alpträume. Einer
erzählte davon, daß im Tod das Soma, wenn alle Lebensfunktionen erlöschen, schlagartig erblindet, vergleichbar so, als schösse einem von innen her
eine feine, hellgraue Kotze wie in einem Kotzkrampf gleichmäßig bis in die
letzte Pore. Der andere erzählte von den Gärten umher, einem darin wie ein porphyrener Brunnen so gefaßten Wasserlauf, den ich dann später dort auch fand, und der dritte Traum hatte offenbar so mit den Rehen selbst nichts
zu tun, galt eher den Leuten, die da ewig schon leben. Ich hatte dann wirklich
und für lange woanders zu tun, kam nach vielleicht einem Dreivierteljahr wieder und fand was: an der Aasfahne schon fernerher kenntlich einen nicht ganz so ausgeweideten Rehbock, Stöcke auf dem schönen Kopf, dessen
schwarz leere Augen vom Grabenrand her in die nahe vorbeisausenden
Autos blickten. Ich ließ ihn für nun liegen, fuhr ein ganzes Stück weiter
ins Hessische, kehrte nach etlichen Tagen wieder und wollte nun nach dem Rechten schauen. Zu der vorangegangenen Ricke hatte ich ein Plänchen: sollten die Gebeine nun klar genug sein, so wollte ich zumindest den Schädel mit über die Laurenziberg-Gegend da gleich westlich zu einem imponierenden Kuppenberg fahren, der schön weit umher, flach und schwarz bewaldet wie der Skalp eines römischen Jupiter, da zwischen den anderen stak. Vor diesem Waldrand, der auf eine weite, flache Wiese kam, wollte ich den Rickenschädel plazieren, zu dem Todesort hinüberblickend, die Beinknochen etc. wie eine kleine Kasse davor gebündelt, und etliche von meinen Gartenpflanzen davor und umher ausgesät, damit diese Pflanzen vom Reh-Totenmal her in alle Richtungen mögen dahinwandern und erzählen, wer sie geschickt. Das war mir ernst genug - die Rehe dort sind sehr schmeichelhaft und dick familiär

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zu mir, das sind, neben den Kühen meiner Heimatdörfer, meine wahrsten Verbündeten. Zudem lebt auf dem Laurenziberg, der quer zwischen dem Rheintal und der lebhaft skulptierten Berglandschaft nach Kaiserslautern hin liegt, eine ziemlich unternehmende, zahlreiche Rehbagage, die Schnur macht bis zu einem Vorberg über Bingen und die Berge über Kaiserslautern.
Vom Laurenziberg aus sieht man leicht zwanzig Kilometer weit auf jeden Flecken Land, wohindurch der Rehsteig führt. Dieser lange Weg scheint so etwas wie die Bewährungsprobe für Herangewachsene zu sein. Dahin drauf steht viel in fester Hufschrift vor die Aussicht geschrieben. Diese Bande,
zu der wohl die beiden Getöteten gehören, würde sicher irgendwann
den Schädel, die Gebeinkasse und die Blumen finden, und dann würde mich interessieren, was sie deswegen in die Klaue schreiben. Den Rehbock nun,
bei dem ich ganz klar sah, daß er sich nur die Krone hat wachsen lassen, damit seinem Gespons bedingungslos in den blöden Tod zu folgen, wäre natürlich willkommen, die geplante Schädelstätte mit ihr gemeinsam
zu beziehen. Aber ach! Die Ricke war längst weg, von dem Gärtner
beiseitegetragen, dem der Platz gehört. Und auch der Rehbock war weg.
Solch ein Krickenkopf mit Schmuck ist ja auch ein bißchen Geld wert.
Was mir egal gewesen wäre, weil ein schöner, wahrhafter Totenkönig
wie der in seiner eigenen Gegend unvergleichlich viel mehr gälte. Naja. Schade, so und so. Noch bevor ich aufladen und weiterfahren konnte, hielt flott ein Auto neben mir, und ein junger Typ, ziemlich wie fetzender Disco-Landlauf, fragte mich irgendwelches diffuses Zeug, auf das ich fragmentarisch nicht antworten konnte, aber das genügte ihm zu einer ungefähren kleinen Bedankung. Er fuhr weiter, und ich konnt meinen, der Bockskopf werde bei einem seinesgleichen gelandet sein, wo er sicher nicht am falschesten bliebe. C'est la coutume. Und im Weiteren meine ich oft genug, aber hier nur in zwei erinnerlichen Beispielen - gut im Gallischen gesehen - diese feine Coutume-Regie wirken gesehen zu haben, nach der man nie Eines von der guten Art alleine heimgehen läßt, sondern gleich jemanden, geradeso gestellet, hinzuträgt - nie länger als drei, vier Tage später - der aus dem Gang zum Hades den eines Pärchens macht. Das eine ist von gerade diesertage:
der Sänger Gilbert Becaud ist an Lungenkrebs gestorben. Schade genug.
Aber keine drei Tage später meldete man den Tod ebenfalls von
Angèle Durand, einer Chansonneuse, für die's halt auch genug gewesen.
Sicherlich hat sie Becaud gekannt, beide machen einander einen Chic,
und so gehen sie nun beide. Das geschieht ganz sicher viel öfter, als ich es hier berufen kann, aber durch blindes deutsches Zeitungspapier kommt derlei feines Dekorum nicht zu Gesicht. Ernst Jünger aber, dem gesellte sich Arletty bei, und die beiden kannten sich sicher; das hat er selber so notiert.

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Ach.
Holenia also, das schien nun ein Hinweis, daß das Tagebuch aus dem
Ersten Weltkrieg genügend an der Zeit wäre. Wie gesagt: eilig war's mir
damit überhaupt nicht, aber so brachte ich nun mehrere Nachmittage damit zu,
dieses scharfe kleine Buch durchzulesen. Die rein elementaren Nöte, welche die Grabensoldaten zu ertragen haben, sind ja nun schon Pein genug:
Kälte, Nässe bis zur alles einebnenden Überschwemmung, Hitze, Dumpfheit
in den Erdhöhlen, dazu armes Fressen und als Gag eine Latrine unter
Feindbeschuß. Das ganze etonnante Theater des Frontkrieges kann und
will ich hier gar nicht kommentieren. Es sind nur ein paar besondere Einzel-
heiten, die mir zu denken machten. Einmal das sich immer wieder beweisende besondere Glück, das E.J. in all dem Stahlgeschmeiß hatte. Besonders eindrucksvoll der Moment, wo eine Granate direkt neben seinem rechten Fuß in die Erde knallt, aber nicht explodiert. Ein anderer, wo ein Bekannter, der neben der Straße, auf der J. zu Fuß nach seinem Bau unterwegs ist, ihn ruft, ein paar Momente lang mit ihm redet, und just in dem Augenblick, wo er ungestört sonst hätte eine nahe Kreuzung erreicht, krepiert dort eine
dicke Granate, die ihn sicherlich getötet hätte. Die Kämpfer sind harte und
tapfere Soldaten, aber bei manchen wunderlichen Ereignissen haben sie
echt keinen Verstand. Mitten in einem heftigsten Artillerie- und Feuergefecht
taucht auf einmal ein Hase zwischen den Explosionen und dem Menschen-tummel auf, und blöderweise fällt einem Schützen wirklich nichts Anderes ein, als augenblicks auf das Tier - das ein verdammtes Glückszeichen ist -
anzulegen und es zu erschießen. Die Allgegenwart der verschütteten Leichen, des Aasgeruchs daher und der Scharen an ihnen fressender Ratten wird eindrucksvoll beschrieben, aber kein Wort mag wohl die wirkliche Wirklichkeit wiedergeben außer für jene, die das unmittelbar selbst erlebt haben,
und denen die Sinnfälligkeiten damit aus Eigenem wieder einfallen werden. So, wie Jünger sich selbst erlebt und darstellt, als die unerschütterlich ruhige, schmale, feste Figur, die einen sechsten Sinn hat für den Weg, den Granaten und Geschosse kommen werden, den Menschen zu nehmen haben damit,
das alles in diesem stacheligen, ewig alles umher dreschenden Halo explodierender Schrapnells und Granaten - mir wollt' was einfallen: so ähnlich wird doch der tanzende Shiva dargestellt (in metallgegossenen Figurinen).
Die Encyclopaedia Britannica (Jünger hatte meistens Engländer in den Frontgräben gegenüber, denen es materiell deutlich besser ging
als den Deutschen) versprach da wohl am ehesten gehaltvolle Information.
Aber Weniges genügt, an sich: kriegerischer junger Gott mit einem Zug ins Dämonische. Das bei solchen Lexicalias öfters glücklich danebentappende und damit meist viel interessantere Informationen herausspielende

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Händchen für's Buch brauchte hier nicht weit danebenzufinden: ein Foto
zeigt Shiva oder einen ihm nahen Dämon in einer anderen Erscheinungsform,
als vier Oberkörpertorsi mit Köpfen auf vier Seiten um einen Lingam gruppiert. Nun, das trifft recht gut; die Jüngers, das sind vier einander offensichtlich charakterlich und wohl auch körperlich recht gleiche Brüder, um eine markante, aber sich sonst nicht weiter herausarbeitende Vatergestalt. Erstaunlich die so präzisen Träume Jüngers von langen, genau wiedergegebenen Gesprächen in der Familie, und das immer wiederkehrende Motiv der Schlange, in Träumen, in Erzählungen und realen Situationen. Auch hier die etwas störende Besinnungslosigkeit, mit der Schlangen erschlagen und getötet werden, selbst wo sie harmlos sind (meistens). Ich würde nie
einer Schlange derlei antun, denen noch viel weniger als allen übrigen Tieren.
Das hat kein moralisches Motiv oder dergleichen - Schlangen sind mir
einfach angenehm, seitdem mir in den Bergen, obenauf wie in einem eng gewundenen Karst-Flußtal, wo ich ganz alleine baden und umherstalken konnte, die Schlangen in rauhen Mengen begegnet sind. Solch kluge, manchmal wirklich witzige Leute! Alles Mögliche haben sie mir gezeigt oder
zu merken gegeben. Manche kamen wie verabredet an bestimmte Pfadstellen, sobald ich dort nur eben Platz genommen hatte. Meine ganze Kenntnis der Berggegend dort begann damit, daß ich per Anhalter zu einem Col de Turini
im Gebirge wollte, in der (vielleicht nicht falschen) Meinung, das werde nach Turin führen. Auf der Landstraße fand ich eine totgefahrene kleine Schlange, nahm sie, zog ihr die Haut ab, wodurch ich ein paar Ginsterspieken
längs hindurchsteckte, und wollte so mit dieser kleinen Drecktrophäe weiterkommen. Fast unmittelbar danach hielt ein Auto. Ein junges
Paar saß darin und ein kleines Mädchen mit nacktem Unterleib.
Die beiden nahmen mich mit und luden mich ein, bis zum nächsten Tag
bei ihnen in einer ganz winzigen Wohnung in einem ganz winzigen Dorf
auf einer Klippe über einem sehr tiefen, weiten Tal zu bleiben, von dem
ich gleich beeindruckt meinte, das müßte der Abgrund des Inferno sein
(das stimmt auch irgendwie). Der kleine Aufenthalt dort, und wie das weiterging, wäre einen ganzen Film für sich wert, aber das bringt hier nichts. Die Beiden hatten allerdings auch eine Schlangenhaut zu zeigen, die einer schwarzgrünen Grasnatter, ein wirklich harmloses Tier. Das Fell schwamm
in einer Wasserbrühe, und die Schlange selber gab's nicht mehr. Es war wirklich sehr familiär, sehr genial dort. Ich bekam erste Hinweise auf Dörfer und Wege an Bergen und in den Talschluchten umher, mußte dann weiterziehen, aber wußte, wohin ich zurückkehren konnte, und daß ich mir
die Landschaft umher aneignen würde, Fuß um Fuß. Und das hab' ich auch getan, über acht Jahre hin, wann immer ich mich - sehr oft - in die Gegend

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bringen konnte. Auf diese Weise habe ich die Berge und Täler geschenkt bekommen - der Aufenthalt zu Beginn war eine Geburtstagsfeier für die, sagmer, Copine. Vor allem aber, nachdem die Menschen mich, der gar nicht richtig reden konnte, angenommen hatten, lernte ich die Tiere kennen. Adler, Dohlen, Falken - die wie die Verrückten haarscharf nahe um Bergkonturen rasten - Heuschrecken, Libellen, Kröten, jede Menge frecher Forellen,
deren viele sich in den Wasserstürzen über zackigen Kalk flache Wunden
in die Schuppenkleider gerissen hatten, die sahen aus wie die taktischen Markierungen an RAF-Flugzeugen. Welse zählten den Bach durch. Auf dem Berg, wo ich mit Jupiter an jenem Morgen hinansteig, schien oben mit langem Hals eine Hirschkuh über den Hangrand herab zu mir zu schauen und mich
zu erwarten! Skorpione kamen mich besuchen, wenn ich Feuer machte.
Ein Fuchs ließ sich sehen, ein anderer erschreckte mich im Garten, wo ich mich sielte - weil er sich selbst erschreckte. Es gab Walnußbäume und viele Kastanien, worunter Pfifferlinge wachsen, und jedes Jahr im September kommt eine Bagage von Wildschweinen und frißt alles auf. Mir haben die Pilze und Kastanien gelegentlich ein wenig zu überleben geholfen. Bis zur letzten, aber seligen Erschöpfung habe ich mir dieses Land hereingezogen. Und die Schlangen waren immer dabei. (Fledermäuse ohne-hin auch, überall.) Einmal träumte ich einen düsteren, harten, traurigen Traum (auf den Bergen wesen Alpgespenster und, wie anderswo in Frank-reich auch, lieb spöttische Luftmädchen, die gerne einen Mann zum Belachen haben wollen,
aber das ist reine Liebe - die können ihn nicht wirklich haben,
deshalb warten sie auf seinen Dämmerschlaf und lachen ihm dann, so aus
der leeren Luft, nah ans Ohr; liebe Geister, wirklich, Seelen ähnlich der,
die mir im Kino zur Seite gesetzt worden - wer's nicht glaubt, braucht's nicht
zu nehmen - ich hab' schon, mir tut's nicht leid). In dem düsteren Traum
sah ich also eine kleine Schlange, die ich in ein Armbandetui tat, und leise, dunkle, kalksteinfest kühle Stimmen sagten mir etwas von Familie,
wozu ich gehöre - eine Schlangenfamilie. Am Morgen, als ich hinab auf der Talstraße den langen Weg zur Stadt am Meer zu wandern unterwegs war,
fand ich die kleine Schlange, von der ich geträumt hatte. Ein Motorrad war ihr mitten quer über den Rücken gefahren, und sie war tot. Ich hob sie auf,
legte sie ein wenig geringelt in eine Lücke zwischen den Steinen einer lockeren Gartenmauer, ließ sie so, schaute aber in das klare, starr dunkle Auge, wovon mir ein sengend kühler Schauer durch die Seele ging, vergleichbar in der Rückengegend, wo sie überfahren worden war. Dazu
der kalte, scharfe Rand ihrer starren Pupille, nicht ungleich den Brillen,
wie ich sie früh bei manchen Nonnen und Ärztinnen zu schauen bekommen hatte; das Licht darin wie ein kaltes Gift, das der Tod ist. Den Traum merkt'

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ich mir wohl, ging für nun weiter. Als ich längere Zeit später wiederkam
und schaute nach ihr, war sie noch da, aber von den Ameisen aufs
weiße Skelett heruntergeputzt worden. Überall haben die Schlangen
sich finden lassen, lagen oft - rotbraune Gartenschlangen, dick wie ein Daumen - faul und dreist quer mitten über meinen Weg. Als wenn sie was dafür bekämen. Die schienen in sich sowas wie zu kichern, wollten vielleicht sowas wie gekitzelt werden. Ich blieb gewöhnlich so lange zuschauend
davor stehen, bis daß sie sich - nach Minuten - dazu bequemten, irgendwie davonzukriechen. Oft fand ich im Fluß Schlangen, die hatten zugemacht und sich in einer stillen Tümpelecke zusammengerollt, eine die Nase direkt hinter einen Steinrand gehalten, wo Millimeter davor der Wasserstrom vorbeifloß -
so konnte sie spüren, was stromauf vielleicht Drama macht und sich was dazu einfallen lassen. Im Flüßchen wehten lange Büschel eines Tanggrases, und darin verbargen sich andere, von denen ich Grund hatte, anzunehmen, daß sie, falls sie zubissen, etwas dreckige Zähne hätten, nicht gerade stichgiftig, sondern nur, daß es die Wunde gründlich entzünden würde. Es hat mir aber nie eine etwas gewollt - die sind viel zu träge, cool. Was hätten die davon,
bei meiner dicken Haut! Außerdem sah ICH mich vor, keiner zu schaden,
aus reiner, meinungsloser Sorgfalt. Der Fluß gehörte ganz den Fischen, den Kröten, den Libellen und den Schlangen. (Weil viel Dreckholz und Schrott längs überall darin lagen, machte ich von dem Holz ein starkes Feuer auf einer Kiesbank im Fluß; nicht lange, da erschien eine drei Fäuste große Unke mit roten Augen, die mich gerade an-sah wie: was ist das denn hier! Sah sich
das Feuer mit an, und nach einiger Zeit fand ich sie nicht mehr. Aber in den
drei Jahren circa, die dem folgten, zogen mehrere Feuer über die grasigen Berghöhen, kauterisierten die Olivenbäume, die da überall in Etagengärten wachsen. Das größte, wildeste Feuer stieg jenseits der Berge bis in die Ufergärten am Meer hinab, verbrannte ein paar Villen und schmorte durch die Holzschwellen der Eisenbahn, während dieselbe langsam darüberfuhr.
Da's auch noch Abend war, hatten die Interrail-Clowns an Bord eine richtig tolle Zeit, die sie bestimmt nicht vergessen werden. Ein schönes, feierliches Feuer fraß großartig durch den Hang über Monaco, als die Prinzessin mit ihrer Tochter schwanger ging. Vielleicht kommt davon noch mal was aus dem Mädchen wieder. Bis jetzt raucht es jedenfalls nur Zigaretten.)
Das Spiel mit den Schlangen ging für mich noch eine Weile weiter.
Irgendwann kannte ich den Fluß, und der Fluß kannte mich. Zeichen dessen
waren zwei Welse, die mir in aller Ruhe ihre Steinchen vorwendeten. So, etwa,
hatte ich nun auch alle meine Steinchen gesehen. Die Schlangen im Fluß
sind lustiger als die oben im Berg, aber diese wieder können einem eher,
wie ein langsam heranwedelnder Finger, Bestimmtheiten weisen.

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Die Schlangen im Fluß, als ich wieder einmal dort badete, lachten mich
geradezu an - nicht mit Stimmen, aber in solch wiegenden, wasserheiteren Bewegungen. Die nannten mich ihren Adam und wollten was von mir haben,
das sie auch bekamen. Da waren sie sehr zufrieden. Wieder gute Zeit später wanderte ich auf der Meerseite die Straße hinab und fand da Schlängelein,
wie winzig kleine Ottern, gerade anderthalb Finger lang und dünn wie ein
Bleistift. Winzige, aber sehr knackfest trapezförmige Beißerköpfe hatten die,
hellgraue, geradeweg calciumfarbene, sehr winzigfein geschuppte Kleider
mit scharf präzisem Zickzackmuster, schwarz, zu beiden Seiten bis auf den Rücken. Die lagen da selbstbewußt faul mitten am Straßenrand, als wenn's
keine Autos gäbe. Da mußt' ich ein bißchen helfen. Diese wirklichen Schmuckstücke muß der Traum gemeint haben als das,
was ins Etui gehört. Und die Familie...
Wenn ich die Schlangen nun eigentlich alle kenne, so muß ich auch deren Königin kennenlernen. Das fand sich sehr weit flußab, wo es sehr still wird
vor einer kleinen, eckigen Klamm, darin das tiefe Wasser fast ganz anhält.
Dort ist es so still, daß ich einfach Furcht habe, in dieser nicht langen
(vielleicht 150 m), nicht wirklich tiefen Klamm (3 m vielleicht) zu schwimmen.
Gleich draußen, wo das Wasser ganz seicht über Kieselgrund abrieselt,
ist der Badeplatz einiger Kinder aus dem kleinen Flecken wohl 200 m weiter.
Aber von der Bergseite her möcht ich verreckt nicht in dieses stille Wasser
gehen - es ist zu unheimlich. Ein paar alte Bäume schauen ungefähr
von unten herauf bis unter die Wasserfläche, und man kann nicht längs
durch die knickige Klamm schauen. Nie im Leben werde ich da hineingehen, vielleicht nur, weil dieser Wasserspiegel, so still, tabu ist (sagte eine Kuh,
irgendwie, viel später, mit der Nase haarscharf über dem stillen Wasser
ihrer Zinktonne). Aber wieder aufwärts, wo noch Strömung spielt und das
Wasser Laut macht - da spielten sie dann, die Königin der Schlangen und
ihre Gespielen; vier, fünf von den da üblichen, ähnlich Würfelnattern, hingen
so und so bei den Randsteinen, als wenn sie sich an diesen festhielten,
um nicht fortgezogen zu werden in den Wasserstrom. Und dann die Königin:
in Größe und Aussehen wie eine Ringelnatter, kam sie stolz mitten im schönsten Flußschwall dahergeschwommen, den Kopf aufrecht aus dem Wasser gestellt gleich einem Schwan, die Nase nach vorne gerichtet auch
wie ein solcher, das Haupt gezeichnet und geformt wie ein Samthäubchen,
aber lackschwarz, mit großen Schuppenplatten bedeckt, wie wohl üblich.
Schlängelte sich elegant voran, ganz gelöst, und verschwand dann irgend-
wo seitlich. Das muß sie sein. Keine der anderen Schlangen hat je den Kopf
gehoben, alle hielten die Nase vorn und machten keine sonderliche
Extraidee von sich. Nur diese hier - die muß es sein.

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Lange, lange vorher, als ich noch oft im Haus meiner Eltern schlief und
im Entferntesten nichts von jener Gegend wußte, hatte ich von diesem Platz,
dem Fluß geträumt: als wie von dem Pool im Garten des Hauses, wo nur
noch im unteren Teil des Bodens Wasser war, darin das Wasser-Tanggras, wie's der Fluß dort hat. Dazu eine eklige Travestie von Empfindungen über
schleimigem Gewürm, gar nichts Anderes als was ich für die Schlangen
im Fluß, zwischen diesem Gras, gefunden. Sogar die einzelnen Schlangen
könnte ich hervorzählen, die zu dieser Ekelvision als Schleimgewürm
herhalten mußten. Ich kenne die Stelle im Fluß sehr genau, die der Traum als
den schlubbrigen Poolboden so lange voraus abbildete. Dort fällt ein kräftiger Wassersturz in ein tieferes Felsenbecken, vielleicht bis zu einem Meter
tief oder mehr, zwischen großen, runden Kalkboliden. Unter dem Wassersturz wogt dick das Wassergras, und darin verstecken sich, lang mitwogend,
die paar Schlangen, wie die auf dem Haupt der Medusa. Zum Baden
ist der Platz prima, aber man sollte nicht versehentlich durch das Gras
auf die Schlangen treten. Die beeilen sich nicht, beiseitezugehen, und man
kann sie nicht sehen. Auf einem Vorbergausläufer über dem Becken,
vielleicht 6 m hinan, ist der Hauptboden eines Terrassengartens, der sich
60 m nach Flußab zu einer Flußschleife rechtshin erstreckt, langsam flach
absteigend. Über dem Badebecken auf dem Hauptboden ein paar Gebäude-
ruinen, und in einer davon fand ich einst einen italienischen Stahlhelm aus
dem Kriege, ziemlich dünngerostet. In dem Nachbargebäude, auch eine blanke Kalksteinruine ohne Tür, habe ich wohl einmal, als das Fressen, das ich hatte mitbringen können, war schlecht gewesen, nach einem grauwürgenden Auskotzen für längere Zeit matt am Boden gelegen, mit Blick durch den Türrahmen nordwärts zu einem nahen Bergkamm hin, und so in meiner jetzigen Schau auf alles Verrückte und Lachhafte, was ich mit Fluß und
Bergen habe kennengelernt, scheint mir diese halbe oder ganze Stunde,
wo ich so da gelegen, nicht krank, nur zu matt zum Aufstehen und Fortgehen (durch das Tal und dann 250 m eine Bergschneide hoch, um gleich da hinab wieder zu dem Dorf zu kommen, da die totgefahrene Schlange gefunden
und salviert, nach dem Traum) als einer der seligsten Momente in dieser ganzen Zeit, weil von da her ich wie in Vision all das mit dem Berg gegenüber aufscheinen sah, was NICHT ich konnte wirklich am Land tätig selber gefunden haben, gesehen und ergriffen haben. Das ist das Mehrere, und
zeigt sich nur dem, der es eben gar nicht ergreifen kann. Das Tal wäre eine gute Heimat für einen Djinn. Hier will keiner keinem was. Alle Menschen sind längst fortgegangen, und die Welt, ja gut, gibt's. Aber da ist ein langes Stück hin. Was gibt's zu wollen!!


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So. Jünger im Großen Kriege (wieder): im Ganzen gibt es zu diesem Bericht für hier nur eine Sache zu erörtern, die mir auffallen mußte, die wesentlich
genug ist, die aber wirklich nicht jeder sehen kann, der im Erkennen solchen Belangs nicht ein wenig geübt ist. Ich weiß nicht, ob Ernst Jünger das
selbst wird bemerkt haben - weise genug ist er allemal, aber insofern als
durch sein agonisches Miterleben zu intensiv identisch mit allem Geschehen, einfach über solche Reflexion hinaus. Wie bemerkt: er ist naiv im besten Sinn des Wortes, das heißt: völlig ohne jede solche Reflexion, und mir, indem ich den ungeheuerlichen Text nur lesend abbilde, das heißt: in dem schon Reflexion selber dazu bin, kommt diese sacht gezeichnete, in sich bezügliche und so grad eben strukturierte (diese Worte mühen mich und wollen
nicht einfach), komplexe Einzelheit quasi selbstredend zu Bewußtsein,
ohne daß ich diese Erkenntnis suchen oder herbeidenken müßte.
Das geht gewissermaßen einher mit der unbemühten Prädisposition, die
ihre Gelegenheiten findet, sich zu beweisen im glücklichen Händchen, im glücklichen Auge für gute Momente (bei Meteoritenfall) usw. - dahin spricht,
was da als einige Ereignisse unter vielen nur so mitspielt, von einem subtilen Gesetz, wie folgt: Die meiste Zeit lang lagen den Deutschen in den Gräben englische Soldaten gegenüber. Die hatten einander wirklich scharf drauf.
Eine ganze Zeit lang berichtet Jünger vor allem, wie und auf welche
Weise seine Kameraden (die ohne Stahlhelm auf Schützenwache standen)
von Gewehrschüssen aus dem Gegengraben erwischt wurden. Die Formel,
die sich aus den Berichten herausarbeitet, und die ich hier eigentlich nur
fragmentarisch verdeutlichen kann, beginnt aber bei einem relativ müßigen
Moment, wo nicht solcher Druck auf dem Graben liegt. Jünger steht mit
einem Kameraden; beide sprechen miteinander, da bemerkt er im Augen-
winkel, wie drüben ein englischer Soldat ungeschützt und scheinbar sorglos über Deckung umhergeht. Das Gewehr eines anderen Soldaten zu ergreifen, wie im Drill herzählend zu zielen, zu schießen, sind ihm (Jünger) Eines.
Er trifft, der Soldat fällt auf den Rücken, bewegt noch für einige Momente
die Arme und liegt dann still. Das bedeutet nichts sonst, wird nur so berichtet, wie es wohl geschehen ist. Aber damit, meine ich, beginnt eine Folgereihe
von ebenso beiläufig mitbeobachteten Gesten und Ereignissen, die insgesamt
- und das eben soll hier herausgezeichnet sein - ein Exempel formen für
das Gesetz absolut gewogenen Ausgleichs im scharf vorgespannten
Raum dessen, was bezeichnet werden könnte als die Nemesis des Schlachtenglücks, des Kriegergeschicks (Jünger bezeichnet sich öfter
bewußt als Krieger, was etwas wirklich ganz anderes ist als: Soldat).
(Die Worte, weiter, kommen mir schwer - nicht der passager mitgemeinten Töterei dort wegen, oder aus moralischen usw. Nebenempfindungen,

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sondern weil das, was da zu sehen ist, so selbstverständlich und klar ist
wie das Licht - als Photonik - , die Begriffe aber dazu nur ungefähr sein können - das liegt teilweise daran, wie ich die Formel (was viel leichter käme) nicht einfach erläuterte und erst dann die Ereignispartikel, welche sie substantivieren, einfach zufüge, sondern daß ich mit der Folge der Ereignisse selber gehe, und allein schon die wirklich lange, zähe Zeit, die alles enthält, zusammen mit Mühe, Pein und Not, worüber selbst Jüngers Bericht nur
wie streift, die aber spürbar sind wie dem das Lesenden die Schwerkraft,
so unmittelbar, zwingen mir diese sich in der Mühe des Wortefindens verdeutlichende Verhaltenheit auf - zudem hatten die Menschen zu jener Zeit deutlich ein völlig anderes Gefühl für die weilende und die geschehende Zeit - sich das zu verdeutlichen ist der Kriegsbericht so unvergleichlich wie in dem, was er ohnehin reportiert.) (Und dies auch, wie abgelegen es nun erst einmal erscheinen mag: der philosophische Patron dessen, was hier nun zu Gesichte will, ist Karl Popper. Was der lehrt, kann ich mir nicht aneignen, weil, wie gesagt, der, hier dieser allgemein das Heft füllende literarisch-intellektuelle Prozeß mir tatsächlich nur in solcher praktischen Meinung geraten kann,
reine Objektivation nur mir wirklich manifester Wahrnehmungen. Darin bin ich kein bißchen weniger naiv, als mir Jünger erscheint, und politologische,
soziologische usw. Streumuster zu perzipieren, darauf philosophierend zu referieren, wie ich meine, daß es Popper tut, ist mir denkbarlichst fremd.
Aber neben dem, was der beweist, zeigt er in unwesentlich erscheinenden Dingen Phänomen, das hier ziemlich unmittelbar mitspricht. Ich habe dessen
Staatsarbeit, um das so zu nennen, nur soweit gelegentlich angelesen, daß
ich weiß, wie wenig mich das in dieser Form angeht. Nur der Jazz, am Werk
bis in die Zeitungsfeuilletons eben durchkratzende Nebengeräusche, das,
was er nur mal eben mitgesagt hat, will hier, ganz so eben, Reflex hinzutun -
kein bißchen mehr. Das ist einmal die Einzelheit, wie er sehr schlicht lebt,
als einzigen Bildschmuck in seiner Wohnung das Bildnis des Hasen, von
Albrecht Dürer, in einer Kaufhausreproduktion, sehen läßt - das sieht wie
nichts aus, will nicht notwendig, sondern nur irgendwie, zu dem Hasen (ebenso wie der Soldat gedankenlos erschossen) in Jüngers Weltkriegs-
theater erscheinen, "aber" man sollte den Hasen, das lebende Wesen,
kennen, wie ich, zu dem er öfter des Nachmittags an den Feldrain kam,
nahm heiter Platz in ziemlicher Nähe, mir etwas zuzudenken - so sollte man den Hasen selber kennen, um hier nur ein wenig achtsamer beieinander zu lassen, was nur so ganz eben erscheint. Das ist, aber nicht wichtig, ließe sich sagen. Sonst aber hat Popper, Sir Popper, sich mit der Bemerkung empfohlen, bei Worten mit dem Ungefähr eher zu gehen als mit der philologischen
Bleiwaage - das will nun hier, wo Worte, selbst guterwogen, trotzdem,

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für mein eigenes Empfinden, durchaus danebenstehen, ein wenig helfen -
vor allem mir, weil dem, der's nur so liest, solche Schwierigkeit
mitnichten wahrnehmbar sein muß.)
Die Formel, also (in Elementen): mehrmals rettet Jüngern nur so wie mein
Aufblicken in einfliegende Meteoriten, so, treffliche Geistesgegenwart,
nicht seine, sondern die seiner Kameraden (immer bestimmter, einzelner).
Eine größere Begegnung (kompanieweise, circa) mit dem Gegner bringt
eine andere Ordnung in die Reihen. Es gelingt einmal, eine ganze englische
Kompanie zu umzingeln und gefangenzunehmen. Jünger, da wohl schon Leutnant, unterhält sich für länger mit deren Offizier, durchaus freundlich
und herzlich, sorgt, soweit er selber kann, für faire Convoyance der
Gefangenen, des Offiziers im Besonderen. In einer irgendwie bezaubernden Unverschämtheit nimmt er an und auf sich Dinge aus dem Zeug, das Feindsoldaten verloren haben (im Tode) oder verlassen: gute Unterwäsche aus dem Tornister eines gefallenen französischen Offiziers zieht er dort am Fundplatz sofort an, und lebt von den für ihn wirklich üppigen Essensvorräten
des englischen Offiziers - nicht ohne seine Kameraden davon mitzuversorgen. Im Rahmen des hier Gemeinten erscheinen diese Dinge als Chiffren für: Immunisation (die Wäsche) und: Naturalisation (die gute Kammer) -
nicht wichtig, wie der Hase sagt, aber: das ist. Immerhin: es ist Krieg
(: die gründliche Zerstörung aller Häuser, Dörfer, Städte, als das deutsche Heer sich etwas weiter zurückziehen muß) - essentielles Nirwana, in Fetzen.
(Daher - hier findet sich nun zumindest dieses Wort - ist wohl Karma der
Kapitelbegriff für die Formel). Bei der Umzingelung, oder bei einem anderen
Angriff durch die Gräben finden die Stürmenden einen einzelnen englischen
Soldaten, der an der Grabenwand zusammengekauert nicht mehr wird
für sein Los können. Einer der Mitstürmenden schreit Jüngern zu: "knall
ihn ab, den Hund!", aber Jünger tut gerade das nicht. Sein Engel versteht:
nein, er ist nicht schlecht. Es ist Krieg, und er IST Krieger - mehr nicht.
Diese paar Einzelheiten sind, im Ganzen, die Gewichtssteinchen, womit seine Geschickeswaage vorjustiert ist, in dem hier meinbaren Betracht. Er wird
für einige Weile auf andere Kriegsfelder getan etc., kehrt aber, soweit ich
mich entsinne, nach diesen Aufenthalten wieder in diese ursprüngliche Frontgegend (in die er gleich zu Anfang, als Rekrut schon, gestellt worden war) zurück.Folgt eine wirklich große Theateroperation ("Großes Prinzip!!"), ein Generalangriff in Gegenwart des Kaisers und Hindenburgs, der aber scheitert, weil die Feuerführung der deutschen Artillerie nicht mit den (beachtlichen) Gewinnen der Frontkämpfer voranweiß. Darum, an sich,
scheint es nicht zu gehen, aus sonst unerkennbaren, nur spürbaren
Gründen, usw. Schließlich aber (Jüngers Bruder wird in seiner unmittelbaren

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Nachbarschaft schwer verwundet und nur durch die energische Initiative Ernstens gerettet) kommt das, was hier Evidenz machen will, auf den finalen Punkt. Das Bild wird ungenau, teils aus äußeren Gründen, aber auch durch Veränderungen in Jüngers Wahrnehmung. Bei seinem Tod vor diesen
wenigen Jahren wurde ausgetragen, er habe zuletzt einen solchen
Unmut gehabt, gewissermaßen nicht mehr gewußt, was ihm diese Welt soll,
oder er sich mit ihr. Genau solcher Unmut aber plagt ihn wenige Tage
vor der Verwundung, die ihn um ein Haar damals schon getötet hätte.
Das ist so berichtet. Da genau in dieser Zeit geschieht dann ein signifikantes anderes Mißgeschick: beim Deckungsuchen in einem Granatentrichter stolpert er und fällt mit dem Knie in die, mi scusi, Panikscheiße, die ein anderer Soldat dort gelassen hat. Jünger weist seinen Burschen, der mit dabei ist, an, ihm das vom Stoff abzukratzen mit einem Messer. Es muß hier doch unbedingt gesagt sein, wie absolut die Verehrung seiner Soldaten für ihn ist, seiner praktischen Weisheit wegen im Chaos des Schlachtfeldtheaters, die Vielen den Balg vor dem Schlimmsten bewahrt hat, und seiner glänzenden
Tapferkeit wegen. Als es bis hierhin gekommen ist, ist er schon mindestens
ein Dutzendmal verwundet worden. Nun aber, bei einer eher unwichtig erscheinenden Attacke über einen feindlichen Graben hinweg (dieser ist zum guten Teil noch unfertig; ein ganzes Stück ist nur in Graswasen vorgestochen, nicht einmal angegraben) (: "noch eben") wird er mitten im Sprung voll getroffen, stürzt in den neuen Grabenboden hinab und liegt dort, dem Tode wirklich nahe, für eine ganze Weile, bis daß er gefunden und notdürftigst versorgt wird. Dabei meditiert er GRAS, woneben gleich seine Wange liegt.
Ich möchte so unmüßig sein, gerade hier wieder auf den Hasen Vermerk
zu geben. Jüngers Leute würden sich für ihn in Stücke reißen lassen, das haben die nicht nur geschworen, sondern oft bewiesen. Und so ist es nur
ganz selbstverständlich, daß einer seiner Besten ihn durch dichtestes Feuer davon in Sicherheit zu tragen unternimmt, wird ihm dabei unter der Figur
zu Tode geschossen. Der Zweite, der ihn im Hagel erst finden muß,
schafft es, ihn zu retten, wird aber selber darüber schwer verwundet.
Jünger überlebt (sonderbar, das so zu sagen), und das Exempel, die Formel,
ist mit diesem allen auch komplett.
Dies alles hier Bemerkte hat eine solche Ereignisschwere, daß möglicher-
weise das, was gezeigt werden soll, wieder nicht durchschaut, daher soll es
nun wie ganz obenhin in wenige Sätze destilliert sein: Jünger erschießt
diesen (taktisch so harmlosen) englischen Soldaten, gedankenlos, aus einem
reinen Reflex (wie er ihm ist angeübt worden). Das ist, um unnötig deutlich
zu sein, strategischer Unfug. Verwundet wäre der Getötete eine schlimmere Last für seine Seite gewesen als so terminiert. Dieser ganze Sprachgebrauch,

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wie ich ihn dazu verwenden kann, ist durchaus, mit einer gewissen Notwendigkeit, frivol, weil es hier um den Tod eines ganz eigenen,
bestimmten Menschen geht, exemplarisch herausgetrieben. Die ganze
Töterei umher, das Inferno (der Tartaros), Aas, Verwesung, Vergeudung,
Alles, ist nur Krach neben diesem einen Tod. Soweit Jünger einen wirklichen
(nicht moralischen) Fehler gemacht hat, wird er geprüft, auf der Waage
des wirklichen, unablässig geschehenden Krieges deswegen gewogen,
situativ angeforscht: hast Du das gemeint? Bist Du ein Mörder? Weißt Du dem
Gegner gerade zu begegnen? (der Offizier; er sieht einen Gegner, keinen Feind
usw.) - so, dieser hier nun wirklich nicht weiter detaillierbare Prozeß findet
da statt, klar erkennbar. Die kapitale Szene des großen Angriffs, Kaiser
und Generalissimus zugegen, macht besonderes Argument: das ist ÜBER-HAUPT sträflich (nicht das Töten, sondern der Mißgriff, der dem Feind
nur einen Soldaten wegnimmt, statt ihn verwundet, als eine Last für ihn,
zurückzuschicken), sträflich, aber kein Verbrechen. Jeder Soldat (Kämpfer)
MUSS (...die Scheiße) diese Raison haben, nicht erst bewiesen bekommen.
Einfachem Drillreflex blindlings zu gehorchen, ist falsch. Des generellen
Argumentes wegen wird eine ganze Division vor die Barrage des unverrückbar
nagelnden eigenen Artilleriefeuers geschoben, als in ziemlich dicke Gefängnisgitter. "Das kannst Du glauben". Die rein menschliche Schuld,
die Jünger darüber hinaus dem englischen Soldaten gegenüber hat -
woneben all die Aashackerei umher - ich möchte mich für diese notwendige Saloppheit wirklich entschuldigen - allenfalls Argument-Umstand macht,
muß gesühnt werden, in einer Form,
usw.
wie gesagt: mir langt's, weil dies wirklich weder mein Argument noch meine
wirkliche Unterhaltung ist. Es möchte nur diese Sache für mögliche Leser
jenes Kriegstagebuches ein wenig verdeutlicht sein. Es ist mir, leider
doch über allem, wovon es spricht, soweit was. Und damit, bitte: gut!
_________

Phww. Was geht den Philosophen etwas an...
_________

("Und das ist die Bibliothek??")
(Das auch. Das auch.)
(In Köln...)
________



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Coulant. Ich schreibe diese Dinge mit einem Kugelschreiber. Das macht
sich allgemein mitbemerkbar darin, wie Worte und Gedanken aufeinander
folgen, einander ergänzen. Die Tintenpaste auf der Innenseite der
Minenspitze klitscht ein wenig, muß immer so und so, je nach Wendung der
Schriftlinie, abgezogen werden, wird dabei etwas weicher und "gibt" sich
(dieser Effekt ist mir schon seit längerem bekannt; ich bevorzuge aber,
mit Tinte zu schreiben, weil das nicht so anstrengt und ein besseres Schrift-
bild gibt) (vielleicht mit der Pastosität einher kommt es, daß ich länger
nachdenke bzw. mir Zeit lasse, bis daß ich mich wieder mit meinen Themen
beschäftige, weil ich gewissermaßen die Schreibanstrengung erst vergessen
muß, um mich dann wieder mit einiger Kraft auf das Darstellbare zu
konzentrieren). Daher läuft sich das Denken ein wenig in Fahrt, erwärmt sich,
gewinnt eine optimale Dichte und Geschwindigkeit, um dann bei einem
verhaltbaren Punkt sich vorläufig zu terminieren. Die Schreibpaste im Stift
hat dann wieder Ruhe und kann sich an der Innenseite der Kugelspitze erneut
verfestigen. Solch pastoses Festkleben nennt man in Amerika "pitch",
was auch Pech heißt, oder eine gewisse, verhaltene Spannungsspitze,
in der Elektronik, oder in einem Witz. Da klebt sozusagen für einen Moment (dieses Wort wäre eine mögliche Übersetzung für "pitch") das bis dahin
coulant geläufig gehaltene Bemerken an einem Effekt fest, wie vergleichsweise ein Stein mit Butter an die Wand geheftet, und löst sich danach langsam ab. Pitch ist wichtig für Geschichtenerzähler, die gelegentlich einfach ein paar Momente Zeit brauchen, um bei gutem Atem zu bleiben.
Pitch heißt auch Der Dreh und Schmiß, mit dem ein Baseball vom ja so genannten Pitcher auf seine Flugbahn befördert wird. Die Wissenschaft dabei ist, ihm einen solchen seitlich drehenden Drall mitzugeben, daß ihn die Magnuskraft im Wechselspiel mit der umgebenden Luft, idealerweise
bis zur Unberechenbarkeit für den Batter, den, der ihn mit der Keule treffen muß, seitlich ablenkt. Ein so gelungener, wie in einer langen Schraubenlinie sich windender Ballwurf heißt screwball. Dieses Wort wieder wendet man an bei sogenannten screwball comedies, deren Witz unvorhersehbare Kurven nimmt und oft genug in einem Pitch endet, bei dem das Publikum innerlich anhalten und in Gelächter ausbrechen soll. Batter übrigens ist ein Wort
mit ähnlichen Konnotationen: so nennt man Zeug, das durch Stampfen
oder Schlagen pampig geworden ist und dem Löffel etc. einen gewissen Pitch mitgibt, wenn er daraus zäh hervorgezogen wird und plötzlich freikommt.
_________



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Novalis, wie er Parmenides aufzufassen hilft. Dazu ein wenig kapitale Physik: Einstein hat erklärt, die Physiker haben verstanden, die Astronomen
haben's eingemessen, ein Literat hat gesagt (nicht frag, welcher, aber der
gilt, sonst wäre er nicht dafür kolportiert worden) "das ist", und muß sonst
nicht mehr gesagt haben: die Schwerkraft, welche das All (laut Einstein) geometrisch deformiert, tut dies in mehr als der Dimension, daß Bewegungen im Raum deformiert werden, sondern in einer mehr, gleichnishaft wiederum wie rechtwinklig aus dem Raume selber (an Raumpunkten exemplifizierbar
als Verzögerung, also wieder in einer raumhaft direkten Anschaulichkeit), insofern als in der Zeitdimension. Das darf sich behaupten, da der Effekt
der Sonnengravitation dafür stark genug ist, um solche Verzögerung
am Lauf des sonnennächsten Planeten, Merkur, nachzuweisen. Das wurde
unternommen und auch glücklich bewiesen. Die gemessene Differenz
entsprach sehr dem, was Einstein dazu errechnet hatte. Das bleibt erst einmal so: Das Realisierte ist das manifest Reale. Es bleibt zu sagen, daß dieser
Effekt nicht nur da real ist, wo er am Planeten selber real und damit
manifestativ ist, sondern auch im leeren Raume selber, wo der Planet gerade gar nicht ist. Der Planet ist das Wort dazu, aber der Effekt in sich ist der Atem,
der das Wort (als Leibatem) formt und (als Pneumadruck) invigoriert. Das
alleine (der Atem, die Artikulation ohne Pneumadruck) "spricht" (: Heraklit,
Logos). Nun um so mehr: zur Mitte der Sonne hin nimmt dieser Effekt zu
und erreicht dort ein Maximum. Das heißt: inmitten der Sonne findet sich
ein Fokus relativistischer Zeitverzögerung (und damit wie identischer Raumverdichtung), der aus dieser Mitte in sich den atomphysischen
Ereignissen selbdort Charakter macht und aus diesem Ereignisfokus her
die übrigen atomaren Prozesse im Sonnenkörper insgesamt tingiert.
In anderen Bemerkungen hier wurde ja schon darüber gehandelt, dies ließe sich phänomenal ausdeuten wie verdichtende Durchklärung und Schatten
zugleich, und die Blüte zeige mechanische, physische, chemische
Charakteristika, welche dies wie formelhaft objekt wiedergeben. Dort,
wo das auf den Punkt kommt, findet sich der Nektar, eine besondere Zuckerart. Zucker aber erscheint oft so, daß er verdichtet, calziniert
und als Bräune Schatten hält, welchselbe Effekte praktisch nicht leicht voneinander zu trennen sind. (Sinngemäß durch weitere verwandte Kohlenwasserstoffe, damit die Bräune von Öl, Gilbheit von Diesel, Kerosin und Benzin.) (Kommuner Halbverstand weiß ja nun, was "Schwarze Löcher" sein sollen, bleibt aber bei deren Phänomenen - das ist da auch bewiesenste physikalische Beobachtung - am Ereignishorizont der Realisierbarkeit
in Phänomenen relativer Vordergründigkeit stecken. "Das können wir nicht wissen" sagt das. Doch, wissen schon (wo ist die Logik selber!) aber nicht

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beweisbar beobachten. Dort also, in sogenannten Singularitäten, ließe sich dieser bidimensionale Effekt in vermehrtester Dichte behaupten, als quasi
den blendhellen Halo eines Engels, in einer Raumzeitdimension, wo für
ein Empfinden, gemessen an den Grunddaten irdischer Ereignishaftigkeit,
die Zeit längst bis zur Unerkennbarkeit angehalten hat, und der Schatten
als Kontrast dazu ist so scharf genau als wie die Buchstäblichkeit und Akuität der elementarsten Materiegesetze (der Subatomik, für Beispiel) so etwas wie zu untermauern. Denn, nicht sei's vergessen: die Welt ist Eines, und Alles, was die Welt ist, hält einander in Kurs, in jeglichster Dimension.) Es bleibt also, für den Gang dieser Erfindung nun hier, dabei, daß, wo eines sich positiviert, es darin ein Komplementär mitunterhält (keine reine Negation),
das ihm elementar gleicht wie der Schatten, und in diesem elementaren Sinn auch mit ihm identisch ist, vor einer allgemeinen Matrix, aus der (wo sie
solch bestimmterer Existenz gegenüber gelassen gleichgültig ist, an sich)
die Prominenz bestimmterer Existenz, als ausgeprägte Form, Differenz macht. Novalis, der so gut ein aphoristischer Geist wäre wie die hier schon dafür Gelobten (Nietzsche, Valery), insofern aber ellyptischer bleibt, bringt den Verhalt auf die Form des Satzes, daß doch, wo er ist, etwas Anderes -
genau das, was er in Materie und den elementaren Kräften, welche sie
zu solchem Leben formen, ist - nicht ist. Das beleuchtet aber, was der gute Verstand des parmenidischen Satzes sein sollte: nur Sein ist, Nichtsein
ist nicht. Dieses Nichtsein des Nichtseienden ist eine sehr positive Sache, insofern es das genaue Reziprok der Positivität ist, aus welcher das Sein
erst ein Sein ist. Einfach genug. Am Lidrand wird dabei ein Reflex wach,
lenkt das Auge aus sich heraus, ohne Weiteres im Raum welthafter Objektheit umher nahezutragen. Das Augenmerk fragt gewissermaßen die Stirn: laß
mich denken: was kann das sagen zu Materie, die nicht so ausgesprochen spezifisch seiend ist wie das Leben, und eventuell: wo und wie kommt das Erkennen aus, löst man es damit aus der relativen Nötigung, ein Werkzeug
zu sein des Lebens in seinen speziellen Notwendigkeiten. Usw. Derlei z.B, denkt sich gerne ganz von selber; das kommt ohne Mühe irgendwann auf den Reflex, und wird, wie ein Sandkorn, das auf eine vorgespannte Saite fällt, schon nennbares im Intellekte zu Klange bringen. Das ist nicht für nun hier.

"Ich bin, indem ich darin nicht bin,
wo das nicht ist, das so nicht ist,
indem ich bin." Oder so etwa.
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Vom eisernen Ring wieder zu des Platon gelöstem Schaublick: als Übung
für die Kunst reinen Erkennens (da grüß mir Husserl) zu empfehlen, daß
man aus sich (dem Aug) hervorblicke mit dem Vorhalt, wie nun das, was
sich abbildet durch die Wirkung der Pupille, einen Belang hat, indem es das durch einen bestimmten Raum-Materiepunkt in dieser selber tut. Also nicht
alleine: wie bildet ein Objektpunkt draußen sich im Retinagrund drinnen
ab, sondern: was und wie geschieht (mehr als nur) Abbildung, indem diese durch den einen Punkt im klaren Raum des Pupillenkörpers geschieht.
Dies sei auch Gebühr dem Sokrates.
_________

Eckehart (Hand, Glut), kommun gewendet: der Kontext macht den Gestank.
Dazu bemühe man sich, wenn was nicht klar ist, auch zu Lao Tse.
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...ah so: Sokrates. Bei einem dieser "Ah, Du!" Kurzblicke in die Gespräche
des Platon etc. (das sind wohl oft bis zu 20 sehr tief ernst wache Gesichter
umher, auf die kein Text zeigt), ganz letztens, handelte Sokrates über die Form, erläutert als Begrenzung des an Farbigkeit schon objekt soweit
Perzipierten. Später fand ich, dem entspricht ein reglos leichter Blick eines Auges am äußeren Jochbein darunter hinab. Dazu muß das andere in sich latent wach zurückweichen - womit sich der Sinn für die eher diffuse, aber schon dichte Perzeption der Farbigkeit als vorgängiges Merkmal erklärt.
Und den seidig schimmernden Nachmittag, in dem genau diese Erörterung stattfand, finde man mit hinzu. Selbst wenn Platon nur später referiert –
Auch das ja in einem ganz genau zeitlich, räumlich, dynamisch fixierbaren Momentum, so sind doch die Worte, die Blicke etc., die das, egal wie auch möglicherweise unvollkommen, wiedergibt, auch wieder geschehen zu präzis real einem solchen Moment. Usw. Heraklit richtet sich schweigend den Ärmel. Merleau-Ponty einen gutgespitzten Bleistift dafür. Usw.
Now really...
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Der Bann ist da am stärksten, wo er ganz selbstverständich ist.
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Intellektual-Zonards...
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"Es ist nicht so."

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Es muß doch, für die wahrere Ordnung, gesagt sein, wie nahe Parmenides neben Heraklit gehört. Die gehören vergleichsweise so zueinander wie die
Dioskuren, auch etwa mit dem Sinn deutlichen Charakterunterschiedes
der Zwillinge. Dies läßt sich aber nur gleichnishaft zur Verdeutlichung
gebrauchen, in den Einzelheiten nicht direkt, wie argumentativ, ausspielen.
Es geht hierbei um Gewahrheit (wie in der griechischen Philosophie ohnehin), nicht eigentlich um meinende Präzision. Und Parmenides bleibt so und da,
wie und wo er ist, so, wie die Sonne sich gleichbleibt, egal, was aus ihrer Kraft auf dieser Erde wird. Mit Heraklit aber faßt das Erkennen dort Stand, von wo
es mit Sein und Erkennen in dieser wirklichen (wirkenden, erwirkten) Welt vorangeht. Gerade solche Aspekte vertragen Verdeutlichung, damit das Erkennen sich präzisiere, ähnlich dem, wie die Gitterfestigkeit eines Holz-
und Kohlekörpers der Hitzestrahlung der Verbrennung Halt und Präzision gibt.
_________

Aus dem Fernseher: weshalb der Pazifik ein so besonderes Meer ist.
Als einziger Ozean erstreckt er sich ohne genauere Begrenzung vom Äquator
bei seiner Mitte her weit um die Wölbung des Planeten in alle Richtungen,
mit seinem Wasserkörper auf diesen gestülpt wie eine riesige Kontaktlinse
um ein Auge. Und wie eine solche wölbt er sich, der Fliehkraft aus der
Erddrehung wegen, auch in seiner Mitte auf, zieht von den Rändern her Wasser zu dieser hin. Die Fliehkraftwirkung ist stetig, wird aber strukturiert durch die ephemere Wirkung der im Tages- und Monatslauf darüber wegziehenden Erzeuger von Ebbe und Flut, Sonne und Mond. Durch die
fern an den Rändern liegenden Zuflüsse aus dem Polarmeer nördlich,
die Nachbarozeane südwestlich und -östlich entsteht eine Oszillation in dem so vorgespannten Wasserkörper, in sicherlich sehr langen Wellen, soweit die den ganzen Ozean durchwirken. Aus diesen allgemeinen Koordinaten zur
Dynamik des Wasserkörpers, der der pazifische Ozean ist, spricht eine
gewisse Ähnlichkeit mit dem Bau des Octopus-Auges, im Weiteren auch seiner Figur (der vibranten Strömungen wegen, die sich in den Tentakelformen
und dem Wasserdüsenantrieb seines Körpers abbilden). Etwa das will die Erörterung berufen, wo es heißt: aus dem All wirken, eher ziehend als
treibend, die Kräfte so auf die Erde (deren Fliehkraftmotor dabei die Haupt-
Vorspannung liefert), daß Lebensformen sich fast notwendig in diese
strukturierten Kraftreservate hineinentwickeln, denn solche Entwicklung
muß notwendig mit Kraftgesetzen gehen, die sich auseinander ableiten lassen
und da konsistent sind. Das Geniale an diesem Gesetz ist, daß die großen
Verhalte, die dem Ganzen des Kontinuums und Mediums seine Urstruktur richten, sich auch in jedem seiner Punkte beweisen, etwas variiert und

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mit anderen korreliert mittels Strömungen oder Oszillationen, welchselbe Grundformen vorgeben für die Gestalt und Artikulation daraus entstehender und sich darin erhaltender Organismen. An den festen Kontinenten ließe sich ähnlich erweisen, wie die Lebewesen bis in Einzelheiten des Körperbaues
aus diesem Gesetz nach ganz bestimmten Kontinentformen geraten sind.
Der Mensch scheint da wirklich eine Sonderspezies zu sein, indem er sich
hat seine Schädelform vom Mond herausmodellieren lassen wie auf einer Drehbank, einer Töpferscheibe. Der Mensch hebt seinen Kopf anders
in den Himmel als andere Tiere, die mit ihren trigonometrischen Schädeln
eher Fixstern-Konstellationen an die Erde zu halten scheinen. Der Mensch, vom Mond angeregt, fühlt mit der Gänze des Planeten und kommt mit
seinem sphärischen Kopf zu ganz anderen Ideen, Beweglichkeit betreffend. Damit, daß er seine Arme ganz von der Aufgabe löst, den Körper nur zu stützen und zu bewegen, richtet sich auf und kann nun diese Artikulatoren bewegen um sich her, im Ganzen sphärisch montiert, in Konsonanz
mit dem in dem Schädel ausgeprägten Sinn.
_________

Kleine Einkünfte. In der Zeitung wohl kommt ein Item vorbei, das hier
wirklich noch gefehlt haben will. Als Descartes seine Sache gesagt hat,
kommentiert ein anderer französischer Denker (den Namen hab ich nun wirklich vergessen, meine aber, er begänne mit C.), daß, sinngemäß, abstrakte Wahrnehmungen sich im Erkennen zusammenfinden einfach aus dem, wie sich die Wirklichkeit in ihm abbildet. Die "Philosophiegeschichte" erwähnt diesen Denker, durch den erst Descartes zu einer ganzen Sache wird, nicht
aussprüchlich. Und dabei stimmt dort auf einmal Alles. Das erkennende Subjekt sieht den Erkenntnisraum klar und bestimmt vor sich, und der
Logos erscheint so, wie, und da, wo er hingehört. (Condillac, übrigens,
heißt der Wahrste.) Kant braucht es danach nicht. Kant ist gut, Kant hat was
für sich, aber in diesem Belang ist das Gültigste schon gesagt. Interessant
das Spiel: Descartes windet sich ein wenig sehr, wo er etwas erklären soll,
was nicht sein originales Argument ist (ein hier ja schon erwähntes Thema),
und zwei Worte Condillacs stellen Alles zurecht. Na, da ist mal ein Denker,
von dem ich wirklich lesen möchte.
_________

...technischer Anstand...




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Pneuma. Tanz der Subquantik: auch Schrödinger wird zu den Philosophen
gezählt, befindet sich wohl da gleich neben Heisenberg. Was im Besonderen seine Wellenmechanik besagt, konnte mir so nicht bald jemand beeinzeln.
Es wird aber über S. berichtet, er sei geradezu empört gewesen über
die Mechanizität dessen, was mit Planck das geltende Weltbild der Physik
werden wollte. Ich meine so viel zu verstehen, daß Elektronen in den
Atomhüllen nur deswegen endlos dort oszillieren können ohne Energie-verlust, weil die Frequenz, in der sie schwingen, eine geschlossene (stehende)
Welle auf ihrem Perimeter formt. Wird diese elementare Harmonie gestört,
verändert sich also diese Frequenz, so entsteht ein crack, und das, was man
einen Quantensprung nennt, findet statt. (Die Kuh meint:) Derlei findet
im Inneren von Atomen immerzu statt, in einer Art harmonischen Spiels,
wo die Energie wie in einem Hangelnetz fortwährend umherschwingt,
und manchmal entstehen durch Impulsaddition Spannungsspitzen (pitch), wovon dann Energie nach draußen abgegeben wird.
Das alles vermute ich nur, habe da sonst keine spezielle Kenntnis...
_________

"Das ist ja mir an sich was" / was meint Apriorik...
_________

"Weiber sind ein Tier für sich." (Bauernweisheit)
_________

Alexandrinische Mathematik: in einem ruhigen Moment sah sich mir im
inneren Blick ein Manöver hier anderswo erwähnter Fische aus dem großen Aquarium im Subparterre der Villette. Die machen da wirklich manchmal sonderbare und witzige Sachen, auch genetisch: ein vielleicht zwei
Hände langes Fischchen, das wahrscheinlich dort in den Aquarien, die
ungesehenerweise dazugehören (so, wie zum Zoo noch eine nichtöffentliche veterinärische Anlage hinzugehört, wo Zooinsassen manchmal für Monate
verschwinden), das da also aus Laich neu erwachsen ist, hat einen Knick
im Rücken, der seinen ganzen Körper einen Winkel von ca.120° formen läßt. Damit schwebt das meist direkt unter der Wasseroberfläche und schwingt
da nur leiernd still umher, guckt ein wenig aus den Augen wie ein etwas
schwachsinniges japanisches Schulmädchen. Ich verstand: die Fische kommentieren damit auf die engen, zu stillen Existenzbedingungen in den Aquarien (damit die Erscheinungsform als verkrücktes Individuum). Wo
diese Fische normalerweise leben, da sind sie nicht von spiegelnd starrem
Glas umgeben, und das Wasser ist ewig in großartiger Bewegung, aus sehr

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weiträumig herwirkenden Ursachen. Die anderen Fische spielen manchmal
sinnige Symmetrien, um die Glasspiegelung zu kommentieren. Aber dieses
Tier zeigt die Totale des Aquariumszustandes, das bei allem engen Lärm
darin doch wie totenstille Wasser, die spiegelnden Glaswände (die über
schräge Knicke aneinanderstoßen) und die unnatürlich stille Wasserober-fläche, die es den Fischen so wohl besonders angetan hat, weil das ja
ohnehin die absolute Begrenzung ihres Lebensraumes überall ist, wo aber
(bei Meerfischen) nicht so. Hinzu die künstliche Beleuchtung und nur fern,
durch die große Glaswand des Raumes nebenan gesehen, dann und wann
vielleicht (sehr vielleicht) ein Stern, in winzigster, durchblendetster Himmels-aussicht, und Mondlicht als Helle. Immerhin schaut das Aquarium ein
wenig mit auf die lebendigere Wasserbecken-Oberfläche draußen im Hof -
von außen, oben her, woher Fische ja Wasserflächen gewöhnlich nicht
zu sehen bekommen. Das Knickfischchen hängt sich also vor allem unter
die Wasserfläche, um dort mit seiner Körperform die Reflexion des Lichtes
daran zu kommentieren. Es spricht wohl für die Intendanz des Platzes,
daß dieser Freak lange im Aquarium gelassen wird. Andere Genossen,
nach denen ich schauen konnte - der Octopus (der sehr gesprächig ist),
die Drachenfischchen - bleiben nie wirklich lange. Aber der Knickfisch
wurde über Jahre dagelassen und man konnte richtig zusehen, wie er alterte.
Das so einzurichten, spricht von einer Klugheit mit sprechenden Zuständen,
die ich dort habe oft wirken sehen. Was ich da aber habe zwei Fische
in meinem inneren Blick aufführen sehen, das war ein geometrisches Theorem, in dessen Entwicklung (ein paar genaue Gesten, nur einige
Momente lang) auf einmal eine unendliche Perspektive spürbar und erkennbar wurde, in mehreren Richtungen. Derlei tun die größeren Fische dort öfter -
die bewegen sich wie Illustrationen und Beispiele zu einem mathematischen Lehrenbuch. Und die Art und Weise, wie die das tun, würde ich für hier bezeichnen als alexandrinische Mathematik, nach der Stadt in Ägypten,
wo die größte Bibliothek der Antike gewesen und vernichtet worden ist. Diesen Geist der Fische, wie er in begrenzten, inspirierten Beispielen vom interessant Unendlichen spricht, kann man auch leicht wirken sehen im geistigen Gestenspiel orthodoxer (Christen), zumal bei Slawen. Da ist
diese selbe sprechende Beiläufigkeit, die mit wissen läßt nicht eine Meinung
(derlei hat nur polemische Dimension), sondern wirklichen Geist. Es ist die alexandrinische Mathematizität, welche aus Russen so gute Schachspieler und aus Polen solche scharfen Strategen macht.
Der Pessimismus der Gnosis kommt ebendaher: aus dem Meer, in dem man
von allen Gesetzen des weitesten Alls wissen, die man dort spüren kann,
aber, so weit das Meer auch ist - es ist, als Lebens- und Erkenntnisraum der

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Fische etc., begrenzt. Zudem macht sich da vielleicht das Salz bemerkbar,
wovon das Wasser zäher wird, welchselber Wirkung kein Meertier sich
entwinden kann. Das genaue Komplementär zum Pessimismus der Gnosis
ist der Optimismus Leibnizens, und richtiggehend interessant ist, zu sehen,
wie die Menschheit will meinen, sich den freien Blick ins ungemessene All
zu versalzen, um sich in der somit bornierten Nahwelt ihre allen
Pessimismus rechtfertigenden, abgründigen Indulgenzen
(: Nietzsches zufriedene Düsterlinge) zu gönnen...
Die Welt IST wohl schlecht, sagt der Düsterling und sorgt mit Energie dafür,
daß sie's um so mehr ist. Auch dieser Charakterzug gehört zur Orthodoxie
dazu.
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...Magie der Werte...
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Sinn: eine Nüchternheit.
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Das Weltgeistgeschäft geborener Literaten...
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Intellekt: wie sich sieht, sich liest, was sich der Apperzeption bietet,
unstrukturierter als solche Erkenntnis (für Beispiel diese Sache mit Ernst Jüngers Todesschuß im Weltkrieg). Immanuel Kant ist in solcher Weise
der Denker aller möglichen Grundformen intellektueller Apperzeption.
Bei Kant empfiehlt sich wieder und wieder das Bemerken: Ja, aber...
Das ist nicht nur dort so.
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Oweh. Oweh. Eine Frau die mich wirklich kann. Oweh!
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"Hunnie Pie"
(Sie schiebt 'ne Schnute. Aber nicht im Gesicht.)
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Noch einmal: Was Kant da anhand der Begrifflichkeit der Vernunft erörtert.
das ist der Intellekt. Intellekt solcher Art denkt Ganzes aus der Welt,
aber nicht notwendig die Welt als Ganzes. Woanders wird dazu erörtert der

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hermeneutische Zirkel (oder so etwa), der eben auch, in einer Art Begriff
konzeptioneller Freiheit, die Erkenntnis begrenzt, mit allerdings offenen
Grenzen. Es klingt dabei an so etwas wie ein Belieben, mit einem Beigeschmack von Indulgenz. Das paßt ganz gut zu bestimmten politischen Sitten und ist DEShalb gut gesehen. Muß dazu wirklich gesagt sein.
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Geist, Nachfüllpackung. Geist, Rührwerk. Geist, Räucherkammer.
Geist, Rutsche. Geist, Vorratshalde. Geist, Verkehrsstau...
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"Wo bleibt die Chole!" Cholastik.
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Kant hat nicht nur mit dem Geschmack keine Sache, sondern auch nicht
mit der Ehre. Das muß nicht wundern, da diese wirklich nicht leicht in einen verallgemeinerbaren logischen Begriff zu bringen ist. Was den Platon Blut
und Wasser kostet, die Ehrlosigkeit des Tyrannen, der nicht weiß, was ein Wort sein darf - derlei könnte Kantn niemals passieren, und das ist ein
wirklich schlimmer Makel. Wenig Zweck aber, darüber zu Menschen
zu sprechen, die allenfalls von Ehrenhaftigkeit wissen.
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Condillacs Blick sieht, was für sich spricht. Was mehr braucht es, um alles
Mögliche, das im weitesten Sinne "gut" heißen könnte, zu erkennen! Gerade darin ist er schon über Kant hinaus, der sich selbst am meisten im Weg ist, weil er alles erklären muß. Nietzsche hat das Wort geprägt, manche Denker widerlegten sich selbst mit einem einzigen "denn" - genau das trifft auf Kant zu. In der Reinen Vernunft hat er alles definiert, was es braucht, die wirkliche (sittliche, politische usw.) Welt richtig mit Erkennen anzuschauen, und er bräuchte nur sich an den Geist solchen Erkennens zu halten mit Blick auf die Wirklichkeit - was für großartige, originale Aussagen wären da möglich. Stattdessen muckt er im Angesicht unangreifbarer Gewalten und sagt:
DENN das ist bei der Reinen Vernunft schon so rechtfertigt. Und genau das
ist es nicht; da ist er kein bißchen besser als die schlimmsten Bigots alter metaphysizierender Schule!
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Fichte - das ist so lächerlich, da möcht es mir das Buch hohnlachend in die
Ecke schmeißen. Was sich alles Denker nennt! Länger schon hatte ich

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vermutet, daß eine Drüsenstörung den Typ so egoman macht, und sein
Abbild auf einem Bucheinband gab da hinzu - die Thymusdrüse scheint ein
wenig stark zu sein. Davon quillt es ihm so im Gesicht umher und die Augen
stehen etwas getrieben falsch im Kopf. Viele dieser deutschen Philosophen-charaktere im 19. Jahrhundert (Fichte, Hegel, Schopenhauer, Nietzsche) wirken so, als sei vielleicht aus der Ernährung mit Geflügel und Ei, der
Drüsenapparat nicht in guter Ordnung. Dementsprechend eine Getriebenheit,
die nichts mit den Kraftgesetzen wirklicher, vernünftiger Lebens-beanspruchung zu tun hat und ein Selbstbewußtsein, das eine ganze
Welt für sich haben muß, ohne wirklich etwas damit schaffen zu können.
Das ist etwas so ganz Anderes als die bewiesene Lebenskraft der Griechen, welche einfache Gründe sieht, wo auch wirklich welche sind:
in der Welt, die man selber ganz natürlich auch ist.
Bei Schelling zeigt sich, im Unterschied zu den anderen Idealisten, noch
guter Grund, genau so. In gewisser Weise ist er das in phänomenalistischer
Wendung, was dieser Satz Condillacs in abstracto oder absolut sagt: ein
der wirklichen Welt positiv eröffnetes, gerade darin ganz eigenes Bewußtsein. Auch spricht bei ihm, was schon die Erkenntnis Platons getragen hat.
Es zeigt sich aber bei ihm, was auch sonst im eher geschichtlich allgemeinen Wesen sich öfter beweist, nämlich, wie der gallisch-romanische Geist einige Gesten relativ abstrakt und in guter Energie tut, und im Deutschen antwortet etwas, träger und vordergründiger, davon positiv angeregt, aber eher
aus dem Charakter, dem Fühlen her, statt aus direkter, akuter, selbstbewußter Wahrnehmung. Das Selbstbewußtsein der Deutschen zeigt sich sympathetisch angeregt und findet sich und das, was es zu sehen findet damit, wahr genug, aber es ist damit wie schlafwandlerisch, in einer Art Dornröschen-Bann gebunden, wo der Geist in Frankreich fix und wach ist,
manchmal bis zum Schmerz. Das ist nicht nur im Geistesleben so und liegt
wahrscheinlich begründet in dem Unterschied der Landformen, der Lage
der jeweiligen Nation in der wirklichen Welt. Frankreich hat wohlbekannte
und vielbefahrene Meere auf drei seiner Seiten, und seine besten Lagen
sind durchsetzt oder sogar gefügt aus, und mit, Kalkgestein, das alles ein-
mal Teil von Meeresorganismen gewesen ist. Solches Kalksediment ist der
Rest einer Lebenswelt, die in sich schon eine ungeheure Energie gewesen
ist und damit recht unmittelbar zur Kraft der Sonne. Das leuchtet vor
Klarheit alleine in seinen Strukturen, denen, woraus es entstanden ist.
Gerade Paris steht zum besten Teil auf gewachsenem, karstig filigraniertem Meerkalkgestein. Dort treffen auch zwei andere Grundelemente hinzu:
der leichte, etwas schattenschmutzige, immer feuchte Sandboden Nordfrankreichs (für die etwas schlechte, aber nüchterne Realistik, die z.B.

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Element des Revolutionsgeistes ist), und von der vulkanischen Mitte Frankreichs weither noch das Flintgestein, hart, orangegelb und reflexgenau. Damit die Tüchtigkeit, Rationalität und Härte, wie sie z.B. bei den Kriegsgeistern um Napoleon her sich Ausdruck macht. Deutschland dagegen ist schon denkbar fern vom Atem wirklicher Meere, besteht zum größten Teil aus Silikatbruch aller Sorten, überzogen und durchsetzt mit Mergelschlicken, die einen gewissen Lebenstonus ausstatten, aber nicht selber Lebenscharakter formen und bestimmen (wie im Löß, der auch nur so kann, wo er nicht zu sehr durchsetzt ist mit Sand oder Humussäure), dazu
ziemliche Weiten von Waldböden, die zwar wach machen, aber keinen Horizont mitgeben (Heidegger). Deutschland ist das quintessentielle Drachenland und schafft vor allem selbstbewußten Charakter, der aber
zur Monomanie und zum Irresein tendiert, ähnlich dem Geist starker,
aber paranoider Tiere. Solcher Geist sieht eine Welt dicht und deutlich,
auch klar, aber kommt nicht hinter diese bannende Vordergründigkeit,
mit der die Sinne darauf fixiert sind. Und wo das nur denkt, da wird es schnell wahnhaft (: Hegel), weil dort auch nur dieser selbe Weltcharakter, woraus es
in sich ja lebt, wieder hervorschaut und kann eigentlich nur in wie verhornter Empfindung von sich weg raisonnieren - zur wirklichen Reflexion fehlt dem meist die lebende Erfahrung von wirklich Anderem, auch einer Souveränität, die vom gekonnten Wechsel mehrerer, vieler solcher Horizonte entsteht.
Die frühen Herrschaftsformen, das Pflanzensystem und ein feudales Regime, das den Herrschenden über länger hin wechselnde, dabei praktisch sinnvolle Aufenthalte weit über das Land (die Nation) ermöglichte, dazu das Jagd-
und Kriegswesen, welches zusammen mit den religiös erwünschten,
weiten Wanderungen auch nach Italien z.B. für Bewegung und Kenntnis
der Welt in ihren manchmal großen Charakterunterschieden sorgten, sind klug gerade darüber, daß eben das noch so gute Leben in festen, unverrückbaren Vordergründen bannt und damit den Geist verdirbt, den es aber doch unweigerlich braucht, um mit einer ganzen Welt samt ihren Unwägbarkeiten zurechtzukommen. Wie sich Frankreich und Deutschland zueinander befinden, in Lebensformen wie im Geiste, das zeigen manchmal die Antilopentiere (Kühe, Rehe), wenn sie ruhen und zu sich kommen. Wie der träumende Drache, so lagern sie sich dann auf ihrem Boden, drehen (mit einem sonderbaren, blinzelnden Lächeln um die Augen) den Hals mit dem Kopf
zum Leib hin, lagern ihn darauf und haben ein Traum-Ruhekissen zwischen der Erde und den Sternen, welchselbe nun ihnen den Traum machen, zusammen mit dem Wind. Da ist alle Weisheit und Wahrheit beieinander,
die sie nur je brauchen werden. Im Gleichnis heißt das: Deutschland,
das ist die Erde und das praktische Tier, wie es auf seinen Beinen steht

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und nach seiner echten, nur praktisch realen Welt schaut. Frankreich aber macht den Geist wie die Sterne, der Wind (und die Meteorologie), wo der
Kopf diese Wahrnehmungen sich in den Leib hineindenkt, sich auch aus der
Muße des Leibes humorisiert. Das sind zwei ganz verschiedene Welt- und Geisteszustände, aber doch aus einem integralen Erleben. Dementsprechend der verschiedene Grundtonus und der elementare Akzentunterschied
des Geistes in Lebensformen, Sitten, Weltspiel und Philosophie.
_________

Hegel hat genau dieses deutsche Problem, die Vordergründigkeit und Wahnflucht. Sein Logos-Begriff ist zu kurz, zu akut, ganz wie bei den
Nominalisten. Nicht umsonst gehören Logos und Pneuma unmittelbar
zusammen, indem das, was als Welt-Logos bezeichnet werden kann,
eben nicht nur in der Gestalt der Dinge und ihrer im Prinzip unmittelbaren Relation besteht. Was Hegel da produziert, das ist verallgemeinerter Wahnstutz, aber keine Episteme (der dritte der heraklitischen Grundbegriffe, die unmittelbar zusammengehören). Hegel kaspert wie ein hysterisch gewordener Pseudo-Herakliteer und vergißt, daß die Welt einen langen Atem hat, den, womit sich der Welt-Logos auch über weite Strecken hin, durch Zeit, Raum, Dichte (Energie) gestaltend beweist. Die Welt hat Dauer über die beweisbare Solidität der Phänomene in ihr hinaus. Vielleicht wäre Hegel
dieser Unfug erspart worden, hätte man zu seiner Zeit von der begrenzten Geschwindigkeit des Lichtes und anderen solchen Selbstverständlichkeiten gewußt. So aber kann er nur auflaufen in der Negativform des mit solchen Physikas möglichen Erkennens, hat alles klar, sieht alles licht, und doch
ist es nur Blendung, eine Welt von akuten Vordergründigkeiten in aller Weite
von Raum und Zeit, und kein Spiel, keine Elastik, kein Pneuma darin, eine Verfehlsform mystischer Klarheit, wie sie doch in Eckehart so vollkommen spricht, selbst wenn er selber in seiner Sprache manchmal das Erkennen
eher bricht als positiv formt.
_________

Es scheint nötig zu sein, darauf hinzuweisen, daß Geist und Wahrheit
nicht dasselbe sein müssen. Dazu immerhin, das zu beleuchten, taugt
dialektische Triadik. Geist alleine ist nur und vor allem eine mögliche Form,
die einer Qualität mehr, der Wahrheit, bedarf, um wirklich zu sein in einem Sinne, wie es der Begriff der Idee meint. Der Intellekt ist der Raum, in dem Beides zusammenkommt. Dies alles sind Topoi diesseits, binnen der Erkenntnisoberfläche. Die Welt ist in sich wahr - da bedarf es solcher Extragewahrungen nicht, obgleich sie (das wahre Condillac) daraus

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emanieren und guten Gebrauch beweisen als Analoga zur Gestaltung
der Gewahrheit und Wahrnehmung der wirklichen Welt. Usw.
_________

Das Fernsehen zeigt (auf Dreikönige) einen Clip, da man den Dalai Lama
intensiv in die Kamera sprechen sieht. Ich sehe, daß ich damit nichts direkt
anfangen kann - das ist zu getrieben, und ich will meinen, er ist da so intens
und ein wenig dämonisch in Verdeutlichung des Charakters der Technik,
die seine Aufführung ja kolportiert. Die Tibetaner verstehen sich auf
titanische Wahrheit wie sonst bald nicht ein Volk auf Erden, außer vielleicht
den Ägyptern und den mexikanischen Indianern (ja gut, die Deutschen,
die Europäer überhaupt auch, aber - ). Wo der Lama so erscheint oder auch
in gewissen Zeitungsannoncen für die Tibethilfe, da ist immer diese widrige
Dämonie mit dabei. Aber in anderen Dingen hat er mir, ganz beiläufig
in Gesten, schon sehr geholfen, interessante Dinge zu finden, die hier
in den Bemerkungen mitspielen. So war er einmal zu Besuch in Europa,
in Deutschland vielleicht (die heiligen Männer fliegen ein wenig zu gerne mit
Flugzeugen) und wurde gezeigt, wie er ein wenig sonderbar vorgeneigt und
ein wenig nach links verwunden wie in einer Bittgeste verhalten so dastand.
In jenem Jahr fanden auch andere, ganz sonderbare Sachen statt. Der
Jupiter stand sehr tief im Himmel; ein offenbar sehr weltweiser Rattenvater
nistete gleich bei mir an meinem Lagerplatz unter einer Brücke bei meinem
Heimatdorf, und im Wetterhimmel selber geschahen ganz ungeheuerliche
Sachen, woher die Inspiration zu dem, was hier über Eckehart, den Geist
des Hasen und die klare, gefahrwitternde Panik des Vorfrühlings bemerkt
ist. Diese Geste des Lama aber traf mit zwei, drei anderen, wirklichen
Wahrnehmungen dort zusammen. Der Bahndamm, wo ich da lebe, ist recht interessant in den astronomischen Himmel gebaut, so auch darin, daß man den Mond zuzeiten genau am Bogenrand der Brückenwölbung entlangziehen sieht. Schon früher, im Gebirge, hatte ich mir ein Auge gemacht für das
Vergehen und Erlöschen des Mondes und mancher Sterne an Bergrändern.
Hier, zuhaus, schaute ich öfter zu, wie das Sonnenlicht köstlich, gleich
Syrup, in den Horizonträndern (flach wolkig meist) erlosch, oder wie es
zuallererst in Morgenhorizonten gleißend hervorquoll. Auch war immer
Gelegenheit, dem zeitweiligen Verlöschen der Sterne an Ast- und Zweig-rändern naher Bäume zuzuschauen. Das ist wirklich unterhaltend, weil das nicht einfach geschieht, sondern da ein gewisser Moment ist, eine halbe
bis zu zwei Sekunden lang, oder mehr, wo der Schattenrand erst die Öffnung
der Pupille im schauenden Auge durchmißt, und dieses "Duweißtschon"
wie ein wissender Seitenblick, als es da einleuchtet im Vergehen des Sterns,

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schaut eben auch aus den Worten Platons, wenn man nur eben mal in die Texte schaut, um zu finden, was da wohl grad der Geist ist. Beim Mond
aber an diesem Brückenbogenrand, wenn das Auge für die Bewegung der
Sterne richtig wach ist, ist zu erkennen, wie er aktuell sich bewegt, d.h. Erde
und Himmel sich gegeneinander weg drehen. Das zu sehen, muß man ein wenig den Atem verhalten (zu der Zeit übte ich auch eine Meditation, die mir, vielleicht von der Ratte her, eingefallen war, atmete so wenig wie möglich
nur so in routinierter Ventilation, sondern hielt den Atem im Leib, ließ nur
aus und atmete wieder zu, wie ich spürte, daß der Leib nach Sauerstoff
verlange - das kann so stundenlang weitergehen und macht den Leib-Atem-geist ungeheuer fest & klar, mit entsprechender Wirkung auf die Erkenntnis-
fähigkeiten des Geistes, des Hirnes mit den Sinnen). Wo man aber so stillhält im Atem-Lichtgeist des Leibes, da wird, wie sonst manchmal auch beim Liegen und Schauen ins ungemessene All der Galaxis, eine Art Lift bemerkbar. Der so atemfeste Leib scheint sich ein wenig in den Himmel zu heben, und mit der Geste des Lama im Nebenbild fiel mir auch prompt ein, wieso. Ich nahm Papier und Stift her, kannte die Formel, nach der Zeitlauf und Raumferne
bei Orbitalbahnen berechnet werden (eine der galileischen Formeln wohl), wußte ja auch, in welcher Distanz zur Erde geostationäre Satelliten umfahren, und rechnete mir daher zusammen, daß hier in Europa die Zentrifugalkraft
aus der Erddrehung wohl 1/40 ungefähr des Massegewichts jedes physischen Körpers, auch der festen Erde usw. allevieren müßte. Daraus wohl entsteht
bei geeigneter, klarer Konzentration auf damit funktional direkt verbundene Effekte, wie der Lauf der Sterne, des Mondes usw. im Himmel einer ist, dieses Liftgefühl. Dieses selber nannte ich die Seele, die Fliehkraftseele des Körpers. Da ist ein sicherer Effekt, der sehr vergleichbar ist dem der Beseelung aus dem großen Atem des Meeres, wie er vor allem bei Platon den Geist
so klar und dicht macht. Die Phänomene, woran sich das verdeutlicht, sind unmittelbarer und akuter als der Atem aus dem Himmel über dem Mittelmeer, aber die Empfindung, die von daher sprechen macht, ist in demselben absoluten Raum. Die Figur des Lama aber verdeutlicht auch noch einen Aspekt aus dem Hausbuch der Tibetaner, dem sogenannten Totenbuch
(ich nenne es, solcher Wahrnehmungen wegen, eher: das Buch jenseits
Tod und Leben, weil es von Dingen spricht, die für Tote und Lebende gleichermaßen gelten): dort gibt es einen Horizont von Wesen, genannt
die Wissenhaltenden. Diese haben meist die Gestalt von Tieren, die wieder manchmal Menschengestalten zerreißen oder einen Leichnam als Keule umherschwingen (die Pferdegöttin - das Gleichnis paßt gut auf den Rittergeist). Woanders im Totenbuch heißt es: man muß auch anhalten können, um nicht dauernd von einer Wesensform in die andere gejagt zu

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werden. Und so beleuchtet sich, was das heißt: die Wissen-HALTENDEN,
weil eben, wie Interferenzwirkung an einer Schneidkante, im Innehalten eines wissenden (seiner Welt weisen) Wesens das spürbar wird, was einem dieses andere, selbsteigene Wesens-Wissen zu sagen hat. Dies zeigt sich dann in meiner kleinen Garten-Felderwelt, wenn bestimmte Tiere sich nahe (sehr nahe, für allgemeine Verhältnisse) zu mir gesellen, halten sich da still für einen längeren Moment und lassen aus sich oder aus ihrer Welt auf mich emanieren, was sie wohl meinen können. Da tun sich besonders hervor die Rehe
(die oft nach kurzen Bissen in ihre Lage sich wieder aufrichten,
schauen zu mir her und lassen es merkbar durch ihr Auge zu mir herströmen), der Hase, der Habicht und die Amsel. Der Habicht setzt sich auch gerne
auf Zaunpfosten bei der Kuh, und die beiden, Kuh und Habicht, halten dann sooo - für ziemlich lange Licht miteinander; da scheint gutes Verständnis miteinander zu sein. Hasen hab ich schon angetroffen, wie sie unmittelbar mit Raben bei Feldecken zusammensaßen und unterhielten sich so insgleichen. Der Hase spielt aber auch gern geometrisch-dynamische Theoreme, hat klare Sachen auf die Sonne, die Sterne zu zeigen und führt mir manchmal genauer vor, was er meint, witzelt schonmal über pow! Gewehrschüsse, oder baldowerte mir einmal in gut sichtbarer, mittelferner Feldlage mit anderen vor, als wenn er da ein Grabenloch anlegte und grübe sich mit einer Schußwaffe ein. Da zeigt er ganz speziellen, dramatischen Sinn, kann einem richtig Ungemütlichkeit projizieren, und diese Szenerie damals spielte durchaus mit bei meiner Leseweise der Ereignisse um Ernst Jünger in der Todeswüste des Ersten Weltkriegs. Die Amseln, wie die kleinen Strauchvögel überhaupt, haben viel mehr Spaß an wirklicher, lebendiger Bewegung - da spricht das Verhalten insgesamt mehr als das Innehalten. Amseln sind sehr feinfühlig, erraten mich aus dem Herzen viel vollkommener, als es äußere Beobachtung zustande-brächte. Als einmal die Kaninchen hatten bei meinem längeren Fortsein den Garten verwüstet, schimpfte ich, gar nicht laut, darüber vor mich hin, und aus dem Busch vielleicht 50m weit weg, wo die Amsel mich wirklich nicht hätte
direkt hören können, stimmte eine mit tief empfundener Empörung leise gluckend zu. Amseln in vorgartenreichen Gegenden wachen gerne auf das Menschenhaus, hüten das, so wie man sein eigenes Nest hütet, und oft,
wenn ich an solchen Plätzen vorbeikomme und eine Amsel sitzt gerade im Vorgarten, da zeigt sie mir in kleinen Verhaltungen, welchen Charakter die Menschen und der Haushalt haben. Da sind sie das lebende Adreßschild
des Seelenwesens an diesem Platz. Und genau dies meint der Term: wissenhaltende Gottheiten (: Wesen) tierischer Gestalt. Daher, weil das
oft so spricht, habe ich mir mehr kursorisch einen weiteren Kalender solcher Wesengeister angelegt, die hier eher Wissenhalter-Charakter machen als im

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vergleichsweise wilden und titanischen Tibet. Da sind natürlich die ohnehin menschennahen Tiere mit dabei: das Pferd, der Hund, die Kuh, die Mücke,
die Fliege, Rabe Hase, Amsel, Rotkehl, Meise usw.usw. usw., das hat nicht leicht ein Ende. Im Totenbuch gibt es auch ein großes Bild, das Toten-
gericht, wo Yama, der Totengott, auf einem Menschenleichnam steht. Dieser wird Nara genannt (eine weite Assoziation mit "Narr", als wie eitel nichtig,
ist möglich). In der Welt der Tiergeister gibt es dann auch ausgeprägte
Formen, die nur Nara-Charakter haben, als da wären der Wurm, die Maus,
die Ratte, das Kanin, die Taube, irgendwie blindwütig hervorlebende Wesens-Halbgeister, die immer Anderen zur Beute fallen werden und keinen autarken Geist haben, nur ephemere, oft despotisch sich erweisende Intelligenz behaupten und auch an anderen Wesen nur das Unfreie und Begrenzte wahrhaben wollen - Wesen ohne wirkliche Seele, die aber auf ihre Weise
sehr tyrannisch zu sein verstehen in einer Art böser Moralistik.
_________

Ewige Wiederkehr: Nietzsche ist doch vor allem Literat (manchmal meine ich, der sei ein Avatar, der eines iranischen, etwas verdorbenen mystischen
Studenten (oder so etwa), etliche Jahrhunderte her, der etwas beweisen
wollte - das würde sich zum Beispiel verdeutlichen im Paradigma des
Willens zur Macht, auch in dem Nara-Schicksal Nietzsches, dem Zerbrechen,
als er gerade das Wesentlichste schon gesagt hat (die Materialsammlung
zur Umwertung aller Werte, dieses wirklich gute Zeug) und nur noch an sich
denkt, aus erstem Erfolg, als die Welt etwas um ihn zu geben scheint; das
ist aber wirklich nur literarische Konjektur meinerseits), daher die "Ewige Wiederkehr" erst einmal sollte bei der Literatur selber ansetzen, der Mechanik von Buch und Schrift. Alles wiederholt sich da, Blatt, Spiegel, 30-40 Zeichen, damit dann Worte als Zeichenfolgen, aber nun hier wird es lebendig, weil diese Wort-Zeichen Bedeutungen implizieren und im Gang der gedanklichen Argumente unablässig in ihren Bedeutungen nuancieren. So aber,
wie Worte in mehrerlei Bedeutungsnuance anklingen (sonst wäre das
Wortemachen ja nur Stereotypie), lernt schon jedes wache Kind, aus dem
Gebrauch der Worte die Idee des damit Bezeichneten herauszuhören
(DA ist die Vernunft in ihrer apriorisierenden, antizipierenden Fakultät!), nimmt das selber an (das Wahrnehmen) und versucht es, wenn möglich ganz bewußt, selber zu verwenden, vergleichbar der Integration von verschiedenerlei Sinneseindrücken, um z.B. dem Bewegungssinn (der ja auch eine integrale Leistung ist, nicht nur eine einzelne Funktion oder eine mechanische Addition solcher Funktionen) Gestalt zu geben. Dabei kommt es wohl zunächst öfter
zu Irrtümern, weil die Bedeutung des ideell Erfaßten begrifflich noch nicht

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genau genug umgrenzt ist, aber jederzeit Präzision annehmen kann:
der reine, kluge Intellekt der Latenzzeit, wo auch das Leben selber sich
mehr entäußert als es sich umgrenzt oder auf Soliditäten verwiesen findet.
Diese allgemeine Offenheit für weitere Bedeutungspräzision schon soweit angenommener Begriffe und Ideen reflektiert bei Nietzsche in dem Satz, der Erkenntnisprozeß sei niemals abgeschlossen - das muß man eher so sehen
wie den Himmel, der bei allen begrenzten und bestimmten Begegnungen
und Akten der Elemente und Wesen mitgegen- und gewärtig bleibt. Auch
das Erkennen mittels Ideen, Konzepten und Begriffen beschränkt sich
(tendenziell) niemals auf das nur bestimmt damit schon Besagbare
und arbeitet z.B. in der geistigen Dimension, wo Gleichnisse und Analoga praktisch (in einem tätigen, wachen Geist) immer erprobt und in einem müßigen, nicht notwendig bewußten Spiel kombiniert werden, an den Möglichkeiten, allein per Gewahrheit und etwas Sinnesfunktion Sagbares
und Meinenswertes aus sich und der Welt zu exaktieren. Das Bewußtsein dafür gleicht elementar dem Sinn für moralische Wahrnehmung, aber Moral selber ist kategorisch, hermetisch und rigide, und eben daher kommt Nietzsches Wetterstrahl gegen die Moral, die Moralischen und die Moralisten. Dies hier nun fiel mir ein, weil an einer Stelle des Textes, wo es gerade
ein paar Seiten weiter ist als das Kapitel "Nietzsche", eine Texttautologie
eigener Art erscheint, indem da dreimal an derselben Stelle der Zeile
ein W steht, zunächst ein kleines, darunter zwei große. Ein genauerer Blick deswegen sieht, daß bei den beiden unteren auch das ganze Wort sich wiederholt: Werden. Und ohne einen weiteren Blick auf das, was das Schriftfeld umher sagt, weiß ich doch, daß dieses Wort sich nur wiederholt, weil es da in zweierlei Nuance, zweierlei semantischem Kontext aufscheint. Und damit der Ansatz zu dem hier grad Bemerkten.

Wo Materialismus ganzen Sinn macht: Jedes eigene Ding oder Wesen,
das Anderem gewahr werden kann, besteht doch aus Materie. Und diese
Materie ist doch immer, elementar, eine andere als die, aus der ein anderes Wesen oder Ding besteht. Und dieser Unterschied nach Materie hie und
Materie da besteht doch absolut, aus dem Urgrund her, wo Materie erst entstanden ist und unterscheidbar wurde, das eine Quantum vom anderen.
Da ist eine Faser bis in die letzte Wurzel der Weltesche hinab, an der
ein guter Nerv ist nachzudenken über das Wesensgleiche und das konkret Verschiedene, und vielleicht ein Ansatz, die pythagoräische Weltlehre
von Form und Materie ein wenig zu verdichten. Alleine schon, wie man
das Mitexistente ansehen kann mit diesem Aspekt! Was vermag denn da
das Eine über das Andere, wenn nicht im Geiste! Und was kann dieser sein!

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...Kampfschwimmer des Unbewußten...
_________

ermittelte Daseinszwecke (Heidegger)...
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Die Ökonomie des Unwillens...
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...die Atome der sinnlichen Wohlfahrt...
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Turbo-Protzentum.
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Seine Schoßhexe...
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Technologisches Lumpenproletariat...
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Eudämonie: Die Menschenwelt ist doch nun schon so alt und hat ihre
wirklichen Großartigkeiten. Da lohnt es, sie in ihren Werken und Errungenschaften daraufhin anzusehen, was da spricht, und wovon
im Weiteren (Weisheit) das sprechen mag, was da spricht.
Notwendigerweise kann ein solcher Blick sich nicht darauf beschränken,
nur die Existenzbedingungen, und Meinungen damit, der lebenden, wesenden Menschen selbst anzusehen, aber die Ereignungsformen des Daseins selber, die Bedingung zu solcher Weltschau sind, dürfen per se auch als gut gelten. Das zu erkennen und zu würdigen unterhält auch die Klugheit, die nicht umsonst als Tugend gilt (indem sie den Klugen in gutes Maß mit den erkennbaren anderen Tugenden bringt, ihn dort erhält). Über solche Belange, meine ich, äußern sich vor allem Nietzsche und Heidegger, auf zweierlei sehr verschiedene Weise. Strukturalisten wie Merleau-Ponty spielen die Klugheit eher praktisch aus, lassen die eudämonistische Perspektive dabei unerklärt. Das versteht sich da gewissermaßen von selber. Gerade Paris mit seinem Reichtum und seinem manchmal himmlischen Klima läßt dem Geist da
viele Freiheit und Möglichkeit, großzügig über eine (gut gespürte) Welt
zu empfinden, die Dinge, wie sie sind, gut sein zu lassen und aus einer ätherhaft feinen Aura mancher Zeiten nach dem zu schauen, was da eigentlich

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der Menschheit den Geist macht, denn offenbar ist es da mit den irdischen Vordergründen der Menschenwelt alleine wirklich nicht getan. Dem hilft zu erkennen auch ein Witz auf, den anderswo zu finden nicht leicht gelingen will, indem z.B. an manchen Plätzen Bauten stehen, bei denen das Erkennen
vor Verdutzheit implodiert, oder immer wieder Gags plaziert werden
(auch in der Reklame), die von einer weither gekommenen Gedankenarbeit sprechen, ohne selbst den Intellekt unmittelbar zu sehr zu beanspruchen.
Das gibt den Menschen Ahnung, wie sie allgemein im Stadtbild immer sinnfällig unterhalten wird, und damit eine Art geistiger Permeationsfläche, wohindurch eben der Blick sich öffnet für solch eudämonistische Ausschau. Da spricht Laune, die tief wach hält, und die Zeitlichkeit verliert ihre bezwingende Vordergründigkeit.
Der Boden der Stadt gehört (gewissermaßen) den Eidechsen, der Himmel
den weitschauenden Vögeln (das zeigt sich vor allem an bestimmten
Bautenformen) - damit die Fixheit im Tagesleben und die überzeitlich-zeitlose All-Klarheit im Geist. Diese beiden Elemente vor allem unterhalten und
energetisieren die Sinnlichkeit dort, der sonst das Tagbild der Stadt
eher widrig ist. Paris hat Atem, richtigen Äther.

Auf einer der Vorort-Bahnstrecken, die ich gewöhnlich mindestens einmal
pro Tag entlangfuhr, sieht man jede Menge noch wie dörfliche, und
mittelalte moderne Besiedlung, dazu Gewerbeplätze, wie sie gleich neben
die Eisenbahn passen. Linkerhand irgendwo in dieser Gegend mit Namen
Alfortville eine modern eckige Schule, zwei oder drei Stockwerke hohe Pavillonbauten. Während einer dieser Fahrten meinte ich, im Seitenblick dorthin, gesehen zu haben, daß ein Objekt, so hoch wie das Gebäude,
in Form eines riesigen Füllfederhalters, da aus dem Schulhof
bis an die Dachrinne lehnte.
Ich kam bald genug wieder dort vorbei und schaute extra, aber nichts
dergleichen war mehr zu sehen. Zu sonderbar. Ich hätte können schwören,
das Ding dort genau gesehen zu haben. So ist das mit der zeichengebenden Eidechsenfixheit (in der Gegend der Bahnanlagen zur Wiederherrichtung
der Züge, nicht viel weiter draußen, sind jede Menge davon, aber natürlich nicht mehr in der großen Stadt selber - die Eidechsen kommentierten das
so, daß einst eine zu finden war, die war tot und stand dabei auf ihren Beinen, fest auf den Kabelkanaldeckel geheftet, mit Blickrichtung (des Kopfes)
gegen die Stadt hin; die Kabelkanäle dort, zwischen einem Aschenpfad und
dem Bahngeleise, sind der Aufenthalt der Eidechsen - daneben lungern die
gerne herum, sonnen sich darauf und verschwinden fix darin, wenn Lebendes sonst in die Nähe kommt). (Eidechsen sind eine Gesellschaft für sich:

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in einemTierladen in N** sind meist welche ins Schaufenster gestellt, und
mit denen sind kluge Unterhaltungen durch die Augen (mit Gesten) jederzeit möglich. Die zeigen oft, bei Sonnenschein, auf alte Sandziegelgiebel gegen-
über, mit dem Bedeuten, da seien (zu Biedermeierzeiten circa) Ihresgleichen gern dran herumgeklettert - das kann ich glauben. In Griechenland, das doch ein quintesentielles Echsen- und Reptilienland sein müßte, habe ich wirklich gut Ausschau gehalten, aber in all den Zeiten, wo ich dort weilen konnte,
hat sich nicht eine einzige gezeigt. Das schien mir doch sehr Bedenkliches über Griechenland zu sagen. Das kann gar nicht wahr sein. Eidechsen zeigen sich wirklich gerne und sind auf ihre Weise sehr mitteilsame Leute. Wenn da, in gut heißer Gegend, gar nichts sein will, dann ist was kaputt. Ich weiß allerdings bis jetzt nicht, was, denn das Griechenland der Menschen scheint sonst ganz in Ordnung zu sein. Manche Eidechsen sind nicht einmal scheu.
Im Burgpalast von Mailand, der ganz aus Ziegeln erbaut ist und sehr große, lauschig kühle Höfe hat, hielt sich einst eine an der Wand, lief auch nicht weg, als ich mich näherte; also sprach ich zu ihr, zeigte ihr einen Finger
und machte deutlich, daß ich, piano piano, damit an ihre Nasenspitze tippen wollte. Das war ihr durchaus recht, und sie hielt still, schaute heiter, daß ich ihr tatsächlich ganz eben die Nase berühren konnte. Das ist ja der Grußort
der meisten Tiere, die Nase, wo der Atem ist und man sich auf die Welt wendet.) Was Witz in Paris angeht: mein Vater, der als Ingenieur öfter
in Frankreich zu tun hatte, besuchte dabei auch gelegentlich Paris, eher wie ein Tourist. Machte natürlich Fotos von diesem Aufenthalt, und einmal kam ich dazu, diese, zwischen vielen anderen, die er hortete, zu sichten. Dabei fiel eines total aus aller Gewöhnlichkeit. Da hatte er ein Individuum abgelichtet, einen schmalen Menschen, vielleicht 30-35 Jahre alt, der über die Straße dahergekommen war in einem schwarzen Anzug, ein etwas prätentiöses schwarzes Cape um die Schultern gehängt, mit leuchtend rotem Futter. In der Rechten hielt er eine schwarze Mappe und trug in der Linken eine mindestens 40 cm lange, breite Feder. Ah, verstand ich, ein Literat! Aber was das soll,
eine so spezielle Ausführung des Typs! Filme (8 mm) hatte mein Vater auch fabriziert, als er mit einem befreundeten Architekten in Paris gewesen ist. Ein Projektor war zur Hand, und ich schaute mir das an, in einer kleinformatigen Projektion auf die nahe Wand. Es war nicht viel Besonderes los. Die breiteste Szenerie gab eine Fahrt mit dem Auto durch die Stadt. Mein Vater lenkte und fuhr, sein Compagnon filmte. Als die Tour eine weite Kurve über die Place
de la Concorde nahm, hakte der Film und begann, durchzubrennen. Also schaltete ich hastig ab, aber dabei drehte sich der Schaltknopf ab, wodurch der Projektor praktisch unbrauchbar wurde. Ich ließ den Film so darin,
wie er festgeklemmt war, und stellte den ganzen Apparat weg. Auch solche

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sekundären und tertiären Ereignisformen um den Focus Paris muß man, meine ich, noch mit in den Witz der Stadt rechnen. Derlei beweist sich auch
in anderer, noch viel gewaltigerer Hinsicht, weil doch diese immens moderne und technisch, zivilisatorisch usw. anspruchsvolle Stadt weitverzweigte
und gut gepflegte Nerven hat mit einer ganzen, wirklichen Welt. Usw.usw.
_________

"Kadervorbehalt..."
_________

Ein bißchen Langeweile. Ich wüßte mir noch ein, zwei allgemeinere Themen,
die hier gut Raum machen würden, finde aber, es ist die Zeit nicht dazu,
das jetzt anzugehen. Ist grad nicht die rechte Tiefe im Plafond. Was kann ich sonst tun (nach dem Abendessen)! Die interessanten Gegenden des Planeten-himmels für dieses Jahr (sehr! interessant) habe ich schon herausgezeichnet, und die für's nächste wären eine Idee, sicher. In dem Wust von Papieren fällt mir ein Sortiment Kopien aus dem Wörterbuch philosophischer Begriffe entgegen (zufällig interessant die sonst eher kursorische Erläuterung aus
dem Chinesischen, Shen und Gui, Geist und Dämon). Auf einer Umseite
aber eine längere Notiz aus der letzteren Zeit der Bibliotheksbesuche in D.
Da hatte ich mir Zahnarztadressen auch herauskopiert und die Stadtkarte
aus dem Telefonbuch. Zeit für einen Besuch beim Zahnarzt ist es bei mir nämlich eigentlich immer, und ich komme verreckt nicht dazu, ganz abgesehen von den Unmöglichkeiten, sich mit Eintags-Behandlungsscheinen aus dem Sozialamt gut versorgt zu finden oder der immer geltenden Wahrscheinlichkeit, an irgendwelche nonchalanten Wurstfingerdreher
zu geraten, die mein Gebiß schlimmer weggeben, als sie's zu bearbeiten
gefunden haben werden. Eine allgemeine Schau über das in der Karte
abgebildete Siedlungsland der Gegend, dazu die vielen, vielen Namen im
Telefonbuch - ach, meine Seele will verzagen angesichts der Allgemeinheit
gewöhnlichsten Menschengeschicks (lauter Existenzadressen), die sich darin abbildet, und das Siedlungsland im Rheintalboden, schon auf Sand in der Tiefe auseinanderlaufend wie Steine in einem Sandhaufen nicht zueinander-halten, zeigt mir: da will kein Anfang sein und kein Ende, mit solchem Dasein - nicht einmal die Marksteine des Sittlichen, Geburt und Tod, haben dezisiven Wert. Keine Grenze, keine Mitte, the sands of time singing, Sirenentöne wie
in den fluchtigen Weiten des Weltalls. Bei mir auf der süßen Lößcrotte gleich über der Uferkante des Urstromtales ist alles von so selbstverständlicher, Leben atmender Notwendigkeit, Alles spricht einander zu und hält zueinander, gibt einander das Leben hinzu, und dort sieht Alles so vergebens aus,

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nur von Tagesgesten wie notdürftig zusammengeklammert, also - aber der Sirenengesang aus dem Talboden (beim Nachschauen in Berichten über
die famosen Rheinlaufänderungen seit dem 15. Jahrhundert, die das halbe
Land dort von der bergischen auf die Neusser Seite brachten, fand sich die geologische Karte, wo die langen, einander überziehenden Sandfahnen
aus den Eiszeiten schön abgebildet waren) - da kam unmittelbar etwas wieder,
und das liest sich in der Notiz (unverändert, wo ich das Sagbare darin vielleicht noch genauer fassen würde) so:
Die Erde ist der Somagrund des Lebens.
Die Erde träumt das Leben.
Das Leben träumt die Frau.
Die Frau träumt den Eierstock.
Der Eierstock träumt das Ei.
Das Ei träumt das Wesen, das es sein wird,
und schon die Erde, Traum des Alls,
hat es gewußt: so trägt Dich die Welt hervor.
Vergehest Du aber, so wieget sie Dich
ebenso wieder davon.
Wer zu vergehen weiß,
des Wesen findet auch manchmal
aus dem Weltgrund wieder in Lebensgestalt.
Die Erde, das All, WILL werden, was das Wesen dann ist -
daher ist ihr Traum ungebrochen bis in die seinen Träume...

Was "Sein" heißen soll, also, setzt bei Descartes (und, hier nun bemerkt,
bei Leibniz) an, aber so: Wesen und Dinge existieren erst einmal nicht
notwendig, um sich als solche in Anderen sinnlich abzubilden (ein winzigster Käfer, der hier über's Blatt kroch). So, wie das Selbst Descartes', das sich
bis zu letzter Selbstbewußtheit reduziert, selbst von seiner Körperphysik
abstrahieren muß, so ist jedes Seiende in der Welt dies selbst ohne Betracht
auf seine Objektivierbarkeit. Das, soweit es sinnliche, bewußte Erkenntnis
angeht. Physisch natürlich ist es nicht so abscond, da es dort obskur
wahrnehmbar bleibt und ohnehin sich negativ dialektisch auf das Ganze
der übrigen Welt bezieht. Was das Einzelwesen ist, kann die Welt nicht sein, und was die Welt, das Einzelwesen nicht. Das versteht jedes Tier. Von diesem Verhalt her auch ein Schlaglicht auf das gestörte Verhältnis des Barbaren,
des Artwesens mit einfachstem Weltgeist, zur Differenzwahrnehmung
in Artgenossen, aber auch dem Tier - mit dem neigt er, sich zu vermischen
und zu vergleichen. (Der nimmt das Tier also nicht nach dessen Art wahr, öffnet seine Psyche zur Eigenpsyche des Tiers, sondern argumentiert geistlos

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inclusiv: wir beide zusammen sind... - damit ein Verweis auf die Gründe, weshalb die Menschheit dazu tendiert, unnötig viel zu viel zu werden,
auf Kosten aller Natur, selbst ihrer eigenen.) Die Transzendenz (Pseudo-
transzendenz) des Alle-wie-eins-Sehrvieleseins, ohne Rücksicht auf gutes Weltspiel, ist ein atavistischer Törn angesichts der Endlichkeit und Begrenztheit des eigenen Daseins, der Unfähigkeit, die Welt über die
Grenzen des eigenen Vergehens hinaus zu erkennen und zu bewirken.
Und dabei haben die Ägypter so viel getan, dem Geist da aufzuhelfen. Fraglich, ob der krude, ametaphysische Materialismus (Ratte, Maus)
damit einfach nur eine Folge der Sinnenverarmung im Lebenskommunismus ist, oder ob das allgemeinere, konzeptionelle Gründe aus solcher Wahrnehmung hat. Das Problem ist jedenfalls so alt wie Barbarenart
in der Welt.
"Psyche" als das an der Welt, was sich im Menschen (Lebewesen) abbildet.
Damit ein Ansatz (: Pneuma), mit dem Konzept der endlichen Abbildung
einer endlichen Welt in der endlichen Dimension eines Psychewesens im Empfinden und Erkennen über die endliche Dimension von Sein & Abbild
hinauszukommen. Dies liegt nahe und ist in der Natur der Psyche angelegt,
alswo diese eine transzendente (bei Kant: transzendentale / für hier bemerkt) Dimension in sich hat, bei der Beschaffenheit der Welt (Dimensions-
unterschied des Unmittelbaren zum Ferneren, nicht direkt sinnlich Wahr-
nehmbaren) über den unmittelbar realisierbaren Raum, auch den Zeitraum, hinauszukennen weiß. Die sonderbare Zeichenkultur der Menschen, wo Zeichen, Bilder, Schriften auf der einen Seite solch transzendierende Wirkung leicht tun mittels geeigneter Effekte in anregbaren Selbsten, zugleich aber
eine Kultur der De-Transzendentalisation gehegt wird, wo weitschauende, lebende Erkenntnis sich wie tot niederschlägt in finalen, jede Geistes-
bewegung beendenden Abzeichnungen der Welt, oder der Verhalte in ihr.
Der Intellekt der Hefe. Oder: Semiologie, was heißt da Sein und Nichtsein...
(Das wird in dem Übrigen hier am besten verdeutlicht in der kleinen Studie
über den Unterschied von Nominalisten und Universalisten.)

Anderer Weltalter schönstes Wetter mitgenießen können: welch ein Himmel!
Was liegt an dem, was nur ich selbst erlebt haben werde, gar noch mitsamt
allem lauten Kommentar der Zeitgenossen!

...

Soweit die kleine Originalnotiz. Beim Abschreiben zu Beginn wurde mir
doch ein wenig übel im Leib. Vielleicht, weil das Abendessen noch nicht

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ganz assimiliert sein will, oder weil mir der Sand da aus dem Kartenbild
so silikaten mit durchschaut, oder auch, weil das oben auf dem Ackerlöß
geschrieben ist (vermutlich), der für die Empfindung, welche einem
längerer Aufenthalt hier auf dem physikalisch ganz anderen Gegengebirge
macht, wirklich etwas sehr stark ist. Ich selber dort drüben blühe und
energetisiere mich mit diesem sehr dichten Boden bis in das letzte Atom meines Leibes - da ist kein Unterschied im Empfinden zwischen mir und der Erde, durchklärt von einem Atem, der unmittelbar aus dem weitesten (Nacht-) Himmel in mich eingeht. Aber zudem ist das Geoklima gerade hier auf dieser Sandschieferklippe ein wenig unbekömmlich, wirkt sich zu bestimmten
Tageszeiten stark entstellend aufs Psychosoma aus. Das ist im Menschenbild
ganz deutlich abgebildet, und auch die Stadt drunten, so, wie sie sich im
Nachrichtenbild der hiesigen Zeitung, auch in deren Textkonzept selber,
abformt, spricht von nichts Anderem. Mit anderen Worten: ich würde hier,
aus dem Lebensgefühl vom reichen Löß her, niemals ungenötigt längeren
Aufenthalt nehmen, allenfalls, wie oft woanders auch, nur für kurze Weile,
auf Fahrten, dort ein, zwei Nächte, höchstens, flachmachen (in der Landschaft
ohnehin, nicht in Bauten oder gar im offenen Streubild der Stadt). Solche
Gegenden (vergleichbar) gibt es nämlich viele in Deutschland, und von daher (Fahrten) habe ich so meine Gewahrheiten und sinnreichen Gewohnheiten. Von diesen unmittelbar so notierten Gedanken dort zu lesen also macht
mir diese Empfindungsdifferenz zwischen Dort und Hier unmittelbar wieder
bewußt, aus dem Leib her, wo die Selbstverständlichkeit und Totalität
solchen Empfindens zuhause ist, sozusagen. Der Beginn der Notiz ist, auch
in der Wortwahl, von etwas romantischer Anmutung (im Sinne jener Kulturzeit
zu Beginn des 19. Jahrhunderts), und was da sonst geschrieben ist, liegt
praktisch im Perspektivpunkt vieler Dinge, die hier im Weiteren des Heftes
ein wenig ausgefahren wurden. Die Notiz markiert gewissermaßen das,
was hier öfters als das Standnehmen bei Heraklit berufen ist, ein Sichfassen,
um von daher sodann, bei geeigneter Anregung (die kleine Philosophie-
geschichte) und genügender Muße und Laune, aus diesem Begriff her
loszulegen. Im Übrigen soll die Abschrift nur zeigen, wie sich sonst
die Weltwahrnehmung bei mir literarisch umsetzt, mit etwas anderem, selbstverständlicherem (damit aber auch unanbringbarerem) Timbre als
in den hier improviso ausgespielten Wendungen, bei denen immer, so oder so, der Hinblick mitspielt darauf, daß ich dies nicht einfach für mich schreibe
wie jene Notiz, sondern ein wenig Dichte kondensiere in einer ganz klar vorgegebenen zuständlichen (räumlichen, sozietären usw.) Gegend.
Die Notiz hat alles das in einer Hand, was hier dann in so vielen beiläufigen
Gewahrungen noch einmal herausgearbeitet ist. Dazu ist das das Siegel,

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sozusagen. Die Semiologie erscheint mit darin, weil die kopierten Umseiten aus dem Philosophie-Kompendium unter Anderem darüber handeln.
Solches Zeug zu lesen, zu sehen nur, macht mir Übelkeit, diesmal im Geist, und wiederum das Stückchen über Nominalismus / Universalismus
darf erläutern, wieso. Gerade eben brachten Zeitungen ein Foto des
als Semiologe geradezu berüchtigten Umberto Eco, anläßlich seines 70. Geburtstages. In seinem sicher beachtlichen Selbstbewußtsein schaut er
aber so unangenehm scharf aus den Augen - das muß den doch selber schmerzen, unmittelbar und mit dem, was sich ihm so ersieht. Was der schreibt, kann ich so wenig lesen wie die großartigen Feuchtheiten des
Garcia Marquez, aber aus anderen Gründen. Für meine Wahrnehmung ist das wichtiger Kindergarten, was der da verkauft. Der zeigt den Leuten ihre Nasen in SEINEM Buch umher, und, o.k., mir bekommen die Genialitäten der alten Griechen besser, wo ich wenig lesen muß, um zu verstehen, positiv,
wovon das Ganze spricht, und im Aufblicken davon finde ich unmittelbar
noch zudem zu wissen und zu erkennen, alleine aus dem inneren Blick,
den so wenig wirkliche Wahrheit mir macht. Was soll ich mir
mit solchem Zeug wehtun, das genau so NICHT ist. Ecco. Becco.
_________

Wie das ist, wo alles Lebende zusammenhält: die (mit Kant z.B.) zweck-
bewußten Halbgeister denken immer so flott an der lebenden Wirklichkeit vorbei - also! Die Kuh hat einen Zweck, die gibt Milch und wird zu Schnitzel;
der Wurm hat einen Zweck, denn er lockt den Fisch auf die Angel und nährt
die Amsel; der Mensch hat einen Zweck, denn er darf sich in die Liebe Gottes finden; das Atom hat einen Zweck, damit die Welt, aus so vielen Atomen,
auch einen hat - das ist alles so vernünftig und schaut nicht einen Moment
lang hin, womit es das wirklich zu tun hat. Hat doch keinen Zweck -
Kant, der wäre bei Heraklit nicht einmal im Kasperltheater möglich. Aber
in Preußen erklärt er eine ganze Welt, die ihre Zwecke kennt und dann den Geist für beliebige Indulgenzen übrigbehält. Schließlich: wo Alle gleich vordergründig sind im Faktischen und in der Moral, gehen dann nachhause
in ihr An-Sich, da bleibt ihnen viel zu raten, was in allen anderen An-Sich
so gleichermaßen jenseits der Zwecke wohl tatsächlich lossein mag -
ach Du lieber Gott, das ist doch interessant! Eine so richtig hekatische Zinnspuckerwelt wie das! Alsoo - in der wirklichen Welt der Wachsamen
und Gewahren ist das schon auch ein bißchen so, aber es ist nicht auf die sehr begrenzte Gegend menschlicher Zweckgesten reduziert und was
in dem Geheck sonst noch an Grillen blühen mag. Wenn ich, in meiner kleinen Gartenwelt, den Tag mit Fliegentotschlagen verbracht habe und bringe den

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Abend mit Lesen und Schreiben bei Kerzenlicht herum, dann findet ein Seitenblick zum Lichte dort Ameisen, die einen Fliegenkadaver sorgsam fortschleppen, einen Käfer, der blindlings um die Kerze läuft, vielleicht
eine Motte, die mich frech-fröhlich anschaut, gibt mir ein Augenlicht wieder und startet schließlich los, in ein paar Kurven nach der Kerzenflamme
zu schlagen, gondelt aber dann davon und ist mir das, was ich will für Lebensgenossenschaft gemeint haben: nicht fatal verrückt. Eine andere,
die dann herbeikommt, weiß das viel besser und stürzt sich, nach flatternden Beschwörungen, in der Flamme zu Tode. Aber selbst dieser Motte sage ich, wie der anderen, die hören kann: mach kein' Scheiß, flieg Dich nicht zu Tode. Selbst wenn ich doch vorher weiß, daß sie keine Vernunft hat, die sie retten könnte oder mir gar zeigen: ich weiß das schon, frag' mich nur drum,
ist sie für mich als ein lebendes Weltelement vorhanden und jeden
Atem wert, so lange sie nicht ihre Dummheit getan hat. Die Ameise läßt nicht verkommen, was ihr Volk gebrauchen kann, aber selbst da, wo der Zweckgeist am ehesten sein Muster zu sehen meint, sehe ich eher einen Sinn wirken (also: Sinnengeist) als einen Zweckgedanken. Ameisen denken nicht -
das habe ich schon oft erprobt, und nie irgendwas dergleichen gefunden.
Aber Ameisen wissen sehr sinnhaft manche Gesten zu erwidern, und das ist manchmal wirklich reizend. Auch die totgeschlagenen Fliegen sind zunächst einmal frech sinnige Gesellschaft gewesen, und erst, wenn's zu bunt wird, MUSS ich mit denen aufräumen. Da setzt es ein langes, gymnastisch forderndes Spiel, wo sie mich ärgern, verstecken sich teilweise, lassen Andere eher vor die Fliegenklatsche laufen usw. und die klügsten, die alle Anderen haben vorher draufgehen lassen, WOLLEN schließlich erledigt sein -
das ist so sonderbar mitanzusehen. (Was "spanische Fliege" meinen will, sieht bei diesem Fliegenklapp-Theater dann auf einmal ganz anders aus: manche Typen von Spanierinnen ärgern ihre Männer geradeso, und wie das ausgeht, gleicht der willigen Resignation der letzten, klugen Fliegen, wo in dem Menschenspiel nach solchen Mustern, ohne kontrazeptive Klugheiten usw.usw. Tja. Die Fliege war schuld. Aber es geht da nicht um Zwecke. Finalität markiert in sich noch keine Zweckidee, einen Zweckverhalt - mitnichten.) Demgemäß ist also auch alles übrige Getier mir jeden guten Blick wert. Ich sage nicht: ach Du kleiner Käfer, was soll ich mit Dir reden,
Dich holt gleich doch die Amsel, und ich schaue auch die Amsel nicht
dafür an, daß sie mir Käfer aus der Welt pickt, sondern für das, was sie ohnehin, auch damit, ist. Jedes Tierchen macht seine Spur, und da ist es ganz und gar erkennendes Leben - was soll ich mir den köstlichen Blick darauf
und damit verderben, daß ich unzeitig ihm seine Begrenzungen hinzusehe - die Lebenswelt ist nicht moralisch, und ich hätte nichts davon, es zu sein

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im Unterschied dazu oder mit Meinung dagegen. Zweckedenken aber
ist minimalmoralisch, da ist die Moral zugegen, aber wie tot. Ach.
Also lebe ich mit allem, was leben kann und möchte, im reinen Licht bester Genossenschaft, und da der Tod, auch der größerer Tiere, mithinzugehört
und die Ameise nicht immer alles erledigen kann, liegt auch manchmal Aas
im Landboden, oder vielmehr erstmal: zu Tode Gekommenes. Aas gehört
zur Lebenswelt des Landbodens dazu wie Pfeffer, der die Sinne der Lebenden schärft, ihnen die wirkliche Welt näher an die Sinne bringt, so, wie sie
zum ganzen, wirklichen Daseinsleben dazugehören und gebraucht werden.
Da zeigen manche Tiere sonderbare Moralität. Manche Tierarten opfern z.B. von ihrer Gesellschaft, bringen sogar Artgenossen mit hervor (die Fasanen), die als eine Art Dummies von vornherein zur Beute für die Jäger und Verfolger bestimmt sind. Ganz deutlich spielt sich da vor, wie alle miteinander wirklich ehrliche und geniale Artgenossen sind, aber wenn der jagende Tod naht, dann scheidet sich das Bild nach sehr Klugen, die richtig listig sind und der Jagd geradeweg Paroli bieten, und anderen, die gar nichts derlei bemerken und fallen unmittelbar zur Beute. Füchse hausten da einst umher, die mich sofort - zunächst einer - gleich im ersten Moment begrüßten, als ich dorthinzog.
Dann waren's zwei, ein Rüde und eine Fähe wohl. Dann tauchte ein kleiner Fuchs auf, der hatte eine lahme Pfote und kroch offenbar in einer dichten Schonung unter, die sonst die Rehe und die Fasanen bewohnten. Der Kleine blieb da wohl, bis daß er wieder einigermaßen beieinander war, lebte vielleicht von Schnecken und Mäusen, und die Rehe hatten gar nichts gegen den.
Als er wieder gesund war und schon größer, machte mir das Sorgen:
ein Fuchs, das ist normal. Zwei Füchse, das mag angehen. Aber drei,
ist das nicht eine Gefahr für die übrige kleine Welt da? Irgendsowas haben
die Füchse wohl auch gemeint, oder, wie die Amsel, meine Gedanken erraten.
Es dauerte jedenfalls keine zwei Wochen, danach, da fand ich den kleinen
Fuchs tot an der Straße, war er in ein Auto gelaufen, usw. Der Habicht zeigt gern, wie man solch eine kleine Welt mit Geist regiert. Hält sich einen ganzen Schwarm von Tauben, die er regelrecht hütet, fliegt denen im Allgemeinen
nur ein wenig Himmel mit, wenn die sich tummeln, richtet da die Gesten; irgendwann spielt ihm solch legere Regierung diese oder jene Taube zu, und dann ist sie fällig. Aber die Tauben bestehen sozusagen auf ihrer Autonomie, und so finden sich öfter welche, die sich zum Sterben in Strauch und Brennesseln gelegt haben, wo er sie nicht unbedingt zeitig genug findet.
Aas sind die Tauben auch, nicht nur Blutbeute etc. Ähnliches mit Kaninchen, Mäusen usw. Kaninchen treiben's, bis daß wieder die Mixomatose etliche erledigt, und damit sehen sie kein bißchen besser aus als in den süffisanten Schlechtheiten, die sie sonst merken lassen. Der Habicht hält manchmal

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ordentliches Gericht: dann legt er mir deutlich eine gute Beute vor (Kanin), läßt sie etliche Tage daliegen, und schließlich, wenn ich die Geste so verstanden habe, nimmt er sich seine Sache vor. Oder er hält ein Blutgericht, nimmt eine Taube so scharf auseinander, daß der Kadaver nur so kleckert
vor Blut, und das so abgelegt an einem Platz, den ich selber zuvor ein wenig angerichtet habe, Gras dorthin gepflanzt usw. Der Habicht unterhält eine geradezu divine Liebe zu mir, oder zu dem, als was ich erscheine, und zeigt mir dies in manchmal unerhörten, genialen Gesten. Strafgerichte macht er auch, kurz und fertig. Mit Mäusen muß ich oft aufräumen und baue manchmal Fallen, Todesfallen oder Fangfallen, da mich die Totmacherei, so sehr
die Aasviecher extra darum fragen, geniert. Wenn ich eine Maus fange,
kann ich sie deportieren, vielleicht in eines der ferneren Dörfer, und da gilt
ein ökonomisches Gesetz: wo schon Mäuse sind, ist die Tafel verteilt. Bringt jemand also eine fremde Maus hinzu, wird eine zuviel sein - nicht unbedingt diese, und die zusätzliche Exposition von Mausfell wird einen Verfolger im Auge (Greif) oder in der Nase (Katze) jucken, was niemals ohne Jagderfolg erledigt sein wird. Eine wird bestimmt übrig sein. Die Katzen haben mir
dieses Gesetz ausdrücklich bestätigt, denn wo einer Katze etwas so
zukommt, da hat sie ein wissendes Aufblicken gut, und die, welcher solch
ein Maushandel zugutegekommen war, hob darüber das Gesicht, MICH dafür anzusehen. So geht sie, die Bilderbuchsprache der Tiere. Auch die Mäuse produzieren scharenweise Dummies, denn sie sind das Fritten-Kleingeld des Jagdbodens. Vielleicht hängt damit die unappetitliche Gewohnheit der Mäuse zusammen, Nachgekommene schon wieder in Tracht zu bringen, bevor sie noch haben ihre Augen öffnen können im Nest. Wo also Fallen sind (komischerweise braucht es die gar nicht: eine Zeitlang mußte ich nur einen Eimer voll Wassers in die Bude stellen, und so sicher, wie's Tag wird, war
am Morgen da eine hinauf- und hineingesprungen und ertrunken), da laufen fast alle Mäuse im Bau dorthinein, aber immer taucht irgendwann eine Polytechnikermaus auf, macht sehr kluge, bedenkerische Gesten und sagt, sinngemäß: wie war das nochmal? Dann läuft noch eine andere hinein,
und drob kommt die Technische wieder, zeigt: ah, ja klar! Und nie werde ich diese Maus mit einer Falle oder einer anderen bekommen, die sie studiert hat. Dann muß ich, leider, Gift anwenden, und obgleich die Mäuse längst die Giftweizenkörner aussortieren, wenn ich derlei dabeitue, erwischt es sie
damit doch immer. (Auch sind die Technischen durchaus nicht immun dagegen, sich im Wassereimer selbst umzubringen.) Aus diesem Spiel also haben die Mäuse einmal IHRE Sache gemacht, ließen eine der Ihren in eine Fangfalle laufen, wo ich sie arretierte (um sie zu deportieren), aber da war etwas zu gut: am nächsten Morgen lag sie darin mit fünf oder sechs Jungen

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am Leib. Zu komisch. Solch ein Mäuse-Wochenbett riecht sehr stark,
stank mir geradezu in der Luft des kleinen Zeltraumes, also machte ich ein polytechnisches Muster davon, trug das (nun mit Stoff etc. ausgestopfte) Mäusenest hinüber dahin, wo ich meinen konnte, daß da ein Fuchsloch sei, und ließ es da. Brachte der Maus Pranzi jeden Tag, und die machte einen Punkt davon, sich jedesmal - Auge! - erkenntlich zu zeigen, wenn ich für sie gesorgt hatte. Leider kamen schon bald zweie von der Brut um. Daher trug ich den Käfig zurück in den Garten, verbrannte die kleinen Kadaver und stellte
die Falle - des Geruchs wegen schon - nicht ins Zelt, sondern draußen auf den Wegansatz. Ich konnte die Maus ja nicht deportieren, weil sie woanders
kein Nest haben würde etc., und sie zu ihrem Volk da wieder ins Zelt zu tun, kam nicht an - die Mäuse SIND eine Pest, da kommt derlei nicht infrage.
Am übernächsten Tag, als ich nachschaute, war sonderbarerweise der Käfig verschleppt; ein Stoffetzen hing lang heraus, und eine der kleinen Mäuse fehlte. Wie das? Eine Katze? Ein Vogel? Auch tags später war an dem
Käfig geplündert worden, und nur ein Mausbaby war übrig. Aber wieder
nächstentags fand ich auf dem Gartenabsatz unter dem Zelt den aufgerissenen Kadaver einer feisten Ratte; die hatte das Mausnest geplündert, die Kleinen aufgefressen, war aber auf dem selben Flügel vom Habicht
(ein Weibchen, muß ich vermuten, weil das ein sehr großes Tier ist) ergriffen und regelrecht hingerichtet worden. Zur Bestätigung fand der Vogel sich nächstentags, als ich etwas weiterab vom Zelt auf dem Gartenabsatz saß,
aß oder tat sonstwas, wieder ein, setzte sich direkt neben dem Zelt auf einen Weißdornast und sah mich lange still an. Dieser Sitz beim Zelt ist offenbar einer seiner Lieblingsplätze, wo er bestimmt öfter nach seinen und meinen Dingen schaut, wenn ich fortbin. Auch sonst fliegt er mir gerne leise, geniale Großartigkeiten vor in dem Raum vor-unter diesem Außenplatz in einer Böschung, wo ich Holunder und Brombeeren weggerautet habe, eben damit dort die Vögel - was die auch gerne tun, mit Verve - einen Extraflug haben.
Das langt auch für den Habicht, zeigt er mir, indem er immer wieder mal
durch den Raum unter-vor meinem Platz hindurchfladert. Weil nämlich:
wo ich die Lieben erfreue und meine das so, da erfreuen die auch gern mich - und meinen das so. Mit solchen Sachen hab ich kein Problem, zu verste-
hen, was Eudämonie heißt. Und das Jagdgeschäft - das geht ohnehin im-
mer weiter, im Großen wie im Kleinen. Ach ja, und das Aas, die Verunglückten, Terminierten oft aus erkennbarer eigener Absicht: die Tiere mögen das durchaus, wenn man sich ein wenig noch um gewesene Lebensgenossen
zu tun macht, sie also von der Straße oder wo sonst sie zuletzt liegen-
geblieben sind, ein wenig beiseiteträgt und zum Vergehen etwas plazenter bettet. Besonders gezeigt haben mir das die Amseln, die ja ohnehin gerne

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die Sitten der Menschen beobachten und wie: hüten, daher wohl die Dinge
um Menschentod vielleicht kennen. Als einmal eine vor ein Auto geflogen
war und lag tot auf einer Wohnstraße, da trug ich sie beiseite und
legte sie unter einen Wacholder (oder dergleichen) in einem Vorgarten.
In der folgenden Zeit fanden sich dann Amseln, die mich unter ähnlichen
Sträuchern hervor extra und deutlich grüßten, dabei eine Impression
wie Klarheit, auch Heiterkeit projizierten. Ah, das darf wohl so stimmen,
und was bei Amseln so ausdrücklich stimmt, das gilt wohl so auch bei anderen Tieren, und daher mache ich mir gern, wenn was zu spät gewesen ist, die kleine Mühe, frisch tote Tiere aus dem Weg des eiligsten Mißachtens zu tragen. Nach der Idee meiner sonstigen Lebenswelt sind das meine Leute,
die mir auch in ihrem Tod soweit etwas noch sind. Das ist nur eine von den vielen kleinen, beiläufigen Ordentlichkeiten, die ich bei aller sonstigen Muße unterhalten kann, und der große Geist der Lebenswelt vergißt einem
so etwas nicht.

...in den Papierchen noch weitere kleine Notizen, etwa diese: Allgemein:
an einem beliebigen Ort findet der Betrachter eine Weltszene, die sich
in mehrere Zonen teilt: das Selbst, das selbst Bewirkbare, den Horizont-
prospekt, das emanativ Gewärtige jenseits dessen, dann diverse Zonen,
die fortschreitend immer deutlicher, aber remoter den Endgültigkeits-
charakter der Welt verdeutlichen: Fremde, Feindseligkeit, Not und Nötigung.
Was damit der Satz meint: bleibe im Lande und nähre Dich redlich!
_________

Und dies:
Seele, Pneuma:



Erscheinung der ) >>
seienden Welt, dazu: ) >>>>>> (lebendes Selbst)
Pneuma, Ideen ) >> ________
_____
__
.

Rückwirkung...
auf die Welt.


173









Pneuma der Seele, des Selbstes (statt der Welt) ist der Geist, in Form von
Ideen z.B., wie sie nicht: das Tun meinen, sondern real auf die Weltfaçon
Pneuma - Logos wirken, sich dort also verewigen wie die Welle,
die eine Bewegung erzeugt. Die reelle Auswirkung, mit der ein Wesen sein
körperliches Dasein überdauert, kann nur eine "unsichtbare", d.h. personlos
mittelbare sein, die der Spuren im weiteren Realen. Das metaphysisch
:richtige Leben richtet sein Befinden, seine Gesten danach ein.
Aspekt auf: Wille zur Macht.
Frage, was in diesem Sinn reinste Form des Daseins ist. Das zeigt sich wohl am Leib mehr als an dem, was ihn umgibt. Deontologie, besonders in der Diät. Damit auch spotlight auf Platon: "Lebe die Idee, die Du bist", als welche
Du unbegrenzte Fortdauer des GEISTES in Deinem Dasein erwirkst.
Die moralistische Weltschau des Weltgerichts veranschaulicht nur eine
Auffassung, wie sie einfachen, barbarischen Menschen spricht. Der ewige Geist ist jenseits Gut & Böse. Damit ein Akzent des christlichen Sinns für Märtyrertum. Verblödet eine Welt, die nur Zwischenmenschlichkeit kennt
und die Physik kommuner Lebenserhaltung. Die Idee zu leben, die man ist, das ist im Prinzip ein ganz großer Entwurf. Das eben, was aus jedem Geschöpf ein Simile Gottes macht (Sepia). Es geht nicht um's Gut- oder Bösesein, Rechttun oder Sünde im moralischen Sinn. Es geht um die Reinheit des Seins,
des Selbstseins, die Phasenreinheit der Seele sozusagen, die nicht einfach
Ich-Psyche ist, sondern inmitten der objektiven, leiblichen Seinsform in
reiner Einmaligkeit das ist, als was für immer gewesen sein wird, in Selbst-verhalt und Auswirkung. Die Metapher des Baumes ist für solche Seele sehr weit verbreitet. Die Religion sagt nichts Anderes, aber in Gleichnissen
aus der Welt jener Menschen, denen sie den Geist richtet, Vergesellschafteten,
auf deren Seelen immer der andere Mensch wirkt, und das Tier. Dämon.
_________

...Eine andere Geschichtsschreibung also aus dem wirklichen Fortgang
der Jahre (Planeten, Wetter, Meteorika aller Art) anstelle der Kriegsstaats-
geschichte oder der Ephemergeschichte statistischer & soziologischer Art,
die vor allem das Befinden der Parasiten in den Häufungen ihrer
Errungenschaften beschreibt, den Scheiterhaufen der Eitelkeiten . . .
_________

Das klingt manchmal an, und vielleicht ist aus dem, was es sagt und wie,
zu sehen, in welchem Licht das zu finden gewesen: das ätherhaft klare,
grenzenlose Licht der Berghöhen über der Riviera, wo Zeit eine ganz andere Dimension hat, eine kosmische, und auch der Raum, indem viele Bergformen

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dort bei genauerem Hinsehen Figuren formen, die anderswo, etwa aus der
Mythologie in Ägypten, bekannt sind. Ein Gebirgszug, 1800 m hoch, gleicht
da z.B. der Pranke, von vorne her gesehen, der Sphinx; ein anderer Berg,
nur ca. 2-300 m hoch in einem Talboden, sieht aus wie eine Motte usw.usw.
usw. Die Pflanzen, die da auf ziemlich reinem Kalkgestein wachsen,
enthalten viel Menthol und ähnliche Ätherstoffe, was den Rapport mit dem Sternenhimmel verdichtet etc.etc.etc. Da gibt es keine Vordergründe,
und die irdische (geotektonische) Welt breitet sich sublim sinnreich
vor dem Blick aus, in Weite und Tiefe.
_________

Philosophisches Wörterbuch, Stichwort "Schicksal". Ah, das gibt hier
Gelegenheit, zu bemerken, daß doch die deutschen Idealisten nicht für einen
Deut metaphysisch sind. Wenn es Eines gibt, womit man erweisen kann,
was mit dem Geist im Deutschen solcherart falsch ist, dann dieser elementare Aspekt. Diesen Typen ist die große, wirkliche Welt scheißegal, die illuminieren nur ihre idiosynkratisch verallgemeinerten Gewahrheiten für absolut. Als Geist genommen, ist das ein solch brechend gemeiner, um nicht zu sagen: vulgärer Dialekt - es verträgt kein besseres Bemerken. Und die, welche ausgerechnet davon nun auch nichts wissen wollen, kommen kein bißchen besser aus: Horizonte voller rechthabender Völkerscharen, und warte nicht auf Besseres, Wahreres - nicht dort!

Wem zu raten sein will, der halte sich an das Wort "Geschick"
statt dessen. Das ist personloser und damit wahrer über die Wirklichkeit,
den Grund all dessen, was Geschöpfen Geschick bereitet.
"Geschöpf", übrigens, dieses Wort sei zu nehmen mit Blick darauf
(sieh mal, da ist Thales wieder!), daß in einem Lebewesen die sonstwie
gleichgültigen Elemente der physischen Welt in bestimmter Weise zusammen-
gebracht und unterhalten sind. Das Wort "Schopf" klingt dabei mit an
(ob etymologisch wahrerweise, möchte ich hier nicht debattieren), d.h. das, was den Skalp und damit die Haut zusammenhält, und da ist alles drin,
was das Leben ausmacht. Um Thales noch einmal zu bemühen: die Elemente, die sonst in der Welt nichts dergleichen eigentlich sein wollen oder müssen, werden durch einen Humor, den man das Leben nennt, vergleichbar so in
somatotroper Bewegtheit gehalten, wie man Kalk und Sand mittels Wassers
in etwas Drittes verwandelt, das sich nicht einfach wieder in seine Grund-
elemente auflöst. Nur gleichnisweise. Es ist ja so, nicht wahr: wenn sich
die Menschenmeinung wie beim üblichen Verstand von "Schöpfung",
"Geschöpf" erst einmal bis in gewisse Meinbarkeiten verlaufen hat, und

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affirmiert sich das nur noch mit der allgemeinen Richtigkeit der Begriffe,
von denen das ausging, so muß man diese eben ein wenig illustrativ ausleuchten – vielleicht hilft das was. Von Geschöpfen mag wissen
und sagen, wer will, aber von einem Schöpfer, alsooo -

besser einen anderen Weg. So nicht.

(Etymologie: "Geschöpf", das kommt wohl vom Wort "schaffen". Ein
Geschöpf also ist wohl dann ein Wesen, das SICH schafft, indem es sich aus der Welt seine Elemente zusammensucht, sie assimiliert. Das Geschöpf ist das, was sich aus diesem Prozeß hervorgebracht hat in einer notwendigen Weise - es ist da gewissermaßen nicht frei in einem absoluten Sinn, so wie
ein Lebewesen im Weiteren seiner Artikulationen doch absolut frei ist damit, wie es diese gestaltet. Der Prozeß aber der Assimilation von Elementen zur Ausstattung der ursprünglichen Lebensgestalt läßt sich gewissermaßen
nicht infragestellen - das Lebewesen kann sich in dieser Hinsicht nicht
überwinden, sich nur positiv darauf beziehen aus jedem Atom seiner
integralen, lebenden Physik, oder im Gebrauch seiner Lebensenergie davon
absehen und seine anderweitigen Daseinsbefindungen (Artikulationen) wahrnehmen. Das Geschöpf, das sich schafft, MACHT sich darin also nicht, sondern erhält sich nur und ist Geschöpf, indem seine übrigen Selbstungen, sozusagen, darin absolut umschrieben, umfügt sind. Es baut sich auf,
und trägt davon ab, und über sich hinaus, also auch nicht wie von da her
über sich, vermag es nicht. Die Welt umher aber nennt es besser: das All,
eher als: die Schöpfung. Sprachgebrauch solcher Art ist bequeme,
also schlechte Mythologie. Das paßt dem Menschen so, der seine fertigen
Begriffe schon hat. Da fühlt er sich in SEINER Welt.
Und wohin es damit kommt...)
_________

"Wat is dat denn hier!" So kann man doch nicht mit platonischen
Gedankenspielen umgehen!
_________

"So habet Idee!"

"Thanks heaven, grace your day."

(Grüßende auf einem höheren Weg.)


176









Geschriebenes besser als bloße Worte.
Gesten (Skulptur) besser als Schrift.
Proportionen besser als Gestik.
Wieso!
_________

Kleine Worte aus einer großen Zeit...
_________

"Im wandernden Taglicht
wandeln unaufhaltsam sich
die festesten Formen.
Mach dem Licht Gesichte!"

und derlei...
_________

the sendup channel...
_________

Schöpfung (Stichwort im Begriffelexikon): das, eben, was Geschöpfen
zuhanden ist im direkteren Sinne zur Lebenserhaltung und der damit weiterhin kohärenten Artikulation, in zweiter Hinsicht, was da noch in weiterem Betracht sein mag. Da Geschöpfe notwendig begrenzt und endlich sind, können
sie mit Fug nicht behaupten, dieses Feld der weiteren Daseinsbedingungen
zu eignen (: Feudalgeist; die Welt ist ein Lehen, kein Besitz).
Bezeichnend, daß der Begriff solcher Schöpfung vor allem die Juden
unterhält und daher in weiterer Folge das Christentum und den Islam,
Weltweisen, wo man sich von seinem Gott besonders gemeint findet.
Darüber war ja hier schon woanders einiges Wort, der Auffassungs-unterschiede wegen hinsichtlich des Verhältnisses von unsterblich allgemeinem und vergänglich individuellem Intellekt, welcher Dissens bezeichnenderweise auf eine Ansage des Aristoteles zurückgeht.
_________

Guru talk. Gibbering logic. Trueful smarts.

Es muß konstatiert sein, daß es im Angelsächsischen kein Wort gibt,
das direkt dem deutschen Begriff "Wahrheit" entspricht. Alle einschlägigen Worte dort haben einen Beiton von praktischer Logik oder personhafter

177









Wahrhaftigkeit. Solche Völker wissen von keiner und haben
keine Metaphysik, wenn irgend dieses Wort etwas bezeichnet.
So übel ja im Deutschen der Hang zum Substantivieren meist anschlägt,
aber zumindest hierin hat man etwas richtig.
_________

Höfische Gesten (sogenannte Umgangsformen): direkt als aus dem
Gestenspiel guter Tiere erkennbar. Der Handkuß z.B. (wobei die Hand
nicht wirklich berührt wird) abgleitet aus der Sitte vieler Tiere, die Welt anzunehmen in Einzelheiten, indem die Nase daran getippt oder sehr nahe gebracht wird. Der Handkuß ist die Geste, mit der man sich in die Aura des damit begrüßten Wesens fügt (sozusagen). Der kommune Wortgebrauch "erheblich" gibt den Sinn einer daher abgeleiteten Geste wieder: das Tier
tut die Nase an etwas und hebt dann den so vorgestreckten Kopf, mit einer so
ungefähren Bedeutung wie: das ist was! Da ist eine Helligkeit, mit der weiter-zuempfinden es sich vornimmt. Das chinesische Jahr des Pferds steht an:
Pferde vertrauen mir gerne, kommen nahe heran, wenn ich das auch
erwarten kann, und halten mir die Nase nahe an den Leib, atmen da Wärme
und andere Strahlung, ganz ruhig. Manchmal, wenn ich die Hand hinhalte,
lecken die mir lange mit ihren seidig festen Zungen in die Handfläche. Merkbar nehmen die da nicht etwas heraus, sondern GEBEN mir eine bestimmte,
extra gemeinte Empfindung. Da ist eine deutliche, spürbare Analogie zu
Geld (Papiergeld), wie es manche Völker, wo man seit jeher mit dem Pferd lebt, in dichten, lappigen Rollen spazierentragen (Türken, Zigeuner, soweit
ich selbst derlei gesehen habe), auch zu der alten chinesischen Sitte,
statt mit Geld mit Seidenstoffrollen zu bezahlen...
_________

"Der Deismus behauptet eine Indifferenz Gottes nach dem Schöpfungsakt."
"Was meint das schon!" der Deismus macht es sich zu einfach, indem
die Weitläufigkeit des Logos nicht gesehen wird. Aus dieser alleine wieder
kann nicht einfach ein meinender Gott postuliert werden, und die immer nur
sich selbst präsente Vernunft verliert für solche Dinge völlig den Begriff.
Si si. Gute Vernunft ist nach dem Maß der Welt, wo die selbst sozusagen
schon vernünftig ist, also: Vernunft fordert und formt. Verdammt noch mal!
_________

...sich selbst geschenkte Protestanten...



178









Das Problem des Descartes mit der Unverbundenheit der res cogitans und
der res extensa kommt wohl damit, daß er in gewisser Weise keinen inneren
Atem hat, und dies daher, daß er, sensibel wie er an sich ist, zu sehr totes Fleisch ißt. Rindfleisch vermutlich und solches vom Hirschen. Über
Empfindungen damit wird der Geist sehr still und klar, aber kann sich in gewisser Weise nicht bewegen. Der Kernsatz des cogito ergo sum ist auch
der präziseste Ausdruck der Wahrnehmung aus solcher Stille. Nicht zufällig auch ist die direkte Nähe zu Pascal, den der Geist der Kuh in anderer Weise plagt. Die Kuh hat eine Periode von drei Wochen, und wer sich ein wenig
mit Geist bei ihr umschaut, dem zeigt sie nicht nur ihre präzisen Gewahrheiten und Meinungen mit ihrer Welt, sondern: er wird immer wieder (im Stall) diese oder jene einzelne Kuh finden, die still, wie ein wenig glühend, den Kopf
vom Trog weggewendet hält und sich nicht sprechen lassen will. Das ist:
sie hat Einkehr, aus einer bestimmten Phase ihrer Periode. Das kann man mitbedenken in Anbetracht von Pascals fiebriger Frömmigkeit, seiner
Furcht vor der Konkupiszenz (im Dialekt von Leuten bei der fränkischen
Kuh weicht das Wort auf zu: Konkubiszenz - eine Färse, die ich gut kannte,
und die mit Anderen zu einem feschen, lustigen Stier war in den Pferch
getan, lag wochenlang fast ängstlich da, die Gebeine sorgsam an den Leib
gezogen, und kontemplierte die Sache, die von ihr erwartet wurde, wirklich sehr) und seiner finalen Krankheit, wo er sich bezeichnenderweise nur
konnte mit warmer Milch nähren lassen. Die Fliege, der spaßige Teufel,
macht da auch noch Schatten auf seiner Seele. Condillac, der so einfach
zumindest mit einem der zentralen Probleme des Descartes fertigwird, hat
seinen Geist dazu vielleicht vom Reh. Dort ist man genialer (und vor allem frei), tut sich kein bißchen weh damit, aus jedem Moment heraus die Welt
vollkommen in gutem Augenmaß zu haben. Kühe leben in Herden, mit Blick
und Empfindung auf deren weite Mitte hin. Rehe formen kleine Gesellschaften sehr selbstbewußter Individuen, die sich fortwährend darüber unterhalten, was die Welt gerade jedem Einzelnen ist. Die Muße gilt als wichtige
Voraussetzung philosophischen Erkennens beim Menschen, das wohl auch deswegen, weil der Mensch gelernt hat, müßig dies und jenes Tun von Tieren mitzusehen und sich davon geistige Bewegung anregen zu lassen. Das
ist eines seiner besten und vielleicht das einzig wirklich wahrhafte geistige Talent, das er hat. Die evangelischen Tiere, Adler, Löwe und Stier, haben derlei auch in sich, verschieden akzentuiert. Dort ist es, wo man weise wird, d.h.
eine Weise hat, deren Wahrnehmungen und Gesten für sich (die Weise)
sprechen, wie lebendes Gesetz in lebenden Tieren, die man gut sieht. Was
die Erläuterung zunächst zu Descartes angeht, so muß ich ein wenig darauf bestehen, daß dem so ist. Mit dieser Lehre lassen sich noch ganz andere

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Verhalte beleuchten. Für hier aber soll nur noch einmal akzentuiert sein,
wie er ein akutes Problem hat, Körper und Seele zusammen in einen funktionalen Verhalt zu bringen. Daraus spricht die Mimikry eines
ganz anderen allgemeinen Geistes, als es im Sinn der Menschen
die Philosophie an sich ist.
Frankreich hat zu der Zeit schon die kanadischen und andere Indianer
kennengelernt und deren, sagen wir, Metaphysik des Großen Geistes.
Dazu diese gewisse Verschlagenheit der Indianer, wie die nicht nur Tiere
zu überlisten wissen durch Verstellung, sondern auch den Geist der europäischen Menschen. Diese haben damit heute noch ein Problem
(in Amerika), wo es Indianer in solcher Souveränität gar nicht mehr gibt
und die Weißen sich sicherlich nicht mehr für Europäer halten. Der Indianer, verkleidet als alte Frau, gibt dem unabweisbaren weißen Mann ein Rätsel,
und er gibt es den Galliern, die für seine Wahrnehmung, im Unterschied
zu den Angelsachsen, wenigstens eine Seele und interessanten Geist haben. (Mit Angelsachsen kann er nur Geschäft oder Krieg machen, und dann vorführen, wie man sich selbst zerstört.) In Frankreich haben sich auch sonst die Geistformen ferner alter Kulturen recht unmittelbar abgelichtet (China), sobald es verläßlichen Kontakt mit diesen hatte. Da wirkt immerzu
die druidische Klugheit fort, die schon die Römer eingefordert hatte
und ihnen zu wirklicher Weltmacht mit guter Raison verhalf. Und bei der hohen literarischen Form, die solcher Geist da schon lange hat, übersetzt sich das Rätsel in ein philosophisches Problem, gebunden an den Köder eines interessanten Erkenntnisfortschrittes. Allgemein wäre es eine interessante Aufgabe, die Entwicklung der sogenannten abendländischen Philosophie
ein wenig zu konturieren mit einer parallel dazu herausgearbeiteten Geschichtsschreibung zunehmender Interaktion mit anderen Kulturen,
auch der Erschließung der Binnenressourcen des Kontinents. Da ist viel interessante Wahrheit. Hinzu die Geistergeschichte der Kommentare aus den Vestigien des ägyptischen Geistes, der sich vor allem durch die Gesten der Römischen Religion und die Ereignungen in Italien seit der Renaissance,
also unmittelbar nach dem Enden der Kreuzzüge, bemerkbar macht. Vor allem die Reformation geschah in Reaktion auf Machenschaften, die man vielleicht ein wenig mit diesem Seitenblick sehen könnte. Da spricht eine ähnliche List, diesmal in Respekt auf die animistisch verbockten Deutschen im Walde,
wie da fernerhin es die List der Indianer ist, den Galliern ein gutes Rätsel
zu stellen. Dies alles hier will natürlich keine Philosophie sein, sondern nur wieder literarische Konjektur.



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"Ihr habt doch vill eh so Vieh, oder nit?!"

Weiter: es ist nicht nur totgeschlagenes Fleisch, was dem Descartes
sein Rätsel macht, sondern auch das Holz der Dielen, worauf er seine Füße
stellt, woran er sich hält und worin er sich bettet. Auch darin ist ein Lebens-prozeß unterbrochen worden, mit aber allgemein anderem Effekt: daher
kommt die genaue Faser, sozusagen, seines Denkens bis zu dem Satz:
cogito etc. Der sich heutzutage als einzig mögliche Denkart gebende
Utilitarismus, wie er gern alles schon Gewesene und Bekannte nur noch
nach seiner Halbart erklärt, kann einem schwerlich deuten, weshalb es den einfachen Menschen in der Feudalzeit bei empfindlichen Strafen verboten war,
anderes als Fallholz, das also die Bäume selber abgeworfen oder an den
Sturm verloren hatten, für Brennholz zu gebrauchen. Dabei ist das so
einfach: aus artemisischer Vorsicht, die nicht ohne Not irgend ein Tier oder
eine Pflanze verletzt oder stört. Wo große Bauten, großer Staat mit extra dafür geschlagenem Holz errichtet (und betrieben) werden, da ist schon Raison
im Spiel nach der Art großer Gewalt, wie sie ganze Wälder brechen kann.
Die kleinen Leute auf das Übrige des Lebensprozesses der Waldbäume zu
verweisen, empfiehlt ihnen eine Vorsicht, mit der sie ihre gute Seele behalten können und sollen, in einem artemisischen Sinn. Die Gewaltethiker der
Neuzeit sehen darin nur die Machtgeste - das ist Unfug. Solche Regeln
umhegen Daseinsfelder, in denen lebende Sorgsamkeit ihre guten
Gewahrheiten finden kann. Und wem das nicht hilft -
_________

Nur moderne Zustände, oweh!
_________

...ce drôle d'electricité...
_________

the sitting theatre...
_________

nur logisch. Nur Scheiße.






181









Der Ritus umschreibt, gemessen, den Geist.
Der Kult stopft Zumaß mit Empfindung.
Methode ergetzt sich an der Präzision der Instrumente.
Die Art bedarf nicht viel, zu sein.
Was wirklich wahr ist, hat noch nie der Worte viel bedurft (: Lao Tse).

Worte macht man, damit Vorurteil Raum gibt (Sokrates).
Wer sich nicht kritisch zu Aristoteles befindet,
befindet sich falsch ("wie wahr ist das denn jetzt!");
aber wer sich so befindet, befindet sich wie er selber.
Das ist der Dreh (wie man hier früher sagte).
_________

Sein und Nichtsein: nur das Schauspiel muß leben.
Daseinsnüchternheit.

Der Satz, mit dem Heideggers Geltung begann:
"Der Bub will was sein." Der gottlose kleine Schalk!
_________

(Zurück: Es war noch nicht das letzte Wort aus jener Bibliothek; damit:)
Eben, im Nachlesen des dort ausführlich Vermerkten schaudert mir doch,
nicht über die Formel, sondern über die Ungeheuerlichkeit dessen, womit
sie sich finden mußte. So gesagt: ich würde das Kriegstagebuch nicht
einmal mehr mit der Kohlenzange von weitem her anfassen. Eine ungeheure
Widerlichkeit kommt mir nur davon wieder. Als ich einmal Zeit und Geld
dafür übrig hatte, bin ich mit dem Fahrrad nach Paris gefahren, von Aachen her, ein Stück weit durch das Maastal, dann über die Ardennen nach Dinant,
von dort über die Höhen westlich des Maasgebirges hin zum Tal der Aisne,
längs deren man über Compiegne leicht nach Paris kommt. Überall dort
an der Straße finden sich Gedenkmäler für Schlachtfelder, teils auch aus dem Zweiten Weltkrieg. Ein kleiner Ort namens Asfeld war mir in der Karte auf-
gefallen, seines deutsch klingenden Namens wegen, den ich als Aasfeld deutete, raisonnierte des Längeren darüber, daß wohl in fränkischen Zeiten müßten nicht wenige Geier in diesem Land gewesen sein und gar, daß der
Geier geradezu eines der Wahrtiere der fränkischen Welt gewesen sein
müßte, wie die Kuh und der Bär. Asfeld ist ein fast ungefaßt hingestreutes
Agglomerat barackenähnlicher Häuser in einer weiten Acker-Hochebene.
Ich kam (gegen Ende des Winters war das) des abends gegen halb Zehn
in Sichtweite des Platzes, und seltsam: sobald ich das bemerkt hatte, er-

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loschen zunächst weiträumig leuchtende Lichtbogenlampen bei unerkenn-
baren Anlagen am fernen Rand des Ortes. Dann wurden Zug um Zug alle
Straßen verdunkelt. Auch Häuser ließen ihr Licht verlöschen, und nur zweie,
an denen ich dann auf der völlig dunklen Ortsstraße vorüberkam, ließen
noch matt Licht aus buntverglasten Haustüren schimmern. Das war mir
(die Verdunklung) ganz recht, weil ich gerne in guter Dunkelheit unterwegs bin, aber die Trefflichkeit dieser Abschaltung erstaunte mich natürlich. Bei
der mittleren Aisne (Karl Martell hat da irgendwo ein Gehöft gehabt, wo er sein
Alter verbrachte und dann starb) finden sich ziemlich viele Soldatenfriedhöfe, französische, deutsche, amerikanische, englische, holländische und sogar italienische. Bei manchen zeigt man in Fotodokumentationen, eine welch schlammige Malaise diese Plätze ursprünglich gewesen sind, da man die Gefallenen unbedeckt in flachen Erdgruben bestattete. Bei einem deutschen Platz verweilte ich, las einige Namen auf den Grabmälern - das müssen
welche weit aus dem Osten, aus Preußen selber, gewesen sein, mit sehr
vielen polnischen Namen dabei. Die Friedhöfe dort folgen nahe aufeinander;
dann steigt die Straße ein wenig an, wo keine mehr sind, aber eine
Tafel zeigt ein Diagramm der Gegend und der Fronten damals, als um einen
flachen Sumpf hin links fern genug vor dem Hügel-Randgebirge des Tales
eine intensive Schlacht stattgefunden hat, ohne dezisive Veränderungen.
Da, wo die Straße auf die Höhe eines flachen Hügelausläufers kommt, ist rechts eine große Weide vor einem Waldrand. Eine Rinderherde weilte dort.
Wenn ich auf meinen Wegen an Rinderweiden vorbeikomme, halte ich
eigentlich immer an, nehme Stand, damit die Lieben mich zur Kenntnis
nehmen können, und gewöhnlich dauert es nicht lange, bis daß einige zu mir
kommen, und wir unterhalten uns für eine Weile in Gesten und Gesichtern.
Die Kühe merken immer schnell, daß sie an mir einen vor sich haben, der
ihre Sitten kennt und ihre Empfindsamkeiten beachtet. So mögen Kühe
es beispielsweise nicht, wenn man sie zu streicheln versucht. Der Comment
geht so, daß sie einen Menschen (der da zu antworten versteht) mit der
Nase begrüßen. Die tippen sie gegen die hingehaltene Hand oder, wie bei
mir oft, an die dafür vorgestreckte Stirn. Und so weiter - da ist ein ganzer Kalender von kleinen, so und so sprechenden Gesten- und Blickefolgen,
der nach Gefühl aufeinander folgt. Wenn ich für die Kühe derart gegenwärtig geworden bin, gammeln (um das Wort dafür zu nehmen) sie mir meist
ein paar Figuren in ihrem Herdenbild vor, verstellen sich ein wenig, so und so,
oder bestellen einander Dinge, die sie in solcher Gegenwart mit ein wenig Prinzip gesagt haben wollen, bocken Andere zurecht oder beginnen, einander mittels Hals- und Schulterleckens auszuzeichnen. Die Kühe beweisen mir
also oft, was die Geltung in ihrer speziellen Gesellschaft ist, nicht selten

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auch durchaus mit geistigem Akzent. Kühe sind ein weises Volk. In Nieder-
sachsen, wo ein feiner Kuhstamm weitverbreitet ist, brachte ich einst
Odermennig-Samen mit, von einer Pflanze, die den Kühen praktisch was ist.
Dort, wie anderswo damit auch, hielt ich denen, wenn wir soweit dawaren,
die Hand mit diesen Samen hin, und eigentlich jedesmal drückte die Kuh,
mit der ich sprach, mit Bedeutung die Nase auf meine Hand: tu das runter,
laß das los, streu das aus. Wenn Kühe meine Ausstrahlung (für viele Tiere
scheine ich eine Art Halo zu haben, wohindurch sie zu ahnen, zu wissen
verstehen, was sonst so an Ihrerlei und deren Welt ich schon bei mir
kenne), wenn die meine Austrahlung für einige Zeit deutlich gespürt haben,
knicken sie oft eines oder beide Ohren reflexhaft nach hinten, ganz so, wie
in England und anderswo einfache Soldaten mit Händen parallel zur Kopf-
seite salutieren. Das Ohr bleibt für eine Weile so, knickt dann wieder nach
vorne, winkert vielleicht mehrmals wieder usw. und das Sonderbare ist, daß viele Kühe das ohne jeden bewußten Verhalt tun mit dem, was sie sonst so schauen, mit mir mimisieren usw. - das wirkt ganz automatisch. Bei dieser
Weide nun, noch in Sichtweite jenes Sumpfes im Talboden diagonal
(süd-östlich) gegenüber, saß ich beim Zaun nieder und erwartete, daß
dieses normale Spiel der Unterhaltungen auch hier beginne. Ich saß, schaute,
wurde auch gesehen, aber nichts dergleichen sonst geschah. Die Herde, mehrerlei Muster meist heller, glattfellig einfarbiger Leute, hielt sich zumeist
bei dem vielleicht 200 m entfernten Waldrand, und davor veranstalteten sie merkwürdige, lautlos ruhige Transaktionen. Manche bauten sich ein wenig
auf, zeigten sich durchaus, aber kamen kein bißchen nahe. Andere gingen umher, ganz gelassen, von einer Weidegenossin zur anderen, nahmen da
so und so Anstand usw. und alles blieb schön bei sich dort in hell blassem,
ein wenig buntem und schon warmem Mittagslicht. Gelegentlich schien
unbedeutsam diese oder jene Kuh sich beiläufig zum fernen Sumpf zu
orientieren. Manche, die mich ein wenig bestimmter ansahen, zeigten sich
ein wenig näher her, bis vielleicht in 40, 50 Metern Nähe, wichen dann ruhig wie Nebel wieder zurück, zwei, drei Mal, jeweils seitlich auf der Weide versetzt.
Das alles in etwas, das ich bei Kühen für geisterhafte Stille halten muß,
denn sonst haben sie Bestimmtheiten in Gesten, Atem usw., die sehr
lebendig wirken. Schließlich, als nicht viel mehr geschehen wollte, stand ich auf, grüßte winkend, und fuhr in meinungslosen, aber sonst freundlichen
Blicken davon. Ich verstand: der Sumpf dort, der Tausenden von Soldaten
das Leben gekostet hat, gehört seit Büffels Zeiten den Rindern. Sumpfböden sind so etwas wie heilige Plätze den Rindern. Wo sie, an Weiden etwa,
matschige Ecken haben, stehen sie oft stundenlang reglos mit den Hufen
im Mott, denken an gar nichts mehr, halten sich aber in sonderbar still

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inspiriert wirkenden Versonnenheiten da auf den Füßen. Was Menschenblicke stören kann, Dung, Pisse, Durcheinander aller möglichen Unnennbarkeiten,
ist da völlig egal. Eine Kuh mit den Füßen im Schlamm befindet sich da
in einer Art Nirwana. Die ist irgendwie weg, obgleich sie einen verklärt anschauen und noch dies und das meinen kann. In manchen alten Sumpfböden hat man Skelette von Uren etc. gefunden - vielleicht gehen manche Rinder mit Absicht dorthin zum Sterben. Jener Sumpf da drüben könnte aber auch für Rinder und andere Tiere ein Mineralschlamm-Freßplatz gewesen sein, so nahe wie er vor einer interessanten Waldhügelseite liegt. Das stille Gestenspiel der Kühe verstand ich so, daß sie mir wiedergaben,
wie Soldaten damals auf Kompanieplätzen etc. sich verhalten haben, und
das wallende Ungefähr zum Schluß erläuterte, wie die einander feinden Angreifer jeweils sich im Boden genähert haben, aber eigentlich niemals
über sichere Schußentfernung nahe herankamen. An einer anderen Strecke der Straße weist man nach rechts hin zur eher felsigen Hügelseite,
zum sogenannten Chemin des Dames, der so heißt, weil man dort, vielleicht
zu Zeiten Louis XIV oder XV, einiger lauschiger Höhlen wegen einen Promenadenweg für vornehme Damen aus der weiteren Gegend angelegt hat. Im Krieg wurden diese Höhlen ausgebaut, erweitert, als Kasematten benutzt, und eine wilde, lange Artillerieschlacht hat ihretwegen stattgefunden.
Dieser Kriegsplatz gehört damit eher zu Hirschen und Rehen, deren letztere bestimmt, bevor der Weg gebaut wurde, die Höhlen oft besucht haben,
um dort zu wittern, zu harren, zu lauschen. Es ist leider so, daß, wenn denen solch ein kleiner Himmel auf Erden verdorben wird, auch nur durch die
in solchen Dingen relativ feinfühligen Artemisier (die Adligen), sich auf
lange Sicht verdeutlichen muß, eine wie empfindliche Heimsuchung das ist,
und die Mittel und Wege, das herbeizubringen, finden sich immer, alleine schon aus den Abgründigkeiten der Menschheit, welche die primale Störung schon herbeibrachten. Die Noblen müssen oft ihren Wahrtieren nahetreten, weil die wissen und sehen, was aus übriger Menschenheit unvermeidlich
sein will. Die Hirschen haben solcher Dinge wegen noch einige große Zacken
auf die Menschheit, welche weit davon entfernt ist, diese alle schon gemerkt
und verdeutlicht bekommen zu haben.

Die Bibliothek. Die Tagebücher Jüngers aus dem Zweiten Weltkrieg las ich
gleich hernach, und damit erst kam ich auf die hier mehrmals gebrachte
Bemerkung, ein wie naiver Mensch Jünger ist, ganz gerade, völlig unreflektiert, aber nun, mit der Quasi-Bohême seines Pariser Umgangs,
voller Façette. Ich konnte finden, daß ich selber, der seine Ecken in Frankreich kennen sollte, da Anzeichen finden darf, die mich etwas angehen dürfen,

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rein signifikativ - aber dafür kann Jünger selber nicht, das hat ihm Frankreich so zugespielt, so wie ich, viel später, die Dinge zugespielt bekommen habe, die dem entsprechen wollen. Das nun hier auszutragen, ist wirklich kein Platz.
Jünger IST in Frankreich durchaus so positiv angenommen worden, wie er
das selber erleben konnte, aber da er ein so gerader, nur in sich selbst
wirklich echter Mensch ist, erfolgte das, was Reflexion hätte sein können,
aber ihm selbst eben so nicht einfallen wollte, im Wechselspiel seiner Bekanntschaften und Begegnungen. Also: das, was sich zwischen ihm, dem Geraden, und vielen Bekanntschaften in Frankreich und in Belgien abspielt, besorgt in Gewahrheiten der Aspekte, wie sie dem späten Leser erscheinen mögen, gleich unauffälligen Spiegeln in lebenden Bildern das, was solche
Reflexion hätte sein mögen. Frankreich nimmt Jüngern wirklich so an, wie
er anders nicht sein kann, und besorgt das, fein, präzise, denn: es ist Krieg.
Das macht Deutlichkeit, und das ohne allen sonstigen Falsch. Wo er sonst
mit anderen deutschen Soldaten, Offizieren meist, über Staat, Macht und politische Sitten nicht: reflektiert, sondern raisonniert, hat er ziemliches
Format. Es ist aber zu sehen, daß auch Jene bei den Stäben, die ihn da so
vorteilhaft und ehrgültig plazieren, ähnlich um ihn denken, wie Frankreich
ihm in ehrlichem Spiel das hinzufügt, was sprechen soll, wo er es nicht tut. Der Shiva-Aspekt macht sich hier auch deutlich, als dieser Halo reflektiv
sprechender Verhalte um seine grazile, aber essentiell stille Figur.
Ein wenig rottig wird das zum Schluß, als er in seiner Naivität geradezu bloßgestellt wird, indem er sich, fast wahnwitzig, dazu herläßt, einen Befreiungsaufruf mit Blick auf einen möglichen Putsch zu verfassen. Ein anderes, dieses Spiel wie ein Diamantpunkt akzentuierendes Nebendetail taucht mit obstinater Insistenz lange und wiederholt auf: eine nicht weiter erklärte Affaire um einen Tresor und was er darin nicht entdeckt finden möchte. Das will heißen - und auch da muß er das nicht selber meinen -
das Gefüge all dieser vielen Ereignisse usw., wie sie zu diesem Buche werden, will eine hermetische Signifikanz beweisen. Dieser Belang signifiziert,
was das Tagebuch, als manchmal koketter Spiegel eines Bilderbogens
von geistigen und charakterlichen Ereignissen, sein soll: hermetisch gefügt und von diesem Aspekt her alleine aufzuschließen. Shiva-Mystik. Alchemie.
Im Ganzen, wieder, ist das viel subtiler, intelligenter und façettenreicher,
als man es hier überhaupt anreißen könnte. Ich mag auch hinweisen auf die topologische Gleichheit des Halo-Bogens um tanzende Shiva-Statuetten
mit dem hier länger zuvor präsentierten Eisenreif. Was anhand dessen spezifiziert wurde, gilt auch hier, nur, daß diese Ebene innerhalb des Halo
(: Zwielicht :: Dämon) von der Figurette des Shiva durchbrochen wird.
Die Zwielicht-Ebene des Fidurenhalos aber hilft erklären die sonderbare,

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seidenhafte Dünne der Bewußtseinsfolie, woran sich alle die Ereignisse etc. abbilden. Was im Halo der Zwielichtschatten der Bildebene ist, pariert sich hier als diese wesenlos wirkende Helle des Bewußtseins, das alles,
auch die Akte der eigenen Person, praktisch völlig meinungslos abbildet.
Wo er raisonniert, ist er zuverlässig unerhört gebildet und bewußt -
und kein bißchen mehr. In Frankreich, bei einem mondän-façetieusen Bürgertum, wo er sich gut befinden würde, sagte man damals gelegentlich
zu solchen, deren Scherze etwas zu gewagt auskamen: you're too much,
Du bist aber ein bißchen stark. Und das ist er, so, wie er ist. Too much.
Was ist das SONST! Und keine Antwort, erst recht nicht aus späteren Tagebüchern oder gar der bloßen Literatur, die er da noch produziert.
Soweit -

Bfff -

Nach diesen Sachen hatte ich erst einmal genug von unfachlicher Literatur.
Für einige Monate las ich nur Zeitungen, trank Kaffee, gab mir auch nicht so
viel Zeit für diese Sachen, weil es im Städtchen einen guten Stoffladen gibt.
Was ich dort kaufen konnte, wollte auch was werden, und dazu brauchte es
übrige Zeit für die Nadelarbeiten. Aber prinzipiell blieb ich der Möglichkeit eröffnet, wieder, womöglich durch Zufall, anderen Stoff (literarischen)
in dieser Klasse zu finden, anzunehmen, umzusetzen. Solange da nichts spielte oder rief. Im Ganzen beschränkte ich mich auf gelegentliche Besuche beim Philosophenregal, mußerte da nur ein wenig rum, entdeckte dabei
die Predigten Meister Eckarts usw., spielte mit den leisesten Möglichkeiten
der Philosophiebücher, so, wie das weiter oben hier beschrieben ist
("Ah Du!", Platon usw.) und kam damit zu gewissen Gefügtheiten,
die eine Basis abgaben zu dem, was dann als das hier beim Beginn des Textes praktisch improviso Zusammengeschriebene erscheint, alleine angeregt
durch eine recht summarische, aber adrette "Kleine Philosophiegeschichte".
In derselben Zeit, aber bei Gelegenheiten außerhalb der Bibliothek, konnte ich merken, wie einige bis dahin ziemlich gleichgültige Sachen in Bewegung gerieten. Bisher eher meinungslos unentschieden gelassene Dinge wollten
auf einmal in die Form bestimmter Wahrheiten, oder so, und im Ganzen hatte ich den Eindruck, Einiges, das ich bisher so gar nicht entwickelbar gefunden hatte, finde mit Anderem zusammen, und nicht Weniges davon tendiere,
quasi auszureifen. Dazu muß man sagen, daß ich mir in zwölf Jahren einen ziemlichen Berg von Notizen zusammengeschrieben, in denen ich
immer wieder Wendungen, Fassungen, auch Humore etc. eingeübt hatte.
Das klärte nun bei manchen Sachen rapide durch und brachte Vieles von dem,

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was hier geschrieben steht, in den Atem. Bei der bewährten Unmethode, Philosophie immer nur so passager anregend mitzunehmen und wirklich nie irgendetwas systematisch durchzubüffeln, nahm das kleine Theater oben
in der Bücherecke an sich nicht viel Zeit. Wenn ich mich dort festnisten wollte, müßte ich aber so studieren. Die Geschichte, nebenan, gibt's ja auch noch. Aber ich bin der Mensch, der für die meiste Zeit nun mehr geschrieben
als gelesen hat. Einfach Schrift fressen kann ich nicht; das kann mich gar nicht interessieren. Also saß ich nun meistens wieder drunten im Parterre,
am breiten Vorderfenster, und las dort die Zeitungen. Dort sind 2x2 Sitzplätze, die ich ja nicht alleine benutze. Mein Vorzugsplatz ist manchmal okkupiert.
Daher sitze ich an Plätzen, wo die Regale mehr in den Blick fallen. Wie üblich:
ganz nebenher traf mein Aufschauen eines Tages dort auf vier schmale, sonderbar gebundene Bücher. Könnte sein - ? ich riet, wußte mir aber nichts, stand auf, schaute nach, ah! Grimmelshausen! An sich fällt mir dazu
nichts ein. Sagenhaft ist er, doch in einer Weise, die so alleine mich immer
noch nicht dezidiert hätte, extra was drum zu geben. Es ist aber so, daß vor
vielleicht zehn Jahren ich mit dem Rad zur Weser hinüber in dann deren
Tal hinangefahren bin. Mußte irgendwie sein. Das Wesertal gab was, zeigt
einige reizende Besonderheiten wie die, daß dort sehr dichte und fruchtbare Lößlagen sind, die aber talauf immer schmaler werden und schließlich nur noch da und dort plackenweise, wie händevoll hingeschmissen, vorkommen. Ich fuhr ein wenig ins Hessische, nach Kassel, dann nach Thüringen, bis Eisenach und Meiningen. Dabei kam ich irgendwo eine Landstraße entlang, rechts davon ein Bahndamm, bei einer Wegsenke eine Abzweigung
nach rechts durch diesen hindurch: nach Grimmelshausen. Ja gut, dachte ich damals, da wird der vielleicht herstammen. Fuhr die Straße weiter, gerade hinan bis wieder auf Ebene mit den Gleisen nebenan, noch ein Stück weiter geradeaus, wo neben der Straße eine Leitplanke verlief. Wo die dann
nach Einigem enden wollte, hatte einer auf mich gewartet - das tun manche: Kaninchen und vor allem Mäuse, diese praktisch überall, passen mein Kommen oft ab und laufen ganz nahe vor mir über den Weg. Ich denke mir,
die machen sich da eine Karma-Rechnung: über die wachen scharfe Jäger, denen ausgesetzt zu sein immer Lebensgefahr bedeutet. Wenn die nun, aus sonstiger Notwendigkeit oder nicht, jemandem wie mir, der sie zumindest nicht geradeweg für Beute ansieht, über den Weg laufen, so haben die für soweit praktisch eine Ausgesetztheit gut und gewinnen damit ein Quantum existenzialer Freiheit - an sich, in einer Rechnung. Ich muß sagen, daß mir diese oft sich wiederholenden Einhandlungen solcher Art karmatischer Unpikiertheit ziemlich auf den Geist gehen, weil gerade Karnickel
und Mäuse, nebst Ratten, mir sonst eine ziemliche Pest sind, mich nicht nur

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parasitär, sondern systematisch heimsuchen, mir in abartigen Stratagematas irgendwelche Superioritätsmeinungen von sich demonstrieren wollen. Das ist kein bißchen witzig, sondern wirklich blöde Pein. Was aber hier nur still auf mich gewartet hatte, das war ein Maulwurf. Als ich nächst ihm angekommen war und hatte ihn noch gar nicht bemerkt, klackte er unter der Leitplanke
wie grüßend hoch, fuhr unmittelbar darauf herum und war in einem der
nicht wenigen Löcher dort verschwunden, bevor ich noch vorbeigefahren war. Ah, der gefiel mir, wie mir Maulwürfe überhaupt gefallen, als die einzigen Nager und Wühler, die sich angenehm zu machen verstehen. Oft genug, wenn ich nichtsmeinend in irgend einer stillen Ecke der Natur nur Zeit für mich und Alles hatte, sind welche von denen einfach so, wie: "ich glaub' ich muß Ihnen was sagen", aus einem nahen Loch direkt zu mir her klabastert, machten aber, sobald ich sie bemerkte und wandte mich ihnen angenehm überrascht zu,
auf der Stelle "nee, nee, so nicht!" kehrt und beeilten sich ein wenig komisch, wieder in ihrem Loch oder in einem Laubnest zu verschwinden. Andere Nager sind hinterhältig, wühlen sich unter und hinter meinem Lagerbett ein, bauen da unablässig und oft ärgerlich lärmend, mit widerlich klingenden Gierwut-lauten, weiter und steigen mir oft genug mitten in der Nacht, wenn ich schlafe, auf mein Kopflager und kratzen mir (die Mäuse) mit sonderbar meinenden Pfotenbewegungen am Skalp, oder schlimmer (Ratten) hängen mir unversehens ihr weich gesträubtes Bauchfell auf den Schädel und schnurren damit in einem Haßtriumph, daß ich schaudernd und angeekelt davon erwache. Aber Maulwürfe kommen immer des tags, einfach so, unverstellt, und wollen nur nicht mißverstanden sein. Außerdem sind die interessant sinnlich; wenn es gelingt, sie in eine Hand zu bekommen, wühlen sie sich darin voran mit unerwarteter Pfotenkraft, schubsen mit dem dicken, runden Kopf da an, wo sie hinauszukönnen meinen und dabei winden sich, also -
Der in Thüringen empfahl mir daher diesen Ort, wo's nach Grimmelshausen
geht, und so war mir diese Entdeckung der Bücher hochwillkommen.
Den Simplicissimus habe ich seither nun durchgelesen, fand ihn erheiternd alleine deswegen schon, weil da (wieder) vom Strolchen auf alten, damals doch meistens noch erdenen Wegnetzen berichtet wird, die nun längst mit Wut seit meiner Kindheit her meistens, sind mittels Asphaltierens etc.
der Raserei überantwortet worden. Bei Grimmelshausen, in dessen Landschaften, ist alles da, voller Kraft, was ich in meiner Kindheit noch habe von der alten Welt wirklich dasein gesehen. Daher gab es viel, und manchmal sonderbar, zu lachen. Ist wahr. Aber das allein, und die Simpel-Geschichte, sind noch nicht Alles. Anders als üblich, so nahm ich mir von dem Buch (Simplicissimus) an die 120 Seiten (doppelt) kopiert mit, um sie zuhause,
an meinem Zeltplatz mitten in den Äckern zu lesen, wo der Text, der darin

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abgebildeten, wirklichen Weltschau wegen, wohl eher hingehört als in irgend ein modern zugerichtetes Haus. Dort sehe ich allezeit des Nachts die Planeten um den Himmel gehen, und in dem damit syntonen, ziemlich absoluten Zeitsinn (der ja bei Lernet-Holenia besonders auf seinen Vers kam) erschließt sich, was Grimmelshausen da schreibt, erkennbar besser. Was einen erstaunen kann, ganz allgemein, das ist die intens dichte und klare Bildung, welche so zu seiner Zeit muß ziemlich allgemein gewesen sein, und die einhergeht mit den so präzisen Respektsformen, die in den Briefen, wie sie im Laufe der Handlung manchmal ausgetauscht werden, sich Ausdruck machen. Im Werdegang der Figur des Simplicissimus wird auch allerhand echter Kenntnis der Wissenschaft, im Besonderen der Chemie und der Astronomie / Astrologie erwähnt. Dabei wird er in den Gesten der Chemie so präzise,
daß zu merken ist, wie das wohl nicht nur angelesen ist. Das Vorwort erwähnt, Grimmelshausen habe sich von den damals geltenden, humanistischen
Literaten ziemlich mißachtet gefunden - was von hier her sowohl verständlich
(der gängigen Bildungsmeinungen wegen) als auch unsinnig erscheint,
weil aus der ganzen Romangeschichte, der Dichte, Elastizität und Klarheit
der Sprache und was sie WIE abbildet, eine immense, intensive Gebildetheit
spricht, wie sie wirklich selten zu finden sein wird. Allgemein würd ich sagen, daß die Geschichte des Simplicissimus den Geist des Arktur abbildet,
des tanzenden jungen Bären. Der Arktur selber, ein Stern, befindet sich
im Sternenhimmel in einer Gegend hoch über dem Jungfraustern Spica,
die selber gelb und eher schattig ist, dieweil Arktur blau und dicht leuchtet.
Arktur ist der Hauptstern des Sternbildes Bootes, das meist mit den
Nachbarsternbildern Krone (auch als Becher gedeutet in älterer Astronomie) und Herkules als eine zusammengehörige Gruppe aufgefaßt wird. Diese Stern-
bilder stehen recht hoch im Himmel und sind daher über die meiste Nacht
und lange über's Jahr deutlich zu sehen. Auch das Umfeld dieser Sternbilder-gruppe ist nicht uninteressant, indem sie einmal über der absteigenden
Seite des Zodiak schweben, wo also die Sonne in die Wintertiefe hinabzieht
(immer, vor dem Sternenhintergrund, nach links, entgegen der Tages-
drehung des Himmels, die so erscheint, weil auch der Drehimpuls der Erde
sich linksherum dreht). Diese Seite des Zodiak, wo die Sonne entlangzieht,
wenn Bäume und Felder (hier auf der Nordhälfte des Planeten) fruchten,
der Ertrag des Jahres merkbar wird und heimgebracht sein will, könnte man nennen den Gang des Weltgerichts. Es scheint so, als käme da jedesmal, wenn die Sonne oder die Planeten ihren Weg aus der Höhe des Himmels
herabnehmen, deren Meinung (um das so zu nennen) mit den Dingen
der Erdenwelt als aktuativer Aplomb in bezeichnenden Ereignissen zur
Geltung, vergleichbar Gerichtsurteilen. Müßigerweise könnte man ohnehin

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zeigen, wie sehr Staats- und Gerichtsgesten elementare Ähnlichkeit zeigen
mit dem, als was die Bewegungen der Sonne, der Planeten im Himmelsraum
erscheinen, schon alleine in der elementaren Gestik des Auf und Ab,
gewisser Verzögerungen etc. - von daher auch bestätigt sich eine Auffassung
der in der Philosophie so sinnstiftenden "Urbilder" als Wahrnehmung der
prinzipiellen Ähnlichkeit, gar Gleichheit, der Formen und Gnomien (Gesten)
im Himmel und bestimmten, hauptsächlichen Entsprechungen an der Erde, nicht nur in der Menschenwelt, denn diese kann sich auch nur beweisen
mit den Kräften und Kraftformen der Elemente, der Wesen, womit sie es
notwendig zu tun hat. Und so weiter. Auf dem Zodiak zeigen sich also
besonders das Sternbild des Löwen, der Jungfrau, der Waage im direkten Umfeld der eben genannten Bildergruppe, hinzu der Schlangenträger mitsamt
dem Schlangenkopf, welches Sternbild, manchmal als das 13. des Zodiak
apostrophiert, sehr über der Wintertiefe der Planetenbahn in die Höhe
steigt, bis in die Gegend des Herkules-Bildes. Der Simplizius also wird
(später, nach der eigentlichen Geschichte) gezeichnet als ein hünenhafter, wohlproportionierter Kerl von ruhigem Gemüt (Charakter in Konsonanz sowohl mit dem Herkules als dem Bärentänzer Bootes (Sternbild des Arktur-
Sternes), der auch als Jäger bezeichnet wird, ganz wie Simplizius in seiner
besten Zeit als glückhafter junger Held in Südwestfalen). Die Zodiak-Neben-
bilder charakterisieren daher manche allgemeinen Erscheinungen im
barocken Weltbild umher - der Schlangenträger die zunfttüchtigen Städte
und das Karawanenwesen, worauf Simplizius dort so trefflich ablegt,
raubt diese letzteren (nach der Art von Bären-Hinterhalten) aus und wird geradezu reich davon. Die Virgo gehört zu bestimmten Aspekten adliger Weltschau und Art damit, und der Löwe zu einer allgemeineren Land-Herrschaftlichkeit, wie sie das schon ziemlich entwickelte Territorial-Fürstentum und auch die damit konsonanten Formen weiträumiger Kriegführung charakterisiert. Soweit für den Typ des Simplicissimus selber. Grimmelshausen selbst, der Literat, beweist sich sonst mit der Geschichte als ein Ausbund an tautologischer Finesse, indem er nicht nur den Text in seinen Nebensachen so einfach montiert, sondern auch noch durch den Gang der erzählten Ereignisse diese ohnehin wie naturläufigen Effekte genial benutzt, den Blick des Lesers zu bremsen, während sich die Erscheinung des "Jägers" Simplizius damit illuminiert. Im Beginn der Geschichte ist die Tautologik geradezu krass, viel stärker und deutlicher als in dem erwähnten Beispiel
bei Garcia Marquez - der noch kindliche Simplizius wird gezeigt in der Gesellschaft des literarischen Einsiedlers (als dessen leiblicher Sohn er
viel später erkannt wird), lernt dort zunächst einmal, in und aus Worten einen allgemeineren Sinn (das Wort Gottes in seinen Formen) zu erkennen, dann zu

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lesen und zu schreiben, wobei er diese gewisse, besondere Buchstäblichkeit erwirbt, die später den Kommandanten von Hanau an seiner klaren Schrift so verwundert. Als der Einsiedel stirbt, umarmt er seinen jungen Adepten sehr fest und ausdauernd: darin ist unschwer die innige Festigkeit des Kontaktes zwischen Drucktafel und Papier zu erkennen (dieses wurde bei der damaligen Technik davon intensiv skulptiert). Folgt einiges Durcheinander, was den Helden zunächst nach Gelnhausen, dann in die Festung Hanau bringt,
mit einem Akzent wie: auf die Toten (die Unerweckbaren), wie sie in ganz Gelnhausen auf der Straße liegen, ist solche Mühe ohnedies vergebens, und bei den schon Klugen, aber etwas durch ihren Lebenscharakter Bornierten braucht es besonderen Witz, den Geist zu retten. Damit die Ereignisse, worüber er sehr hergenommen, zum Narren gemacht wird usw. Dort ist
die Tautologik drastisch: die technischen Zustände des gedruckten Buches erscheinen symbolisiert als der Arsch (die beiden Blatthälften mit dem
Kniff inmitten), zu eilige Scheiße signifiziert die so ähnlich pechflüssige
und stinkige Druckfarbe; deren Dunst, solange sie nicht wirklich trocken
ist, aber auch die Emanation des linear durchgelesenen Schriftsinnes als schrecklicher Furz; die bröckelige, aus Bleistücken doch gefügte Schrift
der Buchstaben als Kotzbrei aus dem Hals des betrunkenen Kommandanten usw. In dem allen ist G. drastisch wie nur möglich, aber alleweg genial.
Folgen weitere Ereignisse, der Raub durch die Kroaten, der Hexenflug,
vor allem, womit gesagt sein will: die Sprache muß sich etwas anders
verstehen, es braucht wohl so etwas wie Magie. Etc.etc. Ich kann das wirklich
nicht in der ganzen Dichte erörtern, wie es sich nachweisen ließe. Es ist
ein Genie, das dort spricht und die Dinge so selbstverständlich in genialer
Ordnung hat, und ich bemerke eben nur gerne, wie klar und dicht das
an manchen Orten der Geschichte besonders wird. Zu genau zu sein,
würde einen, eben, so nahe an den Text selber nur bringen, daß er nicht bekömmlicher wäre als das schlimme Theater der Ereignisse in und um Hanau. Allgemein zeigt sich, daß die gewöhnlichen Tautologien, wie sie die Seitenformate strukturieren, hier ganz selbstverständlich stimmen, obgleich
ja sicher dieses moderne Buchformat nicht im gleichen Raster ist mit sowohl dem Manuskript wie den ersten Druckausgaben. Ah, das ist so wahr, wie man's nur eben finden kann. Die Geschichte im Ganzen nun so zu erörtern,
hat eigentlich keinen Zweck. Es läßt sich aber in dem längeren Kapitel der Zeit des Simplicissimus als junger Held ("dat Jäjerken", der tanzende, junge Arkturbär) in Westfalen herauszeigen, wie nun das tautologische Prinzip bis zur Illumination ausklärt, und das ganz in Konsonanz mit der Geschichtsfigur selber. Die Nähe des Arktur zum Sternbild Virgo erweist sich dabei in mehrerlei Weise, einmal, indem er in einem Stift, dem sogenannten Paradeis,

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bei schönen und wohlmeinenden Stiftsdamen, einmal sich gründlich sättigen, dazu sich in einer Bibliothek Bildung erwerben und bei einem hessischen Kürschner, der gleich ihm da Salvaguardia hält, das Fechten und Kämpfen erlernen kann, ergänzt durch das Lernen der Wege und vieler Jagdtricks
bei einem Jäger. Da, sagt er, kommt er so richtig in die Figur, wird in kurzer Zeit zu einem so jungbärenhaft ganzen Wesen (der Hesse, dabei, will
nicht egal sein, indem die Landschaft in Hessen am ehesten der idealen,
himmlischen Bärentanzidee passen will - die Menschen selber sind auch oft
danach). Folgt Gelegenheit zu erster, selbstgewählter Ausstattung mit Waffen und Kleidern (grün, wie ein Jäger), und dann die längere, intensiv belebende Phase des Bärentanzes, das Ausforschen, Auswarten und Berauben
sowohl der Feindgarnisonen selber als der Karawanen, die von daher ihren Weg nehmen wollen. Da wird alles dicht sinnlich, indem es um Stoffe, Geld, Juwelen, Schmuck überhaupt usw. geht. Qualitäten, die sich im Himmel
finden im Feld zwischen Arktur, Spica (Virgostern) und dem Löwenbild,
als viele, viele Galaxien (diese sind einem kundigen Blick, bei geeigneten Bedingungen, ohne Weiteres mit bloßem Auge erkennbar). Endlich, als
das alles so seine Geste, seinen Prospekt gehabt hat, wird er technischer,
berichtet von seinen besonderen Hilfsmitteln: einem Perspektiv (Fernrohr)
und einem Gerät, mittels dessen er Laute bis über den Horizont auslauschen, daher seine Genossen anweisen kann, was als Nächstes richtigerweise
zu tun bleibt. Diese Geräte erscheinen ein wenig magisch, signifizieren
vor allem innere seelische Klarheiten, die aus der Selbstwerdung des
illuminativen Bärentänzercharakters mitentstehen. Ich kann von mir sagen, daß ich solche verfeinerten Sinne habe, aus einem Welt-Seelengeist, wie er aus allgemeiner Erlebensgeschichte wohl oft entsteht. An sich, äußerlich,
bin ich eher schwerhörig, besonders bei Menschenstimmen, die sich vor
allem in den Gewohnheiten innerhalb Häusern herausgeprägt haben. Auch
bin ich kurzsichtig genug, daß ich Sterne und die Schattenränder am Mond
nicht mehr genau sehen kann. Aber das scheint kein Schade zu sein –
im Gegenteil: die Ungenauigkeit direkter Wahrnehmung bringt es mit sich,
daß ich einwärts direkter Sinneswahrnehmung, wo in der Auffassung des
Bemerkten ohnehin die Sinnesdaten müssen mit mehr ungefähr gefaßten Perzeptionen, die in ihrer Dynamik mehr dem Charakter des Atemleibes
gleichen, abgeglichen werden aus einer Art genialer Schätzung, Dinge präziser wahrnehme, als sie selbst guten Sinnen direkt erscheinen können. Katzen haben sich oft und gerne in spielerischen Gesten mit mir unterhalten, und von daher, möchte ich meinen, habe ich sympathetischerweise eine innere Gewahrheit, aus der ich nachts in klarer Luft fast ebensogut nicht: höre, sondern: perzipiere wie eine Katze, und beim Augenlicht beweist sich

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die Präzision eher in einem ahnenden Wissen um die guten Momente
für besondere Beobachtungen, wie bei Meteoritenfall exemplifiziert.
Die Ungenauigkeit meiner äußeren Sinne schützt mich geradezu vor zu akuter Wahrnehmung, welche doch oft eher blendet und bannt. Dies alles macht
natürlich erst Sinn mit einem klaren Soma (Diät) und einem in sich wachen,
präzisen Bewegungssinn, der auch auf leichte Anregung schnell und genau antwortet, selbst im Ungefähren. Solcherart also ist die sinnliche Klarheit, der mit dem Fernrohr und dem Lauschgerät des "Jägers" objektive Form gegeben wird. Ist bis dahin die Tanzfigur des Bären dicht und lebendig geworden,
so folgen nun technische Präzisionen, die wieder texttautologisch verstanden werden können: es werden Schuhe ins Bild gebracht, denen die Absätze
unter den Vorderfuß getan sind; Pferde werden linksherum mit den Hufeisen benagelt - das einmal mitten unterwegs, wo doch das Hufeannageln eine wirklich schwere Arbeit ist. Dazu werden die Bewegungssinne des Auf und Ab (besonders in der Gespensterszene, wo er den Schatz findet, der ihn für ein Leben lang hätte salviert) verdeutlicht und teilweise umgekehrt. Alle üblichen Wegesinne werden so aufgelöst durch den Gegenlauf, äußere Verwirrung usw., und der kundige Blick sieht doch dort, daß damit dem mittlerweilen Gewöhntsein der Bewegungssinne des Lesens selber, zeilenweise von links nach rechts und oben nach unten, Einhalt geboten wird, während im Textbild selber, das wie filigran durchsichtig wird, die Gestalt des Jägers selber innehält, Stand gewinnt und wie leuchtklar wird. Wie die danach folgende Geschichte vom Fund eines Schatzes im Keller eines gespenstischen Adelshauses zeigt, darf man sich das vollkommen genügen lassen - das langt für immer, indem solch reine Divinität der Erscheinung sich nur in irdischen Variationen des doch vollkommen gewordenen Themas verbrauchen
und abbilden kann. Aber dies ist die Sache selber. Bezeichnenderweise
da etwa die Szene, wo er wie einer von Stand mit jungen Adligen
bei den Stadtmädchen auf Schau geht und wird beeifersüchtigt,
für komisch genommen, weil er virgin ist und auch bleiben will.
Dem antwortet ein Mädchen sehr positiv: das Virgo-Spica-Thema;
die Spica ist in sich selbst eher unhell, begeistert die Sinne eigentlich nicht, aber in Distanz zum Arktur sowohl räumlich wie in sensualen Qualitäten
(der Arktur ist lebhaft hellblau) ist eine interessante, sprechende Spannung. Auch muß man hier wohl den Charakter von Sternen hinzusehen,
die das weitere Bild dort beleben, besonders den schönen, lebhaft flackernden Antares im Skorpion (damit die aufflammende, helle Eifersucht zwischen ihm
und den anderen Stutzern usw.usw.).
Tja. So, wie das Buch, die Geschichte, oder das sinnliche Ereignis der
Simplizius-Saga bis dahin ist, wüßte ich einen idealen Platz dafür neben

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einem anderen, dem Tibetanischen Totenbuch. Dieses ist das Register,
aus dem der Simplizius ein leuchtendes Beispiel vorführt, in vollkommenster Entsprechung. Im Totenbuch wird ein Bild der Erscheinung hervorgestellt,
da sollen vergegenwärtigt sein die Farben des Regenbogens, bis auf die
grüne, weil diese Phase dort nicht vollkommen ist. Wie im Simplizius auch,
so kann man bei bestimmten Stellen (die deshalb so heißen) des Textes
anhalten, sich auf das Vergegenwärtigte mit aller Vorstellung richten, und soll dann eigentlich sich daraus lösen, etwa, indem man von dem offenliegenden Buch aufsteht und schaut nach Weiterem; es lesen aber die so Gewöhnten meist weiter, bis ans Ende des Buches, wo's recht unruhig ist und nur noch Wiedergeburt wartet, ein Verfang in gleichgültiger Wahrnehmung der Zeugungsarbeit irgendeines Paares, Tier oder Mensch; "ja, das ist so"
sagt das in solcher Gewiß-Gewahrheit - wo der Leser aber in die Phasen-schau gerät, da das Grüne will fehlen, da sagt ihm die Vergegenwärtigung schon, daß er da, und wohl immer, zu weit geht, indem er sich von der
Perzeption "grün" treiben läßt, so wie natürliches Grün treibt oder der
tanzende Bär als der "Jäger" sich in der grünen Landschaft Westfalens rastlos, aber mit Energie und Sinn, umtut. Ideal buddhagleich aber ist die still inten-se, leuchtend durchsichtige Qualität "grün", und Grimmelshausen gibt den Tibetanern ihre Raison darin rein wieder (vergleichbar den Widerreden,
mit denen er den Simplizius sich behaupten läßt gegen Andere), indem erst
das Spiel des Jägertanzes umgeht und er dann sich in dieser Phase, wo der Text illuminiert anhält, in leuchtender, dicht grün umschienener Bodhissatva-Klarheit nur so vergegenwärtigt; deshalb alleine schon gehört er direkt
zum Totenbuch. Ein anderes Moment, das ihn mit dem Totenbuch in geradezu identische Ordnung stellt, ist das Ideom (sozusagen) des Wunschkörpers,
wie es die Tibetaner vorstellen: in einer Seelenwanderungsphase erkennt der Wandernde sich als ein Wesen von äußerster Sinnen-Seelenvollkommenheit, kann Dinge in aller Schärfe sinnlich wahrnehmen, selbst wenn er
zu Leb- ( = Leibes) Zeiten blind, taub usw. gewesen ist. Wie sich das
verhält, habe ich ja da eben an meinen eigenen Wahrnehmungen herzu
erläutert, und wo man sich mit Platon daher befindet, ist damit auch nur klar.
Klarheiten gibt es ja bei Grimmelshausen oft, in leuchtender Tiefe, wie etwa
in der Sage vom Mummelsee, welche die Simplizius-Geschichte im Ganzen
beschließt. Dies alles, was ich hier nun erörtert habe, ist mir aus der
tatsächlichen, einfach systematischen Lektüre der Geschichte geworden,
aber was mich zuvor daher für die Sagenhaftigkeit des Grimmelshausenschen
Geistes einnahm, war wieder eine Kleinigkeit, die das glückliche Händchen erwirkt hatte. Zu Beginn hatt ich, wie üblich, nur Textproben da und dort
aus den Büchern durch den Kopierer gezogen, und dabei war das Ende

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einer der Geschichten um das wunderbarliche Vogelnest, mittels dessen
Menschen sich unsichtbar machen können, benutzen das zu ihrem
vermeintlichen Vorteil und finden nur Verderben. Das ist bezaubernd,
traf aber ohnehin auf eine aktuelle Erdenkung in mir, gerade zuvor gefunden, die doch zu gut damit paßt. Ein solches kleines Vogelnest besteht aus lauter Gräschen, ringsumher alle ineinander gewoben. Darin ruht nicht nur der Vogel oder das Vogelpaar - das könnten die meistens auch in Grasnestern, Zweigen usw. schon, sondern: in solchem Nest wird ja das Ei (an sich) im Vogelleib erwirkt, gelegt, bebrütet - da ist jeder Vogel Phoenix. Soweit über Vogel-
nester an sich. Aber nun: weshalb man da sollte im Klardurchsichtigen
einfach verschwinden, bei doch erhaltener und weiter wirkfähiger Körper-
lichkeit - das ist nicht erklärt, bleibt ein Wunder, der Zauber der Geschichte. Aber, wie gesagt, das kam mir wirklich recht. In Frankreich die ganze Zeit
(besonders in den 80ern) bin ich ja nicht nur umhergefahren, auf die
Berge gewandert, hab nicht nur meinen frugalen Tag besorgt mit dem,
was Reisende in den Zügen an Essen liegen ließen, und hab mich nicht nur
mit spaßigen Tieren unterhalten, sondern, ich wollte ja auch ein wenig
Ordnung und Mitte in meine so allgemeinen Wahrnehmungen bekommen.
Dazu half mir einmal das Studium der vielen verschiedenen Zeitungen, die
neben Dreck und Eßbarem die gewisseste Ware auf verlassenen Zügen sind.
Das alleine half, meinen in deutschen Existenzunmöglichkeiten ziemlich
verklebten Kopf wieder klar und lebendig zu bekommen. In ziemlich kurzer Zeit erwarb ich mir eine recht fertige Kenntnis der französischen und
italienischen Sprache - nur so perzeptiv, in der Schrift; sprechen kann ich in diesen Zungen praktisch so wenig wie zu Beginn - und fand Belebung in der
Wahrnehmung so vieler verschiedener Ereignisformen, Menschencharaktere (nach Typen, Nationen, Zuständen) wie nur irgend möglich, so, wie sich das dort abbildete. Vor allem zeigte sich, daß Zeitungen geistig sein können, etwas, das an deutschen (oder germanischen überhaupt) Zeitungen
mir nicht gelingen will, zu finden. Dort bleibt's - was den Intellekt angeht,
Ereignisse sind da öfters schon was - beim Charakter, und Geist, das ist dem, wie's beißt, und es IST nicht genug. Feuilleton hat ja manchmal was
zu bringen, aber das taugt im Ganzen und Einzelnen wohl doch nur zur
Anregung, als Humorisation für Funktionsformen des Intellekts, die eher mit
Intestinalwahrnehmungen gehen. Was los, aber nicht das, was sein will. Im Ganzen fehlt in den Zeitungen also die Wissenschaft, ein Ort, wo das Erken-nen bleiben kann, behält sich, und damit die Welt in Einem Blick. Während
dieser Zeiten geschah viel in der Umgebung meiner Bahnhofsaufenthalte,
vor allem in Paris. Direkt auf dem Rand des Lyoner Bahnhofs, wo ich meist
war, wurde das neue Finanzministerium erbaut, und ringsumher in der

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Stadt überall Brücken, Straßen, Untergrundbahnen, staatsmäßige Großbauten, denen ganze Stadt-Wohnviertel etc. Platz machen mußten, usw. Reiner
Ehrgeiz, gut gekonnt. Einer dieser Bauten empfahl sich sehr, die Villette,
ein Riesengebäude, modernistisch solide, auf der anderen Seite der Stadt,
bei Kanälen und Bahnanlagen jenseits des Ostbahnhofs. Das Riesenhaus hätte sollen werden ein vollautomatischer Schlachthof, doch als es errichtet
war, fand man, daß dafür kein wirklicher Gebrauch wäre und widmete es
um. Daher es nun dasteht als ein Technikmuseum der neuesten Klasse,
dazu Restauration, ein Kongreßzentrum, eine gute, wo nicht dicke Bibliothek und noch solches Kleinerlei, Souvenirs Souvenirs nach Art des Weltraum-zeitalters, ein Planetarium usw.usw. ein richtig guter Ort. Sobald das Ding eröffnet war, ging ich oft dorthin (der Kaffee ist auch gut, wo das Kleingeld dafür ich meist aber erst in den Zügen finden mußte, wenn Reisende hatten welches verloren im Sitzritz oder auf dem Weg zur Tür) und schaute,
was ich finden konnte. Bei der Restauration im Subparterre, wo man durch weite Glasflächen zur sogenannten Geode, dem kugeligen Planetarium hin, auf ein Wasserbecken in einem weiten Hofraum schaut, sind mehrere große Aquarien, darin Fische aller Art aus dem Mittelmeer - eine wache, flotte,
kluge Gesellschaft. Mit denen hatte ich zu Zeiten recht gute Unterhaltung, besonders mit klugen, kleinen Drachenfischen, einem Octopus und einigen großen Schwarmfischen, die interessante geometrische Manöver
im Wasserraum zu vollführen belieben, vergleichbar den geistreichen Elaborationen der Schwarmvögel manchmal. Im Kongreßzentrum nebenan
ist öfters was los, wobei es lohnt, einfach ein wenig Völkerschau zu halten mit den Menschentypen, die sich da finden. Wirklich interessieren und unterhalten kann vor allem die Bibliothek (zu Beginn fand ich schnell heraus, auf
welchen schlauen Nebenwegen in die technische Ausstellung zu kommen
wäre und schaute mich da um; der praktische Witz mancher Exponate und Vorführungen ist ganz gut, aber das Ganze wird nicht oft verändert, daher
gab sich das, mehr oder weniger). Diese (die Bibliothek) ist strikt natur-
wissenschaftlich aufgebaut, und viele Schüler und Studenten kommen aus
der Stadt dorthin, um ihre Hausaufgaben, Referate etc. zu erledigen, unter
Zuhilfenahme geeigneter Bücher. Mathematik, Medizin nehmen viel Raum ein, sind aber nicht rechte Nahrung für mich. Mich interessieren, wie anderswo auch, Lexika (Physik, allgemein), Ethnologie und Anthropologie als
Kulturgeschichte, ein bißchen Zoologie, ein wenig Geographie und vor allem die Astronomie, die nicht schlecht ausgestattet ist. Da ich ein paar Hobbies
in dieser Disziplin unterhalte und Material dazu fand, hatte ich gute Beschäftigung. Die allgemeinen, bilderreichen Dokumentationen astronomischer Phänomene lernte ich ganz nebenher etwas anders

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zu gebrauchen, indem ich mir Galaxien, Nebel, Sternhaufen etc. eher gnomistisch-phänomenal musterte, also wie bei Naturformen hier an der Erde mehr den Bildwert allgemein ansah, das, was man meinen könnte zu sehen über die reine Dokumentation physischer Zustände im All hinaus. Schließlich bestehen optisch dichte Zonen des Weltraums in der Abbildung aus Lichtpunkten und dunkleren Flächen, oft dicht genug, und sind damit schon bildhaft genug. Was dort aber zu sehen ist, schaut man es mit solchen Augen an als wie Miniaturen oder Relief, gibt natürlich rein vordergründig intellektuell nichts her, was sich mit der Akribie reiner Astronomie vergleichen ließe.
Es wird, bei geeigneter Laune, eher inspiriert lallende Literatur davon,
und dafür, einem eine Ahnung für manchmal etwas unerhörte Sagbarkeiten
zu machen, sind die Fotos ferner Sternmengen ganz gut. Nicht zuletzt: derlei, genau so, scheint für sehr lange aus dem All an den Platz, wo sich, so oder so räumlich und zuständlich, die Erde immer befindet, und da scheint schon Einiges durch, da gibt der Himmel Bilder zu manchen Zuständen auf Erden
wie eine miniature Illumination zu Textseiten in Büchern. Das unterhielt,
aber braucht seine guten Zeiten und Launen (stille Sonntage z.B.), um ganz wirken zu können. Alsdann gibt es noch wirklich praktisch nützliche Werke, ein Tabellenbuch z.B. der scheinbaren Planetenorte im tellurischen Himmelsraum, für eine Zeit von je 50 Jahren. Gedacht, gemeint war das wohl für Leute, die sich ein Horoskop herauszeichnen wollen, aber ich fand schnell richtigeren Gebrauch dafür. Da auch exzellent gute Sternkarten gleich nebenbei zu haben waren, benutzte ich die Tabellen, um die Wege
der Planeten, Jahr um Jahr, durch den Sternhimmel als Diagrammlinien auszuzeichnen, und damit kann man unmittelbar in gewöhnlicher Wirklichkeit etwas anfangen, zumal die Dynamik der Planetenfahrten damit auch sehr deutlich wird. Nächst der immerhin vorhandenen Möglichkeit, dasselbe Thema in einem Computer filmisch animiert abzuspielen, ist diese einfache Kartenarbeit wohl das beste Hilfsmittel für jemanden, der die Planeten,
rein so nach Augenmaß, als Anhalt nimmt zur räumlichen und zeitlichen Strukturierung des Weltbildes (wie's ohnehin sicher ist). Für Hobby-astronomen legt man mehrerlei Jahrbücher aus, die für's jeweils Aktuelle diese Dinge auch dokumentieren, manchmal mit Diagrammen der genannten Art, aber dann nicht für alle Planeten. Dazu aber reiche Anmerkungen
über erwartbare Ereignisse, Sternbedeckungen, Konjunktionen, Eklypsen, Meteoritenschauer etc. Diagramme der Venusfahrt relativ zur Sonne,
solche der großen Monde bei Jupiter und Saturn, relativ zu diesen
(als seitliche Auslenkung längs eines Zeitvektors). Dabei auch, in einem Heft, jeweils ein Diagramm, das zeigt, wie die Kurvatur der Merkurbahn um die Sonne verläuft für jeweils ein Jahr. Der Planet Merkur läuft relativ exzentrisch,

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in einer deutlichen Schräge seiner Bahnebene im Verhältnis zur allgemeinen des Planetensystems, und wo er in dieser seiner eigenen Bahnform
stetig und ebenmäßig ist, entsteht doch ein optisch interessanter Effekt,
weil die Erde, die sich im Lauf des Jahres ja selber um die Sonne bewegt,
die Merkurbahn in verschiedenen Schrägen auf Aspekt bekommt und
so der Merkur mal links, mal rechts, tiefer oder höher im Verhältnis zum Sonnenort in der Ebene des Zodiak erscheint. Diese Lineatur der scheinbaren Merkurbewegung zeichnet das Diagramm nach (bzw.: vor), und das sieht
ganz gut aus, wie die Kurve, die eine verrückte Motte um ein Licht fliegt
oder eine solche, welche das Ende eines um Fingerspitzen gewirbelten Kettchens nimmt, wenn man dabei diese noch ein wenig verdreht.
Die Kurve ist sehr suggestiv, lebhaft, und prägt sich gut ein.
Damit aber kommt es nun wieder auf das hier laufende Argument. Wenn
ich von etwas so Sinnfälligem weiß, wie es diese Wickelkurve des Merkur
um die Sonne ist oder auch die damit in anderer Wendung identische des
Planeten in seinem Weg durch das Himmelsbild der Erde, so versuche ich,
wie bei allem sonstwie Sinnfälligen auch, einen Dreh, ein Verständnis dafür
zu finden, wozu das sonst wohl noch taugen mag, als Erkenntnismittel.
Bei der Jahreskurve des Merkur durch den Himmelsbogen der Erde war das bald gefunden: rein phänomenales Anschauen der Linienform im Vergleich mit schon Bekanntem brachte da meist erstaunlich präzise Wahrnehmungen,
die einem helfen, den allgemeinen Ereignischarakter eines damit durch-zeichneten Jahreslaufs zu sehen und damit eine allgemeine Ordnung, einen
bildhaften Kategorienapparat, sozusagen, zu haben, auf den sich bestimmte, dem charakteristisch entsprechende Klein- und Einzelereignisse im Erden-Weltbild, rangieren lassen. Derlei zu haben, nützt allgemein der Ruhe des Erkennens, weil Dinge, die sonst nur als Elemente chaotischer Witzlosigkeit erscheinen wollen, auf einmal sich irgendwie einer allgemein kategorischen Ordnung entsprechend erweisen. Soweit für diese Phänomenalik.
Aber da ist noch dieser Wickel der Merkurbahn um die Sonne selber.
Ich machte mir keine Gedanken extra darüber, aber, wie ich dann merkte: das
arbeitete von selber in mir weiter und präsentierte sich dann eines sonnigen
Tages, als ich im Knechtstedener Wald ein wenig Muße hatte und ohnedies
gute Denklaune, so: Für's Erste wäre es ja schon eine Idee, so viele Merkur-
wickel, mittels geeigneter technischer Werkzeuge, in einem festen Medium
(Holz, Ton, dergleichen) abzubilden, daß dies eine dichte Form gäbe, die einfach dekorativ interessant wäre (weil die Proportionen dieser Schwingung sehr angenehm sind). Praktisch wäre so etwas vielleicht brauchbar als Vase, oder eben auch nur als Objekt für eher ungefaßte, allgemein gewahrende Meditation. In dieser ersten Fassung gleicht das, was es sein kann, schon

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ganz dem Vogelnest(lein), von dem ich damals noch keine fernste Ahnung hatte. Aber diese einmal deutlicher gewordene Idee arbeitete nun weiter:
wo nun dieser Wickel, in seinen Koordinaten die wirkliche scheinbare Raumkurve des Merkur im All denkbar genau (wenn auch darin
allgemein in fester Materie umschrieben) nachzeichnen soll, so bildet sich damit ja jedesmal eine bestimmte Zeitstrecke von mehreren Jahren ab,
die beliebig in der Vergangenheit, weiteren Gegenwart oder Zukunft situiert
sein kann. Die Möglichkeiten, den Ort des Merkur relativ zur Sonne und Erde geometrisch zu bestimmen, die Formeln damit, sind hinlänglich genau,
aber sicher nicht genau genug, die Präzision über beliebig weite Zeiten zu garantieren. Gleichwohl ist die Fehlermarge im Prinzip dieselbe für dieselben zeitlichen Distanzen in Vergangenheit und Zukunft. Man könnte solche Wickel herstellen als Fassungen für einen gewissen Zeitbegriff auf bestimmte, sonstwie ausgezeichnete Zeiträume, beispielsweise große Kriege oder die Lebenszeiten mancher großer Geister, die sich für die Geschichte deutlich bewiesen haben. Nicht zuletzt: der Wickel als Modell der Merkurbahn
für eine bestimmte Zeit umschreibt damit auch implizit den Ort der Sonne
und deren Zustände in dieser real gewesenen oder seinwerdenden Zeit.
Gewissermaßen ist solch ein Wickel die Neufassung des Bi-Themas bei den alten Chinesen, wo eine runde Jadetafel symbolisiert den Himmel, ein rundes Licht (Loch) aber in seiner Mitte die Sonne. Ein Merkurwickel-Artefakt, das sich auf die Lebensspanne eines bestimmten Menschen, oder die Zeitspanne eines Ereignisses (wie der 30jährige Krieg, nur für Beispiel) bezieht, umschreibt unsagenderweise damit auch modellhaft den Ort, den Zustand,
die Zeit, wo die Sonne (Urbild des Lebenslichts etc.) den Merkur so um sich her in Bewegung hielt. Da die Wickellinie aus einer perspektivischen
Entstellung gesehen ist, von der selber so um die Sonne ziehenden Erde her (ohne diese Eigenbewegung des Beobachtungsortes erschiene die Merkur-linie nur als Ellypse in einer statischen, schrägen Ebene), zeichnet der Wickel per se damit schon den Weg und Ort, durch selbe Zeit, des Planeten Erde mit. Diese Linie selber ist eine Aufeinanderfolge von Punkten, dort, wo die Erde an je einem ganz bestimmten Platz, sieht den Merkur an seinem da gleichzeitigen (die Verzögerung durch den Weg des Lichts im weiten All von da her mal außer Betracht gelassen, für hier) in Relation zum Ort der Sonne. Das gibt
eine präzise Linie, deren Bezugspunkt (die Erde) aber allgemein sich bewegt währenddem. Wo der Wickel so abgebildet ist, ist das in keiner Weise sonst mehr sinnfällig. Man kann also dieses dreidimensionale Ding ansehen von jeder beliebigen Seite und Ferne her, obgleich es doch ein-eindeutig wahr ist nur von einer Warte her. Es verallgemeinert sich damit also auch der Standort, die Erde als Bezugsort. Bei vielen Merkurwickeln hat sich die Bewegung des

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Planeten Erde vielmals aus ihren Jahresläufen um die Sonne darin abgebildet, aber der Ort selber über diese lange Zeit auf einer weit ellyptischen,
fast kreisförmigen Bahn, bildet sich nur in einem Punkt, im Raum außerhalb des Artefaktes ab, und nur implizit, nicht materialisiert. Man könnte hier leicht Elemente aus der Erläuterung des Kreises als usw.usw. in Platons Brief über die Syracusaner Dinge wiederkennen. Bei solchem Thema wird auch gerne
die Tangente miterwähnt und die nie genau genug beweisbare, aber aus
der Idee solcher Geometrie ganz klare Tatsache, daß eine Tangente den
Kreis nur in einem einzigen Punkt berührt bzw. dort mit ihm identisch wird. Auffallend geradezu, wie dann die Erläuterung in mehrerlei Weise aufgelöst wird und als in papierweißem Nebel verschimmert; damit aber kommt auch diese Erörterung an einen dezisiven Extrapunkt. Bis hierher könnte man
all dies noch als eine Art Psychologie bezeichnen: etwas Sinnfälliges wird
in bestimmter, klar deutlicher Form dupliziert, um damit eine allgemeine Wahrlichkeit geltender zu machen, die schon so ohnehin ist (Psyche
definiert sich hier in allgemeinster Form als die Abbildung der übrigen Elemente einer Welt in einem Subjekt, ganz wie bei Leibniz die Monade definiert ist mit der Eigenschaft, die übrige Welt mit ihren Elementen in sich abzubilden; die Psychologie ist damit im Weitesten die Lehre, wie mit diesem allgemeinen Verhalt umgegangen wird, wie Gewahrheiten unterhalten und gestaltet werden). Aufblickend Husserl, auf Phoenixflügeln einschwebend Einstein, einige Physiker und Astronomen: also - das Weltall ist ein zumindest vierdimensional kategorisierbarer EREIGNISraum (Heidegger einen Meteor-stein für dieses Wort). Masse, als eine Wendung der Energie, besorgt darin eine Veränderung der Struktur in Form einer sogenannten Krümmung nicht nur des Raumes selber, sondern in einer Weise damit auch der Zeit, insofern zumindest als materiell geschehende (anders ist das nicht erweisbar).
Gerade der Planet Merkur taugt zum Beweis dieses Verhaltes, weil er in seiner Bewegung merkbar gehemmt wird, einmal durch gravitationale Einflüsse
von den anderen, langsamer durch den Raum sich bewegenden Planeten her, dann aber gewißlich und bewiesenermaßen davon, daß die Zeit dort im All,
wo er schon der Sonne so nahe ist, durch deren Gravitation langsamer geschieht - von weniger beanspruchten Raumgegenden her gesehen.
Einstein hat diesen Effekt postuliert und berechnet, und die Astronomen haben das eingemessen und verifiziert. Der Effekt ist (meßtechnisch gesehen) winzig, 43 Bogensekunden in 100 Jahren, aber real und in absoluten Maßen
so deutlich, daß er kann in einem Merkurumlauf schon in etlichen Kilometern ermessen werden. Es wird ja nun so sein, daß dieser Effekt (der sich, das
war hier vergessen, mißt am Perihelpunkt, d.h. dem sonnennäheren Punkt
der Ellypsen-Langachse, wo die mit der Ellypse dasselbe ist) sich in einer

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solchen Wickel-Courbe, wie zuvor beschrieben, mitabbildet, und zwar
so bestimmt, wie diese dem Weg und Ort des Merkur im All gleich ist.
Die Verzögerung der Merkurbewegung selber könnte man ja auffassen als einen Defekt, relativ zu der allgemeineren, freieren Raum-Zeit-Bewegung
in gelasseneren Zonen des Alls. Da schwindet etwas, doch Empfindung sagt, daß das nicht einfach verloren sein kann, daher ein Postulat, das System Sonne-Merkur akkumuliere in einem Gegenstrom darüber Relativität - was hier nur ein naheliegender Begriff sein will, mangels anderer Worte. Da allgemeine Energie verloren geht, muß dies eine Energieform sein, die sich in gewisser Weise dort sammelt und gestaltet. Äußeres Anzeichen dafür ist die winzige Deformation der Bewegung des Merkur. Ein Modell dieser Bewegung bildet also diesen Verhalt unmittelbar mit ab, in dem Maße, wie es der tatsächlichen Bewegung des Merkur entspricht, und zudem, weil dieses Modell nicht zu trennen ist von der Bedingung, daß der Ort der Beobachtung auf der Erde
sich auch bewegt, in so unendlich subtilerem, aber immer noch realen Glast relativistischer Verzögerung, weht wie ein fernster Schatten diese aus dem Artefakte mit, und sogar die der weiteren Allzonen, wo wiederum um so viel subtiler die Planeten usw. Daher das Ding zur Beleuchtung eines alten philosophischen Problems taugt, der Streitfrage zwischen Universalisten
und Nominalisten, insofern sich mit Fug behaupten ließe, in dem Artefakt sei das, was die relativistische Verzögerung als relativistische Energie, oder so etwa, erzeugt, unmittelbar selbst vorhanden - im Maße, wie Eines dem Anderen entspricht. Man kann hier ohne Weiteres auch Gewahrheiten aus dem religiösen Feld hinzunehmen, etwa von der dort geltenden Gewißheit, daß
Gott selber in der Hostie sei, wenn sie erst im Ritus ist dafür erhoben worden.
Dies und das spricht, im Prinzip, von derselben Sache, vom selben Verhalt,
gibt ihm nur zweierlei Ausdruck. Damit ist aber das Thema noch nicht
erschöpft. Der Merkurwickel umschreibt ja die Sonne selber, und in dieser muß der relativistische Effekt um so viel stärker sein, als die Feldkraft der
Gravitation darin zunimmt. Zudem entsteht allein durch die Energiedichte
der Prozesse im Inneren der Sonne noch ein Mehreres. Auch dieses ist durch den Courbenwickel implizit mitabgebildet, obgleich man gar nicht nötig hat, die Sonne selber, das Nestei des Vogelnestleins, mitabzubilden. Es ist nicht gesagt, daß irgendjemand direkten und praktischen Gebrauch für das abstrakte Inkrement dieser sonderbaren Energie hätte, aber in allgemeiner Gewahrheit wird es sicher - auch OHNE bewußte Realisation in einem
lebenden Sinnenwesen - Entsprechung finden, denn die Physika, woran
erst lebende Erkenntnis dazu kommt, sind selber schon Gewahrheitsformen. Die relativistische Dichte in der Sonne ist eine absolute, meteorisch-physikalische Vergewahrheitlichung ihrer Masse selber, und so ist es der

202









Weg des Merkur und die Verzögerung hinzu, usw. Die lebende Erkenntnis
ist ein Luxus im Verhältnis dazu, und daher ziert es diese, solchem Luxus
luxuriösen Ausdruck zu geben. Die Courbe wäre ein Luxusartikel,
Ausdruck einer Lebensweise, die sich zumindest in solchen Einzelheiten erlauben kann, zu Ganzem zu kommen. Bliebe immer noch zu erläutern,
was das mit der Kraft der wunderbarlichen Vogelnestleins zu tun haben
soll, seine Inhaber unsichtbar zu machen (Grimmelshausen auf die Figur eines Philosophen zu zeichnen würd ihm unrecht tun - er ist Literat, ein Ausbund
an Erkenntnis, und hat zu GEBEN, wo andere eher winken und bleiben)
(: der totgeschossene Soldat). Da ist einmal die moralisch codierte Sonderheit, daß solche Leute, welche vom Nestlein klar durchsichtig werden, davon aber nur in brumeuse Seelennot geraten können - derselbe Effekt, im Anschein,
wie hier schon öfter erläutert als Durchklärung und Verschattung, exemplifiziert an den Kohlenwasserstoffen, der chemischen Depotform reiner Sonnenkraft auf diesem Planeten. Das entspricht sich so recht unmittelbar. Dann aber kann man wieder mit der Idee des Courbenwickels selber gehen:
egal, wie er hergestellt wird und worauf er sich bezieht: er ist immer Modell,
Abstraktion, dabei Konjektur, weil einmal der Merkur selber Realisation
genug ist des Prinzips und seiner Wirklichkeit, und außerdem jede
Verdeutlichung des wirklich Darstellbaren daran über den wirklichen
und immer einzigen Moment hinaus, wo der Merkur, definitionsweise immer ein Punkt im All, an nur einem Ort zu einer Zeit, postuliert, aber nicht real ist. Das hat dem entsprochen, aber es ist nicht so, außer in einem einzigen Punkt. Von dieser Absolute abgesehen, wird der Wickel niemals, ob mit oder ohne relativistischen Effekt, die Merkurbahn hinlänglich genau abbilden,
selbst nach einem Begriff allgemeinster Modellähnlichkeit. Wie in einer uneben haftenden Tapete (oder bei einer Tapetentür) wird immer so wirklich viel Spiel zwischen der Realität (: Heraklit) und selbst der besten Idee
von ihrer Duplikation (~ Platon) bleiben, daß ganze Kontinente auf den Moment darin verschwinden können - mit dem Vogelnestlein gesagt -
aber nicht inexistent werden, nur aus dem Begriff fallen. Beim Vorigen
scheint dann auch ein Different zu Platon & Aristoteles auf (nicht:
zwischen ihnen), indem die reine Wirklichkeit, die niemals, das wahre Heisenberg, kann WIRKLICH dupliziert werden, sowohl als prima materia
kann verabsolutiert werden als auch für die Idee, die nur die Wirklichkeit selber ganz ist. Alles andere entspricht Freiheiten, die dem Erkennen
selber konstitutiv mitgegeben sind, und hier mag Theologie finden, wer will - ich hab' damit, für hier, kein Argument.

So.

203









Also: ganze Kontinente können verschwinden in solchen Genauigkeiten
des Unwissens, aber die tauchen da auch wieder draus auf, mehr oder
weniger. Illustrat dazu die sonderbaren Launen Jüngers in den zwei, drei
Tagen vor seiner schweren Verwundung, in denen sich die Fast-Nichtexistenz
ankündigte, oder vielmehr: die sie um so viel vorwegnahm, wodurch ihm
eben, in seinem absoluten Charakter, um so viel gerettet wurde als es ihm
brauchte, die Wunde selbst zu überstehen.
Die Geschichte vom Vogelnestlein illustriert auf ihre Weise viele der Aspekte, die hier nun mehr mit modern-physikalisch vorgefaßter Idee erörtert wurden. so, wie die Courbe nun definiert und erläutert, also Begriff ist, braucht
sie eigentlich nicht wirkliche Realisation, aber mancher reale Gebrauch
wäre wirklich reizvoll. So könnte man Courben herstellen für eine so und
so ferne Zeit in der Zukunft, und sie als Eck- oder Reflexstein etwas außer
hiesiger Aktual-Weltschau stellen, um so über jene erst imminente Realität
zu ventilieren. Man könnte, sozusagen, damit das Parfum solcher und solcher, nur realer Zukunft aufnehmen - durch die haarfeine Differenz zwischen dem, was das Modell adressieren kann, und dem, wie es dort wirklich wahr sein kann - von den Differents abgesehen, die durch Unvollkommenheit des Erkennens und Artifizierens selber in den Begriff kommen. Nach allem,
was ich weiß, enthält derlei aber viel Potential zu wirklicher Katastrophe,
und müßte mit einer Reinheit des Geistes und Gemüts besorgt werden,
deren sich nur Asiaten (Konfuzianer, Zen-Buddhisten) mit einigem Recht
rühmen könnten. An sich, wenn man fein ist, genügt wirklich die Idee davon,
vielleicht ergänzt durch die einfachen und ohnehin anderswie schon praktisch
notwendigen Elemente, die es zur Realisation brauchte - gute Rechner,
gute Astronomie, gute Werkstoffe, präzise Werkzeuge und Maschinen,
Menschen mit Blick für's so Wesentliche, Gewahrheit für das, was hier ja
auch nur kann soweit angedeutet werden, dazu natürlich ein All,
das IST, was dies hier (das Gemeinte) ohnehin nie wird ganz sein können usw.usw.usw. Es mag ja sein, daß man Einstein nicht versteht, aber was ich nie verstehen wollte, das war, weshalb das, was Einstein zu sagen wußte,
das Letzte (und damit Wenigste) sollte gewesen sein, was es mit diesen Dingen zu sagen gibt. Weltraumfahrt in diesen Dimensionen - kannst Du vergessen. Aber in dieser Wendung hier kommt man zumindest
um so viel weiter.

"Das WAR aber jetzt die Bibliothek?!" Si Si. Ich bin's auch ein bißchen leid.
Soviele Worte, und es muß keinem was sein, nicht einmal mir. Beim
Nachlesen nun ist mir nur ein wenig schlecht, wie von zuvieler Heizung,
in der Bibliothek.

204





phi4


Vividextrin. Jouecalin. Port de Caleçon.
_________

(...dann wird schlechterdings gebetet. Für irgendwas wird's immer gut sein -
DAS zumindest kannst Du glauben. Das Gute. Das Gut. Gutes an sich.
So Gutes. Gut ohnehin. Gut Sein. Das Gute den Guten. Gutapercha. Gutural. Gutemiene. Dégouttant - le Temps.) (Das Gute ist, was der Zeit zu widerstehen nicht bedarf. "Es ist doch besser, wenn Geist bei allen Dingen ist. Deine
beste Demut, Mensch: sei Dein eigen Maß - Du KANNST nicht sein das Maß
der Dinge alle; doch müh' Dich nur, titanisch." Und lausche auf das All, so
panisch. Seit der Vernünftigkeit bleibt unerörtert, ob Gott wohl SIEHT. Aber
jetzt wollen sie mal hören. Wenn das so weitergeht in solcher Sinnenlehre...)
_________

Im Fernsehen (vor Augen, die's nicht haben kommen sehen, das F.):
Gymnastik. Höste figura. Und solches Zeug. Das Bekloppteste am Medium
ist diese Genialität des Kalauerns in allen Dimensionen. Aber das ist dem Ägyptischen geschuldet, Kartusche, wie die Glotze ist, im Himmel der
Canopen...
_________

Diogenes (den sie nicht erwähnen, bei den Philosophen):
"Besser ein wissender Hund als ein meinender Mensch!"
_________

Aporische Charaktere...
...in hermetischer Welt.
"yeah, what!"
_________

Eine silbergraue Füchsin nannte mich "hoher Mann". Das läßt sich hören.
Tiere machen (mir) gern Komplimente, und sind da gar nicht schwierig.
Logisch, daß Menschen, die derlei nicht bekommen,
das auch nicht gern verstehen.
_________

Die Tierbalg-Lebensdepeschen haben gewöhnlich drei Siegel: Nase,
Genital und After. Die übrigen Einzelheiten haben mehr erläuternden Sinn.
So ist eben die Welt, sagt das.


205









Elefantinnen haben Brüste wie die Menschinnen unter den Vorderarmen.
Das wird nicht allgemein bekannt sein.
_________

Manchmal gestatte ich Mücken, sich an meinem Blut sattzutrinken. Eine,
der ich dabei genau zuschauen konnte, sonderte dabei an ihrem Hinterleib einen dicken Flüssigkeitstropfen ab, eine blasse, eben schattige, dünne Flüssigkeit, ähnlich Mondlicht. Das tropfte ab auf meine Haut, trocknete an, und die feine Kruste, die davon blieb, bewahrte ich ein wenig auf. Es sind
die meisten Mücken, wie die Ratten, nur dreist, und verdienen, zerdrückt
zu werden. Aber erst hinschauen! Bei starkem Marslicht z.B. tauchen
manchmal sehr gratige, große Mücken auf. Die mit seinem Blut zu füttern, macht eigentlich guten Sinn. Die beißen für den Mars, und das ist kein undankbarer Stern. Mars vergißt nichts, nicht im Guten, und nicht im Bösen.
Außerdem ist der Mars schlimm, aber nicht dämonisch,
wie Merkur oder Saturn.
_________

Gachis gehen...
_________

Wo diese Menschheit ein wirkliches Problem hat: Die Eifersucht
(= Achtsamkeit) von Fürsten gibt ihnen keine Vorsicht mehr in sittlichen Dingen, und die Religion, die sie zu haben belieben, erscheint ihnen nur als Ausbund der Sittlichkeit, ergänzt mittels Dogma, und Raison (Protestanten). Eine wirkliche (ziemlich platonische) Idee davon, was das ist, der Himmel, dieser absolute Daseinsraum, in dem sich jede Einzelheit des Seins
(um grad kein anderes Wort zu suchen) unmittelbar geistig abbildet,
ist denen kein Begriff - was der Nächste nicht sieht oder dessen Sublimation, der höhere Psychecharakter des Nächsten als Priester, Heiliger, Erlöser usw., das ist dort überhaupt nicht gesehen, west allenfalls als sinn- und nutzlose Indulgenzen weitgehend personloser Art im Lebenscharakter mit. Die armen Menschen sehen nicht, daß gute Form, ganze, gute Meinung von sich,
seinem Wahrnehmen, Tun usw. eine ganze, weiteste Wirklichkeit um sich findet, in der sie sich als wie in einem Absoluten erwirkt und abbildet
(die kurze Bemerkung hier anderswo von dem Nirwana, das als einziges Kontinuum ein Wesen ganz sich selber wiedergibt). Wo die Gewöhnlichen derlei bemerken und kommen nicht umhin, seine, um's so zu sagen,
Grazie zu bemerken, da eilen sie sich, psychologistische, sittlich-utilitarische Umwegigkeiten hinzu zu erklären, denn nichts, so ihre arme Überzeugung,

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hat einfach seinen Wert in sich. Und dabei spricht die Religion, der
zu entsprechen sie sich allezeit gerne rühmen, in so vielen Wendungen
von gar nichts Anderem. Aber Religion, wenn's dazu kommt, brauchen sie dann eben auch nicht. Wo das Vorurteil gewöhnlicher Sittlichkeit infrage steht, darf diese eben auch nur gemeint, aber nicht verstanden sein. Ein Geist
ist das, ruhelos polemisch wie jener der Pseudo-Herakliteer. Gewöhnlichste Ausfallform in diesem Verhalt ist die Unfähigkeit (wo nicht der Unwille),
zu begreifen, was Respekt heißt (wörtlich: Rücksicht), als ein Betracht zur eigenen Haltung, zum eigenen Verhalten, der nicht dem Nächsten unmittelbar geschuldet ist, sondern eben einem Dritten, allgemeinen, in dem das Tun
und Befinden Einzelner, auch in ihrer Interaktion, aufgehoben und allein schon der Bestimmtheit wegen, mit der sich Jeder dort wahrnimmt, Gestalt macht und sich so sublimerweise als redlich erweist, gerechtfertigt ist. Dies ist
im eudämonischen Horizont, und Kant z.B. adressiert das recht gut, verfehlt
aber ein wenig die Essenz des Themas, indem das Sittengesetz bei ihm,
so abstrakt er sich da gibt, doch nur in ausdrücklichen Regeln und
Meinungen bestehen kann. Kant ist nicht vornehm, und er bemüht nicht
gern den Geist, sondern nur die Vernunft, den Intellekt der schon seienden
Formen. Zu schade. Wo Leibniz z.B. einen weitesten Horizont eröffnet,
darin Eudämonie als selbstverständlich erscheint, fördert Kant in Konsequenz
seiner Unechtheiten nur die Dämonie in einer besonderen Form (praktisch dieselbe, die Sokrates um sein Leben brachte), indem bei einem allgemeinen, ausdrücklichen Imperativ, vernünftig zu sein als explizit sittlich, der Witz des damit Bornierten alle möglichen Umwege findet, abersittlich zu sein, und kann dabei auch noch erwarten, seiner unausgesprochenen Intellektualität wegen, die das Sittliche benutzt, um eben Dämonisches damit zu erwirken,
die Dämonizität dieser Form von Sittlichkeit darin sogar zu verdeutlichen,
als geistreich zu gelten. Die Dämonie zeigt sich darin, wie es den Einzelnen da gar keine Freiheit (im Konzept) zuerkennt und auch die Wahrheit der weiteren Welt, die sich nicht einfach so bannen läßt, ignoriert. Und was den Geist als diesen Raum absoluter, objektiver Wirklichkeit eines jeden angeht, also...

In Amerika, als es zu Zeiten Reagans genug über sittliche Zumutungen
arbiträrster Art zu stöhnen gab, kommentierte man die sonderbaren
Unwitzigkeiten des präsidentialisierenden Schauspielers öfter mit dem
Epithet "Ignoramus", ein Wort, das offenbar heißen soll: wir WOLLEN
es nicht wissen. Damit bezeichnet sich eine Not, die nicht nur Reagan hatte - das ist ein Charakterzug, der Angelsachsen allgemein und wohl den germanischen Völkern überhaupt (Reagan allerdings ist Ire) kommun ist.
Was man nicht zu wissen beliebt, WIRD man auch nicht wissen lassen

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bei Anderen: da ist die Dämonie, die bannen und zwingen will,
wo nicht anders möglich, so in der Form incontournabler Dummheit, machtbewußter Borniertheit. Na dann...
Pereat mundus, wie's ja heißt.
_________

Musik!

_________

Centimentalitäten...
_________

Feuilletonistenbrot: anschauliches Durcheinander...
_________

"Das Leben - wieso!" sagt die Materie.
"Das sind wir doch. Wir tun doch nur so."

("Zeig ihr, der Materie, was sie mit dem, was sie ohnehin ist, nicht so kann.
Qualität gewinnt.") (Und sorgsam dabei mit den wirklich geltenden
Vorbehalten der Titanen. Die Welt hat Spiel für Vieles, auch für gründliche Irrtümer. Eine Menschheit, die sich von Titanen bedienen läßt, geht damit
in die Schule der Titanen. Darüber ist das große Bild dieser Zivilisation,
im Weiteren, und daher auch erläutert sich der grundsätzliche Widerspruch aus manchen alten - und prinzipiell guten - Kulturen. Wer das nicht sieht,
der wird in dieser Weltgeschichte nur dummen Unfug erkennen - als Spiegel seines eigenen Befindens. Die moderne Zivilisation beweist sich als
rechthaberischer Spielverderber, und demgemäß die Töne und Gesten,
die sie wiederbekommt.)

(Dies bemerkt, weil in einer Zeitung - der FR - ein bißchen mit dem Chaos philosophiert wird. Solcher Chaosbegriff, wie er in den vorigen 2 Jahrzehnten divertiment ausgespielt wird, ist nur der letzte Reduit aller Argumente
des Nominalismus. So gesehen: im All, im Inneren der Sterne SIEHT
der systematisierende Blick Phänomene, die er nominalistisch-positiv
nur mit Chaosformeln fassen kann, aber das ist bloße Abbildung. Was dort
geschieht, ist vor allem wirklich, und damit notwendig in jeder Einzelheit.
Damit sind Strukturmerkmale gegeben, die selbst dem, was als äußerstes
Chaos erscheint, absolut im Grunde liegen, und kein Erkennen,

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das es ernstmeint, kommt daran vorbei. Das Chaosgefasel hofiert einen Geisteszustand der Menschen, und Tiere (Eidechsen) in Gegenden, wo eine glasige Ungefaßtheit des Blickes, eine Aura feinflimmernden Egalseins,
zur Grundfarbe des Bewußtseins gehört - auf Sandböden oft oder
in titanischen Lagen wie im weiten Vorfeld der Alpen; das ist zu allgemein,
zu gewaltig für die Fassung in den Kategorien, mit denen Menschen (einzeln) ihre weitesten Vordergründigkeiten systematisieren. Im Chaosbegriff,
wie auch in den allgemeinsten Strategien global wirtschaftlichen Ausgleichs, zeigt sich eine durchaus nicht in sich schon falsche Tendenz, einen unbestimmten, allgemeinen Gewahrheitsgrund in aller Menschheit gleichermaßen anzulegen und zu unterhalten, vergleichbar dem technischen Effekt der Signalpräzision durch interferometrische Schaltungen
in radioastronomischen und optischen Observatorien. Das ist billig,
tendiert aber offenbar nur zu einem Tonusabgleich in Qualitäten, die ihr Gleichnis in katastrophalen Algenblüten haben. Sozial bildet sich das ab als diffuse Gewalthaftigkeit z.B., was wiederum nicht wundern muß angesichts der titanischen Elemente (Energien, Stoffe, Maschinen), die einigermaßen blindlings hineingemischt sind in die an sich normalsten und natürlichsten Lebensbewegungen nicht nur der Menschheit selber, sondern auch der geologischen, vegetalen, animalischen usw. Substrate, die sie wie ganz selbstverständlich zu ihrem Konsum beansprucht usw.usw.usw.
Eine gute Diätlehre, die's genau nimmt mit dem, was natürlicherweise richtig ist für das Lebensregime, und automatisch mitbeachtet, was wie notwendig dazugehalten wird, wird früher oder später auch in diesen Dingen klarsehen. Wer nur bunt frißt, darf sich nicht wundern über chaotische Blümeranz
in den Gründen seiner weiteren Wahrnehmungen. Und wenn sie da
nicht mehr wissen, da werden sie falschtönend romantisch:
man weiß ja nie, was es bedeutet - wo man selber
nicht gerne genau ist. Alsooo - )
_________

Ein ähnlich situierter Nebenprospekt, aber in einer ganz anderen Dimensio-nierung: in Frankreich (und wohl auch hier) brachte Arte (welches Namens-
wocht man mit katholisch hachtem R schreiben könnte, des Verses wegen)
eine Dokumentation über die Albigenser, oder Katharer. Deren Weltweise
konnte mich schon immer interessieren, einfach, weil ein so absoluter,
guter Reiz ausgeht von dieser Nüchternheit vor der Welt, etwas, das z.B.
auch der aramäischen Welt anzusehen ist, aus der jener Jesus von Nazareth seine originale Idee hat. Der kurze Text der Annonce für die Sendung erläutert
noch einmal: die Katharer kamen vom Balkan her (von gewachsenem Kalk

209









vermutlich) und erlebten sich als Seelengeister, die aus dem Himmel
(einer Auffassung des Alls wohl entsprechend) auf der Erde nur
eingeboren sind "in die Hülle ihrer Haut" und nur eine Notwendigkeit kennen:
aus diesem Behältnis, das sie wie gefangen (~ umfangen) hält, wieder,
mit Chic, sozusagen, im Tode zu entkommen. Das klingt, auch in platonischer Seelenidee, recht wahr (verweigert sich aber z.B. dem, was bei Aristoteles
der allgemeine, der Weltintellekt der Seele ist - dazu auch das hier schon Vermerkte über die Ur- und Weltsittlichkeit, Lao Tse usw.). Die im Ganzen
aber manichäische, persisch vorgeprägte Idee spricht von einer elementaren Wahrnehmung, die auch woanders (im Dualismus vor allem der alten Perser) sich absolut behauptet, und bei der ein Blick in den weiteren Sternenhimmel an sich genügt, klarzustellen, was da spricht. Dazu muß erläutert werden,
daß sich, einer langlaufenden Schwingbewegung der Drehachse des Planeten Erde wegen, die Sternbilder des Zodiak und das ganze Firmament nach
Osten hin, linkswärtig, weiterdrehen im Verhältnis zu den großen Zeitmarken
der irdischen Saisonen, zumal Sommer- und Wintersonnwende, den
höchsten und niedrigsten Punkten des jährlichen Sonnenlaufs durch die
Ekliptik. Deswegen heißen diese Marken, wo sie sich abbilden auf der Erde:
Wendekreis des Krebses (Sommerpunkt), Wendekreis des Steinbocks
(Winter), Widderpunkt (Frühjahrsbeginn), obgleich diese gar nicht mehr
in den namengebenden Sternzeichen zu finden sind. Dieser Effekt der vorangleitenden Sternbilder ist schon seit über 4000 Jahren bekannt.
Mit dieser allgemeinen Bewegung kommen aber nun auch zwei große, einander fast genau im Himmel gegenüberstehende Sternbilder näher
an die Wendemarken des Sommers bzw. Winters, der Orion und der Ophiuchus oder Schlangenträger. Der Erstere ist auch einem naiven, ungeprägten Blick unmittelbar als ganze Figur unmittelbar erkennbar,
der deutlich ein Maß zeigenden drei Gürtelsterne wegen (die zufälligerweise auch alle ungefähr gleich fern der Erde stehen, bei 1400 bis 1800 Lichtjahren), womit die übrigen Sterne, für Schultern und Knie (des Jägers Orion) leicht miterkannt werden (die Orionsage bei den Griechen ist interessant genug
und leicht als das Vorbild für die Christophorus-Sage erkennbar). Die Indianer Mexikos fanden an diesem Sternbild offenbar das Urmaß für ihre Tempel-pyramiden, und die Jäger- und Hirtenvölker der alten Welt kannten allezeit darin die Proportion eines gestandenen, geistvollen Menschenbildes wieder, bis hin zur Figur und Gestik des Apoll und vergleichbarer Erscheinungen
in anderen Kulturen. Dem gegenüber der Schlangenträger aber hat nichts
von dieser Deutlichkeit, erscheint dem Blick vor allem als großer, dunkler,
wie nachtleerer Schatten von ungefährer Gestalt bei der sonst dichtesten Gegend der Galaxis. Es ist müßigerweise möglich, auf eine Nähe dieser

210









großen Himmelsbilder, zusammen mit der Dramatik des Sonnenlaufs
durch das Jahr, gerade über den Kopf des Orion hinweg und später vor
den Füßen des Schlangenträgers vorbei, mit der Phänomenalik der Gesten
beim Fußballspiel zu weisen, besonders, wo Heldentypen mittels Kopfball (Orion) den Ball am Torwart im Gedränge (Schlangenträger, dichter Schatten) vorbei ins Tor (der Galaxienbogen gleich links des Ophiuchus läßt sich
als weitester Torbogen um die Welt sehen) bringt. Oder, älterher:
der Bauer, Hirte, König steht draußen im guten Horizont vor Himmeln
(Orion; der Sonnenglanz als Krone), von woher mit dem Lauf der Welt,
des Jahreskreises, die Dinge sich sammeln in festen, mauerbewehrten Städten (das große Tor), da niemand sein Mensch alleine ist, und
die Sittlichkeit, der Schatten aus der nahen Immergegenwart Anderer,
nur Menschen, den Wert jeden Gedankens, jeder Geste, tendenziell mit vorbestimmt. Bezeichnend hierfür auch die Nähe der Sternzeichen Waage und Skorpion, für das Händlertum, Steinbock für die Ziege, die im Mittelalter und schon im Altertum dort überall mit zustand, und Schütze für eine Reiterei nach Art der späteren Marechaussée. Der Ophiuchus nähert sich dem Winterpunkt eher als der Orion dem Sommerpunkt, um eine Kleinigkeit, was dem sittlichen Vorbedacht Marke gibt dem Originalen und Naturständigen gegenüber, ausgedrückt in dem Anspruch an die Ressourcen im weiteren Horizont
und der Insistenz auf Vorteilhaftigkeit des Handels damit, über die Billigkeit hinaus. Die alten Völker in ariden Böden (Perser, Katharer) aber bilden
diesen Antagonismus der beiden großen Allfiguren viel absoluter ab in ihren Weltmeinungen, einmal in der dualistischen Sage von Ahriman und Ahura Mazda, dann aber auch in Komplexen, die beides sich durchwirken lassen:
als die Heere der Perserkönige, ungeheure Massen von Kriegern,
die in klaren, festgefügten Formationen auftreten und als Inbegriff die Elitegarden haben, deren Individuen möglichst alle dem Krieger-Hirtenideal des Orion gleichsehen. Dies akzentuiert durch die Figursymbolik (und auch wohl praktische Bedeutung) des Stiers, des Rindes, wo doch das Sternbild des Stiers gleich oberhalb rechts des Orion zu finden ist. In solcher Symbolik: die Sonne (= Kraft, Weisheit auch) geht vom Stier in den Halo des Orion,
und wie die Blendung und der Schatten zugleich kommt diese Wendung als persischer Krieger über die Welt. Nicht in Platon eigentlich, aber in Aristoteles ist zu erkennen, wie solche Typik, ein deutlich sprechender Zorn eben in Sublimation, sich auch bei den Griechen Gestalt macht. Die späteren Katharer aber, wie andere manichäisch strukturierte Weltlehren auch zeigten, machen sich eine menschenschlichtere Idee von diesem selben Verhalt. Man kann
den Weg der (soweit: himmlisch-irdischen) Welt ja so sehen, daß aus einer Allseite der Geist (eine Kraft, wie das, was als sublimierter Lebensgeist aus

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der Nahrung, im Ausgriff auf den Horizont erhoben, in Lebenden übrigbleibt) teils durch und an der Erde in die Lebensindividuen geht, dort Gestalt gewinnt, und mit Blick dieser selber auf das unweigerliche Vergehen
in der allgemeinen Materie wieder sich richtet mit Blick auf die Gegenseite
des Himmels, sinngemäß also: aus der Klarheit und Imprägnanz des so kräftediagrammdeutlichen Orionhimmels entstehen die in sich selbsthaften Wesen, Pflanzen und Tiere, von welchen diese Kraft wieder zu selbstdeutlicher Menschen-Lebenskraft wird, deren allgemeinste Wahrnehmung ihres Verhaltes zur Welt ist ein diffuses Verströmen dieser Kraft mit der einfachsten Zeit (Körperstrahlung, Atemwärme, Feuchte usw., damit Grundformen
der Sinneswahrnehmung und der Sinnwendung auf die Welt), was mit
der kühlen, dunklen Leere des Schlangenträgerbildes gut Gegenhalt hat
(in Wirklichkeit ist das All dort weder kühl noch leer, vielmehr voller Staubschatten und diffuser Wärme (: Kohlenkeller), zugleich aber ist
gerade dort in Perspektive die Mitte der Galaxis, die Nabe sozusagen
zu diesem großen Spiralrad des Gesetzes, und verdeutlicht damit eine
Art funktionaler, wo aber nicht notwendig terminaler Finalität usw., damit:
Glaube an ewige Seelenhaftigkeit...). An sich ist eine solche Schau und
Empfindung für die Welt und die Existenz in ihr sinnig genug. Was den
Katharern zum Verhängnis wurde, war aber einmal wohl ein mächtigerer
und ausgeprägterer Geist aus selben solchen Verhalten (: Königtum, Handelsinteressen), dann aber etwas, das aus dem allgemeinen Charakter ihres bevorzugten Welttheaters kommt. Das Volk, das man als Katharer kennt, kommt von Kalkgrund im Balkan und bewies sich auch vor allem in Gegenden Südeuropas, wo gewachsener Kalkgrund ist aus meerischen Zeiten des
Kontinentbodens. Man sollte sich verdeutlichen, aus welch einem ungeheuer allgemeinen, ungeheuer vielfältigen und doch immergleichen Lebensprozeß
in einem warmen, sonnenhellen Meer das stammt. Die Lebewesen dort entstanden aus dem allgemeinen, ohnehin auftriebslevitativen Kontinuum eines Meer-Alls, verbrachten die beste Weile ihres Lebens damit, andere Meeresorganismen zu fressen in einem dort allgemeinen Reflexspiel, wo die Freßreaktion eine kleine Obstination wahrnehmen muß im allgemein Objekten, auf diesen Reiz unmittelbar reagiert und so in sich das allgemeine Gesetz
sich beweisen spüren wird, nach dem Alles dort nur leben und existieren kann. Außerdem ist die Welt des Meeres verhältnismäßig sehr einfach, vergleichsweise: wie ausgefegt. Wo später Kalk daher das Festland formt
und wird assimiliert, da beweist sich sein chemisch-physikalischer Charakter als eine Belebung und Deutlichkeit in Sinneswahrnehmungen, vor allem im Sehen, Hören, Selbstempfinden. Diese Deutlichkeit kann bis zur Obstination sich auswirken des Gesamtcharakters, auch seiner allgemeinen Selbst-

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wahrnehmung, als Schärfe bis zum Schmerz. Diese Wirkung des Kalks
schaut überall mit durch, wo er die Lebenswelt formt, so auch aus Mergel,
wie er in weiten Teilen der Pfalz und des Schwarzwaldes zu finden ist in
Schichtungen nahe unter der Oberfläche, oder entlang der ganzen Donau
usw. (eine gewisse Reizlähmung, Gefühllosigkeit in Nervenenden selber,
bei doch sonst lebendiger und kompletter Sinnlichkeit, macht dort weithin Charakter). Die Katharer und ihr geschichtliches eh Geschick geben das
in gewisser Weise deutlich superstrukturell wieder, indem ihre Expansion
dem Weg etwa von Schneckenschwärmen durch Meereszonen glich
(von solchen ist nicht der wenigste Kalk), sich gewissermaßen obstinierte,
einen Freßreiz totaler Art auslöste in der Mitwelt, die schon länger aus
Gründen lebte geologisch und allgemein lebensweltlich späterer und entwickelterer Art (aus dem Charakter des schon alten Festkontinentbildes her), und wurden vernichtet so total, wie im Meer von Organismen
nichts übrigbleibt als Skelett oder Schale.
Dergleichen hat man durchaus übrigbehalten als die kälkenen Burgen
und Städte (Carcassone), welche die Katharer sich erbaut hatten. Soweit
für diesen Aspekt, obgleich sich noch Vieles dazu bemerken ließe, aber -

die Ökonomie eben...
_________

Ah so, und gar nicht egal möchte mir scheinen, daß gerade Heidegger
ein Weltbild, ein Empfinden in Totale, artikuliert, das sich nicht wirklich
von Katharerweise unterscheidet, und z.B. der (Pseudo-) Dualismus
von Sein und Nichts beim flundernäugigen Jean Paul Sartre will nicht viel
Anderes sein. Der kalte Schweiß einer diffusen "Angst" bei Heidegger kommt
aus dem feuchten, dichten Mergelgrund seiner Weltgegend, aus der er nie
weit weggegangen ist, und im Gegenschein des heroistischen Welttheaters
aus Erstem Weltkrieg und faschistischer Selbstverdeutlichung fernerhin ontologisiert er wie im Schatten des Ophiuchus - der, wie gesagt, absolut gesehen keineswegs kühl ist - damit wieder die diffuse Hölle, die dem Martin H. solche Grund-Angst macht. Bezeichnend auch sein Herzleiden früh,
mit dem er teilweise seine Wegwendung von der katholischen Religion motivierte - auch dies eher Ausdruck eines physikalischen Verhaltes in seinem Weltgrund, dieser originalen Gegend um ihn her. Das Herzleiden erscheint als eine Art Gicht, ein Abbild der Zersetzung des Mergelkalks
durch Humussäure (was in seiner Landschaftsweite über das ganze Gebirge
hin als ein ziemlicher, wo unhörbarer Krach wirkt). Die doch allgemeine
GEISTIGE Sinnenklarheit und geniale Intelligenz, die er beweist, kommen aus

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dem Kalk. Daß er aber nur wie in kühlem Nachtschatten denkt und spricht,
aus der Uneigentlichkeit des originalen Kalkcharakters, indem der durch die organische Säure gebrochen und geklärt ist in einem Timbre wie bräunlich klarer Schatten. Seine Sympathien mit dem ersten Faschismus reflektieren
auf die dem ähnliche Phänomenalie in Torfbruch und frischem Rodeland,
aber sinnigerweise konnte er sich da nicht wirklich drauf einfinden -
dort machen eben Sände, Silikate meist Supercharakter, und daraus
entsteht eher Drachengeist (der Leviathan des Krieges). Das konnte er nicht so empfinden. Bezeichnend bei ihm, so wie im Alemannischen allgemein,
eine patente Gottlosigkeit, die einen wirklich bestürzen kann, wenn man ihrer in ihrer Totalität ansichtig wird. Keine Religion kann da irgendwas, außer,
die Gesten allgemeinster Sittlichkeit zu richten. Der Grund ist einfach nicht
da, aus dem die Menschen überhaupt metaphysisch z.B. empfinden können.
In manchen Gegenden Deutschlands, viel weiter nördlich, ist ohne weiteres
ein Parfum, sozusagen, in der Himmelsluft zu spüren, aus dem unmittelbar
Rom und seine Gegend des Mittelmeeres mitanklingen, für den, der jene
Gegenden fern kennt. Aber im Badischen, im Schwarzwald, die doch so
viel näher an Italien liegen (vor allem aber direkt in der Nebenzone der
Alpen, diesem Ausdruck titanischer Kräfteverdichtung), da ist das alles weg und die Erde liegt da vor dem All, als wenn es gleichwohl keinen Himmel gäbe, das eben, was woanders in einer unmittelbaren Dichte mitgegenwärtig ist
wie die Farbe, der Schein, der Duft einer Blüte. Zu sonderbar, und wirklich schade. Deswegen (weil dem so ist bis in die ganzesten Empfindungen der Menschen) (und auch der Tiere, wie ich finden mußte), gibt sich Heidegger partout nicht mit den Themen ab, die auch nur fern von Metaphysik
wissen, nimmt allen Geist nur philologisch und phänomenal in seinem existenzialistischen Sinn, verblüfft damit alle Geister durch die Unvermitteltheit solcher Weltbildbegründung, und selbst die läßt sich
sowohl philologisch als auch existenzial aus der weiteren Umgebung
seines Lebensortes ablesen, wo sich nicht fern die ziemliche Bodenlosigkeit
des Donautales eröffnet zwischen sogenannten Bluffs, d.h. hohen, steilen Kalkzinnen, deren Formen herausrasiert worden sind durch Verwitterung
in mikrofeiner Kalkzersetzung, aus Moos- und Flechtenwachstum etc.
In dem wunderbar breiten Moosboden, wo eine weitere Anomalie, das seitlich wegbrechende Wutachtal, zum Rhein hin, beginnt, ist ein landschaftliches Ebenbild erkennbar zum Tal von Sils Maria, wo Nietzsche für lange Zeit
gelebt hat, und wo nicht wenige seiner Schriften entstanden sind. Vielleicht beleuchtet das gewisse Züge an seinem Raisonnement, wo man meinen will, ihn existenzialistisch verstehen zu können in einem so
quasi heideggerschen Sinn.

214









Heidegger, ein Schelm wie der aber!!
_________

"Mimmi, dimmi che cosa c'è la ragione!"
Panto tanto sai la veritá.

Oder sowas!
_________

Man könnte sagen, könnte man, der Modernismus, Kubismus usw. seien
ein letzter und ziemlich gelungener Versuch in idealtypischem Kunstschaffen gewesen. Was seither ist, reflektiert mehr auf die Unfähigkeit eines weiteren allgemeinen Kunstpublikums, anders als konsterniert auf alles zu reagieren, was nicht seinem unmittelbaren Geisteszustand entspricht. Was aber den Begriff von einem Publikum als weitestmöglichem Gewahrheitssubstrat betrifft, so ist ja dies auch eines der Probleme in der Staatswelt, wo doch
da die Meinung, man müsse die allgemeingültigsten (philosophisch:
wahrsten, soziologisch aber: allgemeinst vermittelbaren) Prinzipien
zur Richtschnur des Beobachtens und Handelns nehmen, sich in dem
Geltungsanspruch jedem einzelnen Individuum gegenüber Figur macht,
ein totalistischer Republikbegriff, über dessen Geltung und Varianz ältere
politische Ordnungen wesentlich klüger gewesen sind. Immerhin klärt man alle Subjekte von klein her auf in solchen Belangen (soweit sie wichtig
genommen werden) und erzeugt damit im Allgemeinen ein geltendes,
sich fühlendes Individualmuster von beispielhafter Banalität, wo zumindest Raisongesten meistens Resonanz und Entsprechung finden, selbst und gerade bei Abwesenheit sittlicher oder personaler Vernunft - wenn das kein Fortschritt ist! Dementsprechend: aus aktuellen Anlässen wird nun öfter
über die sogenannte Allgemeinbildung vokalisiert. Kurzes Nachdenken
bringt, daß damit wohl nicht eine Bildung gemeint ist grundsätzlicher und brauchbarer Strukturen und Elemente, auf und aus denen eine nennenswerte persönliche Bildung je nach Weltkenntnis und Lebenslauf sich fügen und verdichten kann, sondern nur solch ein Konglomerat von Bildungselementen im allgemeinsten Sinne (vergleichbar dem sonst gebräuchlichen fazilen Kulturbegriff), das in der Allgemeinheit der Subjekte (in diesem totalistischen
Sinn) sollte sowieso, "irgendwie" anzufinden sein - eine Streubüchsen-
wirtschaft mit dem Volkskörper, ohne jeden wirklichen geistigen oder
kulturellen Anspruch. Und so, in dieser Scheuheit vor wirklichem Geist,
wirklicher guter Raison, die heftig klappernden Gesten der Zurichtung
des sogenannten Bildungswesens. Gott, sind die alle heimatlos,

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selbst wenn sie an ihren Verhältnissen kleben wie nasses Sauerbrot!
_________

Wie man Ahnungslosigkeit illuminiert...
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"Warum soll man DAS denn SO sagen!"
Ja, sagmer das doch mal so!
Is doch egal.
_________

Das philosophische Wörterbuch. "Selbstbewußtsein", zu Descartes:
"Mentale Zustände im Sinne der cogitationes haben die Eigenschaft,
daß ihr Auftreten nicht nur faktisch der Fall ist, sondern daß davon auch ein unfehlbares Wissen möglich ist." Stellt man in diesem Satz statt "davon" : "damit", so ist zwar es nicht mehr jedermanns Sache, das einfach für wahr
zu halten, aber das erklärt, wie es sich positiv damit verhält, daß bei Descartes Seele (Erkennen) und Körper keine positiv definierte Interferenz haben.
Darin liegt gewissermaßen eine Anleitung zu erkennender Meditation.
Der Körper ist so nur das stillgestellte Gefäß, worin nun der Geist eine ganz
bestimmte Freiheit hat, indem er völlig losgelöst von den Notwendigkeiten körperlichen Seins und Tuns sich nur seinen allgemeinsten Erkenntnissen überläßt. DASS er sich dann vor allem damit befindet, seiner Gewahrheiten selbst gewahr zu sein, ist nur gewöhnlich. Aber diese Gewahrheiten haben
eine Form, haben Inhalte, die im Geiste aufgehen, gewahr werden und
wieder vergehen, so, wie Sternbilder im Himmelsbild aufgehen, scheinen
und wieder untergehen. Dabei bringt es die meditative Grundstellung der Gelöstheit von körperlichen Akten oder der Disposition dazu mit sich,
daß sie nicht nach Ausdruck suchen und somit eine andere Qualität haben
als z.B. logische Sinnungen - es sind Gewahrheiten meist völlig sprachloser Art, und insofern gleichen sie schon ziemlich der geistigen Form platonischer
Ideen, sind aber gewissermaßen flacher, indem sie sich auf dem Grund des Bewußtseins abbilden, vergleichbar den Schatten an der Wand im Höhlen-gleichnis, von denen sie aber wieder elementar verschieden sind, indem
ihr Erscheinen und Vergehen eben den Gängen im Sternenhimmel gleichen, dort also, wo Jene zu erkennen kommen, welche die Gefangenschaft der Höhle, das Feuer der Sonne (: Symbolik der absoluten Herrschaft des so
genannten Sonnenkönigs) überwunden haben. Und: die Erkenntnisse dort
sind nicht nur allgemeiner Art, überzeitlich repräsentativ allgemein, sondern
haben eine gewisse Ordnung des Erscheinens, an der die Gewahrheit

216









Merkmale findet nicht nur, wie die darin abgebildeten Dinge sind, sondern welche und wie sie sein werden, der zeitlichen Erfahrung vorausgehend.
Darüber wird Descartes nicht deutlich, aber das ist eine der Wirkungen sowohl
der Betrachtung der Welt im Modus der Ideen als auch in der Form solcher
Meditation in gelöster Seelenverfassung wie bei Descartes. Um das noch genauer zu sagen: solche Gewahrheit sieht Dinge kommen, die nicht
äußerlich vorhersehbar sind und die sich noch nicht ereignet haben, nicht in Formen, die je nach Charakter des Meditierenden und seinem Ort im Weitesten
der Welt diverse Erscheinung haben werden, meist als Variationen, aurale
Veränderungen, die sodann aus der Stille her irgendeine logische Bewegung erzeugen, welchselbe sich nicht schon aus anderer gängiger Logizität erklärt, und irgendeine empfundene Sinnfälligkeit, vielleicht ein spontanes Wort, bringt das auf den Punkt. Was aber hinzu das wirkliche, äußere Ereignis
sein wird, das wird dem in signifikanter Weise entsprechen. Wie Condillac
sodann mit zwei, drei Worten auf Descartes referiert - wobei er ja kein bißchen auf das Problem der res cogitans / res extensa Bezug nimmt, zeigt, wie selbstverständlich Descartes verstanden wird in dem hier erläuterten Betracht. Auch läßt sich hervorheben, was an dieser Meditation metaphysisch ist: indem der Geist so in den Grenzen des stillgestellten Körpers aus dessen akutem Weltbezug sich löst, begibt er sich sozusagen in den inneren Raum, der dem allgemeinsten Raum um alles je Seiende entspricht, welcher der weitest gefaßte Ort metaphysischer Weltwahrnehmung ist. Das Befinden innerhalb eines zeitlich und zuständlich umgrenzten Kontinuums,
das der Leib ist, ist, vergleichsweise mit dem weitesten Theater jedes jemals
Existenten, unbequem genug, aber diese gewisse Freiheit des Erkennens
darausher genügt, den Geist in diese selbe Dimension zu bringen, den
Körper als Schwelle oder Begrenzung nehmend, als Anhalt, der an sich vor
allem Gewißheit in die Wahrnehmung bringt und eine quasi mathematische Genauigkeit und Notwendigkeit darin, wie sich die weitere Welt im Selbst abbildet, und dieses in Jener. Wie in mathematischen Dingen auch, so ist da
sonst keine Begrenzung im Sinne eines Endes, aber jede Menge möglicher Präzision im Sinne wahrnehmbarer Verhalte. Solche Wahrnehmungen
(die descartischen) sind ohnehin Element der Selbst- und Weltwahrnehmung
in jedem lebenden Erkennen, auch wenn es sich darauf gar nicht einfinden möchte, und insofern ist Descartes patent hermetisch; die Nichtüber-
einbringbarkeit von res cogitans und res extensa ist der Ausdruck oder Schlüssel dieser Hermetik. Die Seele der Welt wandert durch den Geist,
gelöst in sich als wie in einem Körper leblos. C'est ça.
_________


217









Encounter groupies...
_________

Auch die Dämonen haben ihre Welt nur zu Lehen.
_________

Ein Stern aus lieben Häuten - die Frau...
_________

Und Michelangelo kann nichts dafür.
Kleine Meditation über die Station:

(entfällt)
_________

(aber dies:)
Die Märkte, das ist nicht die Welt der Künste. Die Kunst, das will hier nicht
sein das optimal Künstliche, sondern wie ein nicht einfach nur von selbst
werdend Ding genauestens zu dem wird, was es mit dieser Welt sein kann -
das ist mehr, als ein Mensch mit überlegter Absicht kann hineintun
(sehr schön die mögliche Referenz zum Totenbuch, den Moment,
wo zur geschehenden Konzeption noch etwas hinzutritt, codiert dort
als der Moment der Zeugung, wo ein weltverlassener Geist, "auf der Suche,
zu sein", hinzukommt) ( das Wunderbare daran ist, wie wenig mystisch das ist, wo es doch Geist hat wie mystischste Momente). Das ideale Kunst-Werk,
das ideal Geschaffne ist also jenes, das in aller möglichen Dimension
so notwendig und wahr ist in sich und (Monaaade!) der Welt, wie Materie
sein muß (in Strukturen vielleicht), um lebendes Leben sein zu können
UND Geist damit.
Ideales Schaffen daher geht mit einem Sinn, der DARAUF schaut, SO schafft,
in dieser Weise genau und vollkommen ist. Gewisse Formen der Literatur,
der Musik, inspirierter Malerei sind da banausenfester als andere Mobile.
Und sonstige Kunst, die wachhält für die Möglichkeit, dies zu erkennen
und zumindest zu meinen, gilt.

Den Banausen erkenne daran, daß er nervös ist. Den Erzbanausen daran,
daß er sich aber so meint. Man sagt nicht bald Gutes über Jaspers, und
der fand ja auch eher Ungutes, darauf zu referieren. Aber wie manch Andere
auch, so hat er mindestens eine Sache, womit er sich ausweist, und das ist
hier: die Ruhe. Damit steht er recht unmittelbar bei dem Guten, dem seit

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Platon sagenhaften. Mit diesem Perzept befindet er sich ganz gut
neben Lao Tse. Ruhe und Bewegung einander bedingen, heißt es dort,
und wenn man jetzt nur ein ganz klein wenig relativistisch ist -

hihi.
_________

"aus Gründen des Ungeists ver - bo - ten". . .
usw.
_________

Norm-Prägung. (e-Norm-Prägung).
_________

...und Deviates. Was nicht sein kann, versucht's mit Un-Sein.
Daher eine Psychologie der Sottisen. Subtil-Sottisen. Subtisen.
Grossières Unbewußtsein.
_________

Der Unmensch als Unmaß der Dinge...
_________

Jeder Punkt im Raum hat seine eigene Unendlichkeit um sich und jeder
in der Zeit seine eigene Ewigkeit. Vielleicht nützt es, sich dessen
gelegentlich zu entsinnen, damit den Antagonien des Phänomenalen
ein wenig zu entkommen (: Nirwana)...
_________

Wenn ich in deutsch beschränkter Gegend (für ein Beispiel) Dinge sage
in einer dort fremden Sprache, einfach weil ich damit eine Wahrnehmung habe, die im Deutschen, der anders vorgeprägten Sprachformen alleine schon wegen, nicht selbstverständlich sein will, so wird die Gewöhnlichkeit sich darüber haben und sehr möglicherweise sagen: was redet der da, ich höre
nur Laute, die mir nichts sagen. Also: die Gewöhnlichkeit wird immer eher
versuchen, bei dem zu bleiben, was sie an sich schon hat, und ihr Vorurteil gelten machen, so lange das Meinbare ihr nicht genügt. Genügsamkeit
solcher Art wird es immer vorziehen, sich mit Dingen zu beschäftigen, sich
an ihnen zu entzünden, wo vom Real- und Sprachbewußtsein her es Reiz schon finden wird. In einiger Absolutheit genommen, definiert dieser Verhalt
das, was das Ding an sich bei Kant ist, und ebenso ist hiermit beleuchtet,

219









wieso man Immanuel Kant an sich nicht mit Platon in einem Atemzug
nennen kann. Was hier nämlich hinsichtlich verschieden einmessender
Gewahrheit nur am Beispiel von Sprachformen und damit weiterhin
kohärenten Wahrnehmungsfeldern bemerkt sein will, das läßt sich auch absoluter sehen, mit dem Vorhalt des Unterschieds etwa zwischen dem Geist, der Ideen sieht, und dem, der sich mit dem allgemeineren Begriff der
Vorstellung behauptet, und damit läßt sich auch genauer bestimmen,
wo Leibniz sich befindet, an einem Angelpunkt nämlich zwischen einer Welt, die mit Ideen sich bestimmt, und einer, wo Vorstellung den allgemeinen Charakter macht, und da, eben, läßt sich zeigen, wieso Leibnizens Verehrung für Platon zweifelhaft ist. Er denkt nämlich wirklich nicht daran, die Welt nach
dem Konzept der Idee aufzufassen und auszugestalten, sondern postuliert,
genau genommen, einen subtilisierten Universal-Nominalismus, indem
der Verhalt, wie jede Monade alle anderen Monaden abbildet, eben der nominalistischen Weltannahme prinzipiell eher entspricht als der Idee,
darin es auf ubiquitäre Gegenwartspräsenz anlegt und eben nicht auf die Präsenz eines jeden ideehaften ens in einer allgemeinsten Weite. Auch eine Supermonade des leeren, ungefaßten Raumes zwischen & quasi über allen anderen ändert daran prinzipiell nichts. Das ist, genauer besehen, schon Existenzialismus, und nichts sonst. Das möchte nicht egal sein und muß daher wohl extra ein wenig herausgearbeitet werden. So verdeutlicht,
finde ich daher einen so geistreichen Versuch, sich an der Weltauffassung
im Sinne der Idee vorbeizudefinieren, ausgesprochen degoutant. Das ist unbillig. Schon öfter habe ich finden können, daß eigentlich ganz intuitive,
nur empfundene Wahrnehmungen, wie sie sich in der kleinen Bemerkung darüber äußerten, die Komplimentationen Leibnizens Platon gegenüber klängen unecht, so, als werde er gar nicht daran denken, es mit dem,
was Platon meint, überhaupt aufzunehmen, sich auf die Dauer
als das Richtige beweisen werden.
Ich habe mich nun wochenlang weder praktisch noch in Gedanken mit
diesen Dingen beschäftigt, andere Dinge getan und die Philosophiegeschichte
(das wirkliche Buch) beiseitegelassen, gestern es aber wieder herbei-genommen, es nur aus dem Regal geholt und zurechtgelegt. Und prompt,
anhand nun einer ganz anders beginnenden Beobachtung wieder aus meiner
praktischen Umgebung, kommt es damit auf diesen Punkt, steigt mir über
dem Schreiben diese Gewahrheit in den Sinn, und geradeso, eben, das
weiß ich doch aus langer, eigener Erfahrung, kommen Gewahrheiten und
Gedanken aus der Welt der Ideen ans Licht, steigen im Inneren fertig und
sagbar hervor, ohne daß ich auch nur einen Gedanken in all der Zeit hätte
bewußt darauf verwendet - selbst die Philosophie an sich oder diese ganze

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Textsammlung hier sind mir Nichts gewesen. Das war egal. Aber dieser
Verhalt, Platon & Leibniz betreffend, ist es nicht. Das ist so elementar, daß es
keine Ignoranz verträgt. Monaden befinden sich, wie immer geistig man das sehen will, in einer Art Echoraum miteinander, also in einer Art Binnenzeit, deren reinste Form die reine Gleichzeitigkeit ist - und von Anderem wissen
sie nichts. Das ist Existenzialismus, so, wie ihn dann Heidegger nur noch
ein wenig akuter gefaßt hat, indem die verlaufende Zeit als Absolutparameter noch hinzugetan wird. Und was man dort fragwürdig finden kann,
das gilt dann eben auch schon bei Leibniz, ist eben auch dort fragwürdig.
Und wie schon öfter: bei Descartes kommt man zwar aus dieser Falle
nicht hinaus, aber sie wird wie inexistent, indem die Gewahrheit, die weiß,
daß sie existiert, weil sie realisiert und indem sie das tut, nicht als
Vorstellung bestimmt ist, daher sich sowohl in die Gewahrheitsform
der Ideen in weitester Ewigkeit finden kann als auch in solche
Raisonnements, die mit der Vorstellung argumentieren diversester Form,
als Anschauung abstrakter Art wie in der Monadenlehre, als Empfindung
im Existenzialismus usw. Das ist divin! Denn niemand, der nach dem philosophiert (oder, genauer gesagt, philosophisch raisonniert) und dabei nicht konzeptionell (wie mit der Idee) vor Descartes zurückweiß, kann der einen erkenntniskritischen Wendung auf dem Wege zum cogito etc. entgehen, daß wohl prinzipiell jedes Argument, das auf expliziter Vorstellung oder Vorstellbarkeit beruht, eben grundsätzlich zweifelhaft ist. Das ist so leicht argumentiert, und so profond, sieht man es dann im Verhalt mit jenen Ergründungen, die meinen, unbekümmert sein zu können darin, WEIL da
eine anscheinende Aporie eben vom cogito den Weg in die praktische Welt verstellt. Das mag sein, aber eben nicht da wird bestimmt, was die Erkenntnis in Vorstellungsformen wert ist, sondern in dem Gang der Argumente, weshalb die reine Erkenntnis in sich das einzig Gewisse ist. Lauter leeres Licht - so geht es nicht, und die in vielem Raison-nement seit Descartes spürbare, bei Hegel z.B. fast hysterische Absurdität des "aber doch" spricht immer gegen die Denker, und für Descartes, denn so sind sie wohl, die Töne des Dämons, der sie alle täuschen kann!
_________

Leibniz ist der Patron des Zweiten Weltkriegs und der Weltraumfahrt. Ahoi!
_________

Die alles Übrige in sich abbildende Monade, die triadisch verkettelte
Interdependenz Alles und Jeden bei Hegel - derlei weiß von keiner Freiheit. Das ist so und so totalistisch und läßt an Transzendenz oder der Möglichkeit

221









dazu nichts übrig. Schwerer, schwerer Makel.
Die Mathematik ist es wohl, die sie immer wieder verführt, in solcher Weise totalistisch zu sein, indem alles, was mathematisch sagbar ist, in seiner Notwendigkeit auseinander hervorgeht. Aber die Mathematik ist nicht die Welt, und die Philosophie, so sehr sie manchmal Gebrauch haben mag für
die Eindeutigkeit mathematischer Zuordnung, ist nicht die Mathematik.
Wo keine Freiheit ist in den Elementen des Meinbaren und ihrer Zuordnung, nicht: zu den Dingen, sondern zueinander, da ist keine Kunst. Auch Kunst
und Mathematik sind wohl nicht dasselbe, wohl aber mag Philosophie eine
Kunst sein, indem sie im Ganzen ein literarisches Unternehmen ist und
nicht so sehr der totalen Bestimmtheit bedarf in ihren Begriffen als einer Elastizität des Zurechtfindens. Man kann nicht von der Mathematik sagen -
wie doch von der Philosophie - sie habe ein allgemein bestimmbares
Erkenntnisziel. Mathematik kann man nur so ab- und durcharbeiten,
wie sie eben sein wird in der reinen Notwendigkeit ihrer Verhalte.
Philosophie aber...
_________

...Tradition (auch schlechte, gerade die) als die Quasitranszendenz
der Begrenzten...
_________

1 Nunctim...
_________

Die "Idee" der Diesseitigkeit:
Ideengeschichte - das kann doch, genau besehen, nur bedeuten die Dinge,
die in ihrem Ereignischarakter eine Idee zu verdeutlichen helfen.
So gesehen: wenn man die nominalistische Wendung in der Philosophie
(seit Duns Scotus etwa) in ihrem weiteren Fortgang betrachtet - welche Idee verdeutlicht sich damit, was will das sein! Eine Wendung gibt's, die immer auf ihre sonderbare Weise Verstand daran findet; das ist die der Wiedergeburt, daß man also - das empfiehlt gewissermaßen auch die Ideenlehre - sein Dasein nicht als Zufall wahrnimmt, sondern lernt, eine gewisse Notwendigkeit
dessen zu sehen, wie und wozu man geboren ist, und findet mit diesem gewissen Perspektivort die Wahrnehmungen, gerade mit den geschichtlich
verbürgten Törns der Philosophie, zusammen. Schon zeigt sich eine
Notwendigkeit auch darin, die nicht aus dem Sinn für Notwendigkeit
bei den Denkern selber entspringt, sondern...


222









. . .

Zahnstein der Weltalter. Zeit zum Nachdenken gehabt. "Also, wovon
soll denn da die besondere Erkenntnis kommen, bei diesem - Artefakt?!"
Ja, darüber denke ich nach. Ganz allgemein: aus der Differenz zwischen
dem, was die Wirklichkeit ist und der notwendigen (nicht z.B. fahrlässigen)
Differenz dazu im Konzept des Artefakts. Aus dem "Noch etwas", von
dem die Erörterung in den Syracusaner Briefen spricht. Dabei eröffnet sich
zunächst ein interessantes Problem, nämlich das, ob die Mathematik oder das, worüber sie ist, eine von der realen Welt differente Existenzdimension hat. Dann wäre nämlich das Problem nicht so sehr ein solches. Die Mathematik wäre die eine Absolute, die Realität, die sich notwendig von jedem begrenzten Konzept oder Modell von ihr unterscheidet, eine andere, und die Differenz zwischen beidem ist dann das, was geeigneten Sinnen sprechen wird,
der Logos. Ich möchte solche Fragen hier nicht austragen, sondern weitere Aspekte plazieren. Das Artefakt insofern als rationales Weltzustandsmodell
hätte eine essentiell nominalistische Form, indem es nur von dem spricht,
was sich in kritischer, nominalistisch-rationalistischer Methode an Kenntnis
aus der Welt erkennen und behaupten läßt, aber das Konzept des Artefaktes und sein Gebrauch, die Meinung oder Weisheit, wozu es gut sein soll,
ist quintessentiell universalistisch. Man kann einen ganzen Pavillon
scholastischer Klugheiten und Auseinandersetzungen damit aufziehen.
Dann: das Artefakt ist im Prinzip allemal eine psychische Aktuation,
indem es eben Welt-Wirklichkeit in einer bestimmten Form abbildet,
so wie Auge und Geist abbilden, was sich bietet. Dabei ist Menschenwerk,
das dies besorgt, nur ephemer, nicht wichtiger, aber so absolut elementar
als wie Photonik und physiologische Chemie in den Abbildungsprozessen
und gestischen Selbsteinnahmen (Perzeptionsformen) beim Duplizieren von Zuständen (Dingen) der Welt im Wahrnehmungsraum lebender oder auch unlebender (: camera obscura) Subjekte. (Man könnte ja sagen, die Welt
bilde sich auch dann in einer camera obscura ab, wenn gar kein Licht von ihr dorthingelangt) (damit ein Begriff, was hier manchmal "Dimension heißt.) Ebenso ist ein solches Artefakt schon "Psyche", einfach indem es so
existiert und duplikativ einen Zustand, eine Ereignisform realer Welt abbildet.
Die Erkenntnis aus der Differenz kommt dem Menschen (oder wer das Artefakt sonst herstellt) nicht eigentlich daher, weil dort eine solche sein wird,
sondern weil er sich tatsächlich als Exaktor betätigen muß, damit eine
solche Abbildung ereignet werde. Solches Tun ist in einer Dimension
mit solch möglicher Erkenntnis, weil eine solche ja auch nur als erlebt in irgendeinem Sinne kann wahrgenommen werden. Solches Tun schafft einen

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Ansatzpunkt für Gewahrheit. Nebenher läßt sich ja auch nur die Bewegung des Merkur als anzeichenhaft für den elementaren Grund dieses Verhaltes,
die Sonne selber, adressieren, und was dort der Merkurverzögerung etc. entspricht, läßt sich nur logisch gewahren (in seinen Effekten z.B. allgemein mathematisch-physikalisch bestimmen), aber nicht fixieren wie der
Merkur auf seiner Bahn, daher dort von Anfang an kein Ansatz zu solcher Differenzwahrnehmung ist, die Gewahrheit diesbezüglich also ohnehin
viel allgemeiner und offener ist. Mich unterhielt, als ich dieses Spiel zunächst ausdachte, der Gedanke, daß doch die Schweremitte des Sonnensystems nicht genau in der Mitte der Sonne liegt, sondern durch die Bewegung
der Planeten so etwas wie walkend um diese her mahlt (...die Kühe kauen
so wieder, des Mittags still vor der Sonne am Boden lagernd). Das spielt
da auch, usw. Im Ganzen also wäre ich sehr vorsichtig damit, irgend einen absichtlich gesuchten Zeitraum in der Zukunft einfach mittels des Artefakts anzupeilen und zu befragen - die Sage von den allzu selbstinteressierten Benützern des Vogelnestleins bei Grimmelshausen beleuchtet in ihrer
Weise, wieso. Aber es gibt ja noch die Vergangenheit und dort einen
gut dokumentierten Ort. Keinen geographischen, sondern eher einen konzeptionellen, nämlich die Stellein den Briefen über die Syracusaner Dinge, wo die Erörterung des Kreises als Begriff für die Idee etc. so auffallend aufgelöst wird. Darumher ließe sich ein Zeitraum bestimmen, wo sich
die sagenhaftesten der griechischen Denker bemerkbar gemacht haben,
eine Gegend von vielleicht 200 Jahren. Und dazu wäre das Courbenartefakt vielleicht eine meinbare Zutat. Was im Hinblick auf die Zukunft immer guten Gewahrheitsanhalt gibt, nämlich die als das Futurum-II-Theorem (oder so) bezeichenbare Tatsache, daß egal, was wie werden und geschehen wird, wird irgendwann aber sicher geschehen sein, darf auch hier zu Sorgsamkeit raten. Man nehme daher als Material für solch ein An-sich-Ding vielleicht den Stoßzahn eines Schwarzmeer-Mammuts, das ja sicherlich weiter aus der sicheren (lebenden) Vergangenheit mit hinzutut als die Zeit, in der Griechenland dem Rest der Welt denken zu geben fand. Da ein (gerade
ein solch spezielles) Ding hier auf Erden ohnehin nur Pfand wäre unwürdiger Meinungen über seine Kraft und seinen Wert - am besten schösse man
es zum Jupiter, oder zum Uranus, wo's so bald Keiner von diesem Planeten
mehr wird anfassen. Die Amerikaner wa-ren schon so frei, Totenasche
(wie kunstlos!) auf den Mond zu schießen. Diese Weltzivilisation hat
das Zeug zu all den Gesten, die ich hier so angezeichnet habe - sonst
könnte mir solches Geding gar nicht einfallen. Ich lob' sie mir dafür
und mehr will mir auch nicht einfallen, dafür zu behaupten.


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Mir genügt der Spaß, derlei zu erdenken. Prima, Jungs. Und da ich alleine
mit dieser Erdenkung eine sichere Differenzphase definiert habe zum sonst
so kunstmäßig, denkerisch, zivilisatorisch und weltalltechnisch ohnehin
absehbar sich weiterhin Verwirklichenden, wird es mir zumindest nicht an Erkenntnissen mangeln, die mich unterhalten dürfen wie solche Denke.
Wie gesagt: ich hab' ja meine Hobbies, und nach solchen Sachen zu schauen,
ist eines davon.
_________

Der lauschigste Platz im All, möchte ich meinen, müßte da sein, wo fern
in den unermeßlichen Räumen zwischen allen Galaxien, die solche Leeren
umgeben wie die Schaumblasenränder, da irgendwo, als wo fast gar keine
Gravitation mehr ist, und wo der launige Krach der Sterne denkbar fern ist.
In solchen Räumen (die Erörterung des Pazifik hier irgendwo weist da hin)
müßte doch irgendeine Art Hall zu vernehmen sein. Eine Schachtel dort,
in der nur ein paar lose Dinge umherschweben, müßte sich doch als
Ausbund relativistischer Gewahrheit beweisen, vergleichbar dem, wie man
Infrarotteleskopie im Weltraum extrem verfeinert, indem man das Teleskop
(~ Perspektiv) so sehr abkühlt wie möglich. Dem Simplizius sein Lausch-
gerät, in ultimo, wäre solche Schachtel in der stillsten, leersten Gegend des
Alls. An sich kann man derlei schon hier an der Erde recht einfach haben:
in Paris. Die Abteile 1.Klasse in den dort abgestellten TGV-Zügen haben,
wenn's gut über Mitternacht ist, eine solche Gemütlichkeit, solch dichte
Stille in sich, kein Raumschiff da draußen könnte eigentlich absoluter sein. Dann dürstet mich, ich trinke aus einer großen Flasche stillen Mineralwassers, schaue sinnend danach in die Wasserfläche darin, eine kleine Luftblase schwimmt darauf, gerät in Bewegung, treibt, von den Magnetkräften
in der Wasserfläche gezogen, mit verhaltener Beschleunigung an die
Plastikwand der Flasche und haftet dort, so beiläufig, so bestimmt, und für ein
paar Momente bin ich ein wenig fassungslos. So ist das ja wirklich. Und nichts sonst geschieht. Es kann bis vier Uhr morgens dauern, daß jemand vorne in der Lokomotive ein paar Schlüssel in die Armaturen setzt, Schaltbewegungen tut, die Ventilation anschaltet, den Zug in Bewegung setzt;

und dann habe ich Grund, aufzustehen und mir einen anderen Platz zu
suchen, in einem anderen Zug, oder irgendwo sonst schlafen zu gehen.
So lange werde ich aber wohl nicht warten. Es wird mir schon irgendetwas Zeitigeres einfallen - wenn ich von dem, was das Mikroereignis in der
Wasserflasche gerade gezeigt hat, wieder da bin. Es kommt nicht darauf an.
Die Welt ist grad woanders.

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Was (dazu) die Leute angeht, die gelegentlich da vorne in der Lokomotive
ihre Gesten tun, so kann man von einem Spiel berichten, das sie öfter spielen,
ein ganz einfaches. Dazu muß der Zug noch im (Lyoner) Bahnhof stehen.
Die Reisenden sind schon seit Einigem ausgestiegen und fortgegangen,
die Nachschau ist schon gewesen, und nun ist es die Zeit der Parasiten,
also der wissenden Herumtreiber, die manchmal für einige Tage oder
Wochen, seltene Einzelne für Jahre, da auf dem Bahnhof oder in den
Anlagen weiter draußen durch die verlassenen Züge ziehen und nehmen,
was sie von dem, das Reisenden zu viel gewesen, zu fressen gebrauchen
können. Das ist auch mein Spiel, und gerade der Lyoner Bahnhof kriegt seine
Leute satt. Das Fressen alleine genügt mir natürlich nicht. Ich schaue nach
Zeitungen, hebe mir vielleicht Bücher auf, die für übrig dagelassen wurden,
und auch sonst "lese" ich den Zustand der Züge, die überall herkommen
aus dem Süden beim Ostrand der Pyrenäen bis in die Schweiz und Mailand.
Da ist immer was, das sein Bemerken lohnt. Und das Fressen, das oft
wirklich gut ist. Ich habe mir, wo sonst keine wörtliche Unterhaltung ist,
angewöhnt, vor mich hinzusprechen nach Laune und Einfall, mache mir
damit so etwas wie fortwährende Untertitel zu dem, was ich so finde,
sehe usw., ganz beiläufig. Die einzigen agents, die dann noch durch die
Züge kommen, werden die sein, die auf dem Weg zur bahnhofsauswärtigen Lokomotive noch einmal schauen, was sie (wohl für die Langeweile,
wenn sie wieder zu Fuß hereingewandert sind und auf einen nächsten
Zug zum Hinausfahren warten müssen) noch mitnehmen können. Denen,
oder manchen von der Nachschau, begegne ich dann manchmal in dem Längskorridor eines Zuges, und dann folgt die Ansage des Spiels:
der von der Technik sagt etwas relativ Unerwartetes, was mich ein wenig perturbiert und zögern macht, weist mich vielleicht mit irgendwelchen
Worten auf den Bahnsteig, oder irgendsowas. Dann geht er weiter,
ich stöbere weiter müßig durch den Zug (oder, wenn er mich hinausgewiesen hat, steige wieder ein dazu, sobald er außer Sicht sein will), rede da weiter
vor mich hin oder mache mir grad keine Worte, aber dann irgendwo löst
das Spiel sich ein; bei einem bezeichnend dazu passenden Wort oder einer eigentlich absichtslosen, aber ebenso passenden Geste im Fortgang
meines Weges knackt es in den Relais, und der Andere hat,
fern am Ende des Zuges,






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Terminus